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Dienstag, 1. April 2008

Immer schön an das “s” denken, auch in WordPress 2.5

Wie Markus schon bei re:publica schrieb: das “s” in “https” ist wichtig und nützlich. Und da das alte admin-ssl-Plugin mit dem Upgrade auf WordPress Version 2.5 unbrauchbar geworden ist haben wir jetzt einfach kleine mod_rewrite-Regeln für default_vhost.include und Apache 2.2 geschrieben:

< location "/wp-login.php" >
RewriteEngine On
RewriteCond %{SERVER_PORT} 80
RewriteCond %{REQUEST_URI} ^/wp-login.php.*
RewriteRule ^(.*)$ https://netzpolitik.org/wp-login.php [R,L]
< /location >

< directory "/var/www/localhost/htdocs/wp-admin" >
RewriteEngine On
RewriteCond %{SERVER_PORT} 80
RewriteRule ^(.*)$ https://netzpolitik.org/wp-admin/$1 [R,L]
< /directory >

Für alle, die Shellzugang zu ihrem Server und ein SSL-Zertifikat haben sollte das so oder ähnlich Pflichtprogramm sein. Sonst beamern auf der re:publica wieder mal Passwörter zum Mitschreiben über eine große Leinwand.

Mittwoch, 29. August 2007

Stimmenkauf und “Done deal” bei schwedischer Normierung

Microsoft versucht verzweifelt, ein unklar definiertes und überflüssiges Dokumentformat zu etablieren. Man lässt bald zwei Dutzend Partnerfirmen Mitglied beim schwedischen Normungsinstitut SIS werden, und erhält damit stimmfähige Mitglieder. Es sieht nach Stimmenkauf aus.

Zwei Aspekte stinken daran. Einmal natürlich die “Neuen”, heise.de formuliert so:

25 Mitglieder des entsprechenden Beratungsausschusses beim SIS votierten für die von Redmond vorangetriebene Konkurrenz zum bereits ISO-standardisierten offenen Dokumentenformat OpenDocument (ODF), sechs dagegen. Eine knappe Handvoll Teilnehmer verließ aus Protest die Abstimmung, da zu dem Termin plötzlich 23 in dem Arbeitskreis bislang nicht vertretene Firmen auftauchten und für stimmberechtigt befunden wurden.

Wo kommen die 23 neuen Mitglieder plötzlich her? Man wird nur Mitglied, indem man eine bezahle Mitgliedschaft eingeht. Pro Mitglied kostet das etwa 2444 Euro pro Jahr, macht zusammen etwa 63′000 Euro. Ein Bombengeschäft, wenn man bedenkt, dass die Office-Produkte die Cashcow sind (oder waren). Da kann man mal eben diese Firmen Mitglied sein lassen, die sich nicht an der Diskussion zuvor beteiligt hatten. os2world.com hat diese Liste:

Camako Data AB (Microsoft Gold Certified Partner), Connecta AB (Microsoft Gold Certified Partner), Cornerstone Sweden AB (Microsoft Gold Certified Partner), Cybernetics (Microsoft Gold Certified Partner), Emric AB, Exor AB (Microsoft Certified Partner), Fishbone Systems AB (Microsoft Gold Certified Partner), Formpipe Software (Microsoft Gold Certified Partner), FS System AB, Google, HP (Microsoft Gold Certified Partner), IBizkit AB (Microsoft Certified Partner), IDE Nätverkskonsulterna (Microsoft Gold Certified Partner), IT-Vision AB, Know IT (Microsoft Gold Certified Partner), Modul1 (Microsoft Gold Certified Partner), Nordic Station AB (Microsoft Certified Partner), ReadSoft AB (Microsoft Certified Partner), Sogeti (Microsoft Gold Certified Partner), Solid Park AB (Microsoft Gold Certified Partner), SourceTech AB, Strand Interconnect AB (Microsoft Gold Certified Partner) and TietoEnator (Microsoft Gold Certified Partner)

The final result was 25 Yes, 6 No and 3 Abs and this would from the start be a done deal of saying No!

