ccNewsletter #8 - Culture Commons
Der “ccNewsletter #8″ beschäftigt sich Schwerpunktmässig mit den “Culture Commons”. Das PDf-Magazin kann hier heruntergeladen werden.
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In seinem Roman “Backup” beschreibt Cory Doctorow eine Zukunft, in der man das menschliche Bewusstsein als Datenpaket im weltweiten Netz abspeichern und immer wieder neu herunterladen kann.
Schön, dass es übersetzt wurde.
Bei Heise Open gibt es eine dreiteilige Serie über Freie Inhalte. In Teil 1 geht es um Freie Musik, Filme und Bücher: Friede, Freude und freie Eierkuchen-Rezepte
Open Source und Linux sind in aller Munde. Die Zeitungen sind voll vom nächsten Internet-Hype: Web Zwonull, Social Networking, User Generated Content – und alles frei für alle. Oder nicht? Unsere dreiteilige Serie spürt den freien Inhalten im Netz hinterher – von Unterhaltung und Bildung über Forschung und Lehre bis zu Strickmustern und Fotosammlungen. Der erste Teil widmet sich der freien Unterhaltung: Musik, Filme und Bücher.
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opensourcefood.com bieten Köchen und solchen, die sich einfach nur gerne Essen ansehen, aber auch solchen, die gern mit den schicken Bildern ihres Essens angeben wollen, die Möglichkeit, Rezepte und Bilder unter CC-Lizenzen zu veröffentlichen. Das Ganze ist grob in verschiedene Koch-Stil-Richtungen unterteilt. Durch die Lizenzen wird natürlich nicht das Rezept, sondern nur der Wortlaut und die Bilder geschützt. Und falls das Bild unter einer Nicht-kommerziellen Lizenz veröffentlicht wird, kann das eigene Steak auch post mortum noch in einem guten alten Kochbuch Karriere machen.
Wenn sich so mancher junge Mensch fragt, wieso Politiker eigentlich so oft eher schlichte Ansichten über das Internet haben, dann muss man Ihnen sagen, dass das an ihren Umgang liegt. Professor Dr. Reinhold Kreile und Professor Dr. Jürgen Becker sind ein solcher Umgang. Sie sind verantwortlich für einen Text, der als ein Klassiker der digitalen Depression am Anfang des 21. Jahrhunderts besprochen werden kann. Der Text kommt wie eine Schnecke daher, der hier und da ein wenig schleimt, und bei Gefahr oder Berührung mit etwas Neuem, schnell die Augen einfährt. Vor allem aber der Schluss ist gewaltig:
Die GEMA war mit Blick auf Erwartungen und Entwicklungen im Internet stets eine warnende Stimme, die ganz nüchtern darauf beharrt hat, dass die Vision eines freien, quasi anarchischen Internets ohne Schutz für die Rechteinhaber eine Fata Morgana in einer kulturellen Wüste bleiben wird. Mit allem Nachdruck ist die GEMA deshalb immer wieder der abwegigen Behauptung entgegengetreten, es sei das Urheberrecht - und gleiches soll für die Rechte der Künstler und Produzenten gelten -, das die freie Entfaltung des Webs und damit die wirtschaftliche Entwicklung dieser neuen Kommunikationstechnologie behindere. Wenn die deutsche Financial Times (8. August 2001) enttäuscht feststellt, dass der Wechsel von Musik auf traditionellen Tonträgern hin zu legaler Musik aus dem Internet, nicht in Internetgeschwindigkeit vorankomme, so kann darauf die Antwort nur lauten: Das ist auch gut so! [...] Zu begrüßen sind alle neuen, sinnvollen Instrumente zum Kampf gegen Musikpiraterie im Internet. Man darf sich aber nicht der Illusion hingeben, dass damit bereits der Kampf gewonnen sei. Das Beispiel Napster hat deutlich und unmißverständlich vor Augen geführt, wie schwer, ja wie nahezu aussichtslos der juristische Kampf gegen die Piraterie im Netz ist. [...] Vor diesem Hintergrund kommt den Access-Providern als Zugangsvermittlern zum Internet eine besondere Bedeutung und auch Verantwortung zu. Allein die Access-Provider sind technisch in der Lage, die notwendigen Daten über Musikpiraten im Internet zu ermitteln. [...] Mit Recht werden jetzt schon die Access-Provider in den Kampf um die Verhinderung von nazistischer Propaganda im Netz einbezogen, ebenso wie bei den Ermittlungsmaßnahmen wegen des Verdachts sexuellen Mißbrauchs von Kindern. So können sie doch auch im Kampf gegen den Musikdiebstahl im Netz, der in die Milliarden geht, in die Pflicht genommen werden. Hierüber muß national und international mit den Betroffenen selbst, aber auch mit der Politik gesprochen werden. [...] Auch wenn vor einer Verrechtlichung des Internets sowie vor einer Einschränkung angeblicher “digitaler Bürgerrechte” gewarnt wird, so darf die scheinbar autonome Welt des Internets sich den bestehenden sozio-ökonomischen, politischen und juristischen Gegebenheiten der nicht virtuellen Welt nicht entwinden.
