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Die „Generation Kostenlos“ gibt es nicht

Dorothee Bär (CSU) erklärt in einem lesenswerten Beitrag auf Cicero.de: Die „Generation Kostenlos“ gibt es nicht. Vielleicht gibt es das ja auch in gedruckter Form für ihre Kolleginnen und Kollegen.


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Es handelt sich dabei nicht um eine Generation von jungen Menschen, die am liebsten alles gratis und ohne Rücksicht auf Verluste haben möchten. Es handelt sich dabei um eine Generation, die nicht einsieht, dass sie auf die Möglichkeiten des technischen Fortschritts verzichten muss, nur weil man es nicht auf die Reihe bekommt, die nötigen Rahmenbedingungen für das Leben in einer veränderten Welt zu schaffen. Der Ruf nach der Politik ist dabei das eine. Das andere sind zeitgemäße Geschäftsmodelle, ein echtes und faires Angebot an die Verbraucher, für das zu Gebrauchende auch adäquat zu bezahlen.

Zwischen den Zeilen gibt es auch eine deutliche Absage an ACTA zu lesen:

Auch die Politik muss ihre Hausaufgaben machen. So können wir nicht auf der einen Seite fordern, dass der Zugang zum Internet einem Grundrecht gleich kommt, und auf der anderen Seite beim sogenannten „Three-Strikes-Modell“ damit drohen, den Menschen genau dieses Grundrecht auf bestimmte Zeit zu entziehen. Auch müssen wir beispielsweise darauf achten, Internetprovider nicht mit Aufgaben zu betreuen, die eigentlich im Bereich der Exekutive angesiedelt sind – im Sinne unserer demokratischen Gewaltenteilung. Wir müssen also darauf achten, dass sich hier nicht Maßstäbe und Grundsätze auf eine Art und Weise verschieben, die wir so nicht akzeptieren dürfen.

16 Kommentare
  1. Diese Aussagen erscheinen mir einfach nicht differenziert genug.
    Es gibt nichts was es nicht gibt.
    Auf der einen Seite gibt es sehr wohl die Konsum und Wegwerfgeneration, die sich alles Runterladen und auch gleich wieder löschen, gerade wie es ihnen beliebt, ohne jedes juristisches oder auch moralisches Verständnis.
    Dann gibt es die Bessergestellten, die Alben kaufen, in die Konzerte rennen und Unsummen im Monat für derartige Konsumgüter Bezahlen.
    Was aber die wenigsten verstehen, ist, das die geplanten Restriktionen, alle betreffen werden und das es eben nicht um „Filesharing“ geht sondern ganz generell um das Internet auf diese Weise ein für allemal zu kontrollieren.

    1. Naja, sie sagt es gibt keine „Generation“ Kostenlos. Das heist ja nicht das es jeine Kostenlosanhänger gibt. Alles was sie sagt ist, dass eben nicht alle unter 30 so drauf sind. Und das stimmt ja schon.

  2. Oh, Frau „bis hin zu Urheberrechtsverletzungen“ schafft es immer wieder, halbwegs sinnvoll zu argumentieren. Hat sie sich von der Pressemeldung eigentlich jemals distanziert (da ging es um Zensursula, ist hier noch zu finden)?

  3. Das zivile www-Netz entstand 1990 auf der Basis wissenschafts- und forschungsgeleiteter Interessen im Umfeld des CERN. Seine urprüngliche Intention war die Effektivierung von Datenaustausch (http://www.www-kurs.de/historie.htm): ein Urheberrecht wurde dabei sicherlich nicht miteinkalkuliert: oder zahlt irgendeine Firma, irgendein Künstler Gebühren an die CERN für deren Urheberrechte am Bestand und der Nutzung des http-Protokolls?
    Erst durch Datenauswertung entstehen neue Erkenntnisse, insofern ist das Internet meiner Ansicht nach weiterhin kostenlos den bundesdeutschen Grundrechten auf freie Meinungsäußerung sowie freier Forschung und Wissenschaft verpflichtet, das Urheberrecht darf durchaus weiter als nachrangiges Recht betrachtet bleiben.
    Die Wirtschaftsbereiche profitieren vom kostenlosen Grundgedanken des Internet: ACTA ist ein weiterer Versuch der Wirtschaftslobbyisten, Profit aus einem ursprünglich erkenntnisorientierten Informationsmodell zu schlagen.
    Ich zähle mich durchaus zu dieser Generation kostenlos: es steht nicht in unserer Verfassung, dass die Bürger dieses Landes nur Anspruch auf Bildung, Kultur, Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung hätten, wenn sie dafür etwas bezahlen.
    Ich nutze das Internet seit 1993, d.h. ich kenne noch Zeiten, in denen es keine Werbung und profitorientierten Interessen in diesem Kommunikationsmedium gab.
    Die Generation „kostenlos“ ist keine junge, neue Generation, sie ist so alt wie das Internet.

