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Freitag, 26. Januar 2007

Und sie bewegen sich doch?

Kriminalisierungshardliner und IFPI-Chef John Kennedy kann sich auf einmal vorstellen, dass Filesharing durch ein Pauschalabgabensystem legalisiert wird. Das ist doch mal ein Schritt weiter: Kennedy würde Musikflatrate diskutieren.

Seit Jahren wehren sich die Majors und die führenden Branchenverbände gegen das Konzept einer Musikflatrate, doch es scheint, als bröckle die Front der Pauschalabrechnungsverweigerer. IFPI-Chef John Kennedy schließt diese Vergütungsform im Digitalgeschäft zumindest nicht mehr aus. Im Rahmen eines Pressegesprächs auf der Midem erklärte Kennedy: “Das ist ein Modell, über das man nachdenken kann.” Allerdings schränkt er ein: “Wenn die Internetanbieter auf uns mit dem Vorschlag einer Pauschallizenz für einen bestimmten Monatsbetrag zukämen, würde ich sagen: ‘Lasst und darüber reden’.”

Dann sind wir jetzt in der nächsten Debattenstufe angekommen. Die Musikindustrie wird für das System zum jetzigen Zeitpunkt einen sehr hohen Betrag in die Debatte schmeissen, die Provider und Konsumenten werden sich weigern, soviel zu bezahlen und das Tauschen geht fleissig weiter - ohne Kompensation der Künstler. Nächstes Jahr gibt es dann frühestens eine Weiterentwicklung der Debatte.

[via]

Montag, 22. Januar 2007

Musikindustrie sehnt sich China herbei

Auf der Musikmesse in Midem gibt es wohl viele Diskussionen rund um die Zukunft der Musik im Netz. Hier sind nur mal ein paar Artikel dazu.

Schön, dass das mal richtig ausgesprochen wird: IFPI: Internetprovider sollen Zugang zu Tauschbörsen sperren. Die Lobbyisten der Musikindustrie wollen einen digitalen Stacheldraht durchs Netz ziehen, weil das in China ja auch so gut mit der Bekämpfung von Menschenrechten funktioniert. Das ist ja schon länger bekannt, aber jetzt gibt es dazu die offensive Kriegsrhetorik von IFPI-Chef John Kennedy:

At one time you were considered a new media philistine if you wanted to regulate the internet. But then Google promised the Chinese government that censorship was possible. Then Google blacklisted BMW in the internet world for anti-social behaviour. It seems policing is acceptable for all sorts of things but not intellectual property!

With cooperation from ISPs, we could make huge strides in tackling content piracy globally. Disconnection of service for serious infringers should become the speeding fine or the parking ticket of ISP networks. We need government help to make it clear that ISPs must face up to their responsibilities and cut off copyright infringing users.

Vorher kommt noch die immer wiederkehrende Mär vom Filesharing-Rückgang aufgrund von Klagewellen, die jetzt wegen des grossen Erfolges ausgeweitet werden sollen. Die natürlich nur die zweitbeste Lösung darstellen. Besser wäre natürlich die China-Lösung.

Futurezone: Musikkonzerne im Kopierschutzdilemma

Auf der Musikmesse MIDEM in Cannes wird das Thema Digital Rights Management [DRM] kontroversiell diskutiert. Elektronikhersteller und Online-Musikanbieter sprechen sich gegen die Verwendung von DRM aus. Die Musikkonzerne geben sich zurückhaltend. Auf einem Panel zum Thema DRM auf der MIDEM kam es am vergangenen Samstag beinahe zu Handgreiflichkeiten. Dabei standen einander Mitch Bainwol, der Chef des US-Musikindustrieverbandes RIAA, und Gary Shapiro von der Consumer Electronics Association [CEA] gegenüber.

Irgendwie kommt mir das alles auch relativ schizophren vor. Auf europäischer und nationaler Ebene zählen die Elektronikhersteller zu den grössten Fans von DRM. In den USA gibt es allerdings Koalitionen mit NGOs wie EFF und PublicKnowledge gegen Restriktionen.

The Register: For Real, DRM no cure for music biz blues.

No wonder it’s so hard to find anyone who thinks this model is the future of music. It probably isn’t even the future of iTunes.

IHT: Record labels rethink digital rights management at Midem.

Now that even digital music revenue growth is faltering amid rampant file-sharing by consumers, the major record labels are closer than ever to releasing music on the Internet with no copying restrictions — a step they once vowed never to take.

Montag, 28. August 2006

Gerettet: Bald keine Dateien mehr in Tauschbörsen

AFP verbreitet einen Text zu Online-Downloadplattformen, der mich mit seinem Inhalt schon bei SpOn verwunderte. Zuerst dachte ich, es würde isch dort um einen Tippfehler handeln, aber bei der FAZ finde ich denselben Absatz:

Die Misere lasse sich nicht allein mit der Piraterie erklären, zumal Daten des Internationalen Musikverbandes IFPI darauf hindeuteten, daß das illegale Kopieren abnehme. So sei die Zahl der verfügbaren Musiktitel auf illegalen Netzwerken zur Verbreitung von Musikdateien von 11,1 Milliarden im Jahr 2003 auf 885 Millionen im vergangenen Jahr gesunken. Die Industrie müsse das Potential des Online-Geschäfts stärker ausschöpfen, dann könne sie im Jahr 2010 „das Schlimmste überstanden haben“, betonten die Autoren der Studie.

Coole Sache: Bei dem Rückgang dürften, statistisch gesehen, an Ostern diesen Jahres praktisch keine Dateien mehr in Filesharing-Netzwerken zu finden gewesen sein. Aber wie erklärt man sich dann die konstant hohen Nutzungszahlen von Tauschbörsen, wenn es da nichts mehr zu finden gibt?

Man könnte auch fragen, wieso diese von dem Lobbyverband IFPI herausgebenen Zahlen von Nachrichtenagenturen und grossen Medien nicht kritisch hinterfragt werden?

Mittwoch, 12. Juli 2006

Provider antwortet auf Medienspin der britischen Phonoindustrie

Gestern ist mal wieder ein Teil der Medien auf einen Spin der britischen Phonoindustrie reingefallen, die lautstark Provider aufgefordert hatte, Filesharing-Nutzer zu sperren. Daraufhin antwortete der Provider Tiscali und wies die Phonoindustrie darauf hin, dass weder sie noch Tiscali Strafverfolgungsbehörden seien und die “Beweise” eigentlich keine seien.

Bei Gulli gibts diese Teilübersetzung des Tiscali-Schreibens:

“Sie schickten uns eine Liste von 17 IP-Adressen, von denen Sie annehmen, dass sie Tiscali-Kunden gehörten, von denen sie wiederum annehmen, dass diese Urheberrechte von Mitgliedern Ihrer Organisation verletzt hätten, zusammen mit Zeitangaben und Informationen, mit welchen Musikdateien dies geschehen ist. Sie haben uns ebenso Auszüge eines Screenshots geschickt, der den Download-Ordner eines dieser Kunden zeigt. Sie behaupten, diese “Beweise” seien “überwältigend”. Jedoch haben sie keinerlei Beweismaterial für die anderen 16 Accounts geliefert. Weiter haben sie nicht bewiesen, dass ein Download stattgefunden hat oder dass der Shared Folder zu der genannten IP gehört.”

 

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