Music 2.0 im Thinner-Blog
Das Netlabel Thinner.cc hat jetzt auch ein Blog und berichtet dort über “Music 2.0 - music industry and its deconcentrated future”. Empfehlenswerte Lektüre.
Das Netlabel Thinner.cc hat jetzt auch ein Blog und berichtet dort über “Music 2.0 - music industry and its deconcentrated future”. Empfehlenswerte Lektüre.
Wenn sich so mancher junge Mensch fragt, wieso Politiker eigentlich so oft eher schlichte Ansichten über das Internet haben, dann muss man Ihnen sagen, dass das an ihren Umgang liegt. Professor Dr. Reinhold Kreile und Professor Dr. Jürgen Becker sind ein solcher Umgang. Sie sind verantwortlich für einen Text, der als ein Klassiker der digitalen Depression am Anfang des 21. Jahrhunderts besprochen werden kann. Der Text kommt wie eine Schnecke daher, der hier und da ein wenig schleimt, und bei Gefahr oder Berührung mit etwas Neuem, schnell die Augen einfährt. Vor allem aber der Schluss ist gewaltig:
Die GEMA war mit Blick auf Erwartungen und Entwicklungen im Internet stets eine warnende Stimme, die ganz nüchtern darauf beharrt hat, dass die Vision eines freien, quasi anarchischen Internets ohne Schutz für die Rechteinhaber eine Fata Morgana in einer kulturellen Wüste bleiben wird. Mit allem Nachdruck ist die GEMA deshalb immer wieder der abwegigen Behauptung entgegengetreten, es sei das Urheberrecht - und gleiches soll für die Rechte der Künstler und Produzenten gelten -, das die freie Entfaltung des Webs und damit die wirtschaftliche Entwicklung dieser neuen Kommunikationstechnologie behindere. Wenn die deutsche Financial Times (8. August 2001) enttäuscht feststellt, dass der Wechsel von Musik auf traditionellen Tonträgern hin zu legaler Musik aus dem Internet, nicht in Internetgeschwindigkeit vorankomme, so kann darauf die Antwort nur lauten: Das ist auch gut so! [...] Zu begrüßen sind alle neuen, sinnvollen Instrumente zum Kampf gegen Musikpiraterie im Internet. Man darf sich aber nicht der Illusion hingeben, dass damit bereits der Kampf gewonnen sei. Das Beispiel Napster hat deutlich und unmißverständlich vor Augen geführt, wie schwer, ja wie nahezu aussichtslos der juristische Kampf gegen die Piraterie im Netz ist. [...] Vor diesem Hintergrund kommt den Access-Providern als Zugangsvermittlern zum Internet eine besondere Bedeutung und auch Verantwortung zu. Allein die Access-Provider sind technisch in der Lage, die notwendigen Daten über Musikpiraten im Internet zu ermitteln. [...] Mit Recht werden jetzt schon die Access-Provider in den Kampf um die Verhinderung von nazistischer Propaganda im Netz einbezogen, ebenso wie bei den Ermittlungsmaßnahmen wegen des Verdachts sexuellen Mißbrauchs von Kindern. So können sie doch auch im Kampf gegen den Musikdiebstahl im Netz, der in die Milliarden geht, in die Pflicht genommen werden. Hierüber muß national und international mit den Betroffenen selbst, aber auch mit der Politik gesprochen werden. [...] Auch wenn vor einer Verrechtlichung des Internets sowie vor einer Einschränkung angeblicher “digitaler Bürgerrechte” gewarnt wird, so darf die scheinbar autonome Welt des Internets sich den bestehenden sozio-ökonomischen, politischen und juristischen Gegebenheiten der nicht virtuellen Welt nicht entwinden.
Auf diese Einschwörung folgt ein Paukenschlag, der den Leser beim Verlassen des Textes den Mund offen und das Herz warm werden lässt. Es gibt Hoffnung und die GEMA wird weiter Widerstand leisten.
Es ist eine alte Erfahrung, dass in schweren wirtschaftlichen oder auch politischen Zeiten die Musik mit ihrem unbeugsamen Optimismus stets einen Ausweg weist: 1942, in einer Zeit, in der für Optimismus gewiß kein Anlaß bestand, komponierte Michael Jary den Schlager, zu dem Bruno Balz den Text schrieb und den die unvergessene Zarah Leander auf unnachahmliche Weise interpretiert hat: “Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n”. Für die Musik im Internet muß man fest daran glauben.
Ich weiß nicht, ob es sowas schon mal gegeben hat. Aber gestern hat das ZDF eine Sendung zuerst um 20 Uhr im Internet ausgestrahlt, bevor sie dann um 0:35 Uhr im ZDF in der Glotze erschien. Die Sendung hieß “Wieviel Rausch darf sein” und sprach ohnehin eher jugendliche Drogenkonsumenten und Sozialpädagogen an. Man konnte per E-Mail und Webcam interagieren und sich später dann im TV bewundern. Während die Sendung im Internet lief, brachte das ZDF “Lustige Musikanten on tour”, in der sich ältere Menschen mit schlichter Musik und heiler Welt in Stimmung brachten.
