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Mittwoch, 30. April 2008

Weitere Kritik an den Internetsperrungswünschen

Langsam kommt mehr Bewegung in die Kritik an den Forderungen der Musikindustrie zum Tag des Geistigen Eigentums auf. Das ist erfreulich und hier kann es ruhig noch eine grössere Debatte und mehr Medienaufmerksamkeit geben.

Sehr interessant ist der Blog-Kommentar von Prof. Dr. Thomas Hoeren: Worüber ich mich ärgere: Der offene Brief der Musikindustrie.

Ich habe langsam die Nase von den Frechheiten der Musikindustrie voll. Undifferenziert wird auf Nutzer und TK-Industrie eingeschlagen. Falsche Zahlen (70% der TK-Nutzung seien illegaler P2P-Verkehr) werden kombiniert mit schrägen Vergleichen gerade mit dem Zensurland China und dubiose Zitate just von Mark Getty (”Geistiges Eigentum sei das Öl des 21. Jahrhunderts”). Die eigenen Haussklaven werden als Unterzeichner vorgeschickt und instrumentalisiert, statt sich mal zu fragen, ob man nicht als Musikindustrie angemessene Salärs an Kreative zahlt. Jede differenzierte Auseinandersetzung fehlt: Hat nicht der Gewinneinbruch in der Musikindustrie noch andere Gründe als P2P? Kann die TK-Industrie überhaupt effektiv den Zugang zu Websites sperren? Ist nicht Urheberrecht geprägt durch eine komplexe Suche nach einem Gleichgewicht zwischen schützenswerten Urheber-, Verwerter- und Nutzerinteressen? Man will in der Musikindustrie nicht differenziert denken. Man will schlagen, hauen, klotzen. Dualismus ist eben besser verkäuflich als differenzierte Prüfung und Gespräche. Gut = Musikindustrie - böse =

Pavel hat bei Tim im Blog einen “offenen Brief vom Internet zum Tag des Geistigen Eigentums” platziert:

Kulturschaffende waren bereits im vorigen Jahrhundert durch das Aufkommen von Kompaktkassetten, Videorecordern, Photokopiergeräten und CD-Brennern vom Ruin bedroht. Als plötzlich jedermann Kopien und Mitschnitte von Rundfunksendungen anfertigen konnte und diese an seine ganzen Freunde verschenkte, hat das die Kultur zwar beflügelt, aber das konnte ja niemand wissen. Das darf sich nicht wiederholen. Diesmal muss der Fortschritt aufgehalten werden.

Sehenswert ist auch der Video-Podcast von Felix Schwenzel auf Wirres.net: monrose vergessen ist kein kavaliersdelikt.

gestern habe ich wieder in eine kamera geredet, über frau merkels einsatz für junge künstler und dass sie das problem des downloads von computern wieder auf die internationale agenda setzen möchte.

Dienstag, 15. April 2008

Deutschland hat weltweit das mit Abstand stärkste Urheberrecht

Es bleibt festzuhalten, dass Deutschland weltweit das mit Abstand stärkste Urheberrecht besitzt. Das machte erst kürzlich eine Umfrage des Weltwirtschaftsforum deutlich. In keinem anderen Land der Welt genießen Urheber und Rechteinhaber einen vergleichbaren Schutz. Umgekehrt ist es ist kaum einem anderen Land der Welt so schwierig, kreativ mit urheberrechtlich geschütztem Material zu arbeiten. Last.FM, MySpace oder YouTube in Deutschland an den Start zu bringen, wäre aufgrund dieser Rechtslage weiterhin völlig undenkbar.

Udo Raaf von Tonspion.de in einem Kommentar zur Durchsetzungsrichtlinie und dem Meckern der Musikindustrie, dass die nicht radikal genug sei.

