Kultur

Julian Assanges Auftritt bei der Medienwoche

Julian Assange hat heute bei der Medienwoche in Berlin eine Keynote gehalten – der elektronischen Fußfessel geschuldet allerdings nur per Videoschaltung.


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Dabei galt ein strenges Verbot für Audio- oder Video-Aufnahmen. Trotzdem wurde uns über düstere Kanäle eine Aufnahme zugespielt, bei der die Tonqualität allerdings etwas geliten hat.

In den letzten Tagen wurde Wikileaks bekanntlich wieder kontrovers in den Medien diskutiert, es gab also einige Punkte, zu denen er Stellung nehmen musste:

Die Entscheidung, die ungefilterten Depeschen zugänglich zu machen rechtfertigte er damit, dass sie ohnehin bereits in Umlauf waren, also niemand mehr zusätzlich gefährdet wurde. An der Arbeit Wikileaks‘ werde sich durch diesen Vorfall nichts ändern. Er bestätigte indirekt, dass es sich um eine Flucht nach vorn handelte:

Es gibt nichts, was wir hätten anders machen können

Da die betroffenen US-Quellen ein Jahr Zeit hatten, um sich vorzubereiten und in dieser Zeit auch von amerikanischen Behörden gewarnt wurden, glaubt er nicht, dass durch die Veröffentlichung jetzt noch großer Schaden angerichtet weerden könnte. Dafür, dass die Depeschen überhaupt in Umlauf gekommen waren, machte er den Guardian verantwortlich, der das Vertrauen Wikileaks missbraucht habe. Weil der Guardian generell schlecht arbeite, wolle man aber sowieso nicht mehr mit dieser Redaktion zusammenarbeiten.

An Medienpartnerschaften wolle man generell festhalten, auch wenn traditionelle Medien sich eher auf Schlagzeilen, als auf ausführliche Aufklärung konzentrieren.

Genrell begrüße er alle möglichen neuen Leaking-Sites überall auf der Welt, die nun Wikileaks‘ Ideal folgen – mit dem dezenten Hinweis, dass OpenLeaks nicht in Betrieb ist und auch noch nichts publiziert hat. Auch warf er indirekt Daniel Domscheit-Berg (einen Individuum in Berlin) vor, Journalisten auf den Zusammenhang zwischen Guardian-Passwort und Datei aufmerksam gemacht zu haben.

Abschließend machte Assange auf seine internationale Verfolgung  – auch australische Geheimdienste gingen nun gegen ihn vor – und die Verstrickung von Finanzindustrie, Militär, Politik und Geheimdiensten aufmerksam:

Sie können Geld an den Ku-Klux-Klan überweisen, aber nicht an uns, eine Organisation, die sich für die freie Meinungsäußerung engagiert.

Auch die schlechte Presse, die Wikileaks seit der Passwort-Affäre hat, kritisierte er:

Die traditionellen Medien kritisieren Wikileaks so heftig, weil sie neidisch sind und die Fakten nicht kennen

Zuletzt wies er auf die Gefahr hin, dass Wikileaks durch mangelnde finanzielle Mittel praktisch durch Bankrott zensiert werden könnte und rief dazu auf, das zu verhindern.

Mehr von der Keynote hat Doktordab getwittert – und hier gibt es die besagte Aufnahme.

Update: Das Aufnahmeverbot rührte daher, dass N24 die Satellitenschaltung gesponsort – und dafür die Exklusivrechte für die Übertragung gesichert hatte. Die Rechte an der Assange-Keynote liegen ausschließlich beim Management von Julian Assange, das deshalb alle Aufnahmen verbieten lassen hat. N24 hat sich um die Auswertungsrechte der Keynote bemüht und die Erlaubnis bekommen, diese auf N24.de zu veröffentlichen. Nur die Rechte an dem Interview liegen bei N24.
Deshalb gibt es die Keynote jetzt dort zu sehen. Und hier das anschließende Interview.

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23 Kommentare
  1. Auf der N-TV Seite heisst es hingegen aber „Video- und Tonaufnahmen lässt er verbieten.“ Ja was denn nun? Wollte n-tv keine weiteren Ton- und Videoaufnahmen oder Assange? Oder lügt n-tv?