Fällt da jemandem etwas auf? Dummerweise hat zusätzlich zu dieser Breitwand “eine knappe handvoll Teilnehmer” das Meeting aus Protest verlassen. Denen ist mangelndes Rückgrat vorzuwerfen, aber ändern können hätten die nichts, außer an der Publicity. Ihre Namen werden auch noch preisgegeben, so leicht kommen die bestimmt nicht davon.

Der andere heikle Punkt muss dieser sein: wenn jeder Mitglied werden kann, jede Firma, dann sind die Befürworter von ODF selbst schuld. Es gibt sicherlich auch in Schweden genügend institutionalisierte Firmen, die FOSS vertreten oder Bedenken gegen herstellergebundene Formate haben. Wieso sind die nicht Mitglied geworden? Wir brauchen mehr Nerdlobbyismus und (wenn es sein muss: bezahlte) Repräsentation in solchen Gremien. Wenn es denn nur auf Zählen von Mitgliederstimmen hinausläuft, dann müssen es auch nicht mal rhetorische Leuchten sein. Gezielte Präsenz reicht. Hier ist mangelnde Planung und Kooperation aller (auch der inhaltlich präzisen, öffentlichen) Kritiker mit Schuld. Dumm gelaufen.

Bei noooxml.org ahnte man am 13. August schon böses, als die Request for Comments-Phase bereits abgelaufen war. Dort findet man auch die Namen der Firmen, die ständige Mitglieder sind.

…it seems that MS has not stacked the deck with its boughten friendship. At least not yet. Rumor has it that more members are possibly joining the group before the vote, but I have no more information at the moment. …

As you can see, almost exclusively government representatives, no clear Microsoft-bias. The list of members for this main committee is not going to change before the final vote.

I would be very surprised to see anything else than a “No with comments” from the SIS committee. Given the sheer number of objections (I found hundreds myself, and commented in detail on about 50 of the more grave errors I found in the proposal), and the reportedly large amount of comments from the general public, which I expect to be mostly negative, I see no way for OOXML to pass in Sweden.

Auch die schwedische FFII hat sich geäußert: Microsoft pulls tricks to produce Swedish support for the standardisation of its Office format
Die FSFE hat auch einen Blogeintrag mit vielen weiteren Links zum Thema: ooxml is defective by design

Samstag, 21. Juli 2007

USA: Google will Netzneutralität erkaufen

Das Volk der Vereinigten Staaten von Amerika verleiht demnächst wieder Funk-Frequenzen. Im Auftrag des Volkes versteigert die Federal Communications Commission (FCC) 700 Megahertz Lizenzen. Um die 700 MHz herum liegt der Frequenzbereich der Dezimeterwellen. Das analoge US-Fernsehen sendet bis 2009 auf diesen Frequenzen. Die Frequenzen werden frei, weil das Fernsehen digital wird. Diese Frequenzen sind so begehrt, weil die durch sie transportierten Signale recht stark sind.

Wenn Frequenzen vergeben werden, gibt es immer Kontroversen. An der Grenze zum Internet-Zeitalter aber besonders. Als die Frequenzen nur fürs Fernsehen und -sprechen gebraucht wurden, genügten die bisherigen Auflagen. Mal abgesehen von der Medienkonzentration. Aber im Internet herrscht herbe Vielfalt. Und bisher gibt es kein Gesetz, dass die Frequenzinhaber verpflichtet, diesen Dienstleistungen gegenüber neutral zu sein. Wenn sich Telekommunikationsunternehmen die Frequenzen unter den Nagel reißen, dann hätten sie freie Hand, zu entscheiden, welche Dienstleistungen in ihrem Teil des mobilen Internets zu welchen Bedingungen angeboten würden. Diesem unter der Kehrseite von Netzneutralität bekannten Problem, wird nachgesagt, es würde Innovation verhindern. Da eingesessene Firmen, die Politik des Frequenzinhabers mitbestimmen würden, hätten innovative Konkurrenten, die zu Beginn dem Frequenzinhaber nur wesentlich weniger zahlen könnten, keine Eintrittschance in den Markt. Fast alle großen Internetfirmen haben mit sehr wenig Geld angefangen und nicht jedes Potential wird von einen Investor erkannt. Digitale Innovation braucht wahrscheinlich Freiheit.

