Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken und handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien:

Donnerstag, 28. Juni 2007

Frankreich: Journalisten gegen Konzentrationseffekte

Kam per Mail: ein Artikel in der Libération von heute: Gravité

Vertreter aus 27 französischen Presse-Redaktionen haben sich getroffen, um über die journalistische Unabhängigkeit nachzudenken. Sie sind beunruhigt von der Medienkonzentration in den Händen weniger Industrieller, die der Macht sehr nahe stehen. Der Chefredakteur der Libération, Laurent Joffrin, findet das auch: “Präsident Nicolas Sarkozy hat schon immer mit Erfolg ein Netzwerk von Freunden in den Medien und vor allem bei den Besitzern der wichtigsten Unternehmensgruppen geknüpft… Sie haben naturgemäß immer wieder mit dem Staat zu tun. Aus Vorsicht sind sie versucht, noch über die Wünsche des Prinzen hinaus zu gehen, ohne dass der auch nur eine Augenbraue hochziehen müsste. Um dieser Anziehungskraft durch die Politik zu entgehen, gibt es nur eine Lösung: Die Verteidigung des Journalismus durch die Journalisten selbst. Die Organisation der Redaktionen, der Pressekodex, das Recht gegen die Nominierung von Chefredakteuren ein Veto einzulegen: Es ist dringend geboten, von diesen demokratischen Mitteln auch Gebrauch zu machen.”

“Demokratische Mittel” mag heißen, dass es bald mehr gute französische Blogs geben wird, die sich dem Thema widmen. :)

[übersetzt von und via eurotopics]

Freitag, 25. Mai 2007

Verantwortung in der Informationstechnologie

Peter Glaser im Blog der Technology Review über Verantwortung in der Informationstechnologie: Falsche Maschinenstürmer.

Was bleibt aus dem ganzen Gedächtnisgemenge, ist: Wir haben gegen ein Schwinden von Verantwortung anzukämpfen. Anlässlich der Konferenz „Datenschutz und Datensicherheit“ in Berlin forderte der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Peter Schaar, eine „Ethik der Informationsgesellschaft“: „Wir müssen Wertentscheidungen treffen über die Frage, was dürfen, was wollen wir machen?“ Der Nukleartechnik oder der Gentechnologie werden die Fragen seit langem gestellt, viel zu selten der Informationstechnologie. „Laßt mich in Ruhe mit euren Gewissensbissen“, hatte 1945 der Kernforscher Enrico Fermi allen Einwänden von Kollegen gegen den Bau der Atombombe entgegengehalten, „das ist doch so schöne Physik.“

Mittwoch, 25. April 2007

“Download Harry Potter Movie”: Google verdiente mit

Wie die Sache weitergeht muss man abwarten, aber spannend ist das schon: offensichtlich hat Google über ein, hm, implizit schräges Geschäft an illegalen Download-Webseiten mitverdient. Und zwar über die Adwords “bootleg movie download” and “download Harry Potter movie”, für die nach Xinhua 809,000 US-Dollar an Google bezahlt wurden - von den Betreibern der Webseite, von der der Film bezegen werden konnte. Auch heise.de hatte berichtet.

(Aus der Abteilung “lange liegen gebliebene Artikel”)

Dienstag, 10. April 2007

Debatte um Blogger-Ethik?

Es gibt ja einige Diskussionen rund um eine Art Blogger-Kodex oder dergleichen, die vor allem in den USA geführt wird. Ein Journalist hat mich um ein paar Statements gebeten, die ich mal schnell hingeschrieben habe. Sicherlich nicht vollständig und man kann die Antworten sicherlich auch noch weiterentwickeln.

> > - Ist das eine amerikanische Debatte oder sind das Fragen, über die Blogger in Deutschland reden werden?

Aktuell ist es eine vor allem in den USA geführte Debatte. Losgelöst wurde sie auch von einem Fall in den USA. Aber durch die globale Vernetzung sind solche Debatten nicht mehr auf ein Land beschränkbar. Die Debatte ist übrigens nicht neu, sondern wurde auch von deutschen Blogs schon vor zwei Jahren geführt. Auf der morgen startenden re:publica-Konferenz ist eine Debatte rund um Ethik & Bloggen schon lange geplant.

