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Dienstag, 1. Juli 2008

Studien zur Zensur und Selbstzensur im chinesischen Internet

Nart Villeneuve, PhD vom Citizenlab der Universität Toronto hat ein Forschungspapier veröffentlicht, das ich erst jetzt bemerkt habe. Darin geht es um Bericht Selbstzensur großer westlicher wie chinesischer Suchmaschinenbetreiber in China. Villeneuve leitet so ein:

Search engines have become the premier gatekeepers of the Internet. All over the globe, Internet users rely on a handful of search engines to find content that is most relevant to the key words used as queries. Beyond seeking to provide the most locally relevant results, these search engines are actively removing specific sites from their localized versions to comply with local laws around the world. While most of the focus is on hate speech, (child) pornography and copyright issues, search engines also act to censor political content. The most advanced case of such censorship concerns search engines that market a version of their product in China.

Getestet hat er u.a. auf Schlagworte wie Menschenrechte, Demokratie, Falun Gong, Anti-Zensur-Maßnahmen (反封锁技术), Taiwan Unabhängigkeit (台獨) oder auch Nachrichten der BBC u.a. zu Tibet. Alle Begriffe sind pro Suchlauf gelistet. Die verwendeten Quelldaten zu sind ebenfalls online, komplett mit Suchanfragen, archivierten Ergebnissen und solchen Graphen:

Graph aus Villeneuves Untersuchung

Eine interessante Studie, auch wenn das Ergebnis tendenziell (und grob verkürzt) nur lautet, dass mehr Transparenz über die Filterung von Inhalten besser wäre. Technische Erkenntnisse sind, dass Google bei Portnummern und MSN bei Subdomains und https-Seiten Probleme hat, Suchergebnisse auszublenden. Die Methodologie und die ignorante Verwendung von TOR-Exitnodes innerhalb Chinas wird ab Seite 26 erläutert.

Zusammen mit weiteren Studien aus 2006, einmal der Human Rights Watch (Race to the Bottom) und der Reporter ohne Grenzen (Yahoo! clear worst offender in censorship tests on search engines) ergibt sich jedenfalls ein breites Bild - dass keine der Suchmaschinen so recht weiß, welche Inhalte denn nun zensiert werden sollen oder nicht: “none of them seem to agree on just what sites need censoring”.

[via china-in-the-news]

Mittwoch, 9. April 2008

Artikel 29-Gruppe vs. Suchmaschinen

Die Artikel-29-Datenschutzgruppe der EU fordert, dass Suchmaschinen-Betreiber Nutzerdaten bereits nach sechs Monaten löschen. Bisher ist die gängige Praxis, diese teilweise bis zu 18 Monate vorzuhalten. Spiegel-Online berichtet darüber: EU-Experten fordern harte Gangart.

Das ist weit von dem entfernt, was Suchmaschinen bisher freiwillig bereit sind zu tun. Google anonymisiert Daten nach 18 Monaten teilweise, Yahoo nach 13 Monaten. Microsoft löscht Daten nach 18 Monaten komplett, setzt sie aber so lange für so genanntes Behavioral Targeting ein, also für individuell auf den Surfer zugeschnittene Werbung.

Die Autoren der Artikel-29-Datenschutzgruppe sehen jedoch keinen Grund, warum Suchmaschinen die Nutzerdaten so lange für eigene Zwecke vorhalten sollten. Das Gutachten stellt fest, dass persönliche Daten – Suchbegriffe, IP-Adressen, Cookies – von den Suchmaschinen nur für “legitime Zwecke” verwendet werden dürfen. Sobald das nicht mehr der Fall ist, sollen die Betreiber die Daten entweder unwiderruflich anonymisieren oder besser gleich löschen. Cookies, kleine Dateien, die Websites auf dem User-Rechner hinterlassen, müssten sich nach bestimmter Zeit selbst zerstören, die IP-Adresse eines Users getrennt von dessen verwendeten Suchbegriffen gespeichert werden und der Verbreitung von Sozialversicherungs-, Kreditkarten– und Telefonnummern und von E-Mail-Adressen in Suchmaschinen ein Riegel vorgeschoben werden.

Mal schauen, wie lange es dauert, bis es ein passendes Gesetz dazu gibt. Mir fällt jetzt gerade kein Argument aus Nutzersicht ein, was gegen ein solches Gesetz sprechen würde.

