Reisepässe in die Mikrowelle

Die Taz hat im Vorfeld des 24. Chaos Communication Congress Frank Rosengart vom Chaos Computer Club interviewt: „Reisepässe in die Mikrowelle“.

Trotz aller Proteste – auch von Hackern – hat der Bundestag beschlossen, dass im neuen Jahr alle Verbindungsdaten gespeichert werden. Warum hat die öffentliche Diskussion nichts bewirkt?

Darüber werden wir auf unserem Kongress natürlich reden müssen. Ich will gar nicht leugnen, dass wir etwas ratlos sind. Schließlich haben die Medien ausführlich über die Gefahren berichtet, die entstehen, wenn ab nächstem Jahr gespeichert wird, wer, wann mit wem per Telefon oder Internet Kontakt hatte. Passiert ist dennoch nicht viel. Wir wissen von einigen Politikern, die wider besseres Wissen für das Gesetz über die Vorratsdatenspeicherung gestimmt haben. Ihnen war die Fraktionsdisziplin wichtiger als eine Gefährdung des Datenschutzes. Also hat weder das Lobbying im Bundestag noch der Protest auf der Straße bei den Verantwortlichen dazu geführt, ihre Entscheidungen zu überdenken.

Aber was folgt für Sie daraus?

Aus der Zeit der RAF wissen wir: Der bewaffnete Kampf bringt nichts (lacht). Aber im Ernst, vielleicht müssen wir versuchen, die Menschen mehr zu radikalisieren. Das heißt, ihnen mehr Mut zu zivilem Ungehorsam zu machen. So kann man den Chip, der auf den neuen Reisepässen die gespeicherten Fingerabdrücke enthält, zu Hause in der Mikrowelle zerstören. Möglicherweise sollten auch Organisationen wie der Chaos Computer Club und der AK Vorratsdatenspeicherung über radikalere Formen des Protestes nachdenken.

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18 Ergänzungen

  1. Ich dachte den neuen Pass kann man mit der Mikrowelle auslesen, einfach reinlegen und auf dem Display wird dann alles angezeigt? Stimmt aber wohl nicht …

  2. ich steck meinen Pass gerne in die Mikrowelle, wenn es denn der guten Sache dient, und was aber passiert dann an der Grenze? Sonderbehandlung? Gleich Knast?

  3. „…das sag Du mal den arabischen Zöllnern!!!…“

    @Viktor: im Zweifelsfall tuts auch ein amerikanischer Imigration Officer, oder ein (Achtung Vorurteil) ostdeutscher oder süddeutscher Polizist.

  4. Reisepass in die Mikrowelle schön und gut. Bleibt das Ding denn dann auch sonst unversehrt? Denn mit einem schönen Brandloch ist das ne andere Frage, ob der dann noch gültig ist. Hat das schon mal jemand versucht?

  5. @ninja

    http://www.foebud.org/rfid/faq-frequently-asked-questions-zu-rfid#frage4.1

    @anonymous

    Immer wieder wird empfohlen, RFID-Chips in einer normalen Küchen-Mikrowelle zu zerstören. Wir raten dringend davon ab! Es dauert nur wenige Sekunden, bis Ihr Chip in Flammen aufgeht – und das „Trägermaterial“ drumherum auch. Joghurtbecher, Kundenkarten oder Schuhsohlen bekommen sehr häßliche Löcher und die Schweinerei müssen Sie auch noch selbst wegmachen…

  6. Ziviler Ungehorsam und radikalere Formen des Protestes? Bin ich dabei, melde mich hiermit freiwillig.

    Eine Möglichkeit wäre ja z.B. eine Abwandlung von Guerilla Marketing so wie auf den Demos (T-Shirts etc.). Bei uns wurde schon mal über Dummy-Kameras auf Toiletten nachgedacht, das wäre doch ne lustige Aktion, die die Leute auch zum Nachdenken bringt, hoffentlich. Privatsphäre war schließlich gestern…

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