Montag, 14. Januar 2008

Musikindustrie: From major to minor

The Econimist hat einen Artikel zur Lage der Musikindustrie: “From major to minor“:

Last year was terrible for the recorded-music majors. The next few years are likely to be even worse

Donnerstag, 10. Januar 2008

Debug: DRM erzwingt die Abkehr von DRM

Im De:bug-Blog gibts einen lesenswerten Beitrag zur allmählich erkennbaren Strategie der Musiklabel-Majors, auf DRM zu verzichten (das machen sie nur, um die starke Stellung von Apple zu brechen, nicht etwa aus Einsicht, dass DRM prinzipiell verfehlt ist): Der DRM-Killer heisst DRM.

Und genau jetzt ist die Zeit gekommen, in der - wir oraktelten das schon länger - Apple schlichtweg Teile der Musikindustrie, deren Aktien einfach nicht aus der tiefen Talsohle herauskommen, fast schon aus der Portokasse aufkaufen könnte (auch wenn das zur Zeit eher wie ein schlechter Deal aussehen mag). Sicherlich hat Apples DRM-Variante nur einen Teil zum Erfolg der iPods beigetragen, aber es hat die Hardware-Software-Service-Strategie auch über all die Jahre vor einem entscheidenden Bruch gesichert. Wer einmal einen entscheidenden Teil seiner Musiksammlung für den iPod gekauft hat (und es sind nicht die Sideloader und Ripper, die in der Zukunft Musikdownloads kaufen werden, sondern eben die die jetzt schon damit angefangen haben), der kommt aus seinem Universum nicht mehr raus, dank DRM.

Und genau das, genau diese Einschliessung der Inhalte, dürfte der Grund hinter dem scheinbar so konsumentenfreundlichen Abschied von DRM sein, denn das Monopol von Apple lässt sich so lange nicht brechen, so lange nicht DRM aus dem iTunes Store verschwindet und genau diese Chance will man frühzeitig nutzen, was auch die Versuche, DRM-freie Musik zuerst auf anderen Plattformen, bei der Apple-Konkurrenz zu veröffentlichen, etwas hilflos erscheinen lässt. Doch erst wenn auch das letzte DRM aus dem Apple-Store verschwunden ist, kann man wirklich hoffen, die Apple Dominanz zu brechen. Und deshalb: Wenn es ein Ende von DRM geben wird, dann wird DRM der DRM Killer gewesen sein.

Donnerstag, 3. Januar 2008

Musikindustrie: Kopien für den Eigengebrauch von gekauften CDs sind illegal

Langsam wird es absurd. Die Recording Industry Association of America hat ja schon viele Klagen gegen Filesharer angestrengt (die meistens in teuren außergerichtlichen Einigungen endeten). Jetzt setzen sie noch eins drauf. Nach ihrer Ansicht darf man CDs, die man selber gekauft hat, nicht einmal mehr auf den eigenen Computer überspielen:

In legal documents in its federal case against Jeffrey Howell, a Scottsdale, Ariz., man who kept a collection of about 2,000 music recordings on his personal computer, the industry maintains that it is illegal for someone who has legally purchased a CD to transfer that music into his computer. The industry’s lawyer in the case, Ira Schwartz, argues in a brief filed earlier this month that the MP3 files Howell made on his computer from legally bought CDs are “unauthorized copies” of copyrighted recordings.

Update von Markus: Laut Techdirt vermutlich eine Ente - Washington Post Flubs Story On RIAA — RIAA Still Not Going After Personal Copies (Yet)

Update von Ralf: Danke, Markus. Ich hatte  eh die Quellenangabe vergessen.

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Der Kreuzzug der Musikindustrie in Deutschland gegen Tauschbörsen

Die FAZ berichtete gestern über den Kreuzzug der Musikindustrie in Deutschland gegen Tauschbörsen: 10.000 Euro für das Lied, 3000 Euro für den Anwalt.

