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Donnerstag, 17. April 2008

Letztes Mal Polylux

Ein letztes Mal meldet sich das Kommando Tito von Hardenberg mit einer Pressemitteilung zu Wort, bevor es sich dann heute Abend nach der Polylux-Sendung auflösen wird: Fragwürdige Recherchemethoden waren Ausgangspunkt der Polylux-Aktion.

„Sinn und Zweck der Aktion war es, am Beispiel Polylux auf fragwürdige Recherchemethoden in der Medienlandschaft hinzuweisen.“ Eine einfache Google-Suche hat ergeben: Polylux sucht oft mittels Anfragen in Internetforen nach Protagonisten für Beiträge. Egal ob Speed-User, Sektenaussteiger, überforderte Studenten oder Menschen ohne Beziehungserfahrung – stets kommt das „Frischfleisch“ für die nächste Sendung aus der „lieben Community“ im Internet. Ob es es sich bei dieser Art der Protagonnisten-Akquise überhaupt um Recherche handelt, ist fraglich.

„Die Methode, mit einer offenen Anfrage in Web-Communities nach Protagonisten zu suchen“ so Ingrid Hüpenbecker weiter, „birgt die Gefahr, schnell an falsche Gesprächspartner zu geraten. Eine qualitative Recherche nutzt persönliche Kontakte im jeweiligen Umfeld, um an glaubwürdige Interviewpartner zu gelangen, und bietet nicht jedem, der gerade will, die Möglichkeit, irgendetwas in eine Kamera zu sprechen.“
Ingrid Hüpenbecker erklärt: „Das Kommando Tito von Hardenberg löst sich hiermit feierlich auf und freut sich bald andere Medienguerilleros im Fernsehen wegzappen zu dürfen. Wir wünschen Polylux für die Zukunft alles Gute. Bleiben Sie stark.“

Auf der Seite finden sich eine Vielzahl von Beispielen. Aber es ist nicht nur Polylux. Man kann einfach mal nach vielen Sendungen suchen, die ein ähnliches Schema verfolgen wie Polylux und man findet bei vielen Stichproben ähnliche Beispiele.

Mittwoch, 16. April 2008

Polylux antwortet auf Medien-Hack

Besser spät als nie antwortet die Moderatorin Tita von Hardenberg auf der eigenen Plattform auf den Medien-Hack der Hedonistischen Internationalen vom vergangen Donnerstag;

Beeindruckend war nicht nur die schauspielerische Leistung des angeblichen Speed-Users, sondern auch die perfekte Mobilisierung der bundesweiten Presse noch in der Nacht der Ausstrahlung. Professionell gemacht, Hut ab! Und alle schrieben drüber. Trotzdem bleibt die leise Frage: Wozu das Ganze? Haben die Spaßguerilleros wirklich viel erreicht, wenn das Internet als Recherchemedium diskreditiert ist? Wenn Menschen jetzt fälschlicherweise denken, bei Polylux würden Praktikanten ausgebeutet? Wenn sich unsere Autoren ab sofort von ihren Interviewpartnern die Ausweise zeigen lassen? “Tim” hat am nächsten Tag eine Mail an die Autorin des Beitrages geschrieben, darin die Worte: „ Ich hoffe, du glaubst mir, wenn ich dir sage, dass (…) es mir nie darum ging, dich persönlich zu verarschen oder zu verspotten (und) wir in keinem Moment polylux einfach nur blossstellen wollten.” Aha. Schönen Dank auch, Tim. Aber was wollte er dann? Vielleicht die Relevanz der Droge Speed in Zweifel ziehen - und damit auch die anderen Protagonisten des Beitrags, die echt waren? Das jedenfalls ist gelungen. Wir werden diesen und andere Medienfakes am Donnerstag in der Sendung thematisieren und darüber meditieren, was dieser Funsport so alles bewirken kann. Denn, dass Medienfakes - ob sinnfrei oder nicht - Spaß machen, steht außer Frage. Am allermeisten, wenn man zufällig nicht gerade selbst betroffen ist.