Google hat nun angekündigt, bei der Versteigerung dabei zu sein. Sie versprechen mit mindestens 4,6 Milliarden Dollar, also ungefähr den Wert von 3Youtubes oder einem halben Facebook, in die Versteigerung einzusteigen. Aber nur wenn die FCC ein paar Grundsätze beachtet:

Die Konsumenten müssen jedes Programm und jeden Inhalt, den sie haben wollen, bekommen dürfen und jedes mobile Endgerät mit jedem drahtlosen Netzwerk verbinden dürfen. Wiederverkäufer von Mobilfunkdienstleistungen der 700MHz-Lizenznehmer müssen RAND-Bedingungen bekommen und ISPs sollen sich an jedem Punkt mit dem 700MHz Netzwerk verbinden können.

Den anderen Mitbewerbern gefallen diese Grundsätze gar nicht. AT&T zum Beispiel sieht dadurch sein bisheriges Geschäftsmodell gefährdet. So schrieb AT&T an GigaOM:

Google has now delivered an all or nothing ultimatum to the U.S. Government, insisting that every single one of their conditions “must” be met or they will not participate in the spectrum auction. Google is demanding the Government stack the deck in its favor, limit competing bids, and effectively force wireless carriers to alter their business models to Google’s liking. We would repeat that Google should put up or shut up— they can bid and enter the wireless market with any business model they prefer, then let consumers decide which model they like best.

Auch wenn Netzneutralität kontrovers ist und auch Google mindestens eine Public Relations-Abteilung hat. Ich kann an den Forderungen von Google nichts negatives finden. Und ein Geschäftsmodell, dass mit diesen Bedingungen nicht zurecht kommt, gehört nicht ins Internet. Obwohl mir schon ein wenig unbehaglich ist, wenn ich mir vorstelle, dass das mobile Internet der USA demnächst Google gehört. Die Alternativen wären allerdings auch nicht behaglicher.

Donnerstag, 7. Juni 2007

Internetgeschichte genordet

Wenn man etwas über die Geschichte des Internet liest, dann sind da meistens die Punkte Amerika, Arpanet, Atomkriegsresistenz und Genf und dann bald HTML und WWW zu lesen. Danach kommt dann die Musikindustrie und Hollywood und Napster und dann Web 20.
Einen erfrischend anderen Bogen spannt Professor Bernd Lutterbeck auf 14 Seiten. Hier ist ein Text als PDF über die skandinavische Einflüsse auf die Entwicklung des Internets.

“Zentral verordnete Mechanismen verhindern im Zweifel die in einer Informationsgesellschaft gebotenen Formen der Kooperation. Eine Gesellschaft, die ihren institutionellen Default auf Offenheit gestellt hat, scheint die überlegenen institutionellen Arrangements bereit zu halten. Die nordischen Länder Europas haben insoweit einen eigenen Weg in die Informationsgesellschaft eröffnet.”

Kein Wunder also, dass die soviel Breitband und Mobile Services haben.

Freitag, 19. Januar 2007

63 Prozent der Open-Source-Entwickler kommen aus der EU

Bei Heise-Open kommentiert Alexandra Kleijnn die EU-Studie zu den Chancen von Freier Software: Die Woche: Die Zukunft Europas heißt Open Source.

Schön formuliert:

Freie Software ist ein Mittel, die Wachstumslücke zwischen dem alten und dem neuen Kontinent zumindest im Bereich IT schwinden zu lassen: Bis 2010 könnte Open Source vier Prozent des europäischen Bruttoinlandprodukts ausmachen. Und Open Source bietet eine Chance speziell für Europa: Der Studie zufolge kommen 63 Prozent der Open-Source-Entwickler aus der Europäischen Union – viel Potenzial für die Entwicklung von Firmen rund um freie Software.[...]
Nicht unterschätzen darf man zudem die Lobby der Software- und Content-Industrie, die in Kommission und Parlament ihren Kampf für den Schutz des geistigen Eigentums führt. Die Studie ist ein deutliches Signal pro Open Source. Ob ihre Empfehlungen tatsächlich umgesetzt werden, muss die Zukunft zeigen. Wird es Europa gelingen, das Innovationspotential von Open Source für weiteres Wachstum zu nutzen? Wird das Open-Source-Entwicklungsmodell vielleicht sogar mit der Zeit das Closed-Source-Modell, in dem Geld mit dem Lizenzverkauf verdient wird, ablösen? Oder bleibt alles, wie es ist, und erschweren künftig womöglich neue legislative und technische Regulierungen die Umsetzung des Potenzials, das in Open Source steckt? Man wird sehen.

