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Donnerstag, 24. Januar 2008

IFPI Jahresbericht 2008

Golem berichtet, dass der Internationale Verband der Musikindustrie (IFPI) heute seinen Jahresbericht für 2008 vorgestellt hat. Darin gibt man beim DRM-Desaster den schwarzen Peter an die Hardware-Lieferanten ab, die es nicht geschafft hätten, “interoperables DRM” zu unterstützen. Passt in die Pläne der EU-Kommission genau dies zu fördern. Bis dahin muss man aus Sicht der IFPI leider von DRM etwas Abstand nehmen. Aber auch folgende Aussage zeigt, dass man auf einer Linie mit der EU-Kommission ist. Bzw. umgekehrt. Also dass die EU-Kommission eigentlich nur die Forderungen der IFPI-Lobby durchsetzen möchte:

Die CD-Verkäufe leiden laut Bericht weiterhin unter “dem weit verbreiteten Copyright-Diebstahl”. Da der technische Fortschritt bei “Digitalpiraterie” nicht aufzuhalten sei, müssten “ausgefeiltere Piraterie-Bekämpfungsstrategien entwickelt und die Zusammenarbeit mit den Torwächtern des Internets, den ISPs verbessert werden”.

Donnerstag, 23. August 2007

Wirtschaftlicher Schaden durch “Musikpiraterie”?

Golem berichtet über eine aktuelle Studie des US-amerikanischen Institute for Policy Innovation (IPI), die einen Schaden von 12,5 Milliarden durch “Musikpiraterie” anprangern. Dabei berufen sie sich auf “unabhängige” Zahlen der IFPI. Wenn man sich die Zahlen aber genauer anschaut und mit alten Daten vergleicht kommt man auf das folgende Ergebnis:

Man kann zwar geringfügige Schwankungen im einstelligen Prozentbereich erkennen, aber durch “Piraterie” ausgelöste Verluste in einer ernsthaften Größenordnung, wie von der IPI “errechnet”, lassen sich in den amtlichen Zahlen nicht finden. Die angeblich in der Musikindustrie verloren gehenden 26.860 Arbeitsplätze würden in etwa der (geschätzten) Gesamtzahl der Arbeitsplätze in der US-Musikindustrie in den 90er Jahren entsprechen. Anders gesagt: Ausgehend von den IPI-Zahlen hätte sich die US-Musikbranche in rund zehn Jahren der Größe nach verdoppeln müssen und nur die “Piraterie” hat das verhindert. Noch anders gesagt, hätten die US-Bürger ihren CD-Konsum binnen zehn Jahren vervielfachen müssen, denn um ein paar mehr CDs zu pressen benötigt man ja nicht gleich fast 27.000 neue Arbeitsplätze. Und Ausgaben für Live-Konzerte und Merchandising-Artikel sind dabei in den Zensus-Zahlen überhaupt nicht berücksichtigt.

Richtet also die “Musikpiraterie” den immer wieder behaupteten Milliardenschaden für die US-Wirtschaft an? Mit den amtlichen Zahlen ist das jedenfalls nicht zu belegen. Im Gegenteil, der Vergleich der US-Zensus-Zahlen von 2002 mit denen von 1997 könnte sogar den Schluss nahe legen, dass MP3, Napster & Co. der Musikindustrie zu Beginn der 2000er Jahren zu einem Aufschwung verholfen haben.

Dienstag, 24. Juli 2007

UK: Musik behält Schutzfristen von 50 Jahren

Futurezone berichtet, dass die britische Regierung die Copyright-Schutzfristen bei 50 Jahren belassen will. Die IFPI hatte in einer jahrelangen Kampagne sowohl Schein-Tote wie Cliff Richards ausgegraben und tote Musiker aufgefahren, um ihre Partikularinteressen durchzusetzen. Das ist jetzt gescheitert. Und die Musikindustrie tobt.

Die britische Regierung hat am Dienstag eine Verlängerung der gesetzlichen Schutzfristen für Musik über 50 Jahre hinaus abgelehnt. Eine solche Verlängerung würde zu höheren Kosten führen und der Mehrzahl der Künstler nichts bringen, so ein Sprecher der Regierung. John Kennedy, Vorsitzender der britischen IFPI, zeigte sich enttäuscht: “Großbritannien ist eine tonangebende Quelle für gute Musik. Die Regierung hat mit ihrer Entscheidung gegen eine Verlängerung der Schutzfristen gezeigt, dass sie keinen Respekt vor den Künstlern und der britischen Musikindustrie hat.”

