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Montag, 11. August 2008

Georgien: Propagandakrieg im Netz

Spiegel-Online berichtet über “Hacker fegen georgische Regierungsseiten aus dem Netz“:

Insgesamt wiederholt sich im Augenblick ein Muster, das man von anderen Konflikten inzwischen kennt (mehr…) - die internationale Netz-Gemeinde ficht an diversen digitalen Fronten einen Propagandakrieg aus, parallel laufen Hack-Attacken. Wo staatliche Einflussnahme aufhört und private beginnt, ist da kaum noch auszumachen.

Passend dazu auch die Taz: Militärs im Netz - Das Phantom des Cyberwar.

Angeblich herrscht zwischen Russland und Georgien auch ein digitaler Krieg. Schreckensszenarien vom Cyberwar dienen Militärs - der virtuelle Krieg ist bislang ausgeblieben.

Ein weiterer Artikel findet sich bei ars technica: Georgian government: websites attacked by Russian hackers.

Donnerstag, 28. Juni 2007

Europa-Propaganda für weniger Politikverdrossenheit?

Man mag die EU mögen oder nicht, aber sowas klingt nach eher ratloser Anbiederung. Die ungarische Zeitung Népszabadság spöttelt über Informationsmaterial der EU-Kommission, das bei Youtube den jungen, politisch interessierten User ansprechen soll, aber dabei konzeptionell nicht mithalten kann.

“Wer möchte ganze zehn Minuten lang über die Vorteile des Navigationssystems Galileo informiert werden, das später und teurer als geplant realisiert werden soll? Das Stück zum Klimawandel weckt ebenfalls wenig Begeisterung: In einer nachgestellten Reportage, die wohl lebensnah wirken soll, empfiehlt uns ein freundlicher Herr, nur noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Büro zu fahren… Die Filme der EU erinnern an die Filme in der Propaganda-Tagesschau, die während des Sozialismus alle Kinobesucher über sich ergehen lassen mussten. Die Jugendlichen von heute können sich das kaum noch vorstellen. Schön, dass die EU ihnen unfreiwillig eine Reise in die Vergangenheit anbietet.”

Hoffentlich wurden nicht extra für die Youtube-Versionen der Filme (z.B. You Control Climate Change und GALILEO: the countdown has begun) noch Geld ausgegeben. Für mich sehen die wie Filme aus, die in komischen Info- oder Medienzelten von EU-nahen Veranstaltungen gezeigt werden können und unkritische Dauerberieselung darstellen mögen, aber kaum zur Information im Sinne des Erfinders taugen. So bringt man nur auf allerkleinstem Nenner die EU den Bürgern näher.

[via eurotopics]

Mittwoch, 23. Mai 2007

Verändert das Netz Propaganda?

Spannende Lektüre bei PR-Watch: Has the Internet Changed the Propaganda Model?

In their groundbreaking 1988 book, Manufacturing Consent, professors Ed Herman and Noam Chomsky not only explained, but documented with extensive case studies, how mass media and public opinion are shaped in a democracy. Twenty years later, can their “propaganda model” still be used to explain modern media distortions? That was one of the main questions discussed last week at a conference in Windsor, Ontario, titled “20 Years of Propaganda?” Organized by Dr. Paul Boin, the conference drew hundreds of scholars and activists including myself, and more than 1,000 people attended a closing speech by Chomsky on May 17.

Dienstag, 24. April 2007

Nationale Internetkontrolle sichert die Stabilität des Staates

Bei heise.de heute: China will Internet und amtliche Informationen besser kontrollieren. Inhaltlich wenig Neues, dafür aber drastisch formuliert:

Nach einem Treffen des Politbüros über die Informationspolitik am Vortag sagte Präsident Hu Jintao, die Entwicklung und Verwaltung des Internet “muss der fortschrittlichen sozialistischen Kultur und der korrekten Führung der Propaganda folgen”. Ideologisch müsse die Führung des Marxismus gefestigt werden. “Ob wir das Internet in den Griff bekommen, hat Auswirkungen auf die Entwicklung der sozialistischen Kultur, die Sicherheit der Informationen und die Stabilität des Staates”

Das Internet in den Griff bekommen… das heißt in China immer auch, die eigenen User in den Griff bekommen und einzuschüchtern. Die Medien, Blogger eingeschlossen, können bei Verstoß mit fetten Geldstrafen bedacht werden. Auch das Re-Posten eines älteren Artikels kann Menschen in den Knast bringen, jetzt wirds nicht nur Leben ruinieren sondern auch teurer. Das Verfahren dazu wird sogar “standardisiert”.
Weitere Details zur Lage in China in diesem Blog, oder an anderer informierter Stelle.

