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Freitag, 23. November 2007

Politik 2.0 – sind Blogs Motoren oder Bedrohung für die Demokratie?

Sarah Genner hat ihre Abschlussarbeit zum Thema “Politik 2.0 – sind Blogs Motoren oder Bedrohung für die Demokratie?” veröffentlicht. Hier ist ein Auszug aus dem Abstract: ¨

Weisen Blogs den Weg zu einer demokratischeren Offentlichkeit? Sind sie die Chance für Bürgerinnen und Bürger in Mediendemokratien, sich in politischen Debatten Gehör zu verschaffen? Wie steht es um die Befürchtung, dass durch die Fragmentierung der Informantionskanäle die Basis für demokratische Entscheidungsfindung schwinde?

Bisherige Studien haben gezeigt, dass Informationen aus Blogs und andere Inhalte aus dem Internet erst dann Breitenwirkung erlangen, wenn sie von Mainstreammedien aufgegriffen werden. Mit einer umfassenden Erhebung in Deutschschweizer Printmedien zeigt die vorliegende Untersuchung, welche schweizerischen und internationalen Blogs von auflagenstarken Zeitungen und Zeitschriften genannt werden. Weiter werden einerseits unterschiedliche Funktionen von Blogs für die breite politische Offentlichkeit herausgearbeitet und andererseits wird beurteilt, inwiefern Blogs für die politische Berichterstattung demokratische Potenziale entwickeln.

Insgesamt erweisen sich Faktoren wie Prominenz, Bildungsstand und Geschlecht als entscheidend, wer den Kampf um die Aufmerksamkeit einer breiten Offentlichkeit gewinnt.

Die wichtigsten Resultate im Überblick gibt es auch als PDF.

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Überwachung: Man passt sich an und merkt es nicht

Die TAZ hat ein sehr interessantes Interview mit dem Technikforscher Sandro Gaycken: “Man passt sich an und merkt es nicht

Was ist dagegen einzuwenden, dass Leute ihren Müll nicht mehr auf die Straße schmeißen, weil sie wissen, dass sie von einer Kamera beobachtet werden?

Die Veränderungen werden sehr viel tiefgreifender sein. Es gibt einen Versuch, bei dem in einem Raum ein Foto aufgehängt wurde. Die Person darauf wurde den Versuchsteilnehmern als Beobachter vorgestellt. Während des Experiments war im Verhalten der Teilnehmer etwas Interessantes zu beobachten: Sie versuchten so zu handeln, wie sie glaubten, dass es der Beobachter für richtig hielt. Wenn Menschen überwacht werden, wollen sie konform mit den Werten der überwachenden Autorität agieren. Überwachung fördert die innere Zensur. Sie unterdrückt Widerspruchsgeist. Die große Gefahr ist, dass dies unterbewusst geschieht. Man passt sich an und merkt es gar nicht.

Dienstag, 9. Oktober 2007

MovieSuccess-Center

Gerade bei Heise gelesen und sehr gelacht.

Marketingwissenschaftler der Bauhaus-Universität Weimar und der Universität Hamburg haben eine nach eigenen Angaben unabhängige Studie vorgelegt, die sich mit den Auswirkungen des Filesharing von auf die Filmwirtschaft auseinandersetzt.
Insgesamt gingen der Filmindustrie in Deutschland somit über 190 Millionen Euro pro Jahr verloren.

Und jetzt der Lacher:

Eines der Hauptprobleme ist laut Professor Dr. Thorsten Hennig-Thurau, Hauptautor der Studie und Leiter des Weimarer Moviesuccess-Forschungscenter

Zuerst “unabhängige Studie” und dann “MOVIESUCCES-FORSCHUNGSCENTER” - Krass. Und der Name ist Programm. Ich hab mir mal eine Präsentation von denen angesehen. Auf Seite zwei steht:

• Das MovieSuccess-Center ist eine wissenschaftliche Einrichtung der Bauhaus-UniversitätWeimar. Damit sind für die Filmindustrie zwei wichtige Vorteile verbunden:
• Innovativität und Kompetenz. Wir verwenden anspruchsvolle wissenschaftlicheund analytische Methoden wie ein repräsentatives proprietäres Panel von Filmkonsumenten, das für die Durchführung von Studien zur Verfügung steht.
• Kosten. Als Non-Profit-Einrichtung ist es uns möglich, wissenschaftlich interessante Studien zu niedrigen Kosten anzubieten.