Mal schauen, was in Deutschland kommt, nachdem Udo Jürgens von den Lobbyisten zur Kanzlerin geschleppt wurde.

Mittwoch, 9. Mai 2007

Udo Jürgens wird Lobbyist

Udo Jürgens spielt jetzt den Cliff Richards. Bei einem Lobby-Treffen der IFPI (aka “Musikindustrie”) mit Bundeskanzlerin Merkel wurde er vermutlich als Wunderwaffe mitgenommen. Ob er ihr auch ein Ständchen sang, geht aus dem Artikel im Musikmarkt nicht hervor: Bundeskanzlerin Angela Merkel trifft Vertreter der internationalen Musikindustrie. Dafür setzt er sich für eine Ausweitung seiner Rechte ein:

Stellvertretend für 27.000 Künstler aus ganz Europa - die eine entsprechende Petition unterschrieben haben - sagte Udo Jürgens: “Immer mehr Künstler müssen die bittere Erfahrung machen, dass ihre frühen Aufnahmen und ihr geistiges Eigentum ohne ihr Wissen, ihren Einfluss und ohne eine Entschädigung veröffentlicht und kommerziell ausgewertet werden.” Die Künstler, davon 14.000 aus Deutschland, fordern deshalb eine Angleichung ihrer Schutzfristen von bisher 50 auf 95 Jahre wie in den USA.

Übersetzt heisst das, dass Udo Jürgens damit unsere Rechte, die der Allgemeinheit, “klauen” möchte. Wenn die Schutzfrist ausläuft, wird ein Werk Allgemeingut (Im englischen auch Public Domain genannt). Dies gehört allen und das ist der Grund, weshalb man heutzutage so gut und einfach Werke von Goethe oder Schiller remixen darf. Wenn die Singularinteressen von Udo Jürgens jetzt ausgeweitet werden, geht das zu Lasten der Allgemeinheit.

Übrigens hat man gleich das ganze Aufgebot des Vorstandes der internationalen IFPI aufgefahren, um gestern Lobbying in Berlin zu machen. Vor Merkel war Zypries dran.

Donnerstag, 26. April 2007

Gewöhnt Euch dran.

Was soll man nur dazu sagen: Festplatten zerstören Gefühl für den Wert von Musik?

“Weil eine Festplatte immer das Gleiche wiegt - egal ob 100, 1.000 oder 10.000 Musikdateien darauf gespeichert sind -, geht schleichend das Gefühl für den Wert von Musik verloren”, sagt Michael Haentjes, Vorsitzender der Deutschen Phonoverbände, anlässlich des Tages des geistigen Eigentums.

Wie wäre es mit: Gewöhnt Euch dran.

Es wird sich nicht mehr ändern. Man könnte ja mal anfangen, sich neue Geschäftsmodelle auszudenken, die den geänderten Rahmenbedingungen Rechnung tragen. Man kann aber auch die nächsten Jahre weiterheulen.

Vorbei: direkte Download-Links für illegale MP3 bei Yahoo China

In China nimmt man das mit dem Klagen jetzt ernster als zuvor: die IFPI hat teilweise erfolgreich Yahoo darauf verklagt, die Verlinkung illegaler MP3-Dateien zu unterlassen. Vor WTO-Beitritt und vor formaler Anerkennung von Privateigentum wär das nicht so möglich gewesen. Urheberrecht.org berichtet aus aktuellem Anlass:

Der chinesische Ableger des Internet-Suchmaschinenbetreibers Yahoo! muss die Verlinkung auf Hunderttausende von illegalen Kopien von Musikdateien unterlassen. Wie die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) am 24.4.2007 meldet, hat ein Pekinger Gericht entsprechenden Klagen vom Januar 2007 stattgegeben. Nach Angaben des Verbandes sah das Gericht die MP3-Suchseite von Yahoo! China als mitursächlich für Verletzungen der Urheberrechte der von der IFPI vertretenen Musikunternehmen an. Über die Seite wird das Auffinden, der Download oder das Anhören von illegalen Gratis-Musikdateien ermöglicht, ohne die Seite von Yahoo! verlassen zu müssen.

