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Abmahnung wegen Debian Download?

Am Wochenende sind hier und auf Twitter mehrere Hinweise auf einen Forums-Thread aufgeschlagen, wonach eine Person eine Abmahnung wegen dem Download einer Debian-Distribution erhalten habe. Wir haben das nicht gebloggt, weil wir es nicht verifizieren konnten. Zumal die Sache auch komisch klang, denn Debian ist freie Software und keine Rechtsanwaltskanzlei kann berechtigt Abmahnungen für ein „unberechtigtes“ Downloaden verschicken, weil man durch einen Download nun mal nicht das Urheberrecht verletzt, sondern der Download durch die freie Lizenz sogar explizit erlaubt und erwünscht ist.

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In dem Posting war aber eine Telefonnummer angegeben, womit die Sache schnell aufgelöst werden konnte: Die Abmahnung ist ein Fake und ähnelt massenhaft verschickten Spammails, die Menschen verunsichern und zur Zahlung einer Abmahngebühr nötigen sollen. Die in dem Brief als Absender zitierte Anwaltskanzlei weiß von nichts.

20 Kommentare
  1. Bleibt allerdings die Frage, wie der falsche Abmahner an die echte Adresse der Nutzerin gekommen ist. Denn wie sie selbst schreibt, hat sie ja tatsächlich zu dem in der Abmahnung beschriebenen Zeitpunkt das Debian-Paket über BitTorrent heruntergeladen.

  2. man nehme sich einen Debian-Torrent, packe den in einen Torrentclient seiner Wahl und fängt an zu laden. Und – schwupps – listet der eigene Client zig IP-Adressen von Leuten, die einem selbst die Daten schicken.

    1. Und die IP entschlüsselt man dann und da steht dann die Adresse und E-Mail Adresse drin oder wie? ;)

      Ohne Gerichtsbeschluss sollten solche Rückschlüsse nicht möglich sein.

      1. Zum Beispiel durch Insiderwissen im Rahmen einer Beziehungstat.

        Das es so gelaufen ist, wurde ja schon recht früh vermutet und inzwischen auch durch die Abgemahnte „bestätigt“ (gehen wir der Einfachheit halber davon aus, dass die Geschichte stimmt).

        Ein Ex-Freund dürfte z.B. wissen, welches Betriebssystem der ehemalige Partner nutzt. Möglicherweise gab es auch einen Chat/eine Mail, wo man sich über den Download unterhalten hat („Du, ich probiere es mal mit Debian ..“).

        Dann hätte man auch gleich noch Ereignis und eine IP-Adresse. Eine andere Erklärung wäre die „Abfrage“ der IP über einen DynIP-Dienst, usw …

        Kurz: Es spricht nicht viel für eine reale existierende Abmahnung, aber sehr wohl einiges dafür, dass das Dementi der Kanzlei glaubwürdig ist.

  3. Dieser Blogpost erscheint mir sehr unreflektiert. Zum einen bleibt, wie oben bereits beschrieben, die Frage, wie die „Spammer“ an die Realadresse kommen konnten, völlig offen. Des Weiteren klingt der Verlauf des Threads (insbesondere die Antworten/Updates des Threaderstellers) völlig anders. So beteuerte dieser z.B., dass er an genanntem Datum tatsächlich diesen – natürlich völlig legalen Torrent – runtergeladen habe und auch, dass die genannte IP durchaus seine eigene sein könnte. Laut Anwalt soll der DSL-Anbieter ohne richterliche Anordnung auf Anfrage Name und Adresse rausgerückt haben.

    Tut mir Leid, Netzpolitik, aber in dieser Abhandlung in vier Sätzen kaufe ich euch das mal überhaupt nicht ab.

    1. @Emmanuel: Abgesehen davon, dass wir niemanden etwas verkaufen wollen: Ruf doch einfach mal bei der Telefonnummer an, wenn Du etwas nicht glauben möchtest. Auf die anderen Fragen hab ich keine Antwort, mir ging es um die generelle Frage, ob konkret „richtige“ Abmahnungen wegen eines Debian-Downloades verschickt werden. Und dem ist offensichtlich nach einer Recherche bei der Originalquelle nicht so.

      1. @markus: Also entweder der „Abgemahnte“ will sich wichtig machen (evtl. weil er auf ne Fake-Abmahnung reingefallen ist?) oder die Abmahner wollen sich im Nachhinein die Blöße nicht geben, nur weil ihre automatisch generierte Liste angeblicher Werke ihrer Mandanten und ihr vollkommen durchautomatisierter Abmahnprozess (gleichsam Selbstschussanlage) gerade völlig daneben gegriffen hat. ;)

  4. Markus, du schreibst „Debian-Distribution“ dankenswerterweise richtig (zusammen), dann solltest du das aber mit „Debian-Download“ auch so machen.

  5. Die Lösung liegt vermutlich im „sozialen Umfeld“, dies gibt auch der/die Betroffene im Prinzip auch selber zu.

    „… gerade ging bei mir ein Anruf ein, von einem mehr oder weniger guten Bekannten. Shual du hattest recht, daß das eine Beziehungstat war. “

    Posting von kalinawalsjakoff, 15:04, 26.4.2011 auf der oben verlinkten Seite.

    Vermutlich nach Erscheinen dieses recht dünnen Artikels hier.

    1. Fassen wir dochmal zusammen;

      1) Der geschilderte Fall ist reichlich unwahrscheinlich, es sei denn, wir gehen von einem dreisten Betrugsversuch aus.
      2) Die angeblich abmahnende Kanzlei dementiert
      3) Es gibt auch sonst keine Belege (zum Beispiel weitere Abmahnungen, die in einschlägigen Foren diskutiert werden.)
      4) „shual“ ist, wie auch im verlinkten thread zu lesen, in der Forenwelt, die sich mit p2p & Abmahnungen auseinandersetzt, bekannt (klar, es könnte sich um einen Fake handelt).
      5) Die Abgemahnte selber hat inzwischen eine Erklärung geliefert, die schlüssiger klingt, als die gesammelten Verschwörungstheorien.

      Wie bitte kann da als Aussenstehender noch behaupten, dass die die Abmahnung echt sei? Wie?

  6. Meine Idee war ja dass in „Debian 5“ irgend ein Trivialpatent „verletzt“ wird und deshalb abmahnfähig ist. Aber da hatte ich ja zum Glück unrecht.

    Wäre sowas möglich?!

    Poschi

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