Google sieht das natürlich anders: Google will Speicherung von Suchanfragendaten nicht weiter begrenzen

Der Suchmaschinendienstleister Google will Suchanfragendaten nicht nach sechs Monaten löschen. Damit widerspricht das Unternehmen erneut von europäischen Datenschützern aufgestellten Forderungen. Der für Datenschutz bei dem Suchdienstleister zuständige Manager Peter Fleischer schreibt in einem Beitrag im Public Policy Blog seines Unternehmens, die Datenspeicherung sei zur Erhaltung der Qualität der Suchergebnisse und des Services für die Nutzer, für eine bessere Sicherheit und Integrität des Systems notwendig. Fleischer bedauert, dass diese Perspektive in Diskussionen um Datenschutzerfordernisse bei Suchmaschinendienstleistern oft unterschlagen werde.

Mittwoch, 18. Juli 2007

Wer hat Angst vor Google?

Am kommenden Samstag, den 21.07.07, kommt um 23.15 Uhr auf Phoenix der Dokumentarfilm “Wer hat Angst vor Google?“.

Google ist eine Erfolgsstory der Superlative: Innerhalb von nur sieben Jahren haben die jungen Gründer der weltweit führenden Internetsuchmaschine, Larry Page und Sergey Brin, ein Unternehmen aufgebaut, das mächtiger als General Motors ist und grenzenlos zu expandieren scheint.

Wer den Film zu einem anderen Zeitpunkt sehen möchte, wird auf Google-Video fündig. Dort gibt es die 1:27h lange Doku zum anschauen und herunterladen.

Mittwoch, 21. Februar 2007

Wie teuer sind Eure Daten?

Bei der Technology Review gibt es eine Zusammenfassung eines Druckartikels zum Thema “Der Wert der Daten“.

Indem Suchmaschinen diese Daten samt der geografisch bestimmbaren IP-Adressen erfassen und immer genauer analysieren, können sie Anzeigenkunden präzisere Platzierungen anbieten, die zu mehr Klicks und Transaktionen führen. Der viel beschriebene „Long Tail“ – jene scheinbar endlos lange Schleppe immer kleinerer Interessengruppen im Web – kann heute Nische für Nische effizient gemessen und beworben werden. Google erwirtschaftet nach Schätzungen mit jeder Suche 4,5 bis 5 US-Cents, Yahoo 2,5 bis 3 US-Cent. Insgesamt beliefen sich die Ausgaben für kontextbezogene Suchmaschinen-Werbung im Jahr 2006 allein in den USA auf rund 6,7 Milliarden Dollar – etwas weniger als die Hälfte aller Werbeausgaben im Netz.

Für den ständigen Blick ins Hirn der Surfer wird Otto Normalsurfer mit vermeintlichen Gratis-Dienstleistungen abgespeist: Du gibst mir kontinuierlichen Einblick in dein Verhalten und deinen Clickstream, lautet hier der Deal, im Gegenzug geben wir dir Web-Mail, Speicherplatz für Dokumente, Fotos, Videos oder Musik.

Freitag, 26. Januar 2007

Vorratsddatenspeicherung in den USA?

In den USA ist die Vorratsdatenspeicherung auch wieder ein Thema: Von Europa lernen, heißt Überwachen lernen. Erstmal soll alles nur zwei Monate gespeichert werden und der Zugriff der Sicherheitsbehörden soll legalisiert werden. Suchmaschinenbetreiber sollen auch vorratsspeichern.

Relativ unbemerkt von einer größeren Öffentlichkeit kündigte der amerikanische Justizminister Alberto Gonzales letzte Woche an, mit dem Kongress über ein Pflichtspeichergesetz für Provider zu sprechen. Diese sollen gesetzlich verpflichtet werden, Nutzerdaten vorzuhalten, auf die dann per richterlicher Anordnung zugegriffen werden könnte. Mit dem geplanten Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung würde in den USA in gewisser Weise nur offiziell gemacht werden, was die NSA inoffiziell längst erledigt

Relativ beliebt bei US-Sicherheits-Hardliner ist ja der Export ihrer Ideen nach Europa. Diese setzen dann ohne grosse Probleme das um, was man in den USA nicht so einfach erreichen könnte. Und argumentieren dann anschliessend, dass man Europa lernen müsste und die Massnahmen jetzt auch braucht.

Dienstag, 16. Januar 2007

Meta-Suchen mit Serchilo

Ein schönes Tool hat Georg Jähnig gestern auf dem Berliner Webmontag vorgestellt: Serchilo. Damit kann man viele Suchquellen ansprechen. Und diese auch erweitern. Einerseits durch ein Firefox-Plugin. Andererseits durch ein Mediawiki, was dahinter steckt. Dort können neue Suchquellen angegeben und mit einer Syntax versehen werden. Bisher finden sich dort ca. 200 Quellen. Google spricht man dann beispielsweise mit “g Suchbegriff” an. Die Wikipedia mit “w suchbegriff”. Nette Idee mit praktischem Nutzen.

