Treffen der eDemokratie-Projekte: BerlinInOctober

Am 15. und 16. Oktober trafen sich zum dritten Mal die Macher diverser eDemokratie-Projekte in Berlin, um Erfahrungen auszutauschen und Anregungen für neue Services zu sammeln.

Ein großer Teil der Zeit war daher auch für das Vorstellen einzelner Projekte freigehalten. Viele Portale widmen sich der Aufgabe, mehr Transparenz in die Arbeit der Abgeordneten zu bringen. Angebote wie OpenParlamento aus Italien und NosDéputés aus Frankreich analysieren die Aktivitäten der Parlamentarier.

NosDéputés taggt Redebeiträge von Abgeordneten. So lässt sich die Diskussion um ein bestimmtes Thema zusammenfassen. Das Projekt TheyWorkForYou.com dagegen lässt seine Nutzer Videoaufnahmen und Redemitschriften aus dem englischen Unterhaus verknüpfen, denn die Mitschriften sind nicht wortgetreu.

Damit ist die Seite eine der wenigen, bei denen Benutzer selbst aktiv werden können, um Transparenz herzustellen. In einer Session zu „Action-based Sites“ wurde deutlich, dass bisher viele eDemokratie-Angebote noch reine Services für den Bürger sind und kaum eigene Eingriffsmöglichkeiten bieten.

Als wichtige Aufgabe für solche „Mitmach“-Seiten wurde in der Session genannt, dass sie Emotionen direkt aufgreifen müssen – etwa, wenn jemand gerade gezwungen war, ein Bestechungsgeld zu bezahlen. Dafür sei es nötig, dass die Angebote entsprechend strukturiert seien. Als Vorbild kann man die Obama-iPhone-App herbeiziehen, die als oberste Option „Call Friends“ anbot – bei einem Mobiltelefon die naheliegendste Aktion.

Rob McKinnon von TheyWorkForYou.co.nz wies in seinem Vortrag darauf hin, dass man sich auch um Transparenz abseits der großen Politik bemühen müsse. Mit dem Konzept eines „Web of Power“ verdeutlichte er, dass viel Einfluss etwa bei Großunternehmen liege – möglicherweise mehr als bei den Parlamenten.

Deshalb brauche es Projekte, die sich zum Beispiel darauf konzentrierten, mehr Transparenz über Lobbyismus zu schaffen. Das Ziel sei, die verschiedenen Einflusskreise – Politik, Medien, Kapital – zu entflechten. Ein Beispiel dafür ist journalisted.com, ein Portal, dass Informationen über Journalisten zusammenträgt.

Allerdings gab es auch Kritik an den Bemühungen um mehr Transparenz. Tobias Escher vom Oxford Internet Institute verwies auf ein kürzlich erschienenes Essay von Lawrence Lessig unter dem provokanten Titel Against Transparency. Fakt sei, dass online noch stärker als offline besonders hoch gebildete Menschen politisch aktiv seien. So seien zwei Drittel der mySociety-Nutzer Akademiker. Nur Transparenz zu schaffen sei nicht genug, solange die Menschen die offengelegten Daten nicht nutzten.

Eine Lösung für dieses Problem gefunden zu haben glaubt William Perrin. Er setzt sich für „hyper local community websites“ ein, wie etwa sein eigenes Projekt Kings Cross Local Environment. Durch das Herunterbrechen von zwar verfügbaren, aber schwer verständlichen Informationen auf ihre Bedeutung für die eigene Nachbarschaft würden lokale Initiativen gestärkt. So ließe direkt etwas umsetzen. Diesen Ansatz will Perrin auch mit dem Projekt Talk About Local verbreiten.

Einen weiteren Bericht gibt es bei e-politik.de, die Tweets zur Konferenz finden sich unter dem Tag #bios09.

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