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Montag, 28. April 2008

Verkehrsdaten und ihre Aussagekraft

Die Humanistische Union berichtet über “Verkehrsdaten und ihre Aussagekraft“:

Die Frage über den Umfang der Informationen, die eine Auswertung von Kommunikationsdaten erbringen kann, ist ein wichtiger Bestandteil der Debatte über das 2007 verabschiedete Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung. Die Ergebnisse der Studie “Inferring Social Network Structure using Mobile Phone Data” des Massachuetts Institute of Technology (MIT) weisen darauf hin, dass Telekommunikationsdaten inhaltsreicher sind als bisher angenommen, und dass sie wichtige Informationen über unser Verhalten und unsere Beziehungen zu anderen enthalten können.[...]

Nach Auswertung der Daten wurden die Ergebnisse mit den Befragungen der Probanden verglichen. Dabei stellten die Forscher fest, dass sich die Auswertung von Verkehrsdaten für eine präzise Vorhersage über die Beziehung zwischen den Probanden besser eignet (mit einer Wahrscheinlichkeit von 95%), als die Ergebnisse der direkten Befragung. In der direkten Befragung, so die Studie, seien Probanden aufgrund von ihrer Neigung prominente und erst kürzlich stattgefundene Interaktionen mit anderen in den Vordergrund zu stellen, nicht in der Lage, ausgeglichen über ihr Durchschnittsverhalten zu berichten. Mit den Verkehrsdaten konnten die Forscher, mit einer Wahrscheinlichkeit von 96%, sogar subjektive Beziehungen wie Freundschaften und Nicht-Freundschaften unter den Teilnehmern der Testreihe bestimmen.

Siehe auch datenschutz.de: Aussagekraft von Verkehrsdaten: Rekonstruktion sozialer Netzwerke möglich.

Wissenschaftliches Publizieren zwischen Tradition und Open Access

Die Deutschlandradio-Kultur-Sendung “Breitband” hat am Freitag über “Wissenschaftliches Publizieren zwischen Tradition und Open Access” berichtet:

Die Open-Access-Bewegung, die Initiative, die sich seit Beginn der 90er Jahre dafür einsetzt, dass Wissenschaftler im Netz kostenlos ihre Publikationen bereitstellen, stößt bei Forschern nur begrenzt auf Begeisterung. Zwar gibt es mittlerweile über 1000 Zeitschriften im Netz, die Fachliteratur und Forschungsmaterialien vollkommen frei anbieten. Wenn man sich aber den gesamten Umfang an wissenschaftlichen Veröffentlichungen anschaut, wird man feststellen, dass davon im Netz gerade einmal 15 Prozent über Institutsarchive und weitere 5 Prozent via Open Access Zeitschriften zugänglich gemacht wird. Also ein relativ geringer Anteil. Katja Bigalke im Gespräch mit Peter Schirmbacher, Direktor des Computer- und Medienservice der Humboldt Universität in Berlin über die Hintergründe.

Hier ist die MP3.

Donnerstag, 24. April 2008

Case Study: Blogs im Iran

Das “Internet and Democracy”-Projekt am Berkman-Center hat eine spannende Case-Study zur Iranischen Blogosphäre veröffentlicht: Mapping Iran’s Online Public: Politics and Culture in the Persian Blogosphere.


(Bild in gross)

Aus dem Abstract:

We used computational social network mapping in combination with human and automated content analysis to analyze the Iranian blogosphere. In contrast to the conventional wisdom that Iranian bloggers are mainly young democrats critical of the regime, we found a wide range of opinions representing religious conservative points of view as well as secular and reform-minded ones, and topics ranging from politics and human rights to poetry, religion, and pop culture. Our research indicates that the Persian blogosphere is indeed a large discussion space of approximately 60,000 routinely updated blogs featuring a rich and varied mix of bloggers. Social network analysis reveals the Iranian blogosphere to be dominated by four major network formations, or poles, with identifiable sub-clusters of bloggers within those poles. We label the poles as 1) Secular/Reformist, 2) Conservative/Religious, 3) Persian Poetry and Literature, and 4) Mixed Networks.

Hier das 68-Seiten lange Papier dazu.

Dienstag, 8. Januar 2008

Nature-Archiv für die Jahre 1869 bis 1949 online

Der Standard berichtet: Zeitschrift “Nature” stellte komplettes Archiv ins Netz.

