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Dienstag, 24. Juni 2008

ICANN: Bald ganz viele neue Top-Level Domains?

Internet Intern berichtet:

Am Donnerstag will der ICANN-Vorstand in Paris eine Grundsatzentscheidung über die Frage treffen, ob künftig Top Level Domains an große Firmen, andere Organisationen oder auch Gebietskörperschaften vergeben werden können. Wie von Seiten der ICANN betont wird, handelt es sich dabei nur um eine Richtungsentscheidung, der dann eine ausführliche Diskussion und juristische Ausformulierung des Vorhabens folgen muss.

Damit wäre auch der Weg frei für subregionale TLDs wie .berlin oder .nyc, und für internationalisierte TLDs in anderen Zeichensätzen und Schriften. Diese sollen sogar ein spezielles Fast-Track-Verfahren bekommen.

ICANN hat wohl im Kern begriffen, dass man damit massiv Geld damit verdienen kann:

Doch der CEO des kalifornischen Unternehmens, Paul Twomey, kann nicht verbergen, dass zumindest er diese Entwicklung begrüßen würde. Er spricht von neuem Grundbesitz im Internet. Und er muss gar nicht weiter erklären, dass der Verkauf dieser Terra Nova seiner stets geldhungrigen Organisation eine neue, lukrative Einnahmequelle bescheren würde. Denn wer .ebay, .intel oder .berlin besitzen will, soll nach Twomeys Vorstellungen 50.000 Dollar für die Registration zahlen müssen. Und da alle anderen generischen Top Level Domains beziehungsweise deren Registries Jahresbeiträge abführen müssen, wird man wohl auch bei diesen Bezahl-TLDs mit ähnlichen Forderungen rechnen können.

Es gibt allerdings derzeit noch den Vorschlag des ICANN-Vorstandes, neue TLDs nur einzuführen, wenn sie nicht gegen Gesetze zu “Moral und öffentlicher Ordnung” verstoßen:

Strings must not be contrary to generally accepted legal norms relating to morality and public order that are enforceable under generally accepted and internationally recognized principles of law.

Die Non-Commercial Users Constituency bei ICANN hat in ihrer Stellungnahme solche Schwellen klar abgelehnt.

Mehr Berichte bei BBC, CNet, ZDNet UK.

Montag, 23. Juni 2008

Die Internet-Agenda der französischen EU-Präsidentschaft

Der französische Staatsminister Eric Besson hat auf dem ICANN-Treffen in Paris einen kleinen Ausblick auf die französische EU-Ratspräsidentschaft gegeben, die am 1. Juli startet: Französische EU-Präsidentschaft setzt Zukunft des Internet auf die Agenda.

In seiner Begrüßungsrede nannte Besson den Übergang zu IPv6, die Erweiterung des Namensraumes im Netz und insbesondere die Einführung nicht-lateinischer Top Level Domains als die Themen, die auch auf der Oktoberkonferenz der EU eine Rolle spielen werden. Mit Blick auf den Übergang zu IPv6 hat Frankreich die von der EU-Kommission kürzlich verkündete Zielsetzung, bis 2010 25 Prozent von Privat- und Unternehmensnutzern zu IPv6-Nutzern zu mache, übernommen. Als weitere Themen für die Diskussion zur Zukunft des Internet nannte Besson das “Web 3.0″ oder das Internet der Dinge. Für letzteres plant die französische Präsidentschaft laut Aussagen von Bernhard Benhamou vom französischen Außenministerium an einer Verbesserung der Standards des Object Naming System, also den Registries für RFID-Nummern, zu arbeiten. Benhamou sprach am Rande des ICANN Treffens von einem ONS 2.0.

Am 27. November trifft sich dann Rat der Telekommunikationsminister zur Abstimmung.

Weiter verkündete Staatsminister Eric Besson laut Heise in Paris, dass “der Kampf gegen die Piraterie [..] nicht Teil der Mission [sei], die ihm der französische Staatspräsident übertragen habe. Was genau daran stimmt, kann ich nicht sagen. Ich hab auch schon von Test-Entwürfen gehört, wonach das französische Internetsperrungs-Modell schon in der europäischen Diskussion ist.

