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Freitag, 4. Juli 2008

Google soll alle Youtube-Logs an Musikindustrie übergeben

Das hat ein Bezirksgericht in New York angeordnet im Zusammenhang mit einem Zivilrechtsprozess zwischen Viacom (u.a. MTV-Mutterkonzern) und Google, wo es um Schadensersatz für urheberrechtsgeschützte Inhalte bei Youtube geht. Im Klartext: Damit Viacom von Google Geld verlangen kann, sollen die Daten aller Menschen, die sich jemals ein Youtube-Video (auch wenn es woanders eingebettet war) angesehen haben, an Viacom übergeben werden. Da sieht man mal wieder, wozu die Vorratsdatenspeicherung in Form von Logfiles führen kann. Konkret geht es um

  • die IP-Adresse des Rechners, mit der ein Nutzer ein Video betrachtet hat
  • den Zeitpunkt des Starts des Filmbeitrags
  • dessen Identifizierungsnummer
  • sowie gegebenenfalls den Login-Namen des Anwenders.

Google hat sich dabei mit seinen Standard-Argumenten in anderen Fällen, dass IP-Nummern und frei wählbare Usernamen keine personenbezogenen Daten sind, selber ins Knie geschossen, der Richter hat das nämlich im Urteil genüsslich zitiert.

Die Logfiles umfassen 12 Terabyte. Wenn man mal großzügig von 40 Byte pro Datensatz ausgeht und als Terabyte die IEC-konforme dezimale Anzahl Bytes nimmt, kommen dabei konservativ geschätzte 25 Milliarden Datensätze raus. Da viele User bei vielen Webseiten den selben Login-Namen verwenden und dieser häufig auch mit dem echten Namen identisch ist, dürften sich da interessante Rückschlüsse auf die Interessen von recht vielen Menschen ziehen lassen.

Mehr dazu bei

Oh, und seit heute gibt es plötzlich einen Link zur Privacy-Policy auf der Startseite von Google. Na, dann ist ja alles gut. (via)

Mittwoch, 18. Juni 2008

USA: Protest gegen Überwachung bringt Hausdurchsuchung

Eine Geschichte wie aus einem schlechten Film: Vier junge US-Bürger sind in Nord-Philadelphia festgenommen worden, nachdem sie mit einer Petition Überwachungskameras hinterfragten. Dafür bekommt man in den USA eine Hausdurchsuchung und wird für einige Stunden ohne Anwalt festgehalten. The cops came, searched and left a mess for puzzled homeowner. Begründung: Sie sind eine Hass-Gruppe und in der Nähe gab es eine zugesprühte Überwachungskamera.

The raid on the property on Ridge Avenue near Parrish Street was led by 9th District Police Capt. Dennis Wilson, who was quoted in an online story by the City Paper as saying of the residents: “They’re a hate group. We’re trying to drum up charges against them, but unfortunately we’ll probably have to let them go.”[...] Police spokesman Lt. Frank Vanore said police had gone to the property because a nearby surveillance camera had been spray-painted and rendered inoperable, and interviews with neighbors led police to suspect that “people in this house were possibly involved.”

[Danke an plomlompom]

Dienstag, 17. Juni 2008

Video: I’m Voting Republican

I’m Voting Republican” ist ein gut gemachtes und aktuelles politisches Werbe-Video aus den USA. Fast drei Minuten lang erzählen Menschen einfache Gründe, weshalb man die Republikaner wählen sollte - oder auch nicht. Das Video dient zur Mobilisierung der demokratischen Basis. In den USA muss man sich ja zur Wahl anmelden und dazu sind es nur noch wenige Monate Zeit. Auf jeden Fall gut gemacht und der Stil ist interessant. Schaut aus wie eine Mischung aus Michael Moore und Adbusters:

Sonntag, 15. Juni 2008

USA: 46% informieren sich online über den Wahlkampf 2008

Eine neue Studie des PEW-Projects aus den USA hat herausgefunden, dass 46% der US-Amerikaner über das Internet im Rahmen des aktuellen Wahlkampfes politische Informationen bekommen und sich dort darüber auch online ausgetauscht haben. Das liegt vor allem an der Obama-Kampagne und den jungen Wählern, die sich dafür interessieren. Das PEW-Project hat dazu zwischen April und Mai 2,251US-Amerikaner befragt. Aus der Pressemitteilung: The internet and the 2008 election.