> > - Und: Aus Ihrer Sicht als Blogger und als Blog-Beobachter: Sollten Blogger darüber diskutieren? Eine gute, überflüssige, uninteressante, schädliche Debatte?

Die Debatte ist notwendig und sinnvoll. Allerdings ist dies keine Debatte, die nur Blogger betrifft sondern alle, die jetzt die Möglichkeiten haben, ins Internet zu publizieren. Diese neue Freiheit des Publizierens bedeutet auch Verantwortung gegenüber den Freiheiten anderer, die zu respektieren sind.

> > - Ist Selbstregulierung ein Zeichen für Professionalisierung? Und ist das etwas Gutes?

Selbstregulierung hat erstmal nichts verpflichtendes. Es ist eher ein Zeichen dafür, dass es Defizite gibt, die man mit einer Art Kodex oder Selbstverpflichtung etwas reduzieren möchte. Eine Debatte darüber hat auf jeden Fall etwas bewusstseinschaffendes für die ethischen Fragestellungen rund ums Publizieren. Und das ist was gutes.

> > - Brauchen Blogger einen kleinsten gemeinsamen Nenner der Regeln für den Umgang miteinander, mit Leser, mit dem Gegenstand ihrer Texte, mit Werbung? Und haben sie den nicht längst? Wäre eine Kodifizierung sinnvoll (Transparenz, Diskussion, Verbindlichkeit?

Den kleinsten gemeinsamen Nenner bilden gesetzliche Rahmenbedingungen. Ansonsten gibt es viele Selbstverständlichkeiten, die auch schon im Pressekodex abgebildet sind und an die man sich auch als Blogger halten sollte. Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sollten auch für Blogger oberste Gebote sein. Gleichzeitig sollten selbstverständlich Nachrichten und Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen sein, sofern das von den Ressourcen her möglich ist. Wenn man später feststellt, dass man Unwahrheiten gebloggt hat, sollte man diese transparent korrigieren. Auch die Privat- und Intimssphäre von anderen Menschen sind zu achten, was auche ien Selbstverständlichkeit sein sollte.

> > - Und inwiefern würde / müsste sich eine solche Kodifizerung z.B. vom Pressekodex unterscheiden?

Blogs sind im Allgemeinen subjektiver als die “alte Presse”. Die Regel im Pressekodex, dass bei Konflikten die Positionen beider Seiten
darzustellen sind, werden dem Medium nicht wirklich gerecht. Auch gibt es den kleinen und feinen Unterschied, dass Blogs in der grossen Überzahl von Privatpersonen in der eigenen Freizeit verfasst werden und nicht von Journalisten mit einer profesisonellen Ausbildung und Gehalt. Diesem “Kultur-Unterschied” müsste eine solche Kodifizierung Rechnung tragen. Es steht aber jedem Blogger offen, sich von den Regeln des Pressekodex inspirieren zu lassen. Leider gehen die “alten Medien” nicht immer als Vorbild voran und zeigen, dass der Pressekodex von allen Ernst genommen wird und sinnvoll ist.

> > - Tiefpunkte der deutschen Blog-Geschichte bislang? Und was hätte eine Selbstregulierung da ändern können?

Die kurze deutsche Blog-Geschichte gibt mir jetzt keine Tiefpunkte her, die eine Selbstregulierung hätte ändern können. Das Bewusstsein für eine Art Blogger-Regeln, bzw. allgemeiner Regeln der Transparenz waren bisher ziemlich hoch. Problematisch waren eher sogenannte “virale Marketingaktionen”, die wahlweise unkontrolliert und unrecherchiert von Bloggern übernommen wurden und die teilweise von Marketingagenturen bewusst gelenkt wurden. Hier ist mehr Bewusstsein und Transparenz sicherlich notwendig in der Zukunft.

> Nur eine Rückfrage: In drei Punkten geht O’Reilly ja sehr weit: - keine anonymen Kommentare mehr

Wer sich an ethische Richtlinien hält, sollte selbstverständlich auch sein Recht auf informationelle Selbstbestimmung wahrnehmen und anonym kommentieren / bloggen dürfen. Man nehme ja nur sogenannte Whistleblower als Beispiele, die oftmals sehr hilfreich sind.

> > - Filterung der Kommentare überhaupt

Kommentare, die die Menschenwürde anderer verletzten, sollten selbstverständlich geächtet werden.

