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Montag, 3. Dezember 2007

EMI: Auf dem Boden der Tatsachen

Der britische Telegraph schreibt über den Musik-Major EMI, der von dem Unternehmen Terra Firma gekauft wurde: Bringing EMI down to earth.

Internet piracy has played its part in bringing down the major labels, but Edwards says the executives must share the blame. Born in the 1950s, the first pop record labels were small businesses run by tough, hard working owners. When mass music began to produce big profits in the 1970s, the labels were still controlled by founders - men like Chris Blackwell at Island Records, Chris Wright at Chrysalis and Richard Branson at Virgin Records. These were entrepreneurs, who had their own money invested in the business, understood how to control wayward artists and kept an eye on the costs.

Then consolidation began, and record labels joined the stock exchanges or were bought up by big corporations. Executives started to write themselves big cheques, seduced by the rock ‘n’ roll lifestyle. The CD arrived and as well as selling new releases, companies sat back and raked in the profits as fans replaced their vinyl collections with silver discs. There was enough money coming in to keep everyone happy, and the men at HQ didn’t ask too many questions about the threat from newer technologies. Then file sharing took off and the music stopped.

[via]

Mittwoch, 28. November 2007

Wir haben keine Ahnung

Man fragt sich ja manchmal, warum die Musikindustrie die Chancen der Digitalisierung nicht nutzt und sich stattdessen lieber mit Lobbying dafür einsetzt, dass juristisch und technisch das Rad der Geschichte irgendwie zurück gedreht wird. Dank eines Wired-Interviews mit dem CEO von Universal Music gibt es jetzt eine Antwort: Universal’s CEO Once Called iPod Users Thieves. Now He’s Giving Songs Away. Und diese überrascht nicht: Die haben keinen Plan von Technik. Das erklärt auch die DRM-Träume, vor denen alle warnen, die etwas Ahnung von Technologie haben.

Beim Bootsektorblog gibt es eine Übersetzung der entscheidenden Zeilen: Musikboss: Wir haben keine Ahnung.

Morris erklärt: “Wir haben niemand in der Firma, der sich mit Technik auskennt. Das wird von der Presse ständig verkannt. Es ist ungefähr so, also würde jemand von Ihnen verlangen, Ihrem Hund eine Niere heraus zu operieren. Was würden Sie tun?” Und weiter erklärt er: “Wir wussten nicht, wen wir unter Vertrag nehmen sollten. Ich wäre nicht in der Lage, einen wirklichen Technik-Experten zu erkennen. Jeder mit einer geschickten Lügengeschichte hätte mich überzeugt”. Ein Mitarbeiter des UMG-Chefs hatte zuvor berichtet: “Er war nicht darauf vorbereitet, dass sein Geschäft so völlig durch die technische Entwicklung verändert würde”.

Und nun? Vielleicht mal einen Techie einstellen?

Samstag, 3. November 2007

Dieter Bohlen und der Hammer

Ich möchte mich an dieser Stelle nicht dafür rechtfertigen müssen, dass ich mir so etwas ansehe. Es war eben so. Jedenfalls habe ich gerade die Wiederholung der Sendung von J.B. Kerner mit Dieter Bohlen im ZDF angesehen und da sprach Dieter Bohlen sich gegen die Kriminalisierung von Internet-Nutzern aus. Er meinte, dass das halt eben so sei. Man könne den Menschen keinen Hammer geben und dann sagen, jetzt hau aber keinen Nagel in die Wand. Das sei eben heute dasselbe, wie damals mit dem Kassettenrekorder.

Montag, 22. Oktober 2007

P2P-Klagewellen: Das ist ein starkes Stück

SpiegelTV hatte einen Bericht über die Verfolgung von Tauschbörsennutzer: Illegale Downloads: Die Kinderzimmer- Fahnder der Musikindustrie. Interviewt wird auch Staatsanwalt Wiedemann. Der findet es “ein starkes Stück”, dass unmengen Steuergelder durch die Abmahnwelle der Musikindustrie verschwendet werden, um diese bei ihren zivilrechtlichen Klagen zu unterstützen. Seit Sommer werden die Anschlussinhaber in seiner Staatsanwaltschaft nicht mehr von der Musikindutsrie angefragt. Denn seit Anfang des Jahres landeten über 600 Fälle unbeabeitet im Aktenschrank. Ist sehenswert, aber leider nicht einbindbar.

