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Montag, 20. August 2007

Falsche Blogs der vietnamesischen Regierung

Lustige Sache, so aus der Entfernung betrachtet: da schreiben Mitglieder der vietnamesischen Regierung Blogs, in denen sie an pikanten Stellen von der Regierungslinie abweichen und manche unbequeme Frage aufwerfen. Die Earth Times schrieb letzte Woche: Vietnam puzzled by fake blogs of top communist leaders:

All of the blogs are fakes, a spokesman for the prime minister said Thursday, although he conceded he had no idea who might be impersonating the officials or for what purpose

“The prime minister does not blog. None of the leaders of the state or party has a blog,” said Dung’s spokesman, Nguyen Kinh Quoc. “We can’t tell who is doing this. But we can confirm these are imposters.”

Sowohl Parteivositzende, der Premierminister Nguyen Tan Dung und auch der Präsident Ngyuen Minh Triet “führen” so ein Blog, die mit der Medienlandschaft und der korrumpierten Moral der Polizisten stellenweise schroff umgehen:

One posting from “Nong Duc Manh” addressing corruption states that “Corruption is the desire of Vietnamese officials.” And “Nguyen Minh Triet” on July 6 wrote an entry criticizing state media for “not reporting the truth” of a month-long land-rights protest of hundreds of people in Ho Chi Minh City last month.

Die Strategie, sich offener zu zeigen und dem jungen Volk mit mehr Präsenz entgegenzukommen scheint mindestens gelitten zu haben. Dabei gibt man sich doch Mühe. Die Times weiß von einem Vietnam ‘War’ in the Blogosphere zu berichten:

Vietnam’s post-war generation is increasingly wired, as the Communist Party attempts to foster economic growth and high-tech skills at the same time as clinging to power. The country currently has an estimated 16 million internet users — one in five of the population — compared with just 200,000 who were online seven years ago. Three million of them are bloggers, most on foreign-hosted clients including Yahoo!, which is where the fake government blogs appeared. Internet access in Vietnam is growing more than 10 times faster than the rate in China.

Klingt insgesamt nach PR-Desaster, vermutlicher Ursprung ist Nordamerika. Jetzt haben die Parteioberen jedenfalls offizielle Seiten bekommen. Vermutlich aber ohne persönliche Gedichte und Selbstkritik, dafür aber ohne allzu freie Meinungen.

Donnerstag, 28. Juni 2007

Korruption per Webformular melden

Nguyen Vu Binh ist nicht der einzige, der Aufklärung über Korruption in Vietnam fordert. Eine Umfrage von 2005 bestätigt, dass bis zu 80% der Vietnamesen glauben, dass die Regierungsvertreter des eigenen Landes korrupt sind - was augenscheinlich auch von einem Drittel der befragten Regierungsvertreter implizit bestätigt wurde: “they would take a bribe if offered” (siehe Beitrag earthtimes.org.)

Naja, so wünschenswert ein offenes Webformular gegen Korruption im Prinzip ist, es kann auch viele absichtsvolle Falschmeldungen liefern (in der ct gabs mal ein passenden Editorial zum GEZ-Anmeldeformular, wo man fröhlich und auf Verdacht mal eben schnell alle Nachbarn eintragen kann). Und gegen die korruptionsanfällige Polizei, die viel zu schlecht bezahlt wird, hilft online allein wenig.

Montag, 11. Juni 2007

Bürgerliche Rechte und Pflichten ungleich Regimekritik?

Bei heise.de gefunden: Journalist Nguyen Vu Binh begnadigt. Vu Binh war/ist Regimekritiker und hatte nach seiner Entlassung aus der Kommunistischen Parteizeitung im Januar 2001 versucht, eine unabhängige politische Partei zu gründen. Auch hatte er über eine Menschenrechtskonferenz in Washington DC zu berichten versucht, und eine Justizreform samt unabhängiger Untersuchungen zu Korruptionsfällen gefordert. Die ganz normalen Bürgerpflichten eben. Begnadigt wurde er aus einem anderen Grund:

Der vietnamesische Präsident Nguyen Minh Triet habe einem Gnadenersuch Binhs, der Ende 2003 wegen Spionage zu sieben Jahren Haft und drei Jahren Hausarrest verurteilt worden war, stattgegeben. Der 39 Jahre alte Journalist hatte laut Bericht darum gebeten, wieder mit seiner Familie zusammen sein zu dürfen, und beteuert, “seine bürgerlichen Rechte und Pflichten” wahrzunehmen.

Binh war im September 2002 wegen angeblicher Spionage verhaftet worden. Anlass war ein regimekritischer Artikel, den Binh im Internet veröffentlicht hatte. Zudem hatte der Journalist in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem US-Kongress Vietnam der Verletzung der Menschenrechte beschuldigt. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International hatten die sofortige Freilassung Binhs gefordert.

Anlaß ist vermutlich, dass der vietnamesische Präsident demnächst die USA besuchen wird. Die Reporter ohne Grenzen werden dennoch wenig Grund haben, Vietnam zu feiern.

Freitag, 2. Februar 2007

Wird Chinas Unterdrückungs-Technologie zum Exportschlager?

The Inquirer macht mich auf einen Artikel des Sydney Morning Herald aufmerksam, der die Leistungsfähigkeit der volksrepublikanischen Repression in die Nähe einer Vorbildfunktion rückt: China leading crackdown on Internet. Das muss man wohl so sagen; denn Vietnam, Syrien, Libyen und der Iran könnten das Modell übernehmen wollen. Die “Top 15″ der Presseunfreiheit unter sich (Plätze 152-155 bei Reporter ohne Grenzen). Aus dem Text:

China is the world’s biggest prison for cyber-dissidents with 52 people in jail for online activities that the ruling Communist Party in Beijing deemed inappropriate, Paris-based watchdog Reporters Without Borders (RSF) said.

Around the world there are only around 10 others known to be in prison for posting criticisms of governments online, although some regimes are trying to “ape” China in restricting freedom of information on the Internet, it added.

In the report, published Thursday, RSF warned that China’s increasingly sophisticated anti-Internet techniques, coupled with its growing global clout, raised concerns its brand of censorship may be exported.

Konkret sind das die Sperrung, Filterung und Zensur von Youtube, regierungskontrollierte Suchmaschinen, und auch virtuelle Welten werden in China kontrolliert. Unter anderem. Und die Zukunft sieht übel aus, wenn weiterhin westliche Firmen die zugehörige Technik bereitstellen, und die damit betriebene Zensur und Unterdrückung mit einem Schulterzucken abtun.

Mittwoch, 9. August 2006

Internetzensur in Vietnam

Die OpenNet Initiative hat einen Report zur Internetzensur in Vietnam veröffentlicht (PDF).

Vietnam focuses particular effort on blocking access to sites related to topics that challenge the state’s political orthodoxy, such as those treating political dissidents, political democracy, or the proposed Vietnam Human Rights Act in the United States Congress. Sites on topics related to domestic religious faiths, such as Buddhism and Caodai, are also subject to blocking, though less extensively. In nearly all cases, sites in the Vietnamese language are far more likely to be blocked than sites in the English or French languages.

 

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