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Montag, 5. Mai 2008

Netzpolitik-Podcast 055: Mapping the global blogosphere

Der Netzpolitik-Podcast Folge 055 ist ein Interview mit John Kelly zum Thema “Mapping the global blogosphere”. John Kelly ist Gründer von Morningside Analytics und Partner des “Internet & Democracy“-Projektes am Berkman Center for Internet and Society an der Harvard Law School. Er war kürzlich zu einem Workshop in Berlin und ich hab ein ca. 15 Minuten langes Interview mit ihm gemacht. Darin geht es um seine Projekte, verschiedene Blogosphären zu kartieren und zu visualisieren. Bisher hat er schon die USA und den Iran analysiert und da sind einige sehr interessante Ergebnisse bei entstanden. Am häufigsten werden Blogs dort für Poesie verwendet. Ausserdem geht es um politische Blogs in den USA. Über die Ergebnisse im Iran hatte ich erst kürzlich berichtet. Die nächsten Blogosphären sollen u.a. Russland und China werden.

Das Interview liegt als MP3 und OGG Vorbis vor.

Bei der Kartierung und Visualisierung arbeiten sie teilweise technisch, aber sie brauchen immer Partner in den jeweiligen Kulturkreisen, die in der Lage sind, die angesammelten Ergebnisse manuell zu analysieren und zu bewerten. Für Deutschland suchen sie noch universitäre Partner. Das dürfte was für unsere Soziologen-Fraktion sein. Bei Interesse einfach Kontakt mit John aufnehmen. Ich hätte auch gerne so tolle Visualisierungen für die deutsche Blogosphäre.

Das Interview ist etwas leise, was an einem geliehenen MP3-Rekorder lag, der nicht ganz das tat, was ich wollte. Also ggf. etwas lauter drehen. Vielleicht mache ich auf meinem kommenden US-Trip auch einfach nochmal ein neues Interview mit besserer Qualität.

Verglichen mit dem Iran kommt Deutschland übrigens prima weg. In den üblichen Aufzählungen heisst es ja immer, dass es zwischen 800.000 - 1 Millionen Blogs im Iran gibt und hier höchstens die Hälfte. Bei der konkreten Untersuchung wurden im Iran aber nur ca. 65.000 aktive gefunden. In Deutschland hat das Blogcensus-Projekt schon deutlich mehr aktive gefunden.

Update: Link zur MP3 korrigiert.

Donnerstag, 24. April 2008

Case Study: Blogs im Iran

Das “Internet and Democracy”-Projekt am Berkman-Center hat eine spannende Case-Study zur Iranischen Blogosphäre veröffentlicht: Mapping Iran’s Online Public: Politics and Culture in the Persian Blogosphere.


(Bild in gross)

Aus dem Abstract:

We used computational social network mapping in combination with human and automated content analysis to analyze the Iranian blogosphere. In contrast to the conventional wisdom that Iranian bloggers are mainly young democrats critical of the regime, we found a wide range of opinions representing religious conservative points of view as well as secular and reform-minded ones, and topics ranging from politics and human rights to poetry, religion, and pop culture. Our research indicates that the Persian blogosphere is indeed a large discussion space of approximately 60,000 routinely updated blogs featuring a rich and varied mix of bloggers. Social network analysis reveals the Iranian blogosphere to be dominated by four major network formations, or poles, with identifiable sub-clusters of bloggers within those poles. We label the poles as 1) Secular/Reformist, 2) Conservative/Religious, 3) Persian Poetry and Literature, and 4) Mixed Networks.

Hier das 68-Seiten lange Papier dazu.

Dienstag, 18. Dezember 2007

Iran: 23 Internetdissidenten verhaftet, 24 Internetcafés geschlossen

Reporter ohne Grenzen berichtet über aktuelle Entwicklungen im Iran: 23 Internetdissidenten verhaftet, 24 Internetcafés geschlossen.

Am Sonntag hat die Teheraner Polizei 24 Internet-Cafés geschlossen und 23 Internetnutzer, darunter elf Frauen, wegen „unmoralischen Verhaltens“ verhaftet. Reporter ohne Grenzen verurteilt dieses Vorgehen auf das Schärfste. „Die Linie der Regierung in Sachen freie Meinungsäußerung radikalisiert sich weiter - vor allem, wenn Frauen betroffen sind“, so ROG. „Die Gründe für die Festnahmen sind extrem vage. Die Verhafteten müssen umgehend frei kommen und Internet-Cafés wieder eröffnet werden.“ Die Polizei hatte nach eigenen Angaben 170 Internetcafés der Hauptstadt bereits am 15. Dezember vor ihrer möglichen Schließung gewarnt.

Die Razzien fallen zusammen mit der Ausweitung einer im April begonnenen Kampagne gegen Frauen, die die islamischen Bekleidungsvorschriften verletzen. Frauen werden angewiesen, keine „westlichen“ Kleidungsstücke wie etwa enge Hosen oder hohe Stiefel zu tragen, die als „unangemessen“ betrachtet werden. Seit Mahmoud Ahmadinejad 2005 Präsident wurde, wird von allen Iranerinnen und Iranern erwartet, dass ihr Äußeres den islamischen Vorstellungen entspricht. [...]