    1. Der härteste Hacker der Welt, Julian Assange, gejagt von den sexiesten Agenten der USA auf dem größten Flugzeugträger der USA. Schon der kleinste Fehler bei der Verschlüsselung kann für seine Informanten den sicheren Tod bedeuten. Seine Software, PGP, stammt aus den USA. Mit einem Trick wurde sie an den strengen Exportkontrollen des amerikanischen Zolls vorbei geschmuggelt. In Berlin treffen wir seinen Widersacher Daniel Domscheit-Berg, der den Bibel-Code erklärt. Mit dem Bibel-Code wurde im 2. Jahrhundert vor Christi Pharaonen das Unmögliche wahr machten: Die Bundeslade verschwand in einem Wiki, wo sie der deutsche Kaiser Barbarossa mit seinem Kreuzfahrerheer entdeckte. Der Archäologe Heinrich Schliemann stiess bei Ausgrabungen im heissen Wüstensand auf merkwürdige Notizen der Kreuzfahrerheere. Manche Menschen glauben, dass die Bundeslade nach Berlin geschafft wurde, einst Sitz einer abgelegenen Templerkomturei. Wir treffen Heinrich von Schliemanns Urenkelin am Flughafen Tempelhof. Sie weiss von Legenden über seltsame Rituale in den Bunkern unter dem Flughafen zu berichten. Manche Menschen glauben, dass die Templer dort bis heute das Geheimnis der Bundeslade hüten. Im Jahr 1945 wird das besiegte Berlin, die Hauptstadt von Nazi-Deutschland, unter den Siegermächten aufgeteilt, erst drei Jahre später erfährt Stalin durch den sowjetische Spion Viktor Bronslavin von der Bedeutung der Bezirke Kreuzberg und Tempelhof für den Templerorden. Stalin ist ausser sich und droht mit dem Einmarsch seiner Panzer. In Washington will man Berlin entschlossen halten. Vom 24. Juni 1948 an wird Berlin durch die Luft versorgt. Schliesslich einigt man sich. Über die genauen Umstände der Vereinbarung besteht bis heute Unklarheit. Sicher ist, dass sowohl an die USA als auch an die UDSSR später streng geheime Nazipläne zum Bau der Wasserstoffbombe fallen. Auf den Spuren der unglaublichen Schliemannentdeckungen wird der junge Informatiker Domscheit-Berg von Carmen Sandiego nach Island gerufen. Domscheit-Berg weiss um die Brisanz der Enthüllungen die er mit Julian Assange auf Island aus einem Atom-Uboot übergeben bekommt. Militärgeheimnisse, geheime Kabel von Botschaften, UFO-Baupläne und der Bibel-Code. Domscheit-Berg zeigt uns den Memory-Chip auf dem die streng geheimen Daten gespeichert waren. Jetzt kommt es auf Milimeterarbeit an! Die Männer von Openleaks wissen, dass sich jetzt alles entscheiden kann. Schliesslich gelingt es ihm den USB Stick in den Rechner zu stecken. Wird es Domscheit-Berg gelingen die Daten wiederherzustellen? Der Abend senkt sich, Schlangen und dunkle Gestalten kriechen aus den Kellern Berlins in die Nacht, bereit jedes unbewachte Auto abzufackeln. Jetzt muss es schnell gehen. Endlich, um 3:40 sieht Domscheit-Berg auf seinem Laptop die Schrift blinken: „Entschlüsselt!“ Wird nun der geheime Bibel-Code unser Bild von Jesus ein für alle mal verändern? Sein früherer Partner Julian Assange erhebt schwere Anschuldigungen. Domscheit-Berg sei ein Scharlatan, dessen Katze für CIA, FBI und MI6 arbeite. Jesus vermutet der Australier auf Helgoland, von dem manche glauben, dass es das heilige Atlantis sei…

  2. Wie schön, daß wir jetzt alles wissen, was wir gar nicht wissen wollten.

    Wie schön, daß Mr. Blond (Haare heute schon gefärbt?) mal wieder dünsten durfte.

    Wie schön, daß Leaks tot ist.

    Wie schön wäre es, darüber einfach nichts mehr zu hören.

    Wie schön wäre es, wenn sich andere fähige Leute eine entsprechende Seite einrichten.

    Wie schön wäre es, wenn diese Leute weder eitel, noch verfeindet, verschwiegen, erstklassig sind und ihre Geschlechtsorgane auch im (eigenen) Griff haben.

    Wie schön wäre es……………………………

    1. Die akzeptierte Form der Manipulation ist das Verschweigen von Tatsachen.

      In dem Stück vom Deutschlandradio Kultur wird zwar erwähnt, dass Bradley Manning verdächtigt wird, Daten an Wikileaks gegen zu haben, weswegen ihm eine 20 Jahre lange Haft blühe, aber es wird verschwiegen, dass Manning sich selbst mit der Datenweitergabe brüstete und er sich somit selbst verdächtig machte. Überdies wird der Fall Manning unmittelbar mit Julians Hang zur Überheblichkeit verknüpft:

      Der US-Soldat Bradley Manning hat teuer dafür bezahlt, WikiLeaks Informationen zu schicken – er sitzt für mindestens 20 Jahre im Gefängnis. Für Assange sind das offenbar Petitessen: „We are part of shaping this history“, zu gut deutsch: „Wir schreiben Geschichte“ und: Wenn es WikiLeaks damals schon gegeben hätte, dann wäre der Prager Frühling und der Einmarsch der Sowjettruppen wohl anders verlaufen.

      Michael Meyer auf http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/1548616/

      Offenbar will man beim Dradio Wikileaks in ein noch schlechteres Licht rücken, als es bereits die Fakten zuließen. Verletzte Eitelkeit? Immerhin hat Wikileaks den deutschen Journalisten den Spiegel vorgehalten und gezeigt, wie schlecht es um den Journalismus in Deutschland bestellt ist.

      1. Na ja, es ist halt das Wesen des Neides, dass er den (vermeintlichen) Misserfolg des Erfolgreichen bejubelt und dem ( vermeintlich ) stolpernden Erfolgreichen noch einen Schups geben möchte.

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