Christian Schwarz-Schilling wurde zurückgetreten

Unser ehemaliger Postminister unter Helmut Kohl, Christian Schwarz-Schilling (CDU), ist als EU-Repräsentant in Bosnien-Herzegowina mehr oder weniger zurückgetreten worden, wie der britische Guardian berichtet: German Bosnia chief ‚fired‘ after just a year.

Christian Schwarz-Schilling, a former German cabinet minister and multi-millionaire, succeeded Lord Ashdown last February and has been widely criticised in Bosnia for his alleged lack of energy and attentiveness in the post. „He was the shortest and the worst of the high representatives running Bosnia,“ said Senad Slatina, a Sarajevo analyst.

Neben seiner Tätigkeit als Bundesabgeordneter bis 2002 gründete er nach seiner Amtszeit als Postminister 1993 die „Dr. Schwarz-Schilling & Partner GmbH“. Die Firma ist eine Beratungsgesellschaft für Firmen, die sich im Bereich der Telekommunikation international engagieren wollen. Laut Guardian ist er mittlerweile Multimillionär. Er gibt sein Amt im Sommer 2007 auf.

Update: Schwarz-Schillings nicht ganz freiwilliger Abschied.

Die FAZ berichtet, dass anscheinend bestimmte politische Gründe eine Rolle spielen. Er galt einigen Ländern als zu weich und wollte wohl die Exekutivbefignisse seines eigenen Amtes einschränken.

Mit dem Wohlwollen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens war es allerdings vermutlich von Beginn an nicht weit her. Schwarz-Schilling ging es zunächst um die Abschaffung des Postens des Hohen Repräsentanten, der mit seinen außerdemokratischen Vollmachten (den so genannten Bonner Befugnissen) jederzeit Entscheidungen einheimischer Politiker rückgängig machen und diese sogar von allen Ämtern und Posten entlassen kann. Eine solche außerhalb jeder Kontrolle stehende Instanz sei mehr als zehn Jahre nach Kriegsende in einem Staat mit einer funktionierenden Demokratie nicht mehr angebracht und behindere letztlich sogar die weitere Annäherung des Landes an die EU, lautete Schwarz-Schillings Argument sinngemäß.

Und die TAZ berichtet auch: Schwarz-Schilling kündigt Rückzug an.

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2 Ergänzungen

  1. Tja,schade, das über den Mann zu hören. Irgendwie war das einer der wenigen aus Kohls Gremlinkabinett, der noch meinen Respekt hatte. Die Guten werden auch immer weniger…

  2. Wieder einmal zeigt sich hier, wer das Wohlwollen Bosniens und Herzegowinas bestimmt.
    Das ein Deutscher, noch dazu unwillig diktatorische Vollmachten anzuwenden, den Weg des demokratischen Fortschritts mit mehr Eigenverantwortung vorgibt ist Amerikanern und Briten offensichtlich mehr als nur ein Dorn im Auge.
    Jetzt steht dem Land wohl ein neuer „Herrscher“ bevor, der alle Gewalt in sich vereint, den Weg ins moderne Europa aufzeigt und den gewaehlten einheimischen Politikern Demokratie predigt.

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