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Montag, 10. Dezember 2007

Beruferaten: Was ist eigentlich ein Chief Information Officer?

Hans Bernhard Beus soll Chief Information Officer oder kurz CIO werden. Damit gemeint zu sein, scheint ein Beauftrager der Regierung für Informationstechnik. Beus soll somit vor allem IT-Fragen für den Bund mit Ländern, Kommunen und Wirtschaftsverbänden koordinieren. Die Initative D21 der Regierung hatte die Einrichtung einer solchen Stelle bereits vor einiger Zeit gefordert. Man wollte aber (vermutlich) nicht, dass eine “Schwangerschaftsvertretung aus dem Kanzleramt” diese Stelle übernimmt.

Heise: Ein “Bundes-CIO” solls tatsächlich (fast) werden…

Wirtschaftsvertretungen wie die IT-Branchenvereinigung Bitkom oder der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) haben das neue Konzept der Bundesregierung für eine bessere IT-Koordination kritisiert. “Der Bundes-CIO ist eine Lutschpastille”, meint BVMW-Wirtschaftssenator Michael Müller. Der vom Bundeskabinett am Mittwoch verabschiedete Kompromissvorschlag, eine dreiköpfige Steuergruppe unter dem Vorsitz eines “IT-Beauftragten der Bundesregierung” einzusetzen, sei “reine Placebo-Politik”.

Und weil das nocht nicht Kritik sein könnte, geht es noch weiter…

Als “fragwürdig” bezeichnet Müller auch die Rolle von McKinsey als Haus- und Hofberater des Bundes. “Für schrecklich viel Geld saßen und sitzen die teuren Nadelstreifenjungs im Bundesinnenministerium, und jedes Bund-Online-Projekt hat einen eigenen McKinsey-Berater. Da sei es völlig unverständlich, dass es eine zweite Studie aus dem Consulting-Haus gebraucht habe, um die Installation eines Bundes-CIO vorzuschlagen.

Hilfreicher wäre es vielleicht zunächst, sich die Idee des “CTO” aus den USA zu klauen. So stellt sich Obama unter einem CTO einen Amtsträger vor, der  Medienkompetenz und Transparenz in der Administration fördern soll:

The CTO’s mandate under the plan is significantly different from the cybersecurity czar position created by the Bush administration. The CTO’s main responsibility would be to ensure the government holds open meetings and records live Webcasts of those meetings, and that blogging software, wikis (Web site pages where multiple people can edit a document at the same time) and open comments be used to communicate policies with Americans.

Gerade in Bezug auf die “Nadelstreifenjungs”.

Freitag, 16. November 2007

Das Innenleben der ICANN

Nach drei Jahren im Vorstand der ICANN beschreibt Joi Ito die Gründe für seinen Rückzug und eröffnet einen Blick auf die Entscheidungsstrukturen der Organisation:

The problem that ICANN has is not one of being unfair, the problem that ICANN has is the difficulty and time required in trying to reach consensus on difficult issues. The other problem is that most of the people who are affected by the decisions, the average users, don’t know or care about ICANN. Trying to figure out an better way to get their input has always been an issue, but is one that is not unique for ICANN. All of politics and collective action share the difficulty in getting the public to care about issues that affect them.

Wer mehr über das Thema wissen möchte, bekommt mit Hilfe des Artikels von Jeanette Hoffmann einen sehr guten Überblick.

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Zum Verhältnis von Überwachung und Sicherheit in der Informationsgesellschaft

Kleine Werbung in eigener Sache: Ich habe gerade einen etwas längeren Aufsatz veröffentlicht, der sich mit dem Wandel des Sicherheitsparadigmas und der Rolle der Überwachungs- und Informationstechnologie darin befasst. Erschienen ist er in kommunikation@gesellschaft, einer Online-Zeitschrift, die u.a. von dem Blogforscher Jan Schmidt herausgegeben wird. Hier die Zusammenfassung:

Das Sicherheitsparadigma des Präventionsstaates im „Kampf gegen den Terror“ unterscheidet ich in zweierlei Hinsicht von dem des Gefahrenabwehrstaates im Kalten Krieg. In zeitlicher Hinsicht geht es nicht mehr um die Abwehr gegenwärtiger Bedrohungen, sondern um die Vorbeugung zukünftiger Risiken. Auf der Akteursebene sind die Träger dieser Risiken nicht mehr Staaten, sondern Individuen. Damit gelten nun alle als potenziell verdächtig. Hier spielt der Computer eine entscheidende Rolle, indem er die alten Überwachungstechniken des Aufzeichnens und Verbreitens von Informationen durch die Möglichkeit des automatischen Entscheidens ergänzt. Aus „Überwachen und Strafen“ wird damit „Überwachen und Sortieren“, aus individuellen Bewertungen wird massenhafte digitale Diskriminierung auf der Basis von vernetzten Datenbanken und in Algorithmen gegossenen Vorurteilen. Mit diesem Verfahren sind jenseits juristischer und politischer Schwierigkeiten drei strukturelle Probleme verbunden: das Problem der Modellbildung, das Problem der Probabilistik und das Problem der Definitionsmacht. Dennoch scheint der Trend zum weiteren Ausbau der Überwachungsinfrastrukturen nicht aufzuhören. Mögliche Erklärungen, aber auch Hinweise auf weiteren Forschungsbedarf, liefern dafür jeweils auf unterschiedlichen Ebenen die Gesellschaftsdiagnose, die Techniksoziologie und die politische Ökonomie. In normativer Hinsicht geht es hier letztlich auch um die Sicherheitsvorsorge der Bürger gegenüber dem Staat und damit um die Frage: Wie können wir unsere technischen Infrastrukturen so aufbauen, dass unfähige und unredliche Machthaber damit keinen großen Schaden anrichten können?

Toll sind ja die schnellen Veröffentlichungszeiten bei Online-Journals - ich hatte erst am Samstag die letzte Überarbeitung eingereicht, und heute ist der Text schon erschienen. Bei einer gedruckten Fachzeitschrift hätte er nun wahrscheinlich noch ein Jahr in der Pipeline gehangen.

Update: Faierweise sollte man die beiden Gründer und Mitherausgeber von k@g auch noch nennen: Klaus Schönberger und Christian Stegbauer.

Freitag, 14. September 2007

Hackertool-Strafbarkeit: Selbstanzeige wird eingereicht

Die Diskussion um den neuen Paragrafen 202c Strafgesetzbuch köchelt immer noch. Vor allem weiss bislang niemand, wie die Gerichte das Anbieten von Sicherheitstest-Software  beurteilen werden. Michael Kubert macht daher jetzt Nägel mit Köpfen, wie Spitblog berichtet:

Offenbar wollte ihm niemand so recht glauben, daher hat er seine eigene Webseite gestartet, auf der er Software sammelt und veröffentlicht, die nach eigenen Angaben dazu geeignet ist, Server einem Sicherheitstest zu unterziehen, nach landläufiger Interpretation also nun möglicherweise verbotene Hackertools.

Aber er geht noch einen Schritt weiter: Wie er schreibt, hat er vor, in den nächsten Tagen Strafanzeige gegen sich selbst einzureichen.

“Dann werden wir ja definitiv sehen, ob’s strafbar ist oder nicht.”

Alles Gute!

Montag, 10. September 2007

Kritik an digitalem Identitätsmanagement

Ich war letzte Woche bei der Ars Electronica in Linz und durfte dort einen Vortrag halten zum Thema “Internet Identity - Bug oder Feature des Web 2.0?”. ORF Futurezone hat mich anschließend interviewt, und das gab eine ganz gute Zusammenfassung meiner wichtigsten Thesen.

Passend zum Thema hat Stefan Brands von Credentica, der seit Jahren in der IdM-Forschung eine Autorität ist, gerade eine umfassende Zusammenstellung der Kritik an OpenID in sein Blog gestellt. Sehr lesenswert - selbst mir war die Problematik so geballt noch nicht klar.