UPDATE: Auch bei boingboing wird berichtet, auch von einem Insider.

Freitag, 30. März 2007

Wenn Dossiers leaken

Die PR-Agentur von Microsoft, Waggener Edstrom, hat ein Dossier über den Wired-Autor Fred Vogelstein angelegt. Dieser recherchierte für die Wired über Microsoft und bekam auch einige Interviewpartner. Dumm nur, dass das Dossier irgendwie nach der Story bei Vogelstein landete und er es nun veröffentlichte.

Wired-Chefredakteur Chris Anderson schreibt über die Geschichte:

And so on. By the way, as far as I can tell, everything in the memo is accurate. I also think the executives were very well served by the document; they did indeed stick to their message and they got pretty much the story they wanted. This was also, as it happens, the story I wanted–or was it just the story I thought I wanted because I was so effectively spun by Microsoft’s PR machine? The mind reels…

Mittwoch, 21. Februar 2007

Koreanische Regierung “verkaufte ihre Seele an ActiveX”

Die Aversion des Hochtechnologielandes Korea (ich meine den Süden) gegen Microsoft Windows Vista könnte größer nicht werden. Nicht nur gibt es eine PR-bezogen unangenehm aussichtsreiche Sammelklage, der Ton wird insgesamt klirrender: ‘Open Web’ Movement Forces Government to Open Up to Non-MS Systems Aus dem Artikel bei The Korea Times vom 11.2.:

Kim Kee-chang, who teaches at Korea University’s law school, is filing three compensation and criminal suits against the Ministry of Information and Communication and the Korea Financial Telecommunication & Clearing Institute (KFTC). Kim claims that the agencies have neglected their duty of preventing a monopoly for Microsoft’s Windows operating system and Internet Explorer browser.

In his most recent action, Kim and his Open Web group have assisted in a 10-billion-won compensation suit against the KFTC. The suit is to be filed this week by Pay Gate, an online payment solutions company that sells open-platform Internet banking certificate solutions.

“We are going to shatter them completely,’’ said Kim, 44, referring to the KFTC, an Internet banking mediator that has stuck to Microsoft platforms only. “We are going to help Pay Gate as an auxiliary party. Our lawyers will brief the judges on how evil the KFTC has been.’’

Pay Gate has focused on developing open-platform payment solutions. But as the government and the KFTC are forcing the banking industry to adopt the exclusively Microsoft-oriented platforms, the company has lost many business opportunities, with an estimated worth of tens of billions of won, the company claims.

Zur besseren Einschätzung: 10 Milliarden Won sind in etwa 8′000′000 Euro, also noch mehr schlechter PR (wenn ich mich bei den vielen Nullen nachts um drei nicht verzählt habe), vermutlich dennoch nur Peanuts für die Bank. Dennoch, es hackt. Auf der Korean Studies Discussion List (bei koreanstudies.ws, durchsuchbar) wird das ganze so bewertet: “completely dependent [...] on bad technology”.

Many members of our List must be using Apple, Linux or Firefox and will therefore have realized years back that they could not do anything useful with most Korean sites, especially when financial transactions are involved, because only Microsoft platforms allow the use of the notorious Active X plugins, that have long been actively encouraged by the Korean government. They might like to know that there are (very faint) signs of revolt. The first sign I noted was an article in the Korea Times of February 11,
http://times.hankooki.com/lpage/200702/kt2007021117420210440.htm

but there had in fact already been an article a few days earlier, and even last year those in the know had begun campaigning, http://times.hankooki.com/lpage/200702/kt2007020518003910220.htm

The irony is that the new Microsoft Vista is designed to block the use of Active X and the government authorities are now desperately trying to prevent people in Korea installing it because then they will find out how completely dependent they have become on bad technology. There is ample room for conspiracy theories as to just why Korea sold its soul to Active X (or rather to MS) and they will be focussing on the less than clearly identified Mr Kim. It will be interesting to see what happens, but it is sad to see the usual response appearing, along the lines of “it would cost too much to change, and after all, most Koreans are perfectly happy with Microsoft.” I think that this issue is of some importance to us on this list, since quite a few might well want to be able to do online business with Korea without being forced to change computers or systems.