Mittwoch, 17. Januar 2007

Deutschsprachige Informationen zu (Open Source) GIS

Beim Schockwellenreiter gibt es ein paar Links zu deutschsprachigen freien GIS-Ressourcen:

1. FreeGIS Tutorial von Heiko Kehlenbrink (GNU Free Documentation License). Das Tutorial zeigt an mehreren Beispieldatensätzen den Umgang u.a. mit GRASS GIS und UMN Mapserver.
2. Praxishandbuch WebGIS und freie Software von CCGIS und terrestris (Documentation GPL, PDF Icon, 1,2 MB): Das Handbuch gibt auf 136 Seiten einen Einblick in die Themen OpenSource, GDI, OGC & WMS. Weiterhin wird die Anwendung von UMN Mapserver, PostgreSQL & PostGIS und Mapbender demonstriert. Abschließend folgen konkrete Beispiele der Verwendung dieser Systeme in der öffentlichen Verwaltung.

Viele Infos bietet auch FreeGIS.

Dienstag, 12. Dezember 2006

Novells Danaergeschenk: Intensive Debatte über Offene Standards

Die Artikel “Novells Danaergeschenk” (auch auf Groklaw) und “Is OpenXML now a standard?” anlässlich der Anerkennung von Microsoft Office OpenXML durch ECMA International mit Gegenstimme u.A. von IBM hat mittlerweile eine intensive Debatte ausgelöst. Die Wellen finden sich u.A. im ORF Futurezone Interview “Streit ums Dateiformat der Zukunft” und im ebenfalls auf Groklaw veröffentlichten “OpenXML wrap-up after D12K“. Worum geht es?

Mit dem Open Document Format (ODF) gibt es zum ersten Mal ein international anerkanntes und durch ISO zertifiziertes universelles Dateiformat für Office-Anwendungen. Dieser erste echte Offene Standard im Office-Bereich wird durch (fast) alle Anbieter begrüßt und unterstützt, was es in Zukunft erlauben wird, beliebige Office-Programme einzusetzen, ohne dabei Schwierigkeiten im Dateiaustausch befürchten zu müssen.

Microsoft ist über diese Aussicht allerdings weniger glücklich und hat daher sein eigenes Format ins Rennen geschickt, das sogenannte “Office OpenXML”, dessen 6000-Seiten schwere Spezifikation anscheinend noch nicht einmal Microsoft CEO Steve Ballmer für vollständig umsetzbar hält — es sei denn, man heisst Microsoft. Damit dient das Format im Wesentlichen der Migration zu und Abhängigmachung von Microsoft.

Mehr Informationen finden sich unter den obigen Links, vermutlich werde ich zu dem Thema in den nächsten Tagen auch noch den einen oder anderen Eintrag auf meinem persönlichen Blog machen.

Mittwoch, 15. November 2006

Birmingham: Kompetenzzentrum für offene Standards gegründet

In Ländern wie Finnland, Indien oder den USA gibt es bereits nationale Denkschmieden, die sich mit Open Source und offenen Standards befassen. Nun wurde auch in Großbritannien ein Kompetenzzentrum gegründet. Das “National Open Centre” (NOC) soll der britischen Strategieentwicklung in den sich ergänzenden Bereichen Open Source und offene Standards eine Heimat bieten.

Das NOC will mit Organisationen und Einzelnen zusammenarbeiten, um eine Expertengruppe zu schaffen, die regelmäßig auf Kernprobleme aufmerksam macht, als Ratgeber auf wichtige Informationsquellen hinweist und auch Veranstaltungen organisiert und anbietet.

Die Gründungspartner des NOC sind das National Computing Centre, sowie der Stadtrat von Birmingham und die von ihm geleitete Digital-Birmingham-Initiative. Open-Source-Projektpartner sind OpenAdvantage, welche mit der University of Central England und Midland Open Source Technologies zusammenarbeitet.

 

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