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Mittwoch, 1. Oktober 2008

Netzpolitik068: Leonard Dobusch über Linux in Kommunen

Der Netzpolitik-Podcast 068 ist ein Interview mit Leonard Dobusch. Er ist derzeit Wissenschaftler am Max-Planck Institut für Gesellschaftsforschung in Köln und untersucht dort den “Streit ums Urheberrecht”.

Seine Doktorarbeit hat Dobusch zum Thema “Windows vs. Linux - Markt - Organisation - Pfad” gemacht. Dafür hat er sich angesehen, wie und warum grosse Stadtverwaltungen ihre Desktop-Software-Umgebung von Microsoft Windows auf Freie und Open Source Software umstellen, bzw. warum nicht. Untersucht hat er konkret München, Frankfurt, Berlin und Wien und sich aus Sicht eines Organisationswissenschaftlers angeschaut, was jeweils die technischen und politischen Gründe gewesen sind.

In dem Gespräch gehen wir konkret auf alle vier untersuchten Städte ein. Dabei kommen interessante Details heraus, die mir teilweise noch unbekannt waren. Frankfurt hat z.B. parallel zu München ein Microsoft Enterprise Agreement abgeschlossen. Das liegt u.a. daran, dass Frankfurt früher Wildwuchs in der kommunalen IT hatte und sich verschiedene Behörden Microsoft-Raubkopien andrehen liessen. Hier hatte Microsoft ein gutes Druckmittel in der Hand, um eine Diskussion über den Wechsel auf Linux zu unterbinden. Dobusch spricht bei Frankfurt auch von einer “Nicht-Entscheidung”, es stand nie zur Debatte, dass man über Alternativen nachdenkt. Dummerweise kam auch der erste Antrag auf einen Wechsel im Stadtparlament von einem Republikaner, so dass man sich dort gar nicht mit dem Thema auseinandersetzte.

Leonard Dobusch erklärt ausführlich, welche Vorteile eine Kommune aus einem Wechsel zu Freier Software erlangen kann. Mit “Innovation ist oft nicht dort, wo man sie erwartet”, beschreibt er die Vorreiterrolle von Kommunen wie München bei einer Umstellung der kompletten IT auf Freie Software. Einer der Vorteile von Kommunen sei, dass diese in einem “politischen Markt” agieren.

Im zweiten Teil sprechen wir ab Minute 26 über sein aktuelles Projekt beim Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, was über “Der Streit ums Urheberrecht” forscht. Hier untersucht er die unterschiedlichen Blöcke und schauen sich das aus einer soziologisch-politikwissenschaftlichen Ebene an, wie der Streit transnational ausgefochten wird. Er sieht zwei grosse Blöcke: Auf der einen Seite die Rechteinhaber, die ihre alten Geschäftsmodelle ins digitale Zeitalter retten wollen und dies politisch durch Lobbying und markttechnisch durch Kopierschutzsysteme durchsetzen wollen. Auf der anderen Seite stehen die Kritiker des traditionellen Systems, die über neue Möglichkeiten des digitalen Zeitalters nachdenken. Das sind wir, oder wissenschaftlich auch die “Zivilgesellschafts-Koalition genannt”. Das Projekt ist noch am Anfang und Dobusch erzählt, was sie bisher erforscht haben und wie das Projekt weitergeht. Eines der ersten Ergebnisse ist eine Untersuchung von Creative Commons als transnationale Organisation.

Ab Minute 40 sprechen wir über die neue soziale Bewegung mit Namen wie “Access to knowledge”, “Free Culture Movement”, “Digital Environmentalists” oder “Commons-Bewegung” und wie das Modell der “Commons-based-Peer-Production” als breites Bündnis sowohl Libertäre wie auch Marxisten begeistern kann. Wir wissen aber auch nicht, welcher der verschiedenen Namen für de “Digitale Freiheitsbewegung” (5. Name) der passende ist.

Das Interview ist 47 Minuten lang und liegt als MP3 (43 MB) und OGG (40MB) auf dem Server. Viel Spass beim hören.

Windows vs. Linux - Markt - Organisation - Pfad” von Leonard Dobusch ist aktuell als Buch im VS-Verlag erschienen und kann zum Preis von 39,00 € gekauft werden.