    1. „Ich zähle mich durchaus zu dieser Generation kostenlos: es steht nicht in unserer Verfassung, dass die Bürger dieses Landes nur Anspruch auf Bildung, Kultur, Versammlungsfreiheit und freie Meinungsäußerung hätten, wenn sie dafür etwas bezahlen.“

      Irgendjemand muss aber für Kunst zahlen. Eine treibende Kraft der Künstler ist (verständlicherweise) die Aussicht, mit ihren Werken Geld verdienen zu können. Wenn nicht die Konsumenten zahlen, wer dann?

      Zum Rest: Die „Erfinder“ des Internet haben noch einige mehr Sachen nicht miteinkalkuliert, als sie anfingen dezentrale Netze zu entwickeln ;-) Das heutige Netz ist daher generell nur sehr schwer mit den Absichten von damals in Einklang zu bringen.

      1. Irgendjemand muss aber für Kunst zahlen.

        Wieso den dass?

        Eine treibende Kraft der Künstler ist (verständlicherweise) die Aussicht, mit ihren Werken Geld verdienen zu können.

        Ich weiss, die Theorie klingt plausibel, passt aber nicht zu den Daten. Sie passt eher zu leuten, die Dinge ausschließlich gegen Geld machen und von Kunst keine Ahnung haben. Es ist schon immer so gewesen daß viele Künstler kein Geld verdient haben und trotzdem künstler waren.

        Wenn nicht die Konsumenten zahlen, wer dann?

        Vieleicht niemand. Ist auch schon heute für die meiste Kunst so, und war auch schon immer so. Wenn die Konsumenten es nicht wollen, dan werden sie auch nichts für gewisse Dinge zahlen – und das ist auch gut so!

        Ist aber eh alles egal. Für das Wohl der Künstler werde ich keinen Überwachungsstaat akzeptieren. Da müssen sich diese was anderes ausdenken, um an Kohle zu kommen. Für Künstler mit totalitären Rechteverwertungssfantasien gibt es zum Beispiel diverse Paketlieferdienste wo sie von mir aus gerne anheuern dürfen.

      2. „Wieso den dass?“

        Weil wir nunmal nicht im Paradies leben ;-)
        Bei der Erschaffung eines Werkes hat der Künstler i.d.R Ausgaben. Diese müssen gedeckt werden. Also muss entweder der Urheber selbst die Ausgaben decken, dann hätten wir eine Welt voller Amateur-Künstler oder er sucht sich andere Wege für seine Finanzierung.

        „Für das Wohl der Künstler werde ich keinen Überwachungsstaat akzeptieren. Da müssen sich diese was anderes ausdenken, um an Kohle zu kommen.“
        Das sehe ich auch so. Es bleibt also zu klären ob 1) Künstler überhaupt Anspruch auf eine Entlohnung haben und 2) wenn ja, wie man sie entlohnen kann ohne unsere komplette Gesellschaft zu kriminalisieren oder überwachen.

        Ich hatte gianna jetzt so verstanden, dass schon 1) mit nein beantwortet werden muss, was ja sogar noch radikaler ist als z.B. die Ansicht der Piratenpartei. Halte ich nebenbei auch nicht für den richtigen Weg.

    2. Danke für deinen Beitrag, gianna.

      Ich zähle mich ebenfalls zu den Kostenloskultur-Befürwörtern.

      Das heißt nicht, dass Geistiges Schaffende (was ja praktisch alle Menschen tun) nicht gerecht entlohnt werden sollten.

      Aber es heißt für mich, dass das nicht-kommerzielle Teilen und Nutzen von Information kostenlos ist.

      Zur Schule zu gehen ist in Deutschland z.B. auch kostenlos. Trotzdem erhalten alle an Schulen Beteiligten Geld zum Leben. Bildung, Wissensgesellschaft und Creative Commons sind da wichtige Schlüsselwörter.