Interesannt ist die Einschätzung, dass die “perfekte Mobilisierung der bundesweiten Presse noch in der Nacht der Ausstrahlung” passierte, welche erstmals ausschliesslich über Blogs funktionierte und die “bundesweite Presse” erst gegen Mittag des nachfolgenden Tages mehr oder weniger zögerlich einsprang. Aber wir sind gespannt auf die Reaktion, die zugegebener Maße relativ spät funktionierte! Sicher war es im Sinne der Polylux-Redaktion, wieder mal bundesweite Presse für ein nettes Format innerhalb der ARD-Senderfamilie zu erhalten, die in der Regel mit ihrem Programmangebot eher grauhaarige Personen anspricht.

[via]

Freitag, 11. April 2008

TV hacken: Spass mit Polylux

Aus dem Umfeld der Hedonistischen Internationalen wurde ausprobiert, wie man mit Medien etwas rumspielen kann. Ein fingierter Interviewpartner zum Thema „Alltagsdroge Speed“ wurde inklusive des Themas bei der ARD-Sendung Polylux platziert. Überraschenderweise klappte das alles problemlos, wie das „Kommando Tito von Hardenberg“ mitteilte:

Der dort gezeigte Speed-User „Tim“ ist eine Erfindung des Kommandos. Er mag in Wirklichkeit gar kein Speed und macht auch keine „Speed-Diät“. Die Sprecherin des Kommandos, Ingrid Hüpenbecker, erklärt: „Wir haben die plumpe Internetrecherche von Polylux zum Anlass genommen, die Legende des Speed-Patienten „Tim“ zu erfinden und zum Drehtermin ein kleines Schauspiel vorzuführen. Erschreckend, wie einfach es ist, selbst gewählte Inhalte in Massenmedien zu platzieren und so gesellschaftliche Wirklichkeit werden zu lassen.“

„Polylux war zwar Ziel der Aktion, steht aber stellvertretend für weite Teile der Medienlandschaft, für die Recherche in erster Linie ein Kostenfaktor darstellt. Zentrale Bereiche des Journalismus werden an unterbezahlte Praktikanten ausgelagert, denen es aufgrund prekärer Arbeitsverhältnisse und des daraus resultierenden Drucks schwer möglich ist, ausreichend Zeit und Ressourcen in ihre Arbeit zu investieren.“

„Mit dem Charakter ‚Tim’ wollte das Kommando außerdem darauf hinweisen, dass in der so genannten Leistungsgesellschaft ein nicht normgerechter Körper ein Ausschlusskriterium darstellt. Dieses Thema lag uns wirklich am Herzen“, so Hüpenbecker. „Wir danken Polylux für die problemlose Umsetzung unseres Themenvorschlags, freuen uns auf zukünftige Aktionen im öffentlich-rechtlichen wie privaten Bereich und empfehlen: Journalisten, gebt euch einfach mehr Mühe. Alle.“

Passend dazu gibt es auch ein Bekenner-Video auf Youtube:

Netter Hack.

Update: Um 1:44 Uhr ist das Video nicht mehr auf Polylux.tv zu finden. Eingebunden funktioniert es noch. Mal schauen, wie lange noch. Ansonsten gibt es bei Youtube ein Backup. Und mal schauen, wie lange sich das Bekenner-Video in der “User-Generated-Content” - Area bei Polylux.tv hält.

Update: Unter 9h brauchte die Polylux-Produktionsfirma Kobalt, um das Video bei Youtube aus urheberrechtlichen Gründen entfernen zu lassen. Aber die Zeit dürfte ausgereicht haben, dass genug Kopien im Umlauf sind, die jetzt wieder auf verschiedenen Plattformen hochgeladen werden. Mal schauen, wie es weitergeht.

Update: Hab mal das Video von Google-Video eingebunden. Danke für den Hinweis in den Kommentaren.

 

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