> > - Selbstkennzeichnung der Blogs (eine Art FSK???)

Es ist sicherlich hilfreich, wenn Blogger transparent veröffentlichen, an welche ethischen Regeln und Leitlinien sie sich halten.

> > Was halten Sie von diesen konkreten Forderungen - das ist ja mehr als gutes Benehmen…?

Sehr kritisierungswürdig halte ich die Forderungen von O´ Reilly, dass Blogger Markenrechte und Urheberrechte nicht verletzten dürften. Die ausufernde Urheber- und Markenrechte können das Recht auf freie Meinungsäusserung verletzten und Zensur fördern. Hier sollten Blogger sich an ihr eigenes Gewissen halten. Eine Formulierung wie von O´ Reilly geäussert, kann ich so nicht unterschreiben.

Abschliessend betrachtet: Schön, dass es diese Debatte gibt, man sollte sich aber nichts vormachen. Eine Selbstverpflichtung oder Kodex wird nicht viel bringen. Man sollte trotzdem bemüht sein, soziale Verhaltensweisen auch im Netz zu praktizieren. So wie im realen Leben auch.

Weiterführende Infos:

Golem: Verhaltenskodex für Blogger.
O´ Reilly: Draft Blogger’s Code of Conduct.
New York Times: A Call for Manners in the World of Nasty Blogs
Spreeblick: Zeit für eine Blog Etiquette?
Futurezone: US-Blogger streiten über Moralkodex

Dienstag, 13. März 2007

Wir wollen eine Ethik der Informationsgesellschaft

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, forderte bei der Konferenz “Datenschutz und Datensicherheit” in Berlin “eine Ethik der Informationsgesellschaft“. Matthias Spielkamp war dabei und hat für Golem mitgeschrieben.

Insgesamt tendierten wirtschaftliche, aber auch politische Triebfedern aus verschiedenen Gründen dazu, immer mehr an Überwachung zu installieren. Das könne die Überwachung von Geschäftsprozessen sein, so Schaar, aber auch der “Kampf gegen den internationalen Terrorismus - da frage ich: wo ist eine Gegenstrategie?” Sie könne nur in einer “Ethik der Informationsgesellschaft” liegen: “Wir müssen Wertentscheidungen treffen über die Frage, was dürfen, was wollen wir machen?” Das sei überhaupt keine neue Fragestellung, denn der Atombombe oder der Gentechnologie werde sie bereits seit langer Zeit gestellt, aber eben viel zu selten bei Debatten um Informationstechnologie.
[...]
“Sowohl im Recht als auch in der Technik müssen wir Konsequenzen ziehen und uns fragen, ob Entscheidungen gerechtfertigt sind - egal, wie gut sie wirtschaftlich, sozialpolitisch oder anders begründbar sind -, oder ob sie zurückgefahren werden sollten”, forderte Schaar. Deutschland habe die Gelegenheit, darüber zu reden, wie einen Gesellschaft aussehen sollte, und ob wir nicht zu weit gehen, denn “wir leben nicht in einem totalitären Überwachungsstaat, denn der braucht keine und muss auch kein Verfassungsgericht fürchten.”

UNESCO-Gutachten zu ethischen Implikationen von neuen Technologien

Die UNESCO hat in einem Gutachten die ethischen Implikationen von neuen Technologien wie RFID und Location Based Services untersucht. Spannende Lektüre: UNESCO publishes survey on ethical implications of emerging technologies.

What are the ethical implications of the semantic web, biometrics, radio-frequency identification, location-based services, mesh and ubiquitous networking, grid computing and other new computing technologies? A study just released by UNESCO analyses likely consequences of different technological choices.

[...]

In presenting results of this examination, the report first tells an introductory story of how the technologies covered relate to one another. Next, infoethics goals are presented. Then, for each technological trend surveyed, the report contains a short chapter drafted in lay terms to provide an overview of the relevant technology and to highlight ramifications and concerns. The report then summarizes this infoethics analysis and revisits the story of the emerging technologies. Finally, the report offers recommendations on ways to advance infoethics goals in anticipation of these oncoming technologies.

PDF mit 89 Seiten: Ethical implications of emerging technologies .

 

Tagmap

Kategorien