Das verzweifelte daran hatten wir bereits behandelt. Dazu passt, was man bei unifx.net schon länger nachlesen kann: die koreanische Saga vom Land, das offene Betriebssysteme und gerade auch Linux liebt, wie man gemeinhin glaubt: Stimmt alles nicht, von Augenwischerei abgesehen.

Spannend. Ich wünschte ich könnte koreanisch, um das besser zu verfolgen.

[Danke Niels!]

Samstag, 21. Oktober 2006

Copyright-War: Pfadfinder als Multiplikatoren einsetzen

Die US-Filmindustrie ist immer auf der Suche nach neuen Zielgruppen für ihre Propaganda. Neuestes Opfer sind Pfadfinder. Wie aus Donald Duck Geschichten bekannt gibt es bei den Fähnlein Fieselschweif Gruppen für anstrengende Übungen gerne ein Abzeichen*. Tolle Idee dachte sich die MPAA und hat Pfadfinder aus Los Angeles als Testgruppe auserkoren, um über “Piraterie” und “Raubkopien” aufzuklären. Zusammen mit den LA Boy Scouts wurde Schulungsmaterial hergestellt. Anscheinend werden die Pfadfinder als Multiplikatoren genutzt, um mit HIlfe von Mundpropaganda und spannende Aktionen die frohe Botschaft weiter zu verkünden. Zumindest klingt das so in der MPAA-Meldung.

Warum nur unbedingt Pfadfinder? Das erklärt ein Sprecher in einer AP-Meldung: L.A. Boy Scouts new activity patch: ‘Respect Copyrights’.

“Part of being a Scout is being trustworthy and part of being trustworthy is being able to follow the rules in our society,” said Victor Zuniga, a spokesman for the Los Angeles Area Council.

Die Futurezone zitiert den MPAA-Chef aus einer MPAA-Meldung:

“Die Arbeit mit den Pfadfindern von Los Angeles gibt uns die Möglichkeit, eine neue Generation darüber aufzuklären, wie Filme gemacht werden und welchen Wert sie haben, sowie deren Einstellung gegenüber dem Diebstahl von intellektuellem Eigentum zu ändern”, so Dan Glickman, Chef der MPAA.

Pfadfinder? Aufklärung? Copyright? Da war doch noch was: Die chinesische Regierung hat Pfadfinder schon länger als Zielgruppe entdeckt. Dort sollen 200.000 Pfadfinder in HongKong die Zollbehörde unterstützen und im Netz nach “Raubkopien” suchen.

* Scheint eher ein US-Ding zu sein, der Autor erinnert sich weniger an Übungs-Abzeichen in seiner früheren Pfadfinder-Laufbahn.

Dienstag, 12. September 2006

Schul-Propaganda in Österreich: “Ideen sind etwas wert”

Auch in Österreich erstellt der “Verband der österreichischen Musikwirtschaft [IFPI]” unterstützt vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur eigene Urhebererchts-Propaganda für die Zielgruppe Schüler. Das Motto lautet “Ideen sind etwas wert” und mittlerweile ist auch die Filmwirtschaft in das Projekt eingestiegen.

Die Futurezone berichtet jetzt darüber: Schulunterricht mit “Lobbyisten-Texten”.

Bei näherer Durchsicht weisen die Unterrichtsmaterialien jedoch tendenziöse Informationen und Leerstellen auf. So wird zwar im Zusammenhang mit dem Thema Online-Tauschbörsen ausführlich auf die Gefahren von Viren und Spyware hingewiesen, die Verwendung ähnlicher Software beim CD-Kopierschutz durch Musikkonzerne findet hingegen keine Erwähnung.

 

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