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Montag, 11. Juni 2007

Netzpolitik-Interview: Nutzervertretung bei ICANN

Die ICANN-Nutzervertretung ALAC hat jetzt auch einen europäischen Ableger bekommen, “EURALO-ICANN At Large Europe“. Dazu hab ich ein Interview mit Annette Mühlberg gemacht, die an der Gründung massgeblich beteiligt war.

netzpolitik.org: Annette, Du warst Vorsitzende des At-Large Advisory Committee (ALAC) bei ICANN und bist immer noch dort aktiv. Was ist die Aufgabe von ALAC?

Annette Mühlberg: Die Aufgabe von ALAC ist, ICANN im Interesse der Internetnutzer zu beraten und die NutzerInnen an der Gestaltung von ICANN-Policies zu beteiligen. Zum Beispiel Rahmenbedingungen für die Einführung neuer Top Level Domains zu formulieren.

netzpolitik.org Welche Rolle spielen Nutzerinteressen bei ICANN?

Annette Mühlberg: Die Möglichkeiten zur Einflussnahme über das At-Large Advisory Committee sind leider noch sehr begrenzt. Es hat nur beratende Funktion und die Ratschläge werden teils erhört, großenteils aber nicht, wie zum Beispiel beim umstrittenen Vertrag ICANNs mit Verisign, der die Monopolstellung von Verisign festigt.

netzpolitik.org Was war das Problem bei dem Verisign-Deal?

Annette Mühlberg: Wir wollten Wettbewerb sichern und u.a. auch in dem Vertrag enthaltene Klauseln zu Datamining, die Fragen des Datenschutzes betreffen, zugunsten der Nutzer - nicht der Firmen - sichern.

netzpolitik.org Was läuft gut?

Annette Mühlberg: Wir haben weltweit hochkompetente Vertreterinnen und Vertreter auf der Nutzerseite, die verschiedene Themen pushen. Ein wichtiges Thema ist beispielsweise die Fortentwicklung sogenannter “Internationalized Domain Names”. Sie sollen weltweit den Gebrauch des Internets in der jeweiligen Landessprache erleichtern, durch die Verständlichkeit der “Top Level Domains”, die bisher nur in lateinischen Buchstaben vorhanden sind.

netzpolitik.org: Aktuell wurde die neue europäische ICANN-Internetnutzerorganisation “EURO-Ralo” gegründet. Wie war der Weg dahin?

Annette Mühlberg: Steinig. Aber jetzt haben wir es geschafft und ich darf hinzufügen, dass viele deutsche Bürgerrechtsorganisationen mitgewirkt haben (Netzwerk Neue Medien, Humanistische Union, FoeBud, FIfF, Terre des Femmes, DVD, FITUG, KDU, Medienstadt Leipzig und andere). Ich freue mich, dass wir einen fitten und international besetzten Vorstand haben, der jetzt loslegen kann. Eine besondere Herausforderung ist, dass unsere europäische Internetnutzerorganisation 74 Länder umfasst (ICANN hat die Definition europäischen Region angelehnt an die der UNO), die teils sehr demokratiefern sind.

netzpolitik.org: Was sind die Ziele auf europäischer Ebene?

Annette Mühlberg: In einem ersten Schritt, Nutzer- und Verbraucherrechte gegenüber der EU-Kommission und ihren Institutionen geltend zu machen. Aktuelle Themen sind Netzneutralität, die weitere Einführung geographischer Top Level Domains und Datenschutz.

netzpolitik.org: Vielen Dank für das Kurzinterview.

Donnerstag, 7. Juni 2007

Internetgeschichte genordet

Wenn man etwas über die Geschichte des Internet liest, dann sind da meistens die Punkte Amerika, Arpanet, Atomkriegsresistenz und Genf und dann bald HTML und WWW zu lesen. Danach kommt dann die Musikindustrie und Hollywood und Napster und dann Web 20.
Einen erfrischend anderen Bogen spannt Professor Bernd Lutterbeck auf 14 Seiten. Hier ist ein Text als PDF über die skandinavische Einflüsse auf die Entwicklung des Internets.

“Zentral verordnete Mechanismen verhindern im Zweifel die in einer Informationsgesellschaft gebotenen Formen der Kooperation. Eine Gesellschaft, die ihren institutionellen Default auf Offenheit gestellt hat, scheint die überlegenen institutionellen Arrangements bereit zu halten. Die nordischen Länder Europas haben insoweit einen eigenen Weg in die Informationsgesellschaft eröffnet.”

Kein Wunder also, dass die soviel Breitband und Mobile Services haben.

Montag, 5. März 2007

Global Alliance for ICT & Development: Breitband für Afrika

Heise: Armutsbekämpfung durch Informationstechnik

Mit Verabschiedung eines Arbeitsprogramms ging die erste Vollversammlung der “Global Alliance for ICT & Development” (GAID) im kalifornischen Santa Clara zu Ende. Auf der Sitzung, die unter dem Motto “UN Meets Silicon Valley” stand, wurde vor allem darüber diskutiert, wie durch ein engeres Zusammenwirken von Regierungen, Privatindustrie und Zivilgesellschaft die drei Flagschiffprojekte und die zwei Partnerschaftsprogramme der GAID mit Leben erfüllt werden können. Neben dem Projekt Breitband für Afrika geht es dabei um die Schaffung eines globalen Netzwerkes von “Telezentren” sowie die weltweite Aufstellung sogenannter Cyber Development Corps.