Die 46% kommen durch die folgenden Tätigkeiten heraus. Dabei wurden auch Mehrfachnennungen einberechnet:

• 40% haben über das Internet Informationen und News zum Wahlkampf bekommen
• 19% beschäftigen sich einmal die Woche online mit dem Wahlkampf, 6% sind täglich irgendwie engagiert.
• 23% bekommen mindestens einmal die Woche Mails, indem sie aufgefordert werden, einen Kandidaten zu unterstützen oder über die Kampagnen zu diskutieren.
• 10% nutzen aktiv eMails, um regelmässig an der politischen Debatte teilzunehmen.
• 4% haben politische Ansichten per SMS ausgetauscht.

Drei Online-Akivitäten spielten dabei eine prominte Rolle:

• 35% der US-Bürger haben sich online politische Videos angesehen. Das ist eine verdreifachung gegenüber 2004. Was wiederum keine grosse Überraschung ist, denn damals gab es Youtube noch nicht.
• 10% haben Social Networks genutzt, um informiert oder in die Kampagnen eingebunden zu werden. 2/3 aller unter 30-jährigen haben eigene Social-Network-Profile und die Hälfte davon bekommen oder verbreiten darüber Informationen über die Kampagnen.
• 6% haben online gespendet. Das ist auch eine verdreifachung gegenüber 2004.

Weitere interessante Zahlen:

• 39% haben auf “medial-ungefiltertes” Kampagnenmaterial, meist direkt auf den Kampagnenseiten, zugegriffen, dazu zählen Videos, Reden, Ankündigungen und Positionspapiere.
• 18% haben sich Videos angeschaut, die nicht direkt von den Kampagnen kamen.
• 11% haben an der politischen Gesprächen teilgenommen, indem sie Kommentare von anderen weitergeleitet und/oder gepostet haben.
• 5% haben eigene Kommentare und Analysen gepostet. Schaut man sich die 18-19-jährigen an, so haben 12% davon ihren eigenen politischen Kommentar in einem Forum, Blog oder einer Webseite verfasst.

“Many voters are now using the internet to move past traditional media gatekeepers to gain their own view of the candidates and the campaign,” said Pew Internet Project Research Specialist Aaron Smith, an author on the report. “This shows the appetite of engaged citizens to move beyond the sound-bite culture and make their own assessments of the meaning of political developments.”

28% der Onliner fühlen sich persönlicher mit einer Kampagne durch das Netz verbunden. 22% sagen, dass sie sich ohne Internet nicht engagieren würden. Gleichzeitig fühlen sich grosse Gruppen aber auch durch Fehlinformationen und extreme Positionen im Netz verunsichert.

Ein passender Kommentar von Techpresident dazu: A Whole New Ball Game: 2008 is Record Setting Election According to New Pew Study

Not only is turnout at record levels in primaries across the country, but the role the internet is playing in the election is setting records that bury previous high marks. According to the Pew Internet & American Life report issued today, a full “46% of Americans have used the internet to get political news and share their thoughts about the campaign. Online video and social networking sites have taken off, especially among Obama supporters.” So let’s stop asking whether the internet will ever elect a president and accept the fact that no candidate can afford to downplay the importance of it.

Das sind Zahlen, wovon wir in Deutschland 2009 noch träumen können. Weder gibt es hier eine inspirierende Obama-Kampagne, noch unternehmen die Parteien grosse Anstrengungen, das Internet richtig zu nutzen.

Montag, 7. April 2008

Transatlantisches Gipfeltreffen der Verbraucherorganisationen

In Washington tagt ab heute der Trans-Atlantische Verbraucherdialog (TACD), ein Zusammenschluss aus mehr als 60 Verbraucherschutzverbänden aus Europa und den USA. Die Verbraucherzentrale Bundesverband hat dazu eine Pressemitteilung herausgegeben: Transatlantisches Gipfeltreffen der Verbraucherorganisationen.

Schwerpunktthema des diesjährigen Gipfeltreffens ist der digitale Verbraucherschutz. Geplant ist die Verabschiedung einer unter der Federführung des Verbraucherzentrale Bundesverbandes erarbeiteten ‚Charta der Verbraucherrechte in der Digitalen Welt‘. “Bislang verfügen Verbraucher im Internet nur über eingeschränkte Rechte”, sagt Gerd Billen. “Die Charta benennt nun die Rechte in der digitalen Welt, die essentiell für die Verbraucher sind.” Wesentliche Bestandteile des in der Charta enthaltenen Forderungskatalogs an Regierungen und Wirtschaft sind:

* Die Verpflichtung von Netzbetreibern und Internet-Zugangsprovidern zur Netzneutralität. Damit soll verhindert werden, dass die Netzbetreiber den Zugang zu legalen Internetdiensten kontrollieren und für Dritte durch zu hohe Nutzungsentgelte blockieren.
* Ein Recht auf Zugang zu digitalen Medien und Informationen. Dieses Recht soll Grenzen für Kopierschutzsysteme (DRM-Systeme) ziehen, die Sicherheitskopien verhindern oder die Funktion und Sicherheit von Hard- und Software des Nutzers beeinträchtigen.
* Ein Recht auf Datenschutz und -sicherheit auf hohem Niveau. Damit soll der Entwicklung Einhalt geboten werden, dass personenbezogene und sensible Daten der Nutzer immer mehr zu einer für die Wirtschaft ökonomisch verwertbaren Ware werden.
* Ein Verbot der Koppelung der Zugangsberechtigung zu gewünschten Internetdiensten an die vorherige Einwilligung in die Verwendung nutzerbezogener Daten - zum Beispiel für Werbe- und Marketingzwecke.

