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Sonntag, 13. April 2008

Politiker-Blogs in Deutschland und Malaysia

Die Welt hat sich die bloggenden Politker, ihr Verhalten bei Abgeordnetenwatch und die Social-Networking-Plattformen der Parteien in Deutschland mal etwas genauer angesehen und auch Markus dazu befragt:

Alle Parteien haben erkannt, dass der Auftritt im Internet sie ins Bewusstsein von Wählern zurückholt, die mit traditionellem Wahlkampf nicht erreicht werden. Die meisten Politiker experimentieren aber noch. Die Blogs von Ulrich Kelber (SPD), Dirk Niebel oder Hans-Joachim Otto (beide FDP) kranken daran, dass die Politiker sie nicht aktuell halten. “Wie ein Politikerblog funktionieren muss, das beweist nur Julia Seeliger aus dem Parteirat der Grünen”, sagt Markus Beckedahl. Auf julia-seeliger.de verbreitet die 28-Jährige grüne Ideologie, grünen Klatsch, aber auch Kritik an den Grünen - täglich. “Nur so kann ein Blog funktionieren”, sagt Beckedahl. Der Tonfall ist salopp bis schroff. Genau an diesem typischen Blogger-Ton stoßen sich viele. “Eine Anfrage ohne Anrede finde ich nicht akzeptabel”, sagt Dieter Wiefelspütz.

Was oft auf den Generationenunterschied geschoben wird, hat also offenbar auch kulturelle Ursachen: Wenn Blogger ein wenig höflicher wären, hätten sie unter Umständen auch ein besseres Image bei Politikern und auch Journalisten, wäre hier die Message.

Wie man davon unabhängig die Vorbehalte gegenüber Bloggern bei Politikern sehr schnell abbauen kann, hat auf der anderen Seite Malaysia bewiesen, wie Techdirt berichtet:

Almost exactly one year ago, some Malaysian politicians got into a bit of an argument with some bloggers and started trashing the entire concept of blogging — leading to some politicians there declaring that all bloggers needed to register themselves with the government if they wanted to keep blogging. That resulted in an uproar, and the politicians backed down on the registration requirement. In fact, they started to check out blogs a little more carefully, and even liked what they saw. By the end of that same month, the government agreed to set up a special government agency to follow blogs and interact with bloggers to respond to any concerns they might have. Fast forward a year and not only do some of the original leading critics of blogging have their own blogs, but the ruling political party is now requiring many of its political candidates to blog. Anyone who wants a “youth post” needs to have a blog. The guy in charge of the party’s youth wing explained: “All candidates must have blogs. If not, they are not qualified to be leaders.” So they’ve gone from hating blogs to requiring them in about a year.

Mittwoch, 9. Januar 2008

Commercially serious gaming: ZT Online (征途)

Wo wir gerade von Spielen reden: die chinesische Online-Spielkultur ist eine andere als die westliche. Von käuflichen Avataren und Waffen in Spielen haben wir alle schon gehört. Hier erntet man für solche “Taktiken”, mit echtem Geld zumindest Stirnrunzeln, wenn das bekannt wird. Ganz anders auf dem chinesischen Markt: hier kommen diejenigen, die nur moderat echtes Geld in ihre Avatare investieren, irgendwann einmal durch Spielen nicht mehr weiter.

Ein sehr ausführlicher, erhellender Artikel steht seit einiger Zeit bei danwei.org: Gamble your life away in ZT Online:

ZT Online (征途) is a popular Chinese-made massively-multiplayer online role-playing game (MMORPG) run by Giant Interactive. Despite offering games that are free to play, its third-quarter earnings beat out competitors Netease and Shanda.

The game is the brainchild of Shi Yuzhu (史玉柱), … Shi’s surveys of gamer habits led him to create a game that was tailored to gamers who had more money than time.

Erfinder Shi Yuzhu ist einer der dickeren Fische im dortigen Geschäft. Netease und Shanda sind andere Major Player.

(Das wollte ich schon neulich schon schreiben, kam aber nicht dazu.)

Samstag, 24. November 2007

Open Source Web-Radio/Video aus NL

Gestern abend war ich auf einem kleinen Launch Event in einem Berliner Plattenladen von WORMstation aus Rotterdam/NL. WORMstation ist eine Webplattform für Webradio/Musik, Video, und Live-Konzert-Streaming. Die zugrundeliegende Software ist Open Source und so kann man sie zum Aufbau eigener weiterer Webradio-/Video-/Streaming-Plattformen nutzen. Innerhalb der nächsten Monate soll die Software soweit entwickelt sein, dass man sie sich funktionstüchtig und dokumentiert von der WORMstation Site runterladen kann. Die Plattform scheint bisher noch im Aufbau zu sein - die meisten Funktionalitäten sind noch nicht nutzbar. Aber sicher interessant dies im Auge zu behalten.

WORM.station = back to the future of television & radio. You don’t need lots of money, expensive equipment or a board of managers like in the old days. Just good energy and ideas. Start transmission!

Montag, 29. Oktober 2007

Zum sozialen Aufrechterhalten sozialer Netzwerke

Bereits vergangene Woche hat Mark Vernon, britischer Autor, auf OpenDemocracy.net über soziale Netzwerke und einige ihrer Begleiterscheinungen geschrieben: Social networks: after privacy, beyond friendship. Es ist ein recht ausführlicher Artikel, der unter anderm auf quantitative Aspekte (”wie viele Freunde hat mein Profil in Dienst X”) und die potenzielle Öffentlichkeit der Profildaten zielt.
Inhaltlich ist das für uns nicht viel Neues, der Text enthält aber viele kluge Links. Und der erzieherische Effekt der nüchtern geschriebenen Beobachtungen kann nicht genug betont werden.

Freitag, 5. Oktober 2007

“Backup” zum kostenlosen Download

Backup-Cover

In seinem Roman “Backup” beschreibt Cory Doctorow eine Zukunft, in der man das menschliche Bewusstsein als Datenpaket im weltweiten Netz abspeichern und immer wieder neu herunterladen kann.

Schön, dass es übersetzt wurde.

Sonntag, 17. Juni 2007

Klassiker der digitalen Depression

Wenn sich so mancher junge Mensch fragt, wieso Politiker eigentlich so oft eher schlichte Ansichten über das Internet haben, dann muss man Ihnen sagen, dass das an ihren Umgang liegt. Professor Dr. Reinhold Kreile und Professor Dr. Jürgen Becker sind ein solcher Umgang. Sie sind verantwortlich für einen Text, der als ein Klassiker der digitalen Depression am Anfang des 21. Jahrhunderts besprochen werden kann. Der Text kommt wie eine Schnecke daher, der hier und da ein wenig schleimt, und bei Gefahr oder Berührung mit etwas Neuem, schnell die Augen einfährt. Vor allem aber der Schluss ist gewaltig:

Die GEMA war mit Blick auf Erwartungen und Entwicklungen im Internet stets eine warnende Stimme, die ganz nüchtern darauf beharrt hat, dass die Vision eines freien, quasi anarchischen Internets ohne Schutz für die Rechteinhaber eine Fata Morgana in einer kulturellen Wüste bleiben wird. Mit allem Nachdruck ist die GEMA deshalb immer wieder der abwegigen Behauptung entgegengetreten, es sei das Urheberrecht - und gleiches soll für die Rechte der Künstler und Produzenten gelten -, das die freie Entfaltung des