Auf diese Einschwörung folgt ein Paukenschlag, der den Leser beim Verlassen des Textes den Mund offen und das Herz warm werden lässt. Es gibt Hoffnung und die GEMA wird weiter Widerstand leisten.
Es ist eine alte Erfahrung, dass in schweren wirtschaftlichen oder auch politischen Zeiten die Musik mit ihrem unbeugsamen Optimismus stets einen Ausweg weist: 1942, in einer Zeit, in der für Optimismus gewiß kein Anlaß bestand, komponierte Michael Jary den Schlager, zu dem Bruno Balz den Text schrieb und den die unvergessene Zarah Leander auf unnachahmliche Weise interpretiert hat: “Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n”. Für die Musik im Internet muß man fest daran glauben.
Wenn man etwas über die Geschichte des Internet liest, dann sind da meistens die Punkte Amerika, Arpanet, Atomkriegsresistenz und Genf und dann bald HTML und WWW zu lesen. Danach kommt dann die Musikindustrie und Hollywood und Napster und dann Web 20.
Einen erfrischend anderen Bogen spannt Professor Bernd Lutterbeck auf 14 Seiten. Hier ist ein Text als PDF über die skandinavische Einflüsse auf die Entwicklung des Internets.
“Zentral verordnete Mechanismen verhindern im Zweifel die in einer Informationsgesellschaft gebotenen Formen der Kooperation. Eine Gesellschaft, die ihren institutionellen Default auf Offenheit gestellt hat, scheint die überlegenen institutionellen Arrangements bereit zu halten. Die nordischen Länder Europas haben insoweit einen eigenen Weg in die Informationsgesellschaft eröffnet.”
Kein Wunder also, dass die soviel Breitband und Mobile Services haben.
Am kommenden Sonntag gibt es um 12 Uhr in der West-Berliner Schaubühne die Veranstaltung/Afterhour “Die Zukunft der Ideen - Macht und Ohnmacht der Kultur“.
Das Leben im Netz beeinflusst inzwischen auch das Leben derer, die das Netz nicht nutzen. Es greift tief in unser Verständnis und unseren gemeischaftlichen Gebrauch von Kultur ein. Die politischen wie rechtlichen Antworten auf diese Veränderungen hinken dieser Entwicklung hinterher, obgleich das Internet die zentralen Werte und Praktiken unserer Lebenswelt in Frage stellt: Wem gehört das Wissen der Wissensgesellschaft? Wen schützen Eigentumsrechte im Cyberspace? Es tobt ein Kulturkampf über Anarchie und Kontrolle, über Grenzen der Freiheit im Netz. Bedeutet ein unregulierter Zugang zu Ideen anderer Piraterie und Ausbeutung von Künstlern oder ermöglicht diese Offenheit erst Innovation und Kreativität?
Prof. Lawrence Lessig und Mercedes Bunz im Gespräch mit Carolin Emcke.
In den USA hat heute eine breite Koalition aus verschiedenen Organisationen wie der Consumer Electronics Association, Electronic Frontier Foundation und Public Knowledge die “digital freedom“-Kampagne gestartet. Das Ziel ist, eine breite Koalition gegen die Einzelinteressen der Unterhaltungsindustrie im Copyfight zu schaffen und für digitale Freiheiten einzutreten
“Digital technology enables literally anyone and everyone to be a creator, an innovator or an artist — to produce music, to create cutting-edge videos and photos, and to share their creative work. Digital technology empowers individuals to enjoy these new works when, where, and how they want, and to participate in the artistic process. These are basic freedoms that must be protected and nurtured.
“The Digital Freedom campaign is dedicated to defending the rights of students, artists, innovators, and consumers to create and make lawful use of new technologies free of unreasonable government restrictions and without fear of costly and abusive lawsuits.”

Im Gegensatz zu den Verteidigungskämpfen der Vergangenheit möchte man mit einem eigenen Gesetzentwurf die rechtliche Basis für die freie und offene Entfaltung einer Wissensgesellschaft schaffen: The Digital Freedom Bill of Sights and Sounds.
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