Aber wirklich lustig ist diese Aussage:

“Es gibt zwei Aspekte, den präventiven und repressiven, der in dem Entwurf verfolgt wird, und den positiven, konstruktiven.” Letzterer bestehe etwa darin, dass man den jungen Leuten sagen könne, wo sie billiger und einfacher Inhalte downloaden könnten.

Was ist wohl die Antwort auf die Frage (wenn sie ein deutscher Politiker gestellt hätte)?

a) Musikload?
b) eMule?

Das Problem ist ja, dass es immer noch zu kompliziert und schwierig ist, Musik im Netz zu kaufen. Da wird man weiterhin Probleme haben, den jungen Leuten zu sagen, wo das denn gehen soll.

Freitag, 16. November 2007

Das Innenleben der ICANN

Nach drei Jahren im Vorstand der ICANN beschreibt Joi Ito die Gründe für seinen Rückzug und eröffnet einen Blick auf die Entscheidungsstrukturen der Organisation:

The problem that ICANN has is not one of being unfair, the problem that ICANN has is the difficulty and time required in trying to reach consensus on difficult issues. The other problem is that most of the people who are affected by the decisions, the average users, don’t know or care about ICANN. Trying to figure out an better way to get their input has always been an issue, but is one that is not unique for ICANN. All of politics and collective action share the difficulty in getting the public to care about issues that affect them.

Wer mehr über das Thema wissen möchte, bekommt mit Hilfe des Artikels von Jeanette Hoffmann einen sehr guten Überblick.

Montag, 11. Juni 2007

Netzpolitik-Interview: Nutzervertretung bei ICANN

Die ICANN-Nutzervertretung ALAC hat jetzt auch einen europäischen Ableger bekommen, “EURALO-ICANN At Large Europe“. Dazu hab ich ein Interview mit Annette Mühlberg gemacht, die an der Gründung massgeblich beteiligt war.

netzpolitik.org: Annette, Du warst Vorsitzende des At-Large Advisory Committee (ALAC) bei ICANN und bist immer noch dort aktiv. Was ist die Aufgabe von ALAC?

Annette Mühlberg: Die Aufgabe von ALAC ist, ICANN im Interesse der Internetnutzer zu beraten und die NutzerInnen an der Gestaltung von ICANN-Policies zu beteiligen. Zum Beispiel Rahmenbedingungen für die Einführung neuer Top Level Domains zu formulieren.

netzpolitik.org Welche Rolle spielen Nutzerinteressen bei ICANN?

Annette Mühlberg: Die Möglichkeiten zur Einflussnahme über das At-Large Advisory Committee sind leider noch sehr begrenzt. Es hat nur beratende Funktion und die Ratschläge werden teils erhört, großenteils aber nicht, wie zum Beispiel beim umstrittenen Vertrag ICANNs mit Verisign, der die Monopolstellung von Verisign festigt.

netzpolitik.org Was war das Problem bei dem Verisign-Deal?

Annette Mühlberg: Wir wollten Wettbewerb sichern und u.a. auch in dem Vertrag enthaltene Klauseln zu Datamining, die Fragen des Datenschutzes betreffen, zugunsten der Nutzer - nicht der Firmen - sichern.

netzpolitik.org Was läuft gut?

Annette Mühlberg: Wir haben weltweit hochkompetente Vertreterinnen und Vertreter auf der Nutzerseite, die verschiedene Themen pushen. Ein wichtiges Thema ist beispielsweise die Fortentwicklung sogenannter “Internationalized Domain Names”. Sie sollen weltweit den Gebrauch des Internets in der jeweiligen Landessprache erleichtern, durch die Verständlichkeit der “Top Level Domains”, die bisher nur in lateinischen Buchstaben vorhanden sind.

netzpolitik.org: Aktuell wurde die neue europäische ICANN-Internetnutzerorganisation “EURO-Ralo” gegründet. Wie war der Weg dahin?