Die renommierte, britische Wissenschaftszeitschrift “Nature” hat nun auch ihr Archiv für die Jahre 1869 bis 1949 online gestellt. Damit sind alle Artikel, bis hin zur ersten Ausgabe von Nature verfügbar, heißt es in einer Aussendung der Zeitschrift. Mit über 4.000 Bänden und rund 180.000 Artikeln komplettiert das Archiv von 1869 bis 1949 die Digitalisierung von “Nature”.

Die Überschrift ist etwas irreführend.

Freitag, 23. November 2007

Politik 2.0 – sind Blogs Motoren oder Bedrohung für die Demokratie?

Sarah Genner hat ihre Abschlussarbeit zum Thema “Politik 2.0 – sind Blogs Motoren oder Bedrohung für die Demokratie?” veröffentlicht. Hier ist ein Auszug aus dem Abstract: ¨

Weisen Blogs den Weg zu einer demokratischeren Offentlichkeit? Sind sie die Chance für Bürgerinnen und Bürger in Mediendemokratien, sich in politischen Debatten Gehör zu verschaffen? Wie steht es um die Befürchtung, dass durch die Fragmentierung der Informantionskanäle die Basis für demokratische Entscheidungsfindung schwinde?

Bisherige Studien haben gezeigt, dass Informationen aus Blogs und andere Inhalte aus dem Internet erst dann Breitenwirkung erlangen, wenn sie von Mainstreammedien aufgegriffen werden. Mit einer umfassenden Erhebung in Deutschschweizer Printmedien zeigt die vorliegende Untersuchung, welche schweizerischen und internationalen Blogs von auflagenstarken Zeitungen und Zeitschriften genannt werden. Weiter werden einerseits unterschiedliche Funktionen von Blogs für die breite politische Offentlichkeit herausgearbeitet und andererseits wird beurteilt, inwiefern Blogs für die politische Berichterstattung demokratische Potenziale entwickeln.

Insgesamt erweisen sich Faktoren wie Prominenz, Bildungsstand und Geschlecht als entscheidend, wer den Kampf um die Aufmerksamkeit einer breiten Offentlichkeit gewinnt.

Die wichtigsten Resultate im Überblick gibt es auch als PDF.

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Überwachung: Man passt sich an und merkt es nicht

Die TAZ hat ein sehr interessantes Interview mit dem Technikforscher Sandro Gaycken: “Man passt sich an und merkt es nicht

Was ist dagegen einzuwenden, dass Leute ihren Müll nicht mehr auf die Straße schmeißen, weil sie wissen, dass sie von einer Kamera beobachtet werden?

Die Veränderungen werden sehr viel tiefgreifender sein. Es gibt einen Versuch, bei dem in einem Raum ein Foto aufgehängt wurde. Die Person darauf wurde den Versuchsteilnehmern als Beobachter vorgestellt. Während des Experiments war im Verhalten der Teilnehmer etwas Interessantes zu beobachten: Sie versuchten so zu handeln, wie sie glaubten, dass es der Beobachter für richtig hielt. Wenn Menschen überwacht werden, wollen sie konform mit den Werten der überwachenden Autorität agieren. Überwachung fördert die innere Zensur. Sie unterdrückt Widerspruchsgeist. Die große Gefahr ist, dass dies unterbewusst geschieht. Man passt sich an und merkt es gar nicht.

Dienstag, 9. Oktober 2007

MovieSuccess-Center

Gerade bei Heise gelesen und sehr gelacht.

Marketingwissenschaftler der Bauhaus-Universität Weimar und der Universität Hamburg haben eine nach eigenen Angaben unabhängige Studie vorgelegt, die sich mit den Auswirkungen des Filesharing von auf die Filmwirtschaft auseinandersetzt.
Insgesamt gingen der Filmindustrie in Deutschland somit über 190 Millionen Euro pro Jahr verloren.

