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Montag, 5. Februar 2007

Den Koalitionsvertrag in Österreich neu verhandeln

Die Grünen in Österreich lassen in einem Wiki den Koalitionsvertrag zwischen SPÖ und ÖVP unter dem Motto “Neu verhandeln” neu schreiben: Die Koalition im Wikipedia-Test.

Ganz wie das Vorbild Wikipedia, auf dessen frei zugänglicher Software die grüne Seite auch basiert, ist der Prozess transparent: Änderungen lassen sich nachvollziehen und können in eigenen Foren diskutiert werden. Anders als bei der Online-Welt-Enzyklopädie, die eigene Administratoren quasi als „Wissens-Sheriffs“ einsetzt, haben die Grünen vorerst aber nicht vor, inhaltlich einzugreifen. „Rassistische, sexistische und andere politisch nicht korrekte Texte werden entfernt. Wir haben aber nicht vor, die Seiten zu redigieren“, meint Vassilakou. Mit Kampfpostern aus anderen Parteien wird gerechnet. „Aber da _glauben wir an die Kraft der Selbstregulation“, meint die grüne Gemeinderätin Marie Ringler, die die Idee für den Koalitionspakt-Elchtest im Netz hatte.

Dreißig Tage will die Oppositionspartei das rot-schwarze Koalitionsübereinkommen der Kritik der Internet-Community überlassen, danach soll erste Bilanz gezogen werden. Als Vergleich ist das rot-schwarze Original in einer „Read only“-Version abrufbar. „Wir wollten ganz einfach die Alltagspraktiken der Internetgeneration in die Politik transferieren“, sagt Ringler.

Montag, 23. Oktober 2006

Grünes Wiki zu Umweltpolitik

Die Grünen diskutieren partei-intern in einem Wiki den Leitantrag zum Thema Umweltpolitik im Vorfeld ihres nächsten Parteitages. Bei diesem zwieten Wiki-Experiment dürfen diesmal nur Parteimitglieder mitmachen, alle anderen können sich aber transparent den Diskussionprozess anschauen. Die technische Umsetzung und Beratung im Vorfeld hat newthinking communications gemacht.

Montag, 2. Oktober 2006

Wikipedia im ZDF

Mathias Schindler und Frank Schulenburg von Wikimedia Deutschland waren gestern im ZDF, um die Arbeitsweise der Online-Enzyklopädie Wikipedia zu erklären. In der ZDF-Mediathek gibt es den Beitrag noch in unfreier und unfreundlicher Version zu sehen. Mein Browser ist erstmal abgestürzt, danke ZDF.

Montag, 25. September 2006

Web 2.0 im Medien-Fokus

Die ZEIT hat Tim O´ Reilly rund um “Web 2.0″ befragt: Neue Wetten in Silicon Valley.

ZEIT: Diese Amateuerfilmchen sind für kurze Zeit witzig, aber auf Dauer nicht auszuhalten. Wetten, dass die geklauten Schnipsel aus kommzerziellen Produktionen am Ende siegen?

O’Reilly: Diese Sicht auf das Raubkopieren führt doch am Thema vorbei. Mit diesen kurzen Filmchen sehe ich ein ganz neues Medium entstehen, an das sich die Leute freilich erst gewöhnen müssen. Bei den digitalisierten Musikstücken fing es damals mit Raubkopien an, doch inzwischen wird mit kommerziellen Musikdiensten wie iTunes viel Geld verdient. Man kann fast sagen, dass die Piraten die Bahn bereitet haben, sie haben die Leute an dieses neue Format gewöhnt.

Auch spannend ist in der aktuellen ZEIT ein Artikel über Wikipedia: Die anarchische Wiki-Welt.

Wikipedia ist das Konversationslexikon der Neuzeit. Nichts anderes war das erste Brockhaus-Lexikon. Als Gegenmodell zu den französischen Experten-Enzyklopädien sollte es die Bürger aufklären. Die Artikel waren meinungsstark und sehr sendungsbewusst. So wie bei Wikipedia. Wikipedia regt zum Diskutieren an. Aber Verlass darauf ist nicht. Noch nicht?

Währenddessen gibt es im aktuellen Print-Spiegel einen eher langweiligen und schlechten Artikel über “Web 2.0″ und auch die Welt muss das Thema aufgreifen: Endlich geht es um Geld. Allerdings geht es bei dem “Die Welt”-Artikel eher darum, dass dieses komische Sternchen mit den über eine Millionen MySpace-Kontakten jetzt auf dem kommenden Playboy zu sehen ist. Das ist dann wohl auch “Web 2.0″ und das ist ähnlich schlecht wie der Spiegel-Artikel.

Dienstag, 29. August 2006

Wired Remixed

Es gab schon ähnliche Versuche von traditionellen Medien, Textinhalte von Nutzern remixen und mashen zu lassen. Zuerst war die Los Angeles Times im Frühjahr 2005 daran gescheitert, ausgerechnet einen Kommentar zur Irak-Politik der USA von Internetnutzern gemeinschaftlich verändern zu lassen. Zuletzt hat das die Washinton Post medienträchtig probiert, als sie eine API öffneten, damit die Leser die Feeds mixen konnten. Jetzt führt das Wired weiter und will sich einen Artikel über einen Wiki von den Lesern zusammenstellen lassen. Bis jetzt steht da noch nicht viel drin – sowohl Inhalt als auch Länge können frei gewählt und gemasht werden. Leser können sich den Titel als auch die Zusammenfassung für die RSS-Feeds ausdenken. Redakteur Ryan Siegel soll das langsame Wachsen bis zum siebten September überwachen und Fragen auf einer Kommentarseite beantworten. Mitmachen darf jeder, der sich vorher bei Socialtext angemeldet hat.