Auch SpOn berichtet, aber mit gewohnt reißerischem Titel: Yahoo wegen Raubkopien verurteilt. Man beachte, dass hier einmal mehr “Raubkopien” mit ohne Genehmigung der Rechteinhaber zum Download bereitgestellten bzw. in diesem Fall bloß verlinkten Mediendateien gleichgestellt werden.

Dementsprechend muss der chinesische Yahoo-Ableger jetzt alle Verweise auf Gratis-Angebote für illegale Musik-Downloads von seinen Internetseiten entfernen. Das Gericht in Peking verurteilte den Suchmaschinenbetreiber außerdem zu einer Strafzahlung in Höhe von 19.000 Euro (200.000 Yuan).

Damit bleibt das Gericht allerdings weit hinter den Forderungen der Kläger zurück. Die hatten von Yahoo China einen Schadenersatz in Höhe von 525.000 Euro (5,5 Millionen Yuan) wegen angeblicher Urheberrechtsverstöße gefordert.

Letztlich sind das doch nur Peanuts, auch wenn die offiziöse PR die Aktion als Erfolg feiert:

“This is a good news day for the music industry. This judgement will boost the growth of a licensed digital music business in China and provide better protection for intellectual property in this vast, exciting market. The ruling promises to improve the whole environment in which the local and international music industry does business in China. …
“The judgment gives our members the legal basis to require all music search engines in China to remove infringing links from their service – which we will do. The Court has effectively called time on this type of mass digital piracy in China. Now we must see that this ruling is respected by all those who seek to profit from providing access to music online in this way.”

Erst Yahoo China, dann Hong Kong. Bei der FTD klingt das so: “Guter Wille an der Copyright-Front”.

Vorerst demonstriert China Kooperationswillen: Jüngst beschloss die Regierung einen Aktionsplan gegen Verletzungen geistiger Eigentumsschutzrechte - der deutlich strengere Strafen vorsieht als sein Vorgänger. 14 Gesetze und Verordnungen sollen reformiert werden. Anfang April wurde die Schwelle für Strafprozesse gegen CD-Kopierer gesenkt: Vor den Kadi muss, wer 500 Stück besitzt - vorher waren es 1000.

Solche Fortschritte müsse man stützen, heißt es aus der europäischen Industrie - etwa mit der Ausbildung chinesischer Richter und Zollbeamter. Der Sinn einer Konfrontation vor der WTO erschließt sich Friedolin Strack vom Asien-Pazifik-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft nicht. Er setzt auf Chinas Eigeninteresse: “Vor den Olympischen Spielen 2008 wird der Staat darauf erpicht sein, sich die Marketingeinnahmen aus dem Ereignis zu sichern.”

Hintergrund ist natürlich das kulturelle Großreinemachen vor der Olympiade 2008, an der auch gemessen werden wird, obwie weit der chinesische Markt sich verwestlichen lässt. Dabei wissen wir aus dem Alten Europa doch schon lange: Geistiges Eigentum ist “Fehler des Kapitalismus”. Mal sehen was der morgige “Welttag des geistigen Eigentums” noch so an Kapiteln bringt.

UPDATE: Auch ContentAgenda.com berichtet: “Court orders Yahoo China to unlink 229 songs in copyright case decision“, und hat einige Details von Captain Obvious:

Besides Baidu and Yahoo China, other Chinese search engines, such as Sina’s iAsk, Sohu’s Sogou and Zhongsou, operate similar music search services, which are magnets to teenage internet users looking for free entertainment. “We are going to take action against similar music linking services,” Ms Leong said. “The court’s decision yesterday is a step in the right direction. It will help China to grow legitimate online music business.”

In its statement after the decision, Yahoo said the case “has far-reaching implications for all search engines. An important principle is at stake in this case - that search engine operators should not be held liable for content posted on third-party websites”.

Baidu used the same argument in winning in its cases against the music companies last November. The music companies are appealing against that decision.

While the music companies attributed yesterday’s triumph to the new regulation, an industry source said politics were at play.

“The decision came just before April 26, the international intellectual property rights [IPR] day,” the source said. “And the US government is pushing China with IP infringement issues. I think the decision is more for political than legal reasons.”