Donnerstag, 11. Oktober 2007

Stern TV: Wie Kinder zu Kriminellen werden?

Gestern Abend hat man sich bei Jauch auf RTL mit Tauschbörsen, P2P, Filesharing und den Klagen der Musikindustrie beschäftigt. Dazu geladen waren Clemens Rasch, der im Auftrag der Musikindustrie Abmahnungen verschickt und Christian Solnecke, der schon zahlreiche “Filesharer” vor Gericht vertreten hat.

Die Standpunkte der Anwälte waren dabei nicht gerade neu, die Art der Präsentation auf “Fernsehniveau” hingegen schon. In den Beträgen wurde knapp die Problematik erläutert, um dann vor allem unbescholtene Jugendliche und deren eingeschüchterte Eltern zu zeigen. Wahlweise beim Rasenmähen oder bei anderen idyllischen Familientätigkeiten, fern vom bösen Computer. “Es soll wehtun” war die Forderung von Rasch, “es tut weh” schien die Antwort von Stern TV und RTL zu sein. Als die Jugendlichen am Ende von Jauch gefragt wurden, welche CD sie zuletzt gekauft hatten, antworte einer der beiden “The Dome 43″(eine Compilation, die man zur entsprechenden Show auf RTL2 erwerben kann).

So mag man bei Stern TV zwar die hohen Forderungen der Musikindustrie und die Abmahnwellen kritisiert haben, vor allem hat man aber dem eigenen Kundenkreis eine deutliche Warnung zukommen lassen. Um sich möglichen Forderungen der Musikindustrie erwehren zu können, wird empfohlen “vorbeugende Unterlassungserklärungen” auf der Seite von Stern TV herunterzuladen:

Wenn Sie zu befürchten haben oder nicht ausschließen können, dass in den vergangenen Monaten über Ihren Internetanschluss sei es von Freunden oder von Kindern - illegal Musik getauscht worden ist, dann empfehlen wir die Abgabe der nachfolgenden sechs Unterlassungserklärungen.

Ob dies tatsächlich ohne “Anerkennung einer rechtlichen Verpflichtung [..] und ohne Präjudiz für die Sach- und Rechtslage” möglich ist, bleibt allerdings mehr oder minder dem Zufall überlassen. Der Musikindustrie geht es ja darum ein Zeichen zu setzen. Christian Solnecke meint aber dennoch, dass eine solche Erklärung schützen kann:

Der Vorteil einer präventiven Unterlassungserklärung liegt darin, dass die aktiven Anwälte keine Abmahngebühr mehr verlagen können. Womöglich verlieren sie dann das Interesse an Ihrem Fall - sicher ist das allerdings nicht.

In seinem Schlusswort forderte Rasch, dass “solche Programme”(P2P) dann auch tatsächlich nicht mehr genutzt werden dürfen. Kein Wort von den Möglichkeiten P2P jenseits der Illegaliltät zu nutzen, kein Wort von anderen Strategien der Musikindustrie.

Die Strafe und der Verfahrensausgang hängt nicht zuletzt auch von dem Gericht ab, an dem die einzelnen Fälle ausverhandelt werden. Eine Übersicht über die einzelnen Urteile gibt`s auf der Seite der Kanzlei von Christian Solnecke.