Und jetzt der Lacher:

Eines der Hauptprobleme ist laut Professor Dr. Thorsten Hennig-Thurau, Hauptautor der Studie und Leiter des Weimarer Moviesuccess-Forschungscenter

Zuerst “unabhängige Studie” und dann “MOVIESUCCES-FORSCHUNGSCENTER” - Krass. Und der Name ist Programm. Ich hab mir mal eine Präsentation von denen angesehen. Auf Seite zwei steht:

• Das MovieSuccess-Center ist eine wissenschaftliche Einrichtung der Bauhaus-UniversitätWeimar. Damit sind für die Filmindustrie zwei wichtige Vorteile verbunden:
• Innovativität und Kompetenz. Wir verwenden anspruchsvolle wissenschaftlicheund analytische Methoden wie ein repräsentatives proprietäres Panel von Filmkonsumenten, das für die Durchführung von Studien zur Verfügung steht.
• Kosten. Als Non-Profit-Einrichtung ist es uns möglich, wissenschaftlich interessante Studien zu niedrigen Kosten anzubieten.

Na, wenn das kein billiges Ergebnis ist.

Update: Spiegel-Online hat sich wohl nicht die Präsentation angeschaut, wenn man das dort liest:

Jetzt gibt’s keine Ausreden mehr. Bisher konnten sich Befürworter illegaler Filmkopien stets damit herausreden, dass die Schauermeldungen über enorme Umsatzverluste ja von der Industrie selbst stammen, also ideologisch verfärbt seien. Jetzt aber hat ein Forscherteam der Uni Hamburg und der Bauhaus-Universität Weimar eine Studie veröffentlicht, die den Filmbossen Recht gibt: Der durch Raubkopien angerichtete Schaden sei enorm.

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Zum Verhältnis von Überwachung und Sicherheit in der Informationsgesellschaft

Kleine Werbung in eigener Sache: Ich habe gerade einen etwas längeren Aufsatz veröffentlicht, der sich mit dem Wandel des Sicherheitsparadigmas und der Rolle der Überwachungs- und Informationstechnologie darin befasst. Erschienen ist er in kommunikation@gesellschaft, einer Online-Zeitschrift, die u.a. von dem Blogforscher Jan Schmidt herausgegeben wird. Hier die Zusammenfassung:

Das Sicherheitsparadigma des Präventionsstaates im „Kampf gegen den Terror“ unterscheidet ich in zweierlei Hinsicht von dem des Gefahrenabwehrstaates im Kalten Krieg. In zeitlicher Hinsicht geht es nicht mehr um die Abwehr gegenwärtiger Bedrohungen, sondern um die Vorbeugung zukünftiger Risiken. Auf der Akteursebene sind die Träger dieser Risiken nicht mehr Staaten, sondern Individuen. Damit gelten nun alle als potenziell verdächtig. Hier spielt der Computer eine entscheidende Rolle, indem er die alten Überwachungstechniken des Aufzeichnens und Verbreitens von Informationen durch die Möglichkeit des automatischen Entscheidens ergänzt. Aus „Überwachen und Strafen“ wird damit „Überwachen und Sortieren“, aus individuellen Bewertungen wird massenhafte digitale Diskriminierung auf der Basis von vernetzten Datenbanken und in Algorithmen gegossenen Vorurteilen. Mit diesem Verfahren sind jenseits juristischer und politischer Schwierigkeiten drei strukturelle Probleme verbunden: das Problem der Modellbildung, das Problem der Probabilistik und das Problem der Definitionsmacht. Dennoch scheint der Trend zum weiteren Ausbau der Überwachungsinfrastrukturen nicht aufzuhören. Mögliche Erklärungen, aber auch Hinweise auf weiteren Forschungsbedarf, liefern dafür jeweils auf unterschiedlichen Ebenen die Gesellschaftsdiagnose, die Techniksoziologie und die politische Ökonomie. In normativer Hinsicht geht es hier letztlich auch um die Sicherheitsvorsorge der Bürger gegenüber dem Staat und damit um die Frage: Wie können wir unsere technischen Infrastrukturen so aufbauen, dass unfähige und unredliche Machthaber damit keinen großen Schaden anrichten können?

Toll sind ja die schnellen Veröffentlichungszeiten bei Online-Journals - ich hatte erst am Samstag die letzte Überarbeitung eingereicht, und heute ist der Text schon erschienen. Bei einer gedruckten Fachzeitschrift hätte er nun wahrscheinlich noch ein Jahr in der Pipeline gehangen.

Update: Faierweise sollte man die beiden Gründer und Mitherausgeber von k@g auch noch nennen: Klaus Schönberger und Christian Stegbauer.

 

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