Dienstag, 17. April 2007

Mehr Internet-Nutzung in der Schweiz

Wieder mal eine Studie, die überraschende Details liefert:

Das Radio bleibt in der Schweiz das am meisten genutzte Medium, auch wenn es im vergangenen Jahr erneut an Zuhörern verloren hat. Immer noch auf dem Vormarsch in der Gunst der Schweizer ist das Internet. [...]

Die Internetforschung der Berner Medienforscher stellte zum sechsten Mal Jahresergebnisse vor. Der Internetmarkt in der Schweiz scheint auch im Jahr 2006 noch immer nicht gesättigt, obwohl bereits 72 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren mindestens einmal pro Quartal das Internet nutzen. Seit 2001 ist die Internetnutzung um insgesamt 21 Prozentpunkte gewachsen. Die Verbreitung eines Internetzugangs zu Hause hat seit 2001 um ganze 24 Prozentpunkte zugenommen, im Jahr 2006 verfügen 67 Prozent der Schweizer Bevölkerung über einen privaten Internetzugang.

Uuaah, um da erfasst zu werden muss man daheim Software installieren. Wie repräsentativ wohl so eine Studie ist?

[via]

Mittwoch, 17. Januar 2007

Korea plant Realnamen-System für Internetnutzung

Südkorea plante schon 2005 Vorschriften, nach denen sich User online mit Realnamen ausweisen müssen. Die Argumente waren die üblichen, die man hierzulande hört, genau wie die Kritik. Alternativ sollten die Netiquette gestärkt und die gemeinen User erzogen werden, wenn die Technik unzulänglich funktioniert und Mißbrauch möglich bleibt.

Jetzt soll, wie AsiaMedia berichtet, das passende Gesetz veranschiedet werden:

The internet real-name system, designed to prevent cyber crimes such as libel and privacy infringement, will be applied to Web portals and websites of public organizations with over 100,000 visitors per day.

The system will require Web users to identify themselves with their real names when posting entries and commenting on others’ articles, the government said yesterday.

A revision bill of “the law on promotion of information and communications network and protection of information,” was passed by the National Assembly on Dec. 22. The bill will be promulgated this month, the Ministry of Information and Communication said.

Es soll im Februar bereits Anhörungen geben, und das Gesetz könnte womöglich noch im Juli 2007 in Kraft treten. Widerstand von den Usern könnte schwach ausfallen: Online-Umfragen von 2005 liefern beunruhigend geringe Skepsis.

Web 3.0? Next please…

Wo sich vieles um Web 2.0 dreht, ist der kommende Schritt schon ausgemacht: Web 3.0. Neben dem platzhalterischen Namen besticht das vor allem, je nach Lesart, durch mehr oder weniger Einfallsreichtum, worin denn nun der kommende Schritt besteht. Technisch scheint ja schon alles ausgelotet, kulturell gelten die Inhalte als Währung, und das Geld für die Infrastruktur bringt wie gehabt personalisierte Werbung. Oder? Aus Taiwan kommt der Vorschlag, die Eintrittsschwelle zu senken und die Beteiligung der User auf die ökonomische Sphäre auszudehnen:

Although the Web was once dreamed to be a Utopia, the cruel fact is that the Web is now basically in the hands the commercial power. … Most Net users are basically living on the free services provided by the super empires in the Web, yet ironically, such services are for the purpose of making money. The dominance problem causes two other serious problems, the autonomy and the privacy problems. As the Net users rely more and more on these super portals, their personal data and privacy are at stake, being potentially utilized for monetization, or even worse, being leaked out to criminal groups. As the service platform is owned by the service providers, the users do not have autonomy. … Because website is the main platform for information sharing as well as other Web activities, owning no website means having no power and no property in the Cyberspace. That is the root of the problems.

Klingt ambitioniert und hat einen grandios nichtprickelnden Namen: NUWeb, Net User’s Web, und wird auf Software basieren, die die geneigten User herunterladen und installieren. Auf Informationen bez. Plattformen warten wir noch; bei den Stellenausschreibungen gibts immerhin eine Nennung von Linux. Man kann sich bisher nur mit Mailadresse anmelden und Fotos gucken. Bin gespannt, wann auch in Deutschland die passende Upload-Bandbreite fraglos verfügbar ist.

 

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