Donnerstag, 7. Februar 2008

Voices without Votes

VWV

Reuters und Global Voices haben gemeinsam Voices without Votes ins Leben gerufen. Das Projekt will Beiträge von Bloggern zur Präsidentschaftswahl in den USA 2008 nach dem “Global-Voices-Prinzip” zusammentragen:

Global Voices möchte, dass Menschen sich über Ländergrenzen hinweg zuhören. Wir übersetzen Blogs aus dem Mittleren Osten, Asien, Afrika, Südamerika und Osteuropa und hoffen so das gegenseitige Verständnis zu fördern.

Wer also regelmäßig über den Wahlkampf und die Kandidaten schreibt oder bestimmte Seiten favorisiert, kann entsprechende Links vorschlagen.

Donnerstag, 3. Januar 2008

Musikindustrie: Kopien für den Eigengebrauch von gekauften CDs sind illegal

Langsam wird es absurd. Die Recording Industry Association of America hat ja schon viele Klagen gegen Filesharer angestrengt (die meistens in teuren außergerichtlichen Einigungen endeten). Jetzt setzen sie noch eins drauf. Nach ihrer Ansicht darf man CDs, die man selber gekauft hat, nicht einmal mehr auf den eigenen Computer überspielen:

In legal documents in its federal case against Jeffrey Howell, a Scottsdale, Ariz., man who kept a collection of about 2,000 music recordings on his personal computer, the industry maintains that it is illegal for someone who has legally purchased a CD to transfer that music into his computer. The industry’s lawyer in the case, Ira Schwartz, argues in a brief filed earlier this month that the MP3 files Howell made on his computer from legally bought CDs are “unauthorized copies” of copyrighted recordings.

Update von Markus: Laut Techdirt vermutlich eine Ente - Washington Post Flubs Story On RIAA — RIAA Still Not Going After Personal Copies (Yet)

Update von Ralf: Danke, Markus. Ich hatte  eh die Quellenangabe vergessen.

Dienstag, 4. Dezember 2007

Facebook überwacht trotz Opt-Out - und behauptet das Gegenteil

Die in den USA sehr populäre Social-Networking-Plattform Facebook hat in den letzten Wochen ja einige Prügel bezogen wegen zwei Neuerungen, durch die die Privatsphäre der Nutzer massiv eingeschränkt worden war: “Social Ads”, wo Leute ungefragt in Werbeanzeigen eingeblendet werden, und “Beacon”, wodurch die Kontakte eines Nutzers erfahren, was er sonst überall im Netz so treibt. Sogar die Aktivisten-Plattform Moveon.org hatte einen Aufruf dagegen gestartet. Facebook hat daraufhin halbherzig zurückgerudert und eine mühsame Opt-Out-Möglichkeit eingebaut.

Und was kommt jetzt raus? Sie speichern lustig weiter, was ihre User so auf den vielen Partnerseiten machen, nur dass denen das weder verraten noch angezeigt wird. Sie überwachen den User übrigens auch dann noch, wenn er sich bei Facebook ausloggt (deutsche Kurzfassung bei heise).

Ich bin ja mal gespannt, ob das jetzt der Todesstoß war. Cory Doctorow hat kürzlich übrigens sehr schön analysiert, warum solche Plattformen auch dann Probleme kriegen, wenn die Mitglieder nicht weglaufen, sondern wenn sie zuviele Nutzer haben:

Facebook and other social networks have built-in self-destructs: They make it easy for you to be found by the people you’re looking to avoid.

Mehr Infos und Gedanken zum Thema hier, hier und hier, und wer zum Thema Social Networking schlaue Überlegungen lesen will, kommt ohnehin um Fred Stutzmans Blog nicht herum.

Freitag, 5. Oktober 2007

“Backup” zum kostenlosen Download

Backup-Cover

In seinem Roman “Backup” beschreibt Cory Doctorow eine Zukunft, in der man das menschliche Bewusstsein als Datenpaket im weltweiten Netz abspeichern und immer wieder neu herunterladen kann.

Schön, dass es übersetzt wurde.

 

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