Na, wenn das kein billiges Ergebnis ist.

Update: Spiegel-Online hat sich wohl nicht die Präsentation angeschaut, wenn man das dort liest:

Jetzt gibt’s keine Ausreden mehr. Bisher konnten sich Befürworter illegaler Filmkopien stets damit herausreden, dass die Schauermeldungen über enorme Umsatzverluste ja von der Industrie selbst stammen, also ideologisch verfärbt seien. Jetzt aber hat ein Forscherteam der Uni Hamburg und der Bauhaus-Universität Weimar eine Studie veröffentlicht, die den Filmbossen Recht gibt: Der durch Raubkopien angerichtete Schaden sei enorm.

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Zum Verhältnis von Überwachung und Sicherheit in der Informationsgesellschaft

Kleine Werbung in eigener Sache: Ich habe gerade einen etwas längeren Aufsatz veröffentlicht, der sich mit dem Wandel des Sicherheitsparadigmas und der Rolle der Überwachungs- und Informationstechnologie darin befasst. Erschienen ist er in kommunikation@gesellschaft, einer Online-Zeitschrift, die u.a. von dem Blogforscher Jan Schmidt herausgegeben wird. Hier die Zusammenfassung:

Das Sicherheitsparadigma des Präventionsstaates im „Kampf gegen den Terror“ unterscheidet ich in zweierlei Hinsicht von dem des Gefahrenabwehrstaates im Kalten Krieg. In zeitlicher Hinsicht geht es nicht mehr um die Abwehr gegenwärtiger Bedrohungen, sondern um die Vorbeugung zukünftiger Risiken. Auf der Akteursebene sind die Träger dieser Risiken nicht mehr Staaten, sondern Individuen. Damit gelten nun alle als potenziell verdächtig. Hier spielt der Computer eine entscheidende Rolle, indem er die alten Überwachungstechniken des Aufzeichnens und Verbreitens von Informationen durch die Möglichkeit des automatischen Entscheidens ergänzt. Aus „Überwachen und Strafen“ wird damit „Überwachen und Sortieren“, aus individuellen Bewertungen wird massenhafte digitale Diskriminierung auf der Basis von vernetzten Datenbanken und in Algorithmen gegossenen Vorurteilen. Mit diesem Verfahren sind jenseits juristischer und politischer Schwierigkeiten drei strukturelle Probleme verbunden: das Problem der Modellbildung, das Problem der Probabilistik und das Problem der Definitionsmacht. Dennoch scheint der Trend zum weiteren Ausbau der Überwachungsinfrastrukturen nicht aufzuhören. Mögliche Erklärungen, aber auch Hinweise auf weiteren Forschungsbedarf, liefern dafür jeweils auf unterschiedlichen Ebenen die Gesellschaftsdiagnose, die Techniksoziologie und die politische Ökonomie. In normativer Hinsicht geht es hier letztlich auch um die Sicherheitsvorsorge der Bürger gegenüber dem Staat und damit um die Frage: Wie können wir unsere technischen Infrastrukturen so aufbauen, dass unfähige und unredliche Machthaber damit keinen großen Schaden anrichten können?

Toll sind ja die schnellen Veröffentlichungszeiten bei Online-Journals - ich hatte erst am Samstag die letzte Überarbeitung eingereicht, und heute ist der Text schon erschienen. Bei einer gedruckten Fachzeitschrift hätte er nun wahrscheinlich noch ein Jahr in der Pipeline gehangen.

Update: Faierweise sollte man die beiden Gründer und Mitherausgeber von k@g auch noch nennen: Klaus Schönberger und Christian Stegbauer.