      Wir sind die Kostenloskultur:
      http://wir-sind-die-kostenloskultur.de

      1. @ Ben:
        „Irgendjemand muss aber für Kunst zahlen. Eine treibende Kraft der Künstler ist (verständlicherweise) die Aussicht, mit ihren Werken Geld verdienen zu können. Wenn nicht die Konsumenten zahlen, wer dann?“
        Wie schon von Mario bemerkte, „muss“ niemand für Kunst einen Cent zahlen, wenn es keinen Bedarf nach dieser Kunst gibt.
        Dein Anspruch erinnert mich an eine seit 4 Jahren zwischen mir und meiner mittlerweile 15järigen Tochter laufenden Debatte. Sie ist durch mich in gestalterischer Kunst gefördert worden vom Kleinkindalter an und hat sich zum Wechsel in der siebten Klasse auf eine Oberschule für eine Schule mit angeblichen Kunstprofil, also 6 Wochenstunden Kunst im Lehrplan, entschieden. Sie will seit 4 Jahren Künstlerin werden. Ich war dagegen, weil ich mir die Frage gestellt habe, ob man ihr mit dieser Ausbildung eine Lebensgrundlage mit „Gelderwerb“ bieten kann, ein selbstständiges Leben ohne familiäre Bezuschussung. Leider war die Hauptbetreuerin an ihrer Grundschule zu diesem Zeitpunkt eine Lehrerin, die ihre Ausbildung noch zu DDR-Zeiten absolviert hatte: in der früheren DDR wurden Künstler vom Staat bezahlt. Ich und mein Exmann sind westsozialisiert groß geworden, wussten also, dass die staatliche Künstlerlaufbahn mit Fall der Mauer also wieder abgeschafft worden war. Die abgeschaffte Lehrerideologie setzte sich leider durch, sie absolviert diese Schule und fragt sich erst jetzt ohne den Vorhang der Lehrerbeeinflussung mit vergangenen Kinderträumen, wozu sie das alles macht und gemacht hat.
        Die Konsumenten, die Du erwähnst, haben im seltensten Falle die Produktionskosten für ein Kunstwerk vorgestreckt, bezahlt. Diesen Job übernehmen im günstigsten Falle ein Label für eine Band, ein Verlag für einen Autor, eine Galerie für einen Bildhauer oder Maler, die Familien der Künstlers, Mäzene, eine Mediengesellschaft für Medienkunst.
        Ich habe mir lediglich die Gema-Sperrung auf youtube beispielsweise exemplarisch bei Lady Gaga-Songs angeschaut: wenn ich Lady Gaga wäre, würde ich mir diese Art der deutschen Gema-Einmischung verbitten. Damit boykottiert die Gema indirekt Promotion- und Marketingmittel dieser Künstlerin und wird die Verbreitung und Vermarktung der Songs und Performances an meine Zielgruppe in Deutschland behindern bzw. einschränken. Lediglich die Gema profitiert von dieser Maßnahme, indem sie ihre Einnahmen optimiert. Wieviel davon bei Lady Gaga ankommen wird, weiß ich nicht, ich weiß aber, dass sie gerade unter den Teenies in Deutschland dadurch an Popularität verliert, also mittel- und langfristig an Absatzvolumen auf dem deutschen Markt.
        Und Künstler, die mit Kunstsinn ihre Gegenwart abbilden und gestalten ohne Aussicht auf Konsumenteneinnahmen gibt und gab es immer, wie Mario schon oben erwähnte. Beispiel kirchlich-familienfinanzierte Kunstkarriere: https://de.wikipedia.org/wiki/Vincent_van_Gogh. Der Mann hatte zeit seines Lebens keine ordentlich finanzierte Arbeitsgrundlage, seine Kunstwerke sind posthum Millionen wert.
        Das bedingungslose Grundeinkommen böte meiner Ansicht nach einen Ausweg aus dem Dilemma der Finanzierung von Künstlern genauso wie ein freies und kostenloses Netz als Verbreitungsmedium für Kunst und Kultur: wenn jemand seine Kunst als geistiges Alleineigentum nicht in eine freie Internetgemeinde stellen möchte, weil er/sie daran kein Geld verdient, dann muss er/sie das ja auch nicht.
        In diesem Sinne oute ich mich hier als Piratin mit historischem Ballast im Hirn, den ich hier mal ein wenig abwerfe ;-).
        Ich persönlich frage mich beim Betrachten der Lobbyisten- und Politikerarbeit beim Okkupieren des Internets, ob wir uns im nächsten Schritt in 15 Jahren dann über die Besteuerung von Atemluft und Wasser pro Kubikmeter unterhalten werden und darüber, ab wieviel Kubikmeter „Fremdgebrauch“ aus den Vorräten der zukünftigen Produzentenfirmen/Inhabern, Menschen ohne gekaufte Lizenz dafür kriminalisiert werden und in den Knast wandern werden

      2. „Wie schon von Mario bemerkte, “muss” niemand für Kunst einen Cent zahlen, wenn es keinen Bedarf nach dieser Kunst gibt.“
        Eine Kostenloskultur bedeutet aber, du zahlst auch keinen Cent, wenn Bedarf besteht…und genau das ist der Knackpunkt.