Mittwoch, 3. Januar 2007

Wikiasari - eine Weihnachtsgeschichte

Die Weihnachts-Story des Jahres war ja “Wikiasari”. An dem Beispiel konnte man schön beobachten, wie Netz-Journalisten gerne voneinander abschreiben und die Story mit jeder neuen Erscheinung noch grösser wird. Und ziemlich schnell war man von einer Idee bei dem nächsten grossen Ding, nämlich der neuen Konkurrenz von Google. Mit Wikipedia und Community, eigentlich alles dabei, was man aktuell für eine grosse Story braucht. Fehlte nur noch ein Stern und ein paar wandernde Könige mit aktuellen Technikkrimskrams.

Fragte man aktive Wikipedianer, so schwankten die eher zwischen Amüsement und Genervtsein. Eigentlich fragte kaum ein Journalist mal nach, bevor man die neue Konkurrenz zu Google aus dem Hause Wikipedia verkündete.

Bei search-lab.de findet sich zu dem Thema jetzt ein Interview mit Kurt Jannson:

Hallo Kurt, was genau ist dieses neue Wikiasari-Projekt?

Unter dem Namen “Wikiasari” wird zurzeit in vielen Medien über ein Projekt von Jimbo Wales, dem Initiator des Wikipedia-Projektes, berichtet. Zum ersten Mal hörte ich davon 2002, damals noch unter dem Titel “3apes”. Später hieß es “Wikia”, was dann aber zu dem Namen von Herrn Wales Wiki-Hosting-Service wurde. Der Name “Wikiasari” ist eigentlich auch veraltet, aktuell wird die Projekt-Plattform als “Wikia Search” bezeichnet.

Abgesehen davon war die Idee nicht wirklich neu, den menschlichen Faktor in die Bewertung von Suchergebnissen einzubeziehen. Nicht nur deshalb hat Yahoo beispielsweise del.icio.us gekauft, um genau diesen Faktor zu bekommen. Allerdings hat Yahoo damit anscheinend so einige Probleme bei der Integration. Ich bin einer Meinung mit Kurt, dass Suchmaschinen mittelfristig sowohl durch Algorithmen und Künstlicher Intelligenz auf der einen Seite, als auch mit mit dem menschlichen Faktor von (individualisierten) Massen zu einem Ergebnis kommen.

Donnerstag, 2. November 2006

USA: Untersuchung der Praktiken bei Online-Werbung gefrodert

Das Center for Digital Democracy und die Public Interest Research Group haben in den USA die Federal Trade Commission aufgefordert, die Online-Werbe Aktivitäten von Microsoft, Yahoo, Google & Co. zu untersuchen. In einer Mitteilung dazu heisst es:

“The emergence of this on-line tracking and profiling system has snuck up on both consumers and policymakers and is much more than a privacy issue,” said U.S. PIRG Consumer Program Director Ed Mierzwinski. “Its effect has been to put enormous amounts of consumer information into the hands of sellers, leaving buyer-consumers at risk of unfair pricing schemes and with fewer choices than the Internet is touted to provide.”

Etwas pikant ist folgendes:

Aufmerksam geworden sind die Bürgerrechtler durch Aufforderungen des US-Justizministeriums an Google, Microsoft, Yahoo und AOL zur Herausgabe von Daten über die Nutzung von Suchmaschinen. Google weigerte sich, auch mit der Begründung, dadurch würden sensible Nutzerdaten preisgegeben.

Freitag, 29. September 2006

AOL und die Nazi-Suchanfragen

Wie Suchmaschinen mit dem unliebsamen Suchergebnissen umgehen, kann man bei der Frankfurter Rundschau lesen: Aufklärung statt Nazi-Hetze.

Wer auf der Seite des Internetanbieters AOL den Begriff “Synagoge” eingibt, erhält als ersten Treffer einen “von AOL empfohlenen” Link zum Jüdischen Museum in Berlin. Für mehr als hundert Begriffe ist die Suchfunktion so verändert, dass zunächst der Hinweis auf das Museum erscheint. “Wir wollen mit unserem Museum aufklären und die Menschen zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit dem Internet anleiten”, sagt der Marketing-Leiter des Museums, Klaus Siebenhaar.

Mit seiner Kooperation setzt AOL offensiv um, was andere Suchmaschinenbetreiber bereits praktizieren. Wer bei Google, dessen Suchmaschine AOL nutzt und lediglich erweitert hat, Yahoo oder anderen nach Begriffen wie “Hitler” oder “Nazi” sucht, stößt nicht auf Seiten mit brauner Propaganda, sondern etwa auf die des Deutschen Historischen Museums. AOL geht einen Schritt weiter, da der Link zum Jüdischen Museum an erster Stelle und mit Logo erscheint.

 

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