Annette Mühlberg: Steinig. Aber jetzt haben wir es geschafft und ich darf hinzufügen, dass viele deutsche Bürgerrechtsorganisationen mitgewirkt haben (Netzwerk Neue Medien, Humanistische Union, FoeBud, FIfF, Terre des Femmes, DVD, FITUG, KDU, Medienstadt Leipzig und andere). Ich freue mich, dass wir einen fitten und international besetzten Vorstand haben, der jetzt loslegen kann. Eine besondere Herausforderung ist, dass unsere europäische Internetnutzerorganisation 74 Länder umfasst (ICANN hat die Definition europäischen Region angelehnt an die der UNO), die teils sehr demokratiefern sind.

netzpolitik.org: Was sind die Ziele auf europäischer Ebene?

Annette Mühlberg: In einem ersten Schritt, Nutzer- und Verbraucherrechte gegenüber der EU-Kommission und ihren Institutionen geltend zu machen. Aktuelle Themen sind Netzneutralität, die weitere Einführung geographischer Top Level Domains und Datenschutz.

netzpolitik.org: Vielen Dank für das Kurzinterview.

Montag, 2. April 2007

ICANN hat Nutzervertretung für Europa

Auf der ICANN-Tagung in Lissabon wurde u.a. die europäische Nutzervertretung für ICANN gegründet. Heise berichtet darüber, und ein Heise-Kommentator hat einen Hinweis auf einen sehr lesenswerten Text eines ehemaligen Nutzervertreters hinterlassen, der begründet, warum er dort ausgestiegen ist. (Kann sich noch jemand erinnern, dass vor der Internet-Ewigkeit von sieben Jahren Andy Müller-Maguhn vom CCC von den europäischen Internet-Nutzern direkt in den ICANN-Vorstand gewählt wurde und dort normales stimmberechtigtes Mitglied war?)

Donnerstag, 1. Februar 2007

Neue Boardmitglieder bei ICANN nominieren

ICANN hat einen Call für neue Boardmitglieder gestartet:

ICANN’s Nominating Committee invites Statements of Interest from the Internet community as it seeks qualified candidates to assist in ICANN’s technical and policy coordination role. Interested individuals are invited to submit a Statement of Interest to this year’s Committee for the following positions:

* Three members of the ICANN Board of Directors
* Two members of the Council of the Generic Names Supporting Organization (GNSO)
* One member of the Council of the Country-Code Names Supporting Organization (ccNSO)
* Three members of the At Large Advisory Committee (ALAC)

Montag, 22. Januar 2007

ICANN hat jetzt auch ein Blog

ICANN hat jetzt auch ein Blog.

Montag, 18. Dezember 2006

Das ICANN Meeting von Sao Paulo im Rückblick

Wolfgang Kleinwächter fasst auf Telepolis nochmal das vergangene ICANN-Meeting in Sao Paulo zusammen: TLDs für Städte und Regionen.

Auf dieser Strecke brachte Sao Paulo einen nicht unerheblichen Fortschritt. Nach vierjähriger Diskussion in ICANNs Nutzerorganisation, dem “At Large Advisory Committee” (ALAC) wurde die erste “Regional At Large Organisation” (RALO) für die Karibik und Lateinamerika gegründet. Ihr gehören mehr als 30 sogenannte “At Large Structures” (ALS) aus fast allen Ländern der Region an. Auch individuelle Nutzer kønnen der RALO beitreten. Die Europäer wollen in Lissabon im März 2007 ihre EU-RALO gründen. Bislang sind knapp 20 europäische ALSs lizensiert. Fortgeschritten sind auch die regionalen Projekte in Asien und Afrika. Der Fortschritt geht nicht zuletzt auf den energischen Führungsstil der sei einem Jahr im Amt befindlichen neuen ALAC-Vorsitzenden, der deutschen Anette Mühlberg, zurück.

Mit Annette steht auch noch ein ausführlicher Netzpolitik-Podcast zu ALAC und ICANN auf dem Programm. Irgendwann klappt das auch mal.

 

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