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Sonntag, 21. Oktober 2007

Rückblick Sustainable IT - Nachhaltigkeit in der Informationsgesellschaft

Vergangenen Mittwoch und Donnerstag fand die vom newthinking store organisierte Sustainable IT-Konferenz in Berlin statt. Das Thema war “Nachhaltigkeit in der Informationsgesellschaft”. Und im Gegensatz zu den üblichen Nachhaltigkeits- und Grüne IT-Konferenzen haben wir den Bogen durch zusätzliche Themen wie Offene Standards, Freie Software, Nord-Süd und fair produzierte Computer weitergespannt. So wie wir halt Nachhaltigkeit in der digitalen Gesellschaft definieren würden.

Ich hab leider nur den ersten Tag eher passiv verfolgen können und lag dann krank im Bett. Aber es gibt schon ausreichend Dokumentation im Netz. Der erste Tag ist schon komplett als Video im Netz und der zweite Tag folgt Anfang der Woche. Es gab noch einige Video-Interviews, die es teilweise sicher noch auf NetzpolitikTV gibt. Spiegel-Online hat einen Artikel zur Konferenz gemacht, geht da aber leider nur auf die Grüne IT-Thematik ein: Grünes Internet - Wieviel CO2 Avatare ausatmen.

Die beste Berichterstattung hat Christian Heller bei futur:plom gebloggt. Den ersten Tag gibt es schon komplett online, der Rest folgt noch. Ich hab auf dem Panel zu “Nachhaltigkeitsdefizite im Web 2.0″ gesprochen. Davon gibt es einen Video-Mitschnitt und bei futur:plom die Mitschrift.

Einer der Höhepunkte war sicherlich der Vortrag von Professor Sugata Mitra über Experimente und Erfahrungen in ländlichen Gebieten von Indien, Computer Kindern und Jugendlichen durch alternative Pädagogik nahe zu bringen: “Hole in the Wall“. Sehr spannend! Bei futur:plom gibts die Mitschrift.

Mittwoch, 25. April 2007

Umweltgerechtigkeit in der globalen Computerproduktion

Am Montag, 23.4., fand eine inhalts- und aufschlussreiche kleine Veranstaltung organisiert vom WEED PC Global Projekt in Köln statt, die die Wertschöpfungskette von Computer Hardware, ausgehend von der Rohstoffgewinnung über Produktion bis Entsorgung unter sozialen und ökologischen Gesichtspunkten beleuchtete. Als zentralen Bezugspunkt der Veranstaltung stellte Soenke Zehle den Zwischenstand seines WEED Arbeitspapieres zum Thema vor.

Hier einige kurze interessante Aspekte und Links, die ich dabei kennengelernt habe:

Einleitend wurde die Problematik der extrem kurzen Produktzyklen (von im Schnitt 2,5 Jahren) von Computerhardware (und auch Mobiltelefonen) und des somit grossen Materialumsatzes thematisiert. Das Design unterstütze die Kurzlebigkeit durch nicht-modularen Aufbau, bei dem das Austauschen defekter Einzelteile teilweise nicht möglich ist. Die dezentralen, hoch-globalisierten Produktionsprozesse sowie die raschen Innovationszyklen in der Computerindustrie machten ein exaktes Nachvollziehen der Wertschöpfungsketten inklusive der einzelnen Komponenten, z.B. für eine Zertifizierung, nahezu unmöglich. Das WEED Papier verfolgt den Ansatz der Umweltgerechtigkeit und behält dabei soziale wie ökologische Belange gleichermassen im Blick.

Im ersten Themenblock ging es um Rohstoffe im Zusammenhang mit Computerproduktion. Während Computer allgemein mit Entmaterialisierung assoziiert werden, ist ihre Herstellung doch sehr materialintensiv, zumal angesichts der Massenproduktion. Eine Vielzahl von, zum Teil seltenen, Metallen wird in Hardware verarbeitet – im Detail wurden hier die Rohstoffe Kupfer und Wasser (> wasserintensive Chip-Produktion) vorgestellt.