Richard Silver, Choreograf, hatte in den Siebzigern einen Tanz erfunden - “The Electric Slide”. Er hält das Copyright auf seine bestimmte Abfolge von Gleitschritten. Als das Web und Youtube erfunden wurde, stellte Kyle Machulis ein Video mit tanzendem Publikum im Rahmen eines Konzerts auf die beliebte Videoplattform. Als Richard Silver auf das Video aufmerksam wurde, erkannte er seine Abfolge von Gleitschritten und versandte eine “Take-Down-Notice”.
In dem folgendem Rechtsstreit vertrat die Electronic Frontier Foundation Kyle Machulis und erwirkte ein Nachgeben von Richard Silver. Richard Silver will laut EFF fortan seine Gleitschritte für nichtkommerzielle Tänzer und sie dokumentierende Kulturgüter freigeben. Weiterhin wolle er sie unter eine nichtkommerzielle Creative Commons Lizenz stellen.
Zum Lernen gibt’s hier ein gif. Da die Handhabung der nichtkommerziellen Lizenz aber noch nicht lupenrein geklärt ist, sollte man vielleicht vom Tragen eines Marken-T-Shirts beim Tanzen absehen.

Etwas verspätet gibt es hier einen kleinen Rückblick auf die Pop-Up in Leipzig. Ich war eingeladen, an einer Diskussion zum Thema “Alles nur gesaugt – Urheberrecht und Musikdownloads” teilzunehmen. Das war endlich mal wieder ein Vorwand, um Leipzig zu besuchen und das Wochenende hat sich gelohnt. Die Pop-Up ist eine kleine Indie-Musikmesse mit einem Forum und einem mehrtägigen musikalischen Rahmenprogramm. Auf der Messe selbst präsentierten sich mehr als 130 Musiklabels und Dienstleister. Dazu gab es das Forum mit drei Diskussionen. Die Popnutten haben zwei davon aufgezeichnet und bieten sie zum anhören in ihrem Blog an. Weiterlesen …
In China nimmt man das mit dem Klagen jetzt ernster als zuvor: die IFPI hat teilweise erfolgreich Yahoo darauf verklagt, die Verlinkung illegaler MP3-Dateien zu unterlassen. Vor WTO-Beitritt und vor formaler Anerkennung von Privateigentum wär das nicht so möglich gewesen. Urheberrecht.org berichtet aus aktuellem Anlass:
Der chinesische Ableger des Internet-Suchmaschinenbetreibers Yahoo! muss die Verlinkung auf Hunderttausende von illegalen Kopien von Musikdateien unterlassen. Wie die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) am 24.4.2007 meldet, hat ein Pekinger Gericht entsprechenden Klagen vom Januar 2007 stattgegeben. Nach Angaben des Verbandes sah das Gericht die MP3-Suchseite von Yahoo! China als mitursächlich für Verletzungen der Urheberrechte der von der IFPI vertretenen Musikunternehmen an. Über die Seite wird das Auffinden, der Download oder das Anhören von illegalen Gratis-Musikdateien ermöglicht, ohne die Seite von Yahoo! verlassen zu müssen.
Auch SpOn berichtet, aber mit gewohnt reißerischem Titel: Yahoo wegen Raubkopien verurteilt. Man beachte, dass hier einmal mehr “Raubkopien” mit ohne Genehmigung der Rechteinhaber zum Download bereitgestellten bzw. in diesem Fall bloß verlinkten Mediendateien gleichgestellt werden.
Dementsprechend muss der chinesische Yahoo-Ableger jetzt alle Verweise auf Gratis-Angebote für illegale Musik-Downloads von seinen Internetseiten entfernen. Das Gericht in Peking verurteilte den Suchmaschinenbetreiber außerdem zu einer Strafzahlung in Höhe von 19.000 Euro (200.000 Yuan).
Damit bleibt das Gericht allerdings weit hinter den Forderungen der Kläger zurück. Die hatten von Yahoo China einen Schadenersatz in Höhe von 525.000 Euro (5,5 Millionen Yuan) wegen angeblicher Urheberrechtsverstöße gefordert.
Letztlich sind das doch nur Peanuts, auch wenn die offiziöse PR die Aktion als Erfolg feiert:
“This is a good news day for the music industry. This judgement will boost the growth of a licensed digital music business in China and provide better protection for intellectual property in this vast, exciting market. The ruling promises to improve the whole environment in which the local and international music industry does business in China. …
“The judgment gives our members the legal basis to require all music search engines in China to remove infringing links from their service – which we will do. The Court has effectively called time on this type of mass digital piracy in China. Now we must see that this ruling is respected by all those who seek to profit from providing access to music online in this way.”
Erst Yahoo China, dann Hong Kong. Bei der FTD klingt das so: “Guter Wille an der Copyright-Front”.
Vorerst demonstriert China Kooperationswillen: Jüngst beschloss die Regierung einen Aktionsplan gegen Verletzungen geistiger Eigentumsschutzrechte - der deutlich strengere Strafen vorsieht als sein Vorgänger. 14 Gesetze und Verordnungen sollen reformiert werden. Anfang April wurde die Schwelle für Strafprozesse gegen CD-Kopierer gesenkt: Vor den Kadi muss, wer 500 Stück besitzt - vorher waren es 1000.
Solche Fortschritte müsse man stützen, heißt es aus der europäischen Industrie - etwa mit der Ausbildung chinesischer Richter und Zollbeamter. Der Sinn einer Konfrontation vor der WTO erschließt sich Friedolin Strack vom Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft nicht. Er setzt auf Chinas Eigeninteresse: “Vor den Olympischen Spielen 2008 wird der Staat darauf erpicht sein, sich die Marketingeinnahmen aus dem Ereignis zu sichern.”
Hintergrund ist natürlich das kulturelle Großreinemachen vor der Olympiade 2008, an der auch gemessen werden wird, obwie weit der chinesische Markt sich verwestlichen lässt. Dabei wissen wir aus dem Alten Europa doch schon lange: Geistiges Eigentum ist “Fehler des Kapitalismus”. Mal sehen was der morgige “Welttag des geistigen Eigentums” noch so an Kapiteln bringt.
UPDATE: Auch ContentAgenda.com berichtet: “Court orders Yahoo China to unlink 229 songs in copyright case decision“, und hat einige Details von Captain Obvious:
Besides Baidu and Yahoo China, other Chinese search engines, such as Sina’s iAsk, Sohu’s Sogou and Zhongsou, operate similar music search services, which are magnets to teenage internet users looking for free entertainment. “We are going to take action against similar music linking services,” Ms Leong said. “The court’s decision yesterday is a step in the right direction. It will help China to grow legitimate online music business.”
In its statement after the decision, Yahoo said the case “has far-reaching implications for all search engines. An important principle is at stake in this case - that search engine operators should not be held liable for content posted on third-party websites”.
Baidu used the same argument in winning in its cases against the music companies last November. The music companies are appealing against that decision.
While the music companies attributed yesterday’s triumph to the new regulation, an industry source said politics were at play.
“The decision came just before April 26, the international intellectual property rights [IPR] day,” the source said. “And the US government is pushing China with IP infringement issues. I think the decision is more for political than legal reasons.”
Die “LAC2007 - 5th International Linux Audio Conference” findet vom 22. - 25. März 2007 in der TU-Berlin statt.
LAC2007 aims at bringing together developers and users of Linux and open source audio software with the target of information sharing, project discussion and music.
Ich hoffe noch auf etwas Zeit, um einige interessante Workshops und Vorträge zu hören. Der Eintritt ist frei, allerdings muss man sich registrieren. Einige Konzerte sollen aber kostenpflichtig sein.
Nicole Simon hat ein Interview mit John Buckman von Magnatune gemacht.
Und da ich ihn auf der Wizards of OS 4 auf Zeitgründen leider nicht interviewt habe, verlinke ich mal das Interview von Nicole als MP3.
We talk about:
* how Magnatune came about and why the whole chain in the music business is filled with evil
* how music is published with Magnatune
* how this works together with traditional models but still is new with CC licences
* of course we also talk a lot about using creative common licences
* better be outstanding than mediocre
* if the Magnatune can work in other industries but why music might be special
* Bookmooch - the exchange system for books, the credit system and how people use it
* how this might change the way you look at books and the buying process
Magnatune ist ein Netlabel, was als eigenen Brand “we are not evil” hat. Alle Dateien liegen im MP3-Format vor und sind unter den Creative Commons lizenziert.
Die Regierung von Malaysia geht neue Promotionswege. Dort gibt es ein Werbelied für die Malaysische Bürgerkarte “MyKad”. Bei der Musik wird das garantiert ein Hit. Liegt leider nur in einer flashigen Fassung vor.
“All the cards we carry have become much too heavy”.
Und jetzt warten wir eigentlich nur noch, dass die Bundesregierung unsere Gesundheitskarte vertont. Wahlweise irgendwas anderes.
[Danke Dragan]
Ein wenig Geschichte der Digitalkultur gbt es heute bei der Taz, anlässlich der Uraufführung von “E2-E4″ im Berghain heute Abend. “E2-E4″ ist ein Werk des ehemaligen Krautrockers Manuel Göttsching. Das einstündige Album, welches aus einem Lied besteht, klingt 25 Jahre nach Veröffentlichung immer noch aktuell und gilt als eine der Wurzeln von Minimaltechno.
Interview: “Ganz simpel”
Hintergrund: Hier treffen sich Krautrock und Techno