Google untersagte Portrait seiner Datenfarm & deshalb gibt es jetzt eine 3D-Simulation

Als der irische Digitalkünstler John Gerrard eine Anfrage an Google stellte und darum bat, eine Datenfarm des Unternehmens in Oklahoma (USA) porträtieren zu können, wurde er abgewiesen. Dabei interessierte sich Gerrard laut eines Berichtes im Guardian nur dafür, wie das Internet physisch aussieht. Das Unternehmen, welches mittels Google Street View und Google Earth großer Teile der Erde kartographierte, untersagt eine Umkehrung dieses Prozesses auf eigene Gebäude.

Google Earth offers global intrusion from above. The web giant has done its bit to abolish privacy. Now an artist has out-Googled Google, offering a sneak peek at its less than beautiful underbelly.

Nachdem er von Google abgewiesen wurde, erkundigte Gerrard sich bei der Polizei nach der Rechtmäßigkeit dieses Verbots. Ihm wurde mitgeteilt, dass der Luftraum frei zugänglich sei. Deshalb mietete er einen Helikopter an und fotografierte das Gelände detailliert von oben. Aus den 2500 während des Fluges entstandenen Fotografien erstellte er mit einem Team eine digitale 3D-Simulation.

The image he has created is a hyperrealistic virtual portrait. It is a digital sculpture mapped out in three dimensions and shown in real time, so the sun moves across the sky and shadows change on the digital landscape at exactly the same time they do on the real data farm in Oklahoma.

Die Arbeit wird bis Ende März in London ausgestellt.

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4 Ergänzungen

  1. Ach, was durfte man sich schon anhören:
    „Haben Sie etwa was zu verbergen?“
    „Wer nicht kriminell ist, muss sich keine Sorgen machen“
    „Nur die Deutschen lassen ihre Häuser verpixeln, typisch, German Angst“
    „Post-Privacy“
    „Das Bild muss dich zeigen, allein; bitte gib deinen vollen Namen ein, wie er auf deinem Ausweis steht“
    „So ist das eben heutzutage in der modernen Welt, dafür bekommen wir ja auch was“

    Offenbar wollen diejenigen, die diese Einstellung zu verantworten haben, selber nicht so behandelt werden. Aber klar, kann man verstehen!

    Idee für eine Aktion: Datacenter ausspionieren. Und Datenkrakenmitarbeiter von mir aus auch. Damit sie lernen, was seriös ist und was eine Sauerei, die sie selbst nicht erleben wollen.

    1. Im Netz gibt es bisher nur die Bilder, die beim Guardian eingebettet sind. Unter dem anderen Link zwei Videos, die andere seiner Arbeiten vorstellen. Hoffentlich gibt es das auch irgendwann zu dieser Simulation.

  2. Ich glaube dass Google Street View keine Invasion der Privatsphäre ist. Das scheint schließlich sowieso nur die Bereiche, die von Natur aus öffentlich einsehbar sind. Ich habe gehört, die Höhe ist etwas zu hoch. Aber dieser Einwand heißt doch, wenn man nächstes Mal die Kameras auf weniger Höhe hätte, ihr nichts mehr dagegen hättet? Oder sagt ihr dass der gesamter öffentlicher Raum doch nicht öffentlich, sondern privat ist? Das ist Albtraum von Fotografen. Ich wohne in München und bin dafür, dass die Stadt für historische Zwecke geflimt wird und unverpixelt bewahrt. Veröffentlichen muss man diese Aufnahmen nicht und wenn dann so verpixelt, wie ihr mögt, Hauptsache dass die fehlerfreie Version für historische Zwecke erhalten bleibt. Die Software, die Gesichter erkennt neigt dazu, auch Gesicht von Engel auf der Siegessäule zu verpixelt, ebenso mit Kennzeichen – Dinge von zufälligen Texten bis Ziegelsteinen werden fälschlich als Kennzeichen erkannt. Ich kann es nicht akzeptieren, dass die Zeitgeschichte meiner Zeit aus Datenschutzgründen (oder anderen Gründen) durchlöchert werden muss.

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