Montag, 1. Oktober 2007

Web2forDev - Wissensmanagement und Advocacy (2)

Web2ForDevPanel

Weitere Anwendungen von Web 2.0 Tools für Entwicklung wurden auf der Web2forDev Konferenz vor allem in den Bereichen
* Wissensmanagement in der Wissenschaft und
* Advocacy grosser im Entwicklungsbereich tätiger Organisationen
vorgestellt. Viele der hier vorgestellten Beispiele kamen aus Europa und Nordamerika, mit Fokus auf / Nutzen für Landwirtschaft, Umweltschutz und ländliche Entwicklung in sogenannten Entwicklungsländern.

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Donnerstag, 13. September 2007

Bundestag erklärt die Quantenkryptographie

Der Wissenschaftliche Dienst des Deutschen Bundestages erklärt heute die Quantenkryptographie.

Fazit
Die Quantenkryptographie könnte eine Möglichkeit bieten, den zukünftigen Gefährdungen im Informations- und Datenaustausch entgegenzutreten. Damit könnte selbst dann, wenn Lauscher sich die Entwicklung immer leistungsfähigerer Rechner zunutze machen, die Vertraulichkeit und Integrität der Datenübertragung gewährleistet werden.

Dienstag, 4. September 2007

Do it yourSELF: Neue Lehr- und Lernplattform für Freie Software

Dem großen Angebot an freier Software steht häufig ein signifikantes Defizit an entsprechenden Kursangeboten und Unterrichtsmaterialien gegenüber. Um das zu ändern, hat sich vor einem Jahr das SELF Projekt(Science, Education and Learning in Freedom) gegründet.

Ziel war die Entwicklung einer zentralen Plattform für barrierefreien Zugang zu didaktischem Material über freie Software und offene Standards. Das Ergebnis kann jeder ab dem 5. September 2007 in der Beta-Version ausprobieren sowie bei der Entwicklung mithelfen. Offiziell startet die Plattform im Rahmen einer Konferenz zu freier Software.

Die neue Plattform soll neben frei verfügbaren Kursunterlagen auch die Möglichkeit bieten, einzelne Lerninhalte auszuwählen, um sie zu einem maßgeschneiderten Kurs in der eigenen Muttersprache zusammenzufügen oder für e-learning zu exportieren. Die Qualität der Dokumente wurde nach eigenen Angaben von einem Expertenteam auf Qualität, freie Lizenz und Gültigkeit hin überprüft. Als Nutzer soll man u.a. Lernmaterialien zu OpenOffice.org, The Gimp oder GNU/Linux finden können.

Die Plattform selbst basiert wie zu erwarten auf freier Software und soll nach dem Wikipedia-Modell funktionieren. Den Benutzern gibt man die Möglichkeit zu evaluieren, anzupassen, zu verfassen und auch zu publizieren. Davon erhofft man sich nachhaltige Effekte, was die Funktion der neuen Seite als Wissenplattform auf der einen und als Communityportal auf der anderen Seite anbelangt. Joachim Jakobs von der FSF Europe geht sogar davon aus, dass sich so die IT-Ausbildung weltweit verändern wird und empfiehlt die Übertragung auf andere Wissensbereiche.

Uni Mannheim: Einführung in Open Source

Ich bin jetzt Lehrbeauftragter an der Universität Mannheim und werde dort übernächstes Wochenende ein Blockseminar zum Thema “Einführung in Open Source” halten. Mein erstes und ich bin gespannt auf die Erfahrungen aus der Lehrerperspektive. Das Seminar wird eine Mischung zwischen praktischer Einführung in Linux und Freier Software und den Konzepten und Hintergründen hinter Freier Software, Wikipedia, Creative Commons & Co. sein. Zu meiner Verwunderung ist das Seminar wohl schon ausgebucht und die Warteliste soll immer länger werden. Ich machte mir schon Sorgen, dass das niemanden interessiert und das Seminar deswegen nicht stattfindet. Lustigerweise wird man als erstes mit etwas konfrontiert, was man nur aus den Medien kennt: Ich musste schriftlich bestätigen, dass ich kein Fan von Scientology bin.

 

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