Zum Themenblock Produktion stellte Zeina Alhajj von Greenpeace International Ergebnisse der Studie „Cutting Edge Contamination” vor, die teilweise starke toxische Verschmutzungen (z.B. Flammhemmer PBDE), in Boden und Grundwasser rund um Computerteile herstellende Firmen in Südostasien und Lateinamerika identifzierte. Mit der Toxic Tech Campaign möchte Greenpeace die grossen Computerhersteller zu mehr Verantwortung für die ökologischen Auswirkungen ihrer Produkte bewegen, sowohl im Design als auch in der Entsorgung. Als Anreiz erstellt Greenpeace ein regelmässiges Öko-Ranking von Computerherstellern, welches die Policies und Praktiken bezüglich Giftstoff-Verarbeitung in der Herstellung und Verantwortung gegenüber Altgeräten bewertet. Interessant ist die Bewegung von Firmen auf der Skala innerhalb kurzer Zeit, bzw. das Verharren eines vielgeliebten Herstellers auf dem letzten Platz. Die Diskussion ergab, dass ein Öko-Ranking zwar ein guter Schritt sei, aber wichtige Aspekte wie Sozialstandards ausblende.

Zum Thema Entsorgung und Verantwortung von Firmen für Altgeräte gab es Referenten vom Umweltbundesamt und vom Verband kommunaler Abfallwirtschaft und Stadtreinigung. Hier habe ich gelernt, dass es zwar gesetzliche Richtlinien gibt, die die Verwendung toxischer Stoffe in Elektrogeräten in der EU einschränkt, aber dass z.B. keine rechtliche Grundlage und Praxis zum Monitoring der Ausfuhr von Elektronik-Altgeräten z.B. in Entwicklungsländer existiert. Die Geräte der kommunalen Altgeräte-Sammlung (die von den Kommunen finanziert werden) kämen rein in die Wiederverwertung, aber nicht die Wiederverwendung, da die Hersteller allein Interesse an den wertvollen Sekundärrohstoffen wie Kupfer hätten.

Zum Ausklang habe ich dann noch etwas zu den Möglichkeiten von Freier Software und nachhaltiger Computernutzung erzählt. Und festgestellt, dass das Thema „faire” Hardware auf jeden Fall mehr Beachtung verdient. Das WEED-Arbeitspapier wird demnächst online zu finden sein.

Montag, 5. März 2007

Solving the E-Waste Problem

Noch mehr Elektroschrott heute: Besseres Recycling von Elektronikschrott.

Eine von der UN, nichtstaatlichen Organisationen, wissenschaftlichen Instituten und Herstellern getragene Initiative hat sich zum Ziel gesetzt, bessere Verfahren zur Verwertung von Elektronikschrott zu entwickeln. Der offizielle Startschuss des Bündnisses, das unter Solving the E-Waste Problem (StEP) firmiert, ist am nächsten Dienstag. “Ziel ist es, die immer wertvoller werdenden Ressourcen zu retten und zu verhindern, dass sie die Umwelt verschmutzen”, erklärt Rüdiger Kühr von der United Nations University in Bonn. Die Initiative will sich auf Standards zum Recycling einigen und das Dickicht nationaler und regionaler Regelungen transparent machen.

[...]

Eines der ersten Projekte in Europa, die die Initiative begleitet, ist die Evaluierung der Recycling-Direktive der EU. “Wir sind mit den Vorschlägen der EU einverstanden, sind aber der Ansicht, dass diese weiterentwickelt werden müssen,”, so Kühr. Außerdem gehe es nur um die Verantwortung der Hersteller für das Recycling. Soziale Fragen, etwa bei der Herstellung der Produkte, ein Redesign, das eine längere Lebensdauer sichere oder die Weiterverwendung gebrauchter Geräte seien zu wenig berücksichtigt.

Recycling von Informationstechnologie in den USA?