Sind Verwaltungsbürokratien als Vorreiter technologischer Innovation vorstellbar? Können einzelne, große Organisationen als Nachfrager in einem Markt Monopole überwinden helfen, wo Wettbewerbsbehörden hilflos sind? Stadtverwaltungen wie jene in München und Wien werfen mit ihrem Wechsel von Windows auf Linux am Desktop genau diese Fragen auf. Ein Vergleich von Berlin, Frankfurt am Main, München und Wien zeigt, wie Organisation und Technologie erst im Zusammenspiel zu einem “Lock-in” auf Windows führen – und wie und warum Akteure trotz aller Umstellungshürden (Diskurs-)Koalitionen für einen Wechsel zu Freier Software oder Open-Source-Software stimmen. Dabei dokumentiert der Band, dass und was auch Unternehmen von Stadtverwaltungen im IT-Bereich lernen können.

Donnerstag, 21. August 2008

Dieses Wochenende: FrOScon

Dieses Wochenende findet in der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin die FrOScon 2008 statt. Die Konferenz findet zum dritten Mal statt und dreht sich komplett um Freie Software. Hier gibts das vielfältige Programm. Ein Ticket (gültig für beide Tage) kostet 5 Euro.

Donnerstag, 7. August 2008

OpenMoko Freerunner

Golem hat das Open-Source-Handy “OpenMoko Freerunner” ausführlich getestet:

Für das Geld gibt es einen kleinen Linux-Rechner mit GSM-Funktion. Genau das ist der OpenMoko Freerunner derzeit. Die Hardware bietet im Zusammenspiel mit Linux viel Potenzial, so dass unzählige Szenarien denkbar sind. Linux-Fans werden daran ihre Freude haben und in kritischen Umgebungen sind dank der offenen Architektur komplett angepasste Lösungen denkbar. Ein Linux-Smartphone für den Massenmarkt ist der Freerunner hingegen nicht. Wer als normaler Nutzer an einem Mobiltelefon mit Linux-Betriebssystem interessiert ist, sollte daher auf die ersten Android- und LiMo-Geräte warten und hoffen, dass diese benutzerfreundlicher sind. Jetzt bleibt abzuwarten, was die Community aus dem Freerunner macht.

Gibts über Distributoren auch in Deutschland und kostet zwischen 350 - 400 Euro.

Freitag, 25. Juli 2008

Foxconn sabotiert Linux?

Bei Digg.com schlägt ein Thread im Ubuntuforum gerade Wellen; die Diggs gingen bereits von 892 auf über 1100 hoch, während ich das hier schrieb (Zähler war 26 vor ca. 8 Stunden). Es geht darum, dass offenbar Motherboards von Foxconn (Hon Hai Precision) dem startenden OS gezielt falsche (Linux) oder korrekte (Windows) ACPI-Tabellen mitgeben, weshalb das Einschlafen nicht korrekt funktionieren kann. Der Tonfall des originalen Postings ist stellenweise allerdings eher herb. Das Posting beginnt hiermit, und führt einige Details auch des Schriftwechsels mit dem Support auf, der sich auf dünnem Eis bewegt.

I disassembled my BIOS to have a look around, and while I won’t post the results here,I’ll tell you what I did find.

They have several different tables, a group for Windws XP and Vista, a group for 2000, a group for NT, Me, 95, 98, etc. that just errors out, and one for LINUX.

The one for Linux points to a badly written table that does not correspond to the board’s ACPI implementation, causing weird kernel errors, strange system freezing, no suspend or hibernate, and other problems, using my modifications below, I’ve gotten it down to just crashing on the next reboot after having suspended, the horrible thing about disassembling any program is that you have no commenting, so it’s hard to tell which does what, but I’ll be damned if I’m going to buy a copy of Vista just to get the crashing caused by Foxconn’s BIOS to stop, I am not going to be terrorized.

Das ganze ist technisch etwas über meiner Warte; ich hab noch nie ein BIOS auseinandergenommen. Ich schreibe hier auf Hardware mit Foxconn-Board, das keine Probleme macht. das Dingen schläft korrekt ein und wacht wieder auf. Könnte an der alten Hardware-Generation (pre-Vista) liegen.. muss aber nicht. Und der Aufruf, Foxconn zu vermeiden, könnte ziemlich schwierig durchzuhalten, da sie für sehr viele Motherboard-Hersteller produzieren. Vielleicht kann mal jemand versuchen nachzuvollziehen, was genau da dran ist?

Bei slashdot ist die Nachricht auch angekommen: MoBo Manufacturer Foxconn Refuses To Support Linux.

UPDATE 20080702: Bei Slashdot wird diskutiert, wie weit der Fix von Foxconn geht und ob das was bringt.

Donnerstag, 26. Juni 2008

Open Source - Europameister der Herzen?