        Ist doch nicht so schwer zu verstehen, ich wiederhole es nochmal, da du meinen zweiten Beitrag scheinbar nicht gelesen hast.

        Ein Künstler hat Ausgaben, um sein Werk zu verwirklichen. Sei es jetzt im Film, Musik oder sonstigem Bereich. Manchmal ist es „nur“ die Zeit, die investiert wird, aber i.d.R. ist die Erschaffung eines Werkes auch mit realen Kosten verbunden.

        Alles was ich oben geschrieben habe war: Irgendjmd muss diese Ausgaben bezahlen! Ist kein Bedarf an dem Werk vorhanden, ist es der Künstler selbst, der die Rechnung für sein geflopptes Projekt zahlen muss.
        Natürlich muss keiner für Kunst zahlen, die ihm nicht gefällt. Oder gibst du Geld für etwas aus, was dir nicht gefällt?

        Aber eine Kostenloskultur bedeutet (für mich zumindest, schreib wenn du da anderer Meinung bist), dass du in keinem Fall mehr für Kunst zahlen willst.
        Also selbst wenn Bedarf an dem Werk besteht, bist du nicht mehr bereit dafür zu zahlen. Damit sprichst du dem Künstler jeden Anspruch auf Entlohnung für sein Werk ab. Ein Verlag/Label/Filmstudio finanziert den Künstler ja auch nur, weil man glaubt mit dem Werk Gewinn machen zu können.

        Und hier scheinen unsere Meinungen auseinander zu gehen, denn ich bin der Meinung, der Künstler sollte schon Möglichkeiten haben mit seinem Werk Geld verdienen zu können. Durch das Internet und die digitale Kopie sind diese Möglichkeiten zwar begrenzt (bzw. es müssen neue gefunden werden), aber sie sind immer noch da, z.B. durch Crowdfunding.

  4. Finde den Artikel gut, allerdings wirds mal Zeit, dass auch mal Taten folgen und man nicht nur über die Sachen redet (gilt für alle Parteien)!

  5. Man muss auch immer wieder darauf hinweisen, dass die sogenannte „Generation Kostenlos“ – und damit sind wahrscheinlich alle Menschen gemeint, die das Internet nützen – selbst eine ganze Menge wertvoller Informationen, Musik, Fotos, Videos, Erfahrungen, Tipps, usw. usw. ins Web stellt und anderen zur Verfügung stellt, ohne auch nur einmal das Wort „Urheberrecht“ zu krähen. Davon reden die, die diesen Menschen ständig vorwerfen, sie würden „stehlen“, was schon rein juristisch überhaupt nicht stimmt, wenn jemand eine digitale Kopie macht, denn er nimmt ja nichts weg, nämlich nie, nützen aber fleissig Wikipedia usw.

  6. Also genau genommen gehört das Internet nicht denen, die die Leitungen stellen, nicht denen, die die Router stellen, nicht denen, die die Endgeräte bauen. Es gehört immer noch uns allen. Denn ohne unser aller Input wäre das Internet doch nur eine tote Ansammlung von Kabeln und Elektronik.

    In diesem Sinne: Sharing is Caring :)

  7. Frau Bär’s Aussagen klingen ja nicht schlecht, aber anscheinend kann sie diese Meinung in ihrer Partei nicht durchsetzen. Was hilt es also?

  8. Solange man Kasse machen kann gibt es auch den Kommerz. Es gibt immer auch das andere, die Kultur. Für mehr Kultur brauchen wir nicht die „Brigade Björn Engholm“ sondern nur die wirtschaftlichen Grundlagen zu beachten. Sobald man nicht mehr Kasse machen kann wird für die wahre Kultur wieder Raum geschaffen.

    Darum ist die Generation Kostenlos ein Kulturbringer während sich die Generation Gottschalk sich in ihrem Paradies Kalifornien zur Ruhe setzt. Auch für bayrische Parallelwelten, liebe CSU, ist die klingende Münze gar nicht gut.. Zuviel Kommerz schadet und hat mit traditionsgemäßen Brauchtum gar nichts mehr zu tun.

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