Neuerdings betreiben Polizei und Musikindustrie selbst eigene Tauschbörsen-Server, um Kinder und Jugendliche schneller zu ermitteln. Im vergangenen Jahr war ein solcher Server in das eDonkey-Netz eingebunden. Nach Auswertung der Daten fand eine spektakuläre Aktion statt: 130 Hausdurchsuchungen im gesamten Bundesgebiet, zirka 100 Computer und große Mengen Beweismaterial wurden sichergestellt. Federführend hier: Pro Media von Rechtsanwalt Rasch. Der verantwortliche Oberstaatsanwalt Jürgen Krautkremer legt aber Wert auf die Feststellung, dass die Überwachung des Servers von den Ermittlungsbehörden ausgeführt worden sei. Dieses Vorgehen halten andere Staatsanwälte für rechtlich grenzwertig. Gebracht hat die Aktion außer Medienecho wenig, denn die Menge der kopierten Dateien und deren Nutzer hat sich nicht verringert. Vor einigen Wochen mietete die Kriminalpolizei Hürth in Zusammenarbeit mit der „Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen“ einen Server in den Niederlanden, um als „Agent provocateur“ aufzutreten. Auch das ist rechtlich zweifelhaft.

Montag, 3. Dezember 2007

EMI: Auf dem Boden der Tatsachen

Der britische Telegraph schreibt über den Musik-Major EMI, der von dem Unternehmen Terra Firma gekauft wurde: Bringing EMI down to earth.

Internet piracy has played its part in bringing down the major labels, but Edwards says the executives must share the blame. Born in the 1950s, the first pop record labels were small businesses run by tough, hard working owners. When mass music began to produce big profits in the 1970s, the labels were still controlled by founders - men like Chris Blackwell at Island Records, Chris Wright at Chrysalis and Richard Branson at Virgin Records. These were entrepreneurs, who had their own money invested in the business, understood how to control wayward artists and kept an eye on the costs.

Then consolidation began, and record labels joined the stock exchanges or were bought up by big corporations. Executives started to write themselves big cheques, seduced by the rock ‘n’ roll lifestyle. The CD arrived and as well as selling new releases, companies sat back and raked in the profits as fans replaced their vinyl collections with silver discs. There was enough money coming in to keep everyone happy, and the men at HQ didn’t ask too many questions about the threat from newer technologies. Then file sharing took off and the music stopped.

[via]

Mittwoch, 28. November 2007

Wir haben keine Ahnung

Man fragt sich ja manchmal, warum die Musikindustrie die Chancen der Digitalisierung nicht nutzt und sich stattdessen lieber mit Lobbying dafür einsetzt, dass juristisch und technisch das Rad der Geschichte irgendwie zurück gedreht wird. Dank eines Wired-Interviews mit dem CEO von Universal Music gibt es jetzt eine Antwort: Universal’s CEO Once Called iPod Users Thieves. Now He’s Giving Songs Away. Und diese überrascht nicht: Die haben keinen Plan von Technik. Das erklärt auch die DRM-Träume, vor denen alle warnen, die etwas Ahnung von Technologie haben.

Beim Bootsektorblog gibt es eine Übersetzung der entscheidenden Zeilen: Musikboss: Wir haben keine Ahnung.

Morris erklärt: “Wir haben niemand in der Firma, der sich mit Technik auskennt. Das wird von der Presse ständig verkannt. Es ist ungefähr so, also würde jemand von Ihnen verlangen, Ihrem Hund eine Niere heraus zu operieren. Was würden Sie tun?” Und weiter erklärt er: “Wir wussten nicht, wen wir unter Vertrag nehmen sollten. Ich wäre nicht in der Lage, einen wirklichen Technik-Experten zu erkennen. Jeder mit einer geschickten Lügengeschichte hätte mich überzeugt”. Ein Mitarbeiter des UMG-Chefs hatte zuvor berichtet: “Er war nicht darauf vorbereitet, dass sein Geschäft so völlig durch die technische Entwicklung verändert würde”.

Und nun? Vielleicht mal einen Techie einstellen?

 

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