Donnerstag, 3. Mai 2007

Iran filtert MMS auf “unmoralische Inhalte”

So unklar die Definition von “unmoralisch”, so hübsch die Formulierung bei The Inquirer: Schäubles Traum: Iran filtert Kommunikation. Bei Reuters steht das so:

” … in order to prevent possible misuse of MMS, immoral actions and social problems, the Telecommunications Ministry will filter immoral MMS,”

Nicht nur die Pressefreiheit wird beschränkt, wie auch regelmäßig im Jahresbericht 2007 der Reporter ohne Grenzen aufgeführt, sondern auch die private Kommunikation. Träumt Schäuble als nächstes davon?

Montag, 16. April 2007

Deutsche Welle: Blogs im Iran

Die Deutsche Welle lädt am heutigen Montag, den 16. April 2007, 19.00 Uhr, im Berliner Literaturhaus (Fasanenstraße 23, Charlottenburg) zu einer Blogpräsentation ein. Experten geben in deutscher Sprache einen Einblick in die iranische „Blogosphäre“.

Anlass: Deutsche Welle startet neues Internet-Angebot für Iran Etwa 70 Prozent der Bevölkerung im Iran sind 30 Jahre und jün¬ger.
Unter den rund 75 Millionen Einwohnern haben Schätzungen zufolge bereits knapp elf Prozent einen Zugang zum Internet. Das ist der Hauptgrund für den Start der eigenen Online-Redaktion. Das Radio-Programm in Farsi der Deutschen Welle gibt es schon seit 45
Jahren.

Zur Veranstaltung:
Es wird eine Präsentation geben, und danach eine Diskussionsrunde zur Rolle und Wirkung des Internets als Plattform für freie Meinungsäußerung im Iran am Bespiel iranischer Weblogs.

Anwesend:
Pantea Kiani (Pseudonym), Journalistin und Bloggerin, www.ghorbatestan.com, www.ghorbatestan.blogspot.com
Professor Nima Mina, Vergleichende Literaturwissenschaften, School of Oriental and Asian Studies, London
Professor Udo Steinbach, GIGA Institut für Nahost-Studien
Herr Mahmoud Tadjallimehr, Dipl. Ingenieur, Publizist und Experte für technische Internetfragen.
Dr. Jamsheed Faroughi, Leiter DW-RADIO/persisch
Dr. Mohammad-Reza Nikfar, DW-WORLD.DE/persian
Moderation: Farhad Payar, DW-WORLD.DE/persian

Sonntag, 8. April 2007

Japanische Blogs beherrschen die Welt globale Blogosphäre

Wie AsiaMedia (UCLA) berichten kann, steigt die Zahl der Blogs weiterhin enorm. Direkt von der Taipei Times übernommen, schreiben sie: Japanese lead explosion of blogging:

The popular online personal journal technology, which exploded on the Web only about five years ago, has now spread around the world, with Japanese the biggest bloggers, ahead of English-language bloggers and the rapidly growing Chinese blogging community according to Technorati, which tracks blog content.

Blogging has also exploded in politically repressed countries, with Iran’s Farsi language also scoring high and rising in blogging rankings, the San Francisco company said.

In its State of the Live Web report, Technorati said the number of blogs around the world surged from 8 million in March 2005 to more than 72 million last month.

Also, die Zahlen, die so durch die Gegend fliegen, unterscheiden sich ja dann doch um Größenordnungen voneinander. Man sollte überhaupt nie nur einer Firma allein vertrauen, die Zahlen unter die Leute bringt.

[gefunden via SmartMobs]

Freitag, 2. Februar 2007

Wird Chinas Unterdrückungs-Technologie zum Exportschlager?

The Inquirer macht mich auf einen Artikel des Sydney Morning Herald aufmerksam, der die Leistungsfähigkeit der volksrepublikanischen Repression in die Nähe einer Vorbildfunktion rückt: China leading crackdown on Internet. Das muss man wohl so sagen; denn Vietnam, Syrien, Libyen und der Iran könnten das Modell übernehmen wollen. Die “Top 15″ der Presseunfreiheit unter sich (Plätze 152-155 bei Reporter ohne Grenzen). Aus dem Text:

China is the world’s biggest prison for cyber-dissidents with 52 people in jail for online activities that the ruling Communist Party in Beijing deemed inappropriate, Paris-based watchdog Reporters Without Borders (RSF) said.

Around the world there are only around 10 others known to be in prison for posting criticisms of governments online, although some regimes are trying to “ape” China in restricting freedom of information on the Internet, it added.

In the report, published Thursday, RSF warned that China’s increasingly sophisticated anti-Internet techniques, coupled with its growing global clout, raised concerns its brand of censorship may be exported.

Konkret sind das die Sperrung, Filterung und Zensur von Youtube, regierungskontrollierte Suchmaschinen, und auch virtuelle Welten werden in China kontrolliert. Unter anderem. Und die Zukunft sieht übel aus, wenn weiterhin westliche Firmen die zugehörige Technik bereitstellen, und die damit betriebene Zensur und Unterdrückung mit einem Schulterzucken abtun.

Montag, 4. Dezember 2006

Iran sperrte Wikipedia und andere Seiten

Im Iran gab es wieder massive Internet-Sperrungen. U.a. wurde die englischsprachige Wikipedia für einen Tag ausgeblendet, dazu noch Seiten wie Amazon, Imdb, Youtube und die NYT. Mehr dazu im britischen Guardian: Censorship fears rise as Iran blocks access to top websites

Last week Mohammed Tourang, head of the information bureau’s cultural committee, warned Iranian websites of stricter rules by announcing steps to stamp out “immoral and illegal” content. He said site owners would be given official reminders to eliminate forbidden material. Special attention would be paid to content judged to be a threat to national unity or insulting to sacred religious texts and symbols. Students and academics say the move limits their ability to conduct research.

 

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