Österreich: Bundeskanzleramt nutzt Wiki

Das österreichische Bundeskanzleramt nutzt ein öffentlich zugängliches Wiki als “Umgebung für vernetzte Bearbeitung und Dokumentation”. Aus der Selbstdarstellung:

BKA-Wiki ist nicht bloß die Dokumentation eines Wissensstandes, sondern unterstützt auch den Entwicklungsprozess zur Erarbeitung eines gemeinsamen Bildes. Dies manifestiert sich in der Ausarbeitung von Leitlinien, Konzepten und Policies für E-Government im weitesten Sinne.

Die Ausarbeitung erfolgt zumeist in Arbeitsgruppen, welche fast nie von einer einzelnen Dienststelle oder Behörde, sondern meistens gemeinschaftlich von allen Ebenen der Gebietskörperschaften, Interssensvertretungen und anderen gebildet werden.

Auf dem Weg zum Wiki - Bibliographisches Institut stellt Lexikon online

Wenige Wochen nach dem allgemeinen Neustart der Website meyers.de, mit der das Bibliographische Institut & F.A. Brockhaus (BIFAB) die Marke “Meyers Lexikonverlag” präsentiert, geht nun ein Lexikon online, das technisch auf der Mediawiki-Software aufbaut, die zum Betrieb der Online-Enzyklopädie Wikipedia entwickelt und eingesetzt wird. Elementare Wiki-Funktionen sind dabei jedoch ausgeschaltet, die Hinweise auf Mediawiki ergeben sich nur indirekt aus noch nicht gesperrten Funktionen.”Meyers Lexikon Online” basiert nach Verlagsangaben auf der gedruckten Taschenbuchausgabe in 26 Bänden, die in diesem Jahr in zehnter Auflage neu erscheinen wird. BIFAB verspricht die Möglichkeit, in 150.000 Stichwörtern nachschlagen zu können. Nach der Laufnummernvergabe in Mediawiki befinden sich jedoch weniger als 90.000 einzelne Seiten in dem Wiki, inclusive Layout-Elementen, und mehreren Fehlerkorrekturen, Querverweisen und Platzhaltereinträgen.

Leser können sich, wie in Mediawiki vorgesehen, wahlweise einen Benutzeraccount zulegen, wenn sie den Nutzungsbestimmungen des Verlages zustimmen. Dort wird das Bearbeiten von Artikeln explizit untersagt. Ausgenommen sind Diskussionsbeiträge und Feedback an die Redaktion. Ein per Hand eingegebener Edit-Link zur Fehlerkorrektur in Artikeln führt zu einer gesperrten Seite. Auf den Diskussionsseiten lassen sich nur neue Einträge einstellen, jedoch keine Antworten auf bestehende Fragen verfassen.

Wer auf Lücken in dem Lexikon stößt, kann der Redaktion einen Vorschlag für einen neuen Artikel zusenden, dieser kann neben dem Stichwort selbst auch einen Formulierungsforschlag für den Artikel als solchen enthalten. Der Verlag lässt sich in den Nutzungsbestimmungen umfassende Rechte zur Verwendung von Diskussionsbeiträgen zusichern, eine Vergütung findet nicht statt. Ob darunter auch lexikalische Artikel fallen, bleibt offen.

3. Mit dem Einstellen von Diskussionsbeiträgen erhält BIFAB das nicht exklusive, zeitlich und räumlich unbeschränkte Recht zur Verbreitung der eingestellten Inhalte.

Weder für angemeldete noch für nichtangemeldete Benutzer auf einfachem Weg einsehbar ist die Versionsgeschichte eines Artikels, beispielsweise eine erfolge Fehlerkorrektur in Lebensdaten der kubanischen Führung. Diese Informationen sind durch das händische Ändern der URL mit Mediawiki-Kenntnissen einholbar. Der Verlag hat hier eine Sperre eingebaut, die zu häufiges Abfragen von Daten von einer IP aus unterbinden soll.
Mediawiki steht wie Linux unter der GPL, einer Lizenz, die die freie Verwendung und Modifizierung der Software auch für kommerzielle Zwecke erlaubt. Irreführend ist daher auch die Nutzungsbestimmung, die hier auch mit einem direkten Verweis auf Software solche Freiheiten verneint:

1. Bestimmte Materialien (einschließlich Software) im Zusammenhang mit den Webseiten, die online oder offline eingesetzt werden, sind für BIFAB und/oder Dritte durch gewerbliche Schutzrechte, Urheberrecht oder sonstige Rechte geschützt. Der Kunde erwirbt daran keine über die oben eingeräumte Nutzungsberechtigung hinausgehenden Rechte.

BIFAB ist nicht der erste Anbieter von unfrei lizenzierten lexikalischen Inhalten, der Anleihen am Wiki-Konzept und Wikipedia nimmt. Im April 2005 führte der Software-Riese Microsoft auf der englischsprachigen Version des Online-Nachschlagewerkes Encarta ein “edit this page”-Werkzeug ein, in dem Benutzer Textvorschläge an eine Redaktion schicken konnten. In den Medien wurde dies allgemein als “wikieske Funktion” betitelt.

Unter dem Projektnamen “aLEXander” arbeitet der Verlag mit österreichischen Partnern an einem Communityprojekt, das Tagesnachrichten und lexikalische Inhalte des “Brockhaus Multimedial” zusammenbringen soll. Ein Termin für den Start von aLexander steht noch nicht fest, nach einem Readers-Edition-Artikel wurde der Prototyp aus dem Netz genommen. Die Domain www.ask-lex.com ist derzeit noch nicht aktiv.

 

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