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Mittwoch, 29. August 2007

Stimmenkauf und “Done deal” bei schwedischer Normierung

Microsoft versucht verzweifelt, ein unklar definiertes und überflüssiges Dokumentformat zu etablieren. Man lässt bald zwei Dutzend Partnerfirmen Mitglied beim schwedischen Normungsinstitut SIS werden, und erhält damit stimmfähige Mitglieder. Es sieht nach Stimmenkauf aus.

Zwei Aspekte stinken daran. Einmal natürlich die “Neuen”, heise.de formuliert so:

25 Mitglieder des entsprechenden Beratungsausschusses beim SIS votierten für die von Redmond vorangetriebene Konkurrenz zum bereits ISO-standardisierten offenen Dokumentenformat OpenDocument (ODF), sechs dagegen. Eine knappe Handvoll Teilnehmer verließ aus Protest die Abstimmung, da zu dem Termin plötzlich 23 in dem Arbeitskreis bislang nicht vertretene Firmen auftauchten und für stimmberechtigt befunden wurden.

Wo kommen die 23 neuen Mitglieder plötzlich her? Man wird nur Mitglied, indem man eine bezahle Mitgliedschaft eingeht. Pro Mitglied kostet das etwa 2444 Euro pro Jahr, macht zusammen etwa 63′000 Euro. Ein Bombengeschäft, wenn man bedenkt, dass die Office-Produkte die Cashcow sind (oder waren). Da kann man mal eben diese Firmen Mitglied sein lassen, die sich nicht an der Diskussion zuvor beteiligt hatten. os2world.com hat diese Liste:

Camako Data AB (Microsoft Gold Certified Partner), Connecta AB (Microsoft Gold Certified Partner), Cornerstone Sweden AB (Microsoft Gold Certified Partner), Cybernetics (Microsoft Gold Certified Partner), Emric AB, Exor AB (Microsoft Certified Partner), Fishbone Systems AB (Microsoft Gold Certified Partner), Formpipe Software (Microsoft Gold Certified Partner), FS System AB, Google, HP (Microsoft Gold Certified Partner), IBizkit AB (Microsoft Certified Partner), IDE Nätverkskonsulterna (Microsoft Gold Certified Partner), IT-Vision AB, Know IT (Microsoft Gold Certified Partner), Modul1 (Microsoft Gold Certified Partner), Nordic Station AB (Microsoft Certified Partner), ReadSoft AB (Microsoft Certified Partner), Sogeti (Microsoft Gold Certified Partner), Solid Park AB (Microsoft Gold Certified Partner), SourceTech AB, Strand Interconnect AB (Microsoft Gold Certified Partner) and TietoEnator (Microsoft Gold Certified Partner)

The final result was 25 Yes, 6 No and 3 Abs and this would from the start be a done deal of saying No!

Fällt da jemandem etwas auf? Dummerweise hat zusätzlich zu dieser Breitwand “eine knappe handvoll Teilnehmer” das Meeting aus Protest verlassen. Denen ist mangelndes Rückgrat vorzuwerfen, aber ändern können hätten die nichts, außer an der Publicity. Ihre Namen werden auch noch preisgegeben, so leicht kommen die bestimmt nicht davon.

Der andere heikle Punkt muss dieser sein: wenn jeder Mitglied werden kann, jede Firma, dann sind die Befürworter von ODF selbst schuld. Es gibt sicherlich auch in Schweden genügend institutionalisierte Firmen, die FOSS vertreten oder Bedenken gegen herstellergebundene Formate haben. Wieso sind die nicht Mitglied geworden? Wir brauchen mehr Nerdlobbyismus und (wenn es sein muss: bezahlte) Repräsentation in solchen Gremien. Wenn es denn nur auf Zählen von Mitgliederstimmen hinausläuft, dann müssen es auch nicht mal rhetorische Leuchten sein. Gezielte Präsenz reicht. Hier ist mangelnde Planung und Kooperation aller (auch der inhaltlich präzisen, öffentlichen) Kritiker mit Schuld. Dumm gelaufen.

Bei noooxml.org ahnte man am 13. August schon böses, als die Request for Comments-Phase bereits abgelaufen war. Dort findet man auch die Namen der Firmen, die ständige Mitglieder sind.