Wired hat eine AP-Meldung über das Recycling von Informationstechnologie. Der Artikel ist zwar sehr US-zentriert, aber trotzdem interessant: Tech Firms Go Green As E-Waste Mounts.

The push to recycle reflects a broader greening of the tech industry. In addition to recycling and eliminating toxic chemicals, more companies are making their products energy efficient, using eco-friendly packaging and offsetting their carbon emissions to curb global warming. “This focus is good for business,” said Carl Claunch, a computer industry analyst at the technology research company Gartner Inc. “There’s a growing pool of customers who value environmentally friendly products.” Still, e-waste is a growing environmental and public health concern as the world becomes more wired and companies introduce new products at a faster pace.

Das aktuell grösste Problem sind übrgens Fernseher. Weil immer mehr US-Bürger auf TFT-Displays umsteigen, gibt es immer mehr e-Müll. Der wird meist in die dritte Welt exportiert und verursacht dort massive ökologische Schäden und Gesundheitsprobleme bei der Bevölkerung.

Interessant ist die “Take Back”-Kampagne: Take It Back. Make It Clean. Recycle Responsibly.

Sonntag, 8. Oktober 2006

Greenpeace erklärt die Apple-Kampagne

Technology Review hat ein Interview mit Zeina Alhajj, die Managerin der Apple-Kampagne von Greenpeace International: “Wir brauchen eine grüne Elektronik”

TR: Elektronische Geräte müssen aber offenbar immer auch Materialien enthalten, die nicht gänzlich umweltfreundlich sind. Ist “grüne” Hightech wirklich möglich?

Alhajj: Nun, vor einigen Jahren hieß es ja auch noch, man könnte das Blei in den Lötverbindungen nicht ersetzen. Inzwischen gibt es genügend Produkte, in denen es fehlt. Wir haben es hier mit einer Industrie zu tun, die aus unserem Planeten ein globales Dorf gemacht hat, in dem sie die Kommunikation erleichterte. Greenpeace ist sich sicher, dass sie es auch schaffen kann, grünere Produkte herzustellen. Wir fordern die Branche dazu heraus. Das geht ganz sicher, auch wenn man dazu etwas investieren muss.

Passend dazu: Bei Mac-Essentials gibt es den ersten Sonntags-Frühschoppen (codename) geht es darum, wie auf den glänzenden Photokina-Einstand für Apple der Tiefschlag der »Backdating-Krise« folgte, und wie ein grüneres Apple die IT-Industrie verändern könnte. Es geht um Apple-Erfolge, um »Think Different« und um Ethik im Business. Mit dabei sind der Pressesprecher von Apple Deutschland, Georg Albrecht, der ehemalige Bankvorstand und Yeald-Herausgeber Marcel van Leeuwen, und die Leiterin der Apple-Kampagne bei Greenpeace, Zeina Alhajj.

Das 25 Minuten lange Gespräch gibt es als MP3.

Montag, 25. September 2006

Informationelle Ökologie ohne Ökologie?

Lesenswert ist ein Beitrag von David Bollier im “On the Commons”-Blog: »Can We have an “Environmentalism for the Net” Without an “Environmentalism for the Environment”?

Years ago, in a much-cited article, Professor James Boyle called for an “environmentalism for the net” – i.e., a mobilization of language and activism to preserve the commons of the Internet. In light of the new books about computer industry abuses of nature and human health, perhaps now it is worth asking if we can have an environmentalism for the net without also pursuing an environmentalism for the environment.

Er bezieht sich auf den Artikel “Environmentalism for Web 2.0″ von Soenke Zehle im Mute Magazin:

Happy to describe media cultures in ecological terms, net users may be unaware of the heavy ecological cost of communications networks. But can environmental justice and labour movements learn a trick or two from net culture? Soenke Zehle reviews two recent books, High Tech Trash: Digital Devices, Hidden Toxics, and Human Health and Challenging the Chip: Labor Rights and Environmental Justice in the Global Electronics Industry

 

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