geleakt: Wikileaks‘ NDA

Wenn man im Namen der Transparenz wie Wikileaks arbeiten will, kann man nicht vollständig transparent sein. Wie aber schützt man sich gegen Verräter / Whistleblower / Spione in den eigenen Reihen?

Anscheinend wollte Wikileaks sich auch traditioneller Methoden wie einem Non-Disclosure-Agreement (NDA) bedienen. NDAs ist zum Beispiel die Freude an der Spekulation über neue Features zu verdanken, die Apple-Fans meist bis zur offiziellen Vorstellung erhalten bleibt – oder dass man die Details des Abkommens zwischen GeoHot & Sony nicht offiziell erfährt. NDAs sind Stillschweige-Abkommen. Und Wikileaks hat(te) auch eins.

Das wurde nun anscheinend geleakt. (Ich bezweifle, dass irgendjemand bei Wikileaks die Echtheit bestätigen wird) Update: Derjenige, der es geleakt hat, ‚bestätigt‘ seine Echtheit im Guardian und schildert seine Gedanken & Beweggründe dazu/UPATE

David Allen Green, der bereits früher schon einige juristische Auffassungen & Aktionen von Wikileaks kritisiert hat, kritisiert auch dieses NDA in seinem Artikel und lästert unter anderem über die Konventionalstrafe von 12 Millionen Pfund bei Verstoß und darüber dass Wikileaks sich das Recht vorbehält, auch auf entstandene Wertverluste oder verpassten Gewinn zu klagen. Denn, so steht auch im NDA geschrieben, „alle Informationen sind Eigentum von Wikileaks“ – diese Auffassung beschäftigt Green schon seit längerem.

Auf mich persönlich wirkt das NDA eher ein bisschen wie ein amateurhafter Versuch, ein bisschen Verbindlichkeit und Druck aufzubauen. Oder wie ein Test, wem so wenig zu trauen ist, dass er sogar mit diesem Dokument zur Presse rennt. Oder wie eine Fälschung.

Inhaltlich? Ähnlich obskur wie andere NDAs auch: „valuable proprietary commercial information“, „opportunity to sell the information“, „loss of value of the information“ usw.

Hier das „Dokument“ zum Bilden einer eigenen Meinung.

Mehr Zeit für kritische Berichterstattung

Ihr kennt es: Zum Jahresende stehen wir traditionell vor einer sehr großen Finanzierungslücke und auch wenn die Planung und Umsetzung unseres Spendenendspurts viel Spaß macht, bindet es doch sehr viele Ressourcen; Ressourcen, die an anderer Stelle für unsere wichtige Arbeit fehlen. Um Euch also weniger mit Spendenaufrufen auf die Nerven zu gehen und mehr Recherchen und Hintergründe bieten zu können, brauchen wir Eure regelmäßige Unterstützung.

Jährlich eine Stunde netzpolitik.org finanzieren

Das Jahr hat 8.760 Stunden. Das sind 8.760 Stunden freier Zugang zu kritischer Berichterstattung und wichtigen Fragestellungen rund um Internet, Gesellschaft und Politik bei netzpolitik.org.

Werde Teil unserer Unterstützungs-Community und finanziere jährlich eine von 8.760 Stunden netzpolitik.org oder eben fünf Minuten im Monat.

Jetzt spenden


Jetzt spenden

14 Ergänzungen

  1. Ich halte das Dokument für eine Fälschung. Die Summe ist einfach wahnwitzig. Vielleicht stand da mal 12.000 und jemand hat hinzugenullt. Aufschlussreicher das von Cryptome veröffentlichte Dokument zur Gründung von Wikileaks Limited.

  2. Ich tendiere inzwischen auch dazu, es als Fälschung zu sehen und habe entsprechend bei sueddeutsche.de meinen Artikel zum Thema aktualisiert.
    http://bit.ly/kta9ro
    Die bei Cryptome veröffentlichte Unternehmensregistrierung hat übrigens offenbar nichts mit Wikileaks zu tun, ich hatte einen der eingetragenen Direktoren am Telefon, die arbeiten nach eigener Aussage nicht mit WL/Assange zusammen.

    1. Ist aber schon interessant, dass jemand im Januar 2011 eine „Wikileaks Community“ als Firma aufziehen will. Als nächstes dann die Modemarke Assange für die schicken Plünnen, die er trägt?

  3. Wenn man im Namen der Transparenz wie Wikileaks arbeiten will, kann man nicht vollständig transparent sein.

    Hast du für diese absurde Behauptung auch ein Argument oder möchtest du sie einfach so im Raum stehen lassen?

  4. Es koennte in der Tat ein cleverer Schachzug von Assange sein um herauszufinden ob der Guardian immer noch auf wikileaks rumtrampeln will. Gabs da irgendwelche Ueberwerfungen?

Ergänzung an Martin Ergänzung abbrechen

Wir freuen uns auf Deine Anmerkungen, Fragen, Korrekturen und inhaltlichen Ergänzungen zum Artikel. Bitte keine reinen Meinungsbeiträge! Unsere Regeln zur Veröffentlichung von Ergänzungen findest Du unter netzpolitik.org/kommentare. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.