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UK–Urheberrechtsreform: Man soll jetzt kopieren dürfen

Der Titel mag ein wenig komisch klingen, aber folgende Handlungen sind tatsächlich nach aktuellem Stand im Vereinigten Königreich illegal:

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  • Das Übertragen legal erworbener Musik oder Videos in andere Formate (Bsp.: CD -> mp3)
  • Backups der CD- oder MP3-Sammlung und somit auch generell das
  • Anfertigen einer Kopie

Damit gehen natürlich in der heutigen Welt jede Menge unnötiger Probleme einher: Der gesetzestreue Bürger wäre geplagt von wahlweise (einem ;-) leeren mp3-Player oder CD-Regalen, Datenverlusten, und an YouTube-Parodien braucht man gar nicht erst zu denken. Wenn nun Google, Amazon und Apple mit Geschäftsmodellen daherkommen, die die Musik „in die Cloud“ bewegen sollen, dann wäre das natürlich auch das illegal.

Seit über 10 Jahren wird das UK-Copyright als überholt & archaisch bezeichnet. Heute soll Wirtschaftsminister Vince Cable seine Reformvorschläge vorstellen. Die Auswirkungen werden in diesem Channel4-Video beschrieben: Demnach will man vom restriktiven Kopierverbot den Sprung zum Recht auf Privatkopie wagen. Diese soll man sogar seinen Freunden weitergeben dürfen, solange diese Freunde nicht unbekannte aus dem Internet sind.

Ein interessantes Beispiel für alle, die hierzulande für noch restriktiveres Urheberrecht oder Überwachungsmaßnahmen zur Erzwingung argumentieren möchten:

Dort, wo das Urheberrecht alle Träume der Content-Industrie zu erfüllen scheint, wird es reformiert und gelockert.

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7 Kommentare
  1. Das Kopierverbot wird ja wohl nicht nur Musik und Videos betreffen?

    Dann kann ich in UK also keine Imagesicherung von meinem Rechner ziehen, da ich ja nicht nur eingene Daten sichere sonder die installierten Programme auch.

    Ob man wohl die Konfigurationsdateien sichern darf? Wahrscheinlich eher nicht.

    Dann sind wahrscheinlich Raidsysteme in UK auch illegal.

    Tolles Urheberrecht.

  2. Während hierzulande immer gerne „Urhebberechte“ für irgendwelche Restriktionen herangezogen werden sieht man das in UK auch beim HDTV-Fernsehen lockerer: Statt verschlüsseltem HD+ mit Vorspulsperren senden BBC HD, ITV HD und Channel 4 HD unverschlüsselt via Satellit.

  3. Statt verschlüsseltem HD+ mit Vorspulsperren

    Die Vorspuelsperre kotzt mich am meisten bei der Tagesschau und beim Fußball an. Und bei der Werbung.
    Ich wandere nach England aus, dann muss ich nicht immer bis abends warten.

  4. @stachel: Der netter Herr O’Connor (im Video ab 2:55), behauptet, dass es das Backup-Problem bei Software nach aktuellem UK-Recht nicht gibt.

    Was mich im Kontext interessieren würde: Ist das umgehen „effektiver Kopierschutzmaßnahmen“ nicht per EU-Gesetzgebung untersagt? I.e., selbst wenn die Formatumwandlung als solche legalisiert wäre (wie in Deutschland), dürfte man das Ausgangsmedium in den meisten Fällen gar nicht auslesen/entschlüsseln (kopiergeschützte CDs/DVDs/Blu-ray Discs, etc.).

    Damit würde sich das Gesetz zu 95% für den Endverbraucher als Luftnummer entpuppen – nur wer vom Content-Verwalter nicht-kopiergeschütztes Material bekäme, dürfte von der neuen Gesetzgebung profitieren. Das wären dann wohl doch nur Google & Co.

  5. @Christopher: Musik, die bei iTunes heruntergeladen wird, hat keinen Kopierschutz. Das wäre schonmal legal. Und über „effektiv“ lässt sich streiten (siehe damals die Filzstiftmethode bei Key2Audio, „effektivver Schutz“ besteht da nicht).

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