Breitband für Afrika

“Breitband für Afrika” ist eines von drei sogenannten Flaggschiffprojekten der “Global Alliance for ICT and Development” (GAID), die zum Ziel des “Weltgipfels zur Informationsgesellschaft” (WSIS) beitragen sollen, bis zum Jahr 2015 die Hälfte der Menschheit Online zu bringen. Das Projekt “Broadband for Africa” besteht aus drei selbständigen, aber miteinander verbundenen Elementen. Ein Backbone-Unterseekabel für Ost- und Südafrika, ein landgestütztes Backbone-Netz für mehr als 20 Länder im sub-saharischen Afrika und lokale Zugangsmöglichkeiten über WiMax oder Telezentren. “Ohne Infrastruktur bleiben alle Debatten zur Überwindung der digitalen Spaltung reines Wortgeklingel”, sagte Craig Barrett, Intel-Aufsichtsratsvorsitzender und Chairman der Global Alliance, auf der GAID-Jahrestagung im kalifornischen Santa Clara.

Mehr dazu gibt es auch im Artikel “Die UNO besucht das Silicon Valley“.

Donnerstag, 1. Februar 2007

Neue Boardmitglieder bei ICANN nominieren

ICANN hat einen Call für neue Boardmitglieder gestartet:

ICANN’s Nominating Committee invites Statements of Interest from the Internet community as it seeks qualified candidates to assist in ICANN’s technical and policy coordination role. Interested individuals are invited to submit a Statement of Interest to this year’s Committee for the following positions:

* Three members of the ICANN Board of Directors
* Two members of the Council of the Generic Names Supporting Organization (GNSO)
* One member of the Council of the Country-Code Names Supporting Organization (ccNSO)
* Three members of the At Large Advisory Committee (ALAC)

Montag, 18. Dezember 2006

Das ICANN Meeting von Sao Paulo im Rückblick

Wolfgang Kleinwächter fasst auf Telepolis nochmal das vergangene ICANN-Meeting in Sao Paulo zusammen: TLDs für Städte und Regionen.

Auf dieser Strecke brachte Sao Paulo einen nicht unerheblichen Fortschritt. Nach vierjähriger Diskussion in ICANNs Nutzerorganisation, dem “At Large Advisory Committee” (ALAC) wurde die erste “Regional At Large Organisation” (RALO) für die Karibik und Lateinamerika gegründet. Ihr gehören mehr als 30 sogenannte “At Large Structures” (ALS) aus fast allen Ländern der Region an. Auch individuelle Nutzer kønnen der RALO beitreten. Die Europäer wollen in Lissabon im März 2007 ihre EU-RALO gründen. Bislang sind knapp 20 europäische ALSs lizensiert. Fortgeschritten sind auch die regionalen Projekte in Asien und Afrika. Der Fortschritt geht nicht zuletzt auf den energischen Führungsstil der sei einem Jahr im Amt befindlichen neuen ALAC-Vorsitzenden, der deutschen Anette Mühlberg, zurück.

Mit Annette steht auch noch ein ausführlicher Netzpolitik-Podcast zu ALAC und ICANN auf dem Programm. Irgendwann klappt das auch mal.

Sonntag, 3. Dezember 2006

Internet Governance: Box-Kämpfe bei der ITU

Wolfang Kleinwächter berichtet bei Telepolis über die aktuellen “Box-Kämpfe” bei der International Telecommunication Union (ITU) zum Thema Internet Governance: Weiter Uneinigkeit über Kontrolle des Internet.

Der eigentlichen Herausforderung des Internet-Zeitalters - innovative Modelle zu entwickeln die auf dem Multistakeholder Ansatz basieren - hat sich die ITU dagegen verschlossen. Ein Vorschlag, die ITU zu erweitern und der Zivilgesellschaft und dem privaten Sektor größere Zugangsmöglichkeiten - wie z. B. beim IGF – einzuräumen, wurde so weit verwässert, dass am Schluss lediglich die Bildung einer Arbeitsgruppe übrig blieb, die die Frage des “Multistakeholderismus” in der ITU studieren soll, um dann eventuell der nächsten ITU-Generalversammlung im Jahr 2010 Empfehlungen für neue Entscheidungen zu geben. Das Kuriose an diesem Beschluss ist, dass diese Arbeitsgruppe ausschließlich aus Regierungsvertretern bestehen soll.

Natürlich muss man zunächst abwarten, wie ernst diese Beschlüsse von Antalya gemeint sind und wie realistisch sie sind, wenn sie mit der Wirklichkeit der alltäglichen Entwicklung des Internet konfrontiert werden. Viel wird auch davon abhängen, wie sich der neue ITU-Generalsekretär, der aus Mali stammende frühere Chef des ITU-Entwicklungssektors, Hammadoun Toure, positioniert.