Donnerstag, 29. März 2007

Mal wieder IFPI-Propaganda

Eigentlich wollte ich mir heute die Pressekonferenz der IFPI anschauen, wo mal wieder die übliche Leier von den Raubkopierern zu hören gewesen sein wird. Aber keine Zeit. Hab da vermutlich auch nichts verpasst, die passende Pressemitteilung dazu liest sich wie in den letzten Jahren etwas monoton. Mehr Strafverfolgung bitte und weniger Bürger- und Verbraucherrechte, weil ja nichts getan wurde. Also die übliche Propaganda, die hofft, dass die Medien und Politiker vergessen haben, dass die letzten Jahre nur einseitig bei den Verbraucherrechten abgebaut wurde. Und noch wenige Puzzle-Teile fehlen, die man eh schon immer durchbringen wollte. Wie z.B. das Verbot von Aufnahmen aus dem Webradio. Ich mein, das scheint ja zu klappen, mit der notwendigen Medienpower kommt man da immer mehr oder weniger problemlos mit durch.

Der IFPI-Vorsitzende Haentjes erklärt dann auch:

“Das Urheberrecht muss endlich in der digitalen Realität ankommen. Der jetzt vorliegende Entwurf bewirkt genau das Gegenteil”.

Wäre ja mal schön, wenn die IFPI-Lobbyisten und die Majors in der digitalen Welt ankommen und neue Chancen realisieren würden. Dann könnte man wieder über Aufschwung reden, den Verbrauchern generell mal vernünftige und zeitgemässe Angebote anbieten (Nein, nicht den DRM-Schrott, den niemand ausser den Majors haben will) und vor allem den Künstlern eine nachhaltige Zukunft geben.

Mittwoch, 14. März 2007

Innovative Geschäftsmodelle der Musikindustrie

Der ehemalige Justiziar der Phonoverbände hat sich wohl mit einer innovativen Geschäftsidee in der Musikbranche selbstständig gemacht. Jetzt ist er Geschäftsführer der Hamburger proMedia GmbH, die im Auftrag der Musikindustrie Urheberrechtsverletzern auf der Spur ist. Und gleichzeitig gibt es noch einen tollen Workflow mit seiner Rechtsanwaltskanzlei, die dann die Abmahnungen rausschickt. Das nennt man ein innovatives Geschäftsmodell als Ergänzung der DRM-Schrottplattformen. Stefan Krempl hat sich den Laden mal für die c´t angeschaut: Hausbesuch bei den “Piratenjägern” der Musikindustrie.

Im “Schichtdienst” spüren bei proMedia zwischen 8 Uhr morgens und teilweise bis weit nach Mitternacht netzaffine Ermittler vergleichbare Sünder auf. Bei den bisher so bearbeiteten 37.000 Fällen sei noch kein einziges Mal das Problem des IP-Spoofing aufgetreten, keine Netzadresse sei bislang fälschlich einem Benutzer zugeordnet worden, versichert Rasch. Dazu komme noch ein externer Ermittlungsdienst mit fast 30 Leuten. Um eine “bessere Durchsetzung bei der Bevölkerung” ins Visier zu bekommen, die Filesharing-Plattformen illegal nutze, habe man zudem auch gezielte Wochenendaktionen durchgeführt. Diese seien aber teilweise mühselig, da ab dem Nachmittag die P2P-Netze wegen Überfüllung “kaum noch laufen”.
[...]
Der lange Arm der Phonoverbände unterstützt nach eigenen Angaben zudem die Arbeit von Strafverfolgern etwa bei Hausdurchsuchungen oder dem Spiegeln und Auswerten von Festplatten. Auch Programme zur leichteren Aufdeckung von Urheberrechtsverletzungen im Netz stellt proMedia den Gesetzeshütern zur Verfügung. Die Software zum Aufspüren illegaler Nutzungen im spektakulären eDonkey-Fall im vergangenen Jahr etwa “sei der Polizei ja nicht vom Himmel gefallen – die haben wir hier entwickelt”, berichtet Lüngen.

Erstmal Lobbying für schärfere Gesetzgebungen und eine Kriminalisierung der Musikkonsumenten machen und dann die neuen Gesetze für ein neues Abmahn-Geschäftsmodell ausnutzen…

 

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