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Donnerstag, 10. Juli 2008

Was “Die Zeit” unter Urheberrecht versteht

In der neuen “Zeit” von heute ist ein kleiner, ärgerlicher Artikel (Wie wichtig sind die Urheberrecht im Netz?) über die Weitergabe der Nutzerdaten von YouTube an den Viacom-Konzern. Autor Marcus Rohwetter ist der Meinung, das geschehe den Nutzern ganz recht: Wer sich Material online angesehen hat, das ohne Zustimmung der Urheber veröffentlicht wurde, der dürfe danach nicht auf den Datenschutz pochen:

Viele YouTubeler haben sich einen Dreck um Urheberrechte geschert. Nun aber pochen sie ihrerseits auf den Datenschutz und machen große Augen, weil sich jemand wehrt. Der Medienkonzern Viacom wirft YouTube systematische Rechtsverletzung vor und errang vergangene Woche einen Sieg vor Gericht. Die Google-Tochter YouTube muss Nutzungsdaten herausrücken. Damit soll geklärt werden, was die Nutzer öfter anschauen – Privatvideos wie das des bauchstreichelnden Briten oder urheberrechtlich geschützte Filmchen.

Rohwetter vertritt den Standpunkt, dass Videos auf YouTube entweder “geklautes” geistiges Eigentum darstellen oder von den Usern selbstgemachter Schrott sind, den eh keiner sehen will. Was er dabei vergißt, sind die vielen Menschen, die YouTube als kreativen Output nutzen und dadurch eine demokratischere Medienlandschaft ermöglichen, indem sie sie selber erschaffen. Kein Wort von den modernen Kreativen, die auf eine klassische Medienlandschaft nicht angewiesen sind; kein Wort von den Indielabels, die MTV zurecht aufgegeben haben, weil YouTube das neue MTV ist. Natürlich ist auf den Online-Videoseiten viel Schrott zu sehen. Genau wie im klassischen Fernsehen. Daran ein Medium als ganzes zu bewerten, ist unsinnig.

In der zugegebenermaßen kurzen Kolumne kommt der Begriff des “Urhebers” oft vor - damit meint Marcus Rohwetter aber nie alle Kreativen, sondern benutzt den Begriff, ähnlich wie die Musikindustrie, nur im Sinne von Erzeugern oder Verwertern professionell hergestellter Werke. Wenn ich das kritisiere, mag das pedantisch klingen, aber wenn man seit einem Jahrzehnt dem Lamento der Verwerter zuhört, weiß man inzwischen, dass gern der arme Urheber beschworen wird, wenn es doch eigentlich um das Scheitern des Geschäftsmodells geht. Journalisten sollten hier aber zu differenzieren wissen.

Montag, 9. April 2007

Korea: Zeitungsleser besser informiert als Blogleser?

Das sind News: in Korea kochen Online-User auch nur mit Wasser. Daily Readers More Informed Than Netizens berichtet die englischsprachige “Korea Times“.

According to the research, those who mainly get information through newspapers had more knowledge of politics than those using the Internet or television as their main source of news.

Newspaper readers also participated in political discussions more actively than Internet users and television viewers.

Newspaper-oriented people were relatively older and earned more money than other groups. Those getting information through the Internet usually had high-level academic backgrounds, while television-oriented people were old but their education and income levels were the lowest, according to the survey.

Newspaper readers were also more active in posting comments for online news articles than those who mainly obtain information through the Internet.

Among 10 news sites including portals and major newspaper Web sites, 48 percent of the surveyed, or 409 people, preferred Naver, saying the portal provides the most varied news.

Also hüben wie drüben? Mal zusammenfassen: “Leser von Zeitungen, die zugleich auch Online-Medien lesen, sind besser informiert als ausschließliche Online-Leser”. Hmja. Vielleicht ist Deutschland ja doch nicht so weit von “führenden IT-Nationen” oder wie das immer heißt entfernt. Hier ist das ja auch so. Oder kenne ich die interessanten, breitband-politischen Blogs noch nicht? Der angekündigte, kommende Bericht “The Rise of Portal News and the Future of News” wird jedenfalls interessantere Details bieten, hoffentlich.

Mittwoch, 3. Januar 2007

Zeitungen im digitalen Wandel

Die Zeitungen stellen sich derzeit verstärkt auf das Internet ein. In London war bereits im Oktober eine Konferenz des Weltverbandes der Zeitungen, auf der 300 Teilnehmer aus 53 Ländern unter dem Titel “Digital Publizieren” diskutierten. Da scheint sich gerade einiges zu bewegen, die drei Großtrends sind wohl:

  • “Web first”: Die Redakteure schreiben direkt für das Netz, wo alle aktuellen News so schnell wie möglich erscheinen, und erst später wird entschieden, was in die gedruckte Ausgabe kommt.
  • “Lokalisierung”: Die Rückkehr der Lokalberichterstattung durch mobile Reporter vor Ort; teilweise werden auch die Lokalnachrichten nach oben auf dei Webseite gestellt, während der allgemeinpolitische Teil erst danach kommt.
  • “Citizen Journalism”: Leser und Blogger als Reporter, die teilweise von Redakteuren betreut werden, darüber hatten wir ja schon mehrfach berichtet.

Ausführlicher schreiben darüber heute Spiegel Online und der Bremer Weserkurier. (Der Link in dem SpOn-Artikel auf die sich angeblich auch ins Netz bewegende Washington Post führt allerdings zu einem völlig unpassenden WP-Artikel über den Romancier JT LeRoy. Frank Patalong muss wohl nochmal zum copy&paste-Nachsitzen. Update: Den richtigen WP-Link habe ich jetzt bei Techdirt gefunden)

Update 2: Telepolis wird ihrer Aufgabe der historischen Einordnung aktueller Hypes mal wieder gerecht und bringt einen Vergleich mit den historischen Vorläufern der Bild-”Leserreporter”: Die Volkskorrespondenten der Zeitung “Iskra” der Sowjets um Lenin seit 1900.

Arbeiter und Bauern betätigten sich als Laienjournalisten und lieferten Beiträge für die Zeitungen. 1925 gab es rund 150.000 dieser Korrespondenten. Diese Zulieferung von publizistischem Material durch Bürger beschränkte sich nicht auf den Text, sondern die Laienreporter griffen auch zur Kamera.

Der Unterschied, den TP hier unterschlägt, ist allerdings der, dass es damals nur one-to-many bzw. many-to-one Kommunikation war, mit Lenin in der Zentrale. Die Bürgerjournalisten haben zumindest technisch jetzt die Möglichkeit, sich auch untereinander auszutauschen. Da drängt sich ja ein weiterer Vergleich auf: Der Lenin von heute heisst Murdoch oder Diekmann oder so.

 

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