Dienstag, 19. September 2006

Überraschung: Insider geben in ICANN-Gremien den Ton an

Überraschung: Studie: Insider geben in ICANN-Gremien den Ton an.

Insider geben in einzelnen Gremien der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) den Ton an. Das stellt die London School of Economics (LSE) in einer von ICANN in Auftrag gegebenen Studie (PDF-Datei) der so genannten Generic Name Supporting Organisation (ICANN GNSO) fest. Die GNSO ist vor allem Regeln für Einführung und Vergaberichtlinien allgemeiner Top Level Domains verantwortlich. Die LSE-Studie schlägt daher die Abschaffung der sechs verschiedenen GNSO-Interessengruppen (Registries, Registrare, Internet Service Provider, Business User, Markenrechtsvertreter, nicht-kommerzielle Anwender). Künftig soll es nur noch die Interessengruppen Registries/Registrare, Unternehmensanwender und die Zivilgesellschaft geben. Die Arbeit der GNSO müsse auch wesentlich transparenter gemacht werden. Dazu bedürfe es deutlich verbesserter Webseiten von ICANN und GNSO, empfiehlt die LSE.

Montag, 11. September 2006

neues Blog zu Privacy und dem ganzen Rest

Kleine Werbung in eigener Sache: Ich habe gerade mein eigenes Blog gestartet, das sich mit den Themen beschäftigen wird, über die ich auch sonst hier schreibe: Datenschutz, Überwachung, Privacy & Identity Management, Internet Governance etc. Es wird allerdings keine Konkurrenzveranstaltung zu Netzpolitik werden, denn es gibt zwei zentrale Unterschiede: Ich schreibe dort auf englisch, um an der internationalen Diskussion teilnehmen zu können, und es wird etwas analytischer und weniger aktivistisch orientiert sein als Netzpolitik. Ich hoffe, dass ich ein paar der dort entwickelten Gedanken für meine Forschung verwenden kann. (Geht kumulativ promovieren eigentlich auch mit tausend Blog-Einträgen?)

Montag, 24. Juli 2006

Deutschlandradio zur Ecosoc-Konferenz über den WSIS-Nachfolgeprozess

Das Deutschlandradio hat am vergangenen Samstag über ein UN-Meeting in Genf berichtet: Punktsieg für die Nutzer (MP3 / 5min). Dort ging es um die Frage, ob und wie zivilgesellschaftliche Organisationen bei dem WSIS-Nachfolgeprozess eingebunden werden sollen.

Manfred Kloiber: Im November vergangenen Jahres war ja auf dem UN-Gipfel zur Informationsgesellschaft in Tunis eine Folgekonferenz beschlossen worden, die die Einzelheiten der künftigen Internet-Verwaltung regeln soll. Da geht es um viele strittige Themen, aber in einigen Punkten konnten sich die Delegierten doch in der vergangenen Woche einigen, Peter Welchering?

Peter Welchering: Einigkeit hat der Wirtschafts- und Sozialrat der UNO (ECOSOC) in der Frage der Nicht-Regierungsorganisationen bewiesen. Dieser Punkt war ja in Tunis noch hochgradig umstritten. Und in dieser Woche hat man sich nun in Genf immerhin darauf verständigt, dass die Vertreter von Nicht-Regierungsorganisationen beim so genannten World Summit on Information Society-Anschlussprozess Beobachterstatus hat. Noch am Dienstagabend hat es so ausgesehen, als würde dieser Beobachterstatus gekippt. Im Vorfeld der ECOSOC-Konferenz hatten insbesondere Russland, China und erstaunlicherweise Südafrika vehement gegen den Beobachterstatus der Nichtregierungsorganisationen Front gemacht. Aber der ist jetzt durch. Und ein hochrangiger UNO-Vertreter hat diesen Genfer Beschluss nicht umsonst eine diplomatische Revolution genannt. Denn der ECOSOC-Rat ist ja das höchste UNO-Gremium in Sachen Internet. Und hier die NGOs mit am Tisch sitzen zu haben, das sei so als würden NGOs demnächst auch an Sitzungen des UNO-Sicherheitsrates teilnehmen, wenn man die Internet-Politik mal auf die allgemeine Politik überträgt.

Ich bin ja noch am überlegen, ob ich zum Internet Governance Forum Ende Oktober/Anfang November nahe Athen fliegen soll. Aber die haben es immer noch nicht auf die Reihe gebracht, eine Location zu nennen, so dass die Übernachtungskosten ungeklärt sind und ausserdem hab ich keinen Billigflieger gefunden, der mich günstig nach Athen bringt. Und so ist es mir finanziell noch ein zu grosses Risiko, da ich alles aus eigener Tasche finanzieren müsste. Weiss jemand zufällig günstige Billigflieger, die von Berlin nach Athen und zurückfliegen?

 

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