Beim Linux-Magazin gibt es einen Artikel zum Thema “Open Source Europameisterschaft: Deutschland und Spanien im Finale?Ein Blog hat sich seit Beginn der Europameisterschaft Gedanken gemacht, welche Nationen Förderung und Gleichberechtigung von Open-Source-Software Wert legen:

Linux - Europameister der Herzen? Welche Länder mit gutem Beispiel vorangehen, wenn es um Open Source Software geht, das zeigt ein Blog am Beispiel der Teilnehmer der EM 2008 in Österreich und der Schweiz. Auch hier ist Deutschland im Finale - gegen Spanien?.

Dienstag, 3. Juni 2008

Wien migriert Kindergärten von Linux auf Vista

Die Stadt Wien wird jetzt alle 720 Linux-Rechner in den Kindergärten wieder auf Windows Vista migrieren: Schlag gegen Linux in Wien. Der Grund ist etwas surreal, angesichts der Migrationskosten: Ein Sprachtest funktioniert nur mit dem Internet Explorer und daher migriert man jetzt für teures Geld alle Rechner auf Vista. Denn der Hersteller des Sprachtools hat eine Firefox-Variante erst für 2009 versprochen. Das Geld scheint ja da zu sein, ebenso der Wille, etwas Freiheit auszuprobieren. Wenn man dort sonst keine Probleme hat…

“Mit einem Bruchteil des Geldes, das die Umstellung auf Windows kostet, hätte die Stadt diesen Hersteller wohl dazu bringen können, seine Software schneller für Firefox bereitzustellen”, so Ringler, die der Stadt vorwirft, das Open-Source-Konzept nicht konsequent genug zu verfolgen und keine Anreize zum Umstieg von Windows auf Wienux zu schaffen. Die Stadt habe es auch versäumt, die 1.000 Unternehmen in der Region Wien zu fördern, die selbst Open-Source-Software herstellten.

Donnerstag, 24. April 2008

Ubuntu 8.04 - Hardy Heron ist erschienen

Die Linux-Distribution “Ubuntu 8.04 - Hardy Heron” ist heute offiziell erschienen.

Mittwoch, 23. Januar 2008

Noch einfacher Linux ausprobieren mit Wubi

Wubi hilft Neueinsteigern, ein Ubuntu, Kubuntu, Xubuntu oder Edubuntu testweise zu installieren. Zum einen gibt es schon länger die Methode der LiveCDs, ebenfalls für all diese Distributionen. Dort kann man direkt von CD aus ein ganzen Betriebssystem testen und risikolos ausprobieren, ob es einem gefällt und ob alle Komponenten des Rechners vom System erkannt werden. Die Einstiegshürde ist dadurch schon um ein großes Maß gesunken. Nun gibt es noch was neues, nämlich den “Windows based Ubuntu Installer” namens Wubi. Hier kann man ohne Veränderung der Partitionen, also ohne eine Partition für Linux mit einem Linux-Dateisystem auf der Festplatte einzurichten, auf einem Windowsrechner ein Linux installieren.

Wubi wird wie ein ganz normales Programm unter Windows installiert. Das Programm lädt das jeweils benötigte CD-Image selbst herunter. Man muss nicht selber danach suchen und es auch nicht brennen, denn Ubuntu installiert sich mit Wubi aus Windows heraus selbst. Wubi legt dann ein virtuelles Laufwerk an, d.h. die Installation von Linux wird in einer Image-Datei auf dem Windows-Rechner gestartet, welche aus Sicht des Linux-Systems ein Laufwerk ist. Das Partitionieren entfällt - der Teil der Installation, der bei Neuanwendern immer wieder als einer der kompliziertesten aufgefallen war. Zu guter letzt trägt Wubi Ubuntu in den Windows-Bootmanager ein, statt einen eigenen zu installieren. Für den Windowsuser ist also die Installation denkbar einfach und “transparent”, und so funktioniert auch die Deinstallation: wie immer unter Windows über die Systemsteuerung (”Software”). Wird dort der Eintrag “Wubi” deinstalliert, wird das gesamte virtuelle Laufwerk und der Eintrag im Bootmenü rückstandslos entfernt.

Risikofreies und “transparentes” installieren und deinstallieren ist hier die Devise. Bei den LiveCDs gibt es leider den Nachteil, dass beim Ausprobieren logischerweise direkt von CD ausgeführt wird, was natürlich zu Verzögerungen und einem weniger flüssigen Betrieb führt. Dieses Problem wird durch Wubi behoben. Wubi unterscheidet sich von einer normalen Ubuntuinstallation nur noch dadurch, dass es eben auf Dateien in der Windowspartition zugreifen muss und keine eigene Linuxpartition hat. Dies könnte manchmal langsamere Schreib- und Lesezugriffe bewirken. Einem Neueinsteiger ist diese Variante also ohne Vorbehalt zu empfehlen und im Wiki der Ubuntuusers gibt es dazu auch eine schöne Anleitung.

 

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