Folgende Kanzleien in Deutschland verfolgen für die Rechteinhaber Filesharingaktivitäten:

kanzlei rasch (hamburg - musikindustrie)
schutt&waetke (karlsruhe – spiele)
kuw (karlsruhe) porno
waldorf (münchen) hörbücher
kornmeier(frankfurt) 3p- wenige kleinere labels

Samstag, 25. August 2007

JCast40: Filesharer im Visier der Musikindustrie

Der JCast40 redet über “Filesharer im Visier der Musikindustrie“:

Wenn die Musikindustrie gegen Filesharer vorgehen möchte, läuft das in aller Regel über eine Strafanzeige. Die Staatsanwaltschaft ermittelt dann über die IP-Adresse, wer hinter dem Angebot auf einer Peer-to-peer-Plattform steht, über eine Akteneinsicht kommen dann die Rechteinhaber an Namen und Adressen. Erstmals hat jetzt ein Gericht diese Praxis in die Schranken gewiesen und die Ermittlung des Namens und der Adresse bei nur 2 angebotenen Musikstücken für unverhältnismäßig erklärt. Über Filesharer, die ins Visier der Musikindustrie geraten sind, über deren Rechtsverteidigung und über die erwarteten Änderungen mit Umsetzung der Enforcement-Richtlinie habe ich mit Christian Solmecke, LL.M. gesprochen, der als Rechtsanwalt in der Kanzlei Wilde & Beuger entsprechende Fälle betreut.

Hier ist die 13 MB grosse MP3.

Donnerstag, 23. August 2007

Wirtschaftlicher Schaden durch “Musikpiraterie”?

Golem berichtet über eine aktuelle Studie des US-amerikanischen Institute for Policy Innovation (IPI), die einen Schaden von 12,5 Milliarden durch “Musikpiraterie” anprangern. Dabei berufen sie sich auf “unabhängige” Zahlen der IFPI. Wenn man sich die Zahlen aber genauer anschaut und mit alten Daten vergleicht kommt man auf das folgende Ergebnis:

Man kann zwar geringfügige Schwankungen im einstelligen Prozentbereich erkennen, aber durch “Piraterie” ausgelöste Verluste in einer ernsthaften Größenordnung, wie von der IPI “errechnet”, lassen sich in den amtlichen Zahlen nicht finden. Die angeblich in der Musikindustrie verloren gehenden 26.860 Arbeitsplätze würden in etwa der (geschätzten) Gesamtzahl der Arbeitsplätze in der US-Musikindustrie in den 90er Jahren entsprechen. Anders gesagt: Ausgehend von den IPI-Zahlen hätte sich die US-Musikbranche in rund zehn Jahren der Größe nach verdoppeln müssen und nur die “Piraterie” hat das verhindert. Noch anders gesagt, hätten die US-Bürger ihren CD-Konsum binnen zehn Jahren vervielfachen müssen, denn um ein paar mehr CDs zu pressen benötigt man ja nicht gleich fast 27.000 neue Arbeitsplätze. Und Ausgaben für Live-Konzerte und Merchandising-Artikel sind dabei in den Zensus-Zahlen überhaupt nicht berücksichtigt.

Richtet also die “Musikpiraterie” den immer wieder behaupteten Milliardenschaden für die US-Wirtschaft an? Mit den amtlichen Zahlen ist das jedenfalls nicht zu belegen. Im Gegenteil, der Vergleich der US-Zensus-Zahlen von 2002 mit denen von 1997 könnte sogar den Schluss nahe legen, dass MP3, Napster & Co. der Musikindustrie zu Beginn der 2000er Jahren zu einem Aufschwung verholfen haben.

Samstag, 19. Mai 2007

The Professional Suicide of a Recording Musician

Auf einer Veranstaltung des Zentrum für Aktuelle Musik (ZAM) auf der Musiktriennale Köln gab es gestern ein Konzert und Vortrag von Bob Ostertag (Komponist, Performer, politischer Aktivist, Prof. of Technocultural Studies and Musik). Er sprach über das Bewusstsein, mit digitalen Technologien Kunst zu machen - welches dieselben Technologien sind, mit denen andere Menschen Beiträge zu Kriege, Klimaerwärmung und anderen gesellschaftliche Katastrophen anrichten. Des weiteren erklärte er, warum er seine sämtlichen Aufnahmen seit einem Jahr unter einer Creative Commons-Lizenz zum Download bereit stellt, was mich auf seinen kürzlich veröffentlichten lesenswerten Artikel “The Professional Suicide of a Recording Musician” aufmerksam machte, in dem er seine Entscheidung zur freien Veröffentlichung seiner Musik im Detail begründet.

 

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