…it seems that MS has not stacked the deck with its boughten friendship. At least not yet. Rumor has it that more members are possibly joining the group before the vote, but I have no more information at the moment. …

As you can see, almost exclusively government representatives, no clear Microsoft-bias. The list of members for this main committee is not going to change before the final vote.

I would be very surprised to see anything else than a “No with comments” from the SIS committee. Given the sheer number of objections (I found hundreds myself, and commented in detail on about 50 of the more grave errors I found in the proposal), and the reportedly large amount of comments from the general public, which I expect to be mostly negative, I see no way for OOXML to pass in Sweden.

Auch die schwedische FFII hat sich geäußert: Microsoft pulls tricks to produce Swedish support for the standardisation of its Office format
Die FSFE hat auch einen Blogeintrag mit vielen weiteren Links zum Thema: ooxml is defective by design

Dienstag, 26. Juni 2007

Sechs Fragen an die nationalen Standardisierungsgremien

Die Free Software Foundation Europe hat ein Dokument mit sechs Fragen online gestellt, welche sich an nationale Standardisierungsgremien wendet: Six questions to national standardisation bodies. Hintergrund ist der Versuch von Microsoft, das eigene Format MS-OOXML als offenen Standard bei der ISO-Behörde durchegsetzt zu bekommen.

Das sind die Themenbereiche:

1. Application independence?
2. Supporting pre-existing Open Standards?
3. Backward compatibility for all vendors?
4. Proprietary extensions?
5. Dual standards?
6. Legally safe?

All these questions should have answers that should be provided by the national standardisation bodies through independent counsel and experts, and in particular not by Microsoft or its business partners, which have a direct conflict of interest on this issue. If there is no good answer to any one of them, a national body should vote no in ISO/IEC.

Der FFII fährt momentan noch die OOXML-Kampagne mit einer Petition.

Freitag, 20. April 2007

Microsoft-Lobby bei Computerspiele-Anhörung im Bundestag

Das Engagement von Microsoft Deutschland in zahlreichen Industrie-Lobbyverbänden lässt sich nächste Woche mal im Bundestag plastisch anschauen. Dort findet am 26. April eine Anhörung zum Thema “Jugendmedienschutz und gewalthaltige Computerspiele” statt. Und ganz verwundert war ich gerade, als ich zwei Microsoft-Lobbyisten unter insgesamt sechs Sachverständigen erblickte. Und das zum Thema Computerspiele: Bundestag beschäftigt sich mit Killerspielen.

Geladen sind Experten der Kontrollinstanzen, Vertreter der Spielehersteller und der Wissenschaft. So werden Mike Cosse, stellv. Vorsitzender Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM), Elke Monssen-Engberding, Vorsitzende der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, und Dr. Klaus Spieler, Geschäftsführer der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), ebenso dabei sein wie Stephan Brechtmann, der Vorstandssprecher des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware e.V. (BIU) und zudem Direktor der Home & Entertainment Division Microsoft Deutschland. Als Wissenschaftler sind Prof. Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen e.V., und Prof. Dr. Hartmut Warkus, Leiter des Zentrums für Medien und Kommunikation an der Universität Leipzig, geladen.

Wundere mich gerade ob der Vielfalt an Sachverständigen… Ist ja anscheinend auch Netzpolitik-Marathon im Bundestag. Die Lesung zur Richtlinie zur Durchsetzung Geistigen Eigentums findet auch nächste Woche statt.

Ansonsten: Kulturrat begrüßt Bundestagsanhörung zu Computerspielen.

Der Deutsche Kulturrat begrüßt, dass sich die Kulturpolitiker des Bundestags am Donnerstag kommender Woche mit dem Thema “Jugendmedienschutz und gewalthaltige Computerspiele” befassen wollen. Der Kulturrat hofft, dass mit der öffentlichen Anhörung im Unterausschuss Neue Medien “eine Versachlichung der Diskussion” erreicht werden kann. Der Spitzenverband der Kulturorganisationen hatte zuvor bereits vor Übereifer beim Verbot von Computerspielen gewarnt. Die Spiele, auch die gewalttätigen, gehörten zum Kulturbereich, sagte Geschäftsführer Olaf Zimmermann heute laut dpa.

Freitag, 30. März 2007

Wenn Dossiers leaken

Die PR-Agentur von Microsoft, Waggener Edstrom, hat ein Dossier über den Wired-Autor Fred Vogelstein angelegt. Dieser recherchierte für die Wired über Microsoft und bekam auch einige Interviewpartner. Dumm nur, dass das Dossier irgendwie nach der Story bei Vogelstein landete und er es nun veröffentlichte.

Wired-Chefredakteur Chris Anderson schreibt über die Geschichte:

And so on. By the way, as far as I can tell, everything in the memo is accurate. I also think the executives were very well served by the document; they did indeed stick to their message and they got pretty much the story they wanted. This was also, as it happens, the story I wanted–or was it just the story I thought I wanted because I was so effectively spun by Microsoft’s PR machine? The mind reels…

Mittwoch, 28. März 2007

Microsoft leitet Arbeitskreis Medienpolitik im Bundesverband Digitale Wirtschaft

Der Microsoft-Lobbyist Mike Cosse leitet künftig den Arbeitskreis Medienpolitik im Lobbyverband “Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V.”. Das verkündet eine Pressemitteilung.

Weitere Themen, die den Arbeitskreis Medienpolitik in den nächsten Monaten beschäftigen werden sieht er im Verbraucherschutz und dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV). Entscheidend für den Erfolg der medienpolitischen Arbeit des BVDW ist seiner Meinung nach das Engagement der einzelnen Unternehmen: «Dazu muss die Erkenntnis, dass wir die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Digitalen Wirtschaft beeinflussen können noch stärker greifen. Es nützt nichts und niemanden, aufzuschreien, wenn es zu spät ist», resümiert Mike Cosse.

Montag, 26. März 2007

Software-Refund

Marcus Dapp hat die Frage gelöst “Wieviel Du für Windows bei einem neuen Dell zahlst und wie Du Dein Geld zurückkriegst” bekommst.

Zwei Muster-Briefe können genutzt werden. Ergebnis des kurzen Kunden-Dialogs:

Am selben(!) Tag erhielt ich zwei weitere Emails von Dell, die den Geldtransfer bestätigten. Ich erhielt:
EUR 42.29 für Windows Vista Home Basic
EUR 35.24 für Works 8.0 zurück.

Das summiert sich auf EUR 77.53. Das sind 15% des gesamten Betrages (inkl. Transport), den ich bezahlte. Nicht so schlecht für ein paar Emails!

Donnerstag, 8. März 2007

Microsoft-Updates funken nach Hause

Heise: Alle Microsoft-Updates funken nach Redmond. Das hat jetzt ein MS-Entwickler unter Pseudonym in einem MS-Blog verkündet.

Im Privacy-Statement von Windows Update räumt sich Microsoft recht weitreichende Freiheiten ein. Demnach sammeln die Redmonder Daten über den Computerhersteller und -Modell, Versionsnummern des Betriebssystems, des Webbrowsers und weiterer Microsoft-Software, Plug’n'Play-IDs von Hardware, Einstellungen der Region und Sprache, einen Globally Unique Identifier (GUID), Produkt-ID und Produktschlüssel sowie BIOS-Informationen. Auch die EULA, die der WGA-Installer präsentiere, decke den Versand dieser Informationen ab, rechtfertigt alexkoc das Vorgehen.

Montag, 26. Februar 2007

Microsoft: Zeig uns den Code

Microsoft behauptet gerne und oft, dass Freie Software und Linux im Besonderen, das eigene “Geistiges Eigentum” “stehlen” würde. Allerdings sind dies bisher nur Behauptungen, die man ja oft und gerne machen kann. Vor allem, wenn viele Medien oft und gerne die Behauptungen publizieren. Und die Angst-Kampagnen zumindest etwas wirken. Eine kleine Kampagne wendet sich jetzt gegen Microsoft und sagt: “Show us the code“.

It’s come to many in the Linux community’s attention you have claimed again and again, that Linux violates Microsoft’s intellectual property. Not only that, but it’s been reported Microsoft has convinced businesses to pay for a Linux patent that you can’t provide. Therefore, this website will serve as a response to this accusation, and within it, a request. The request is simple, since you, Microsoft, claim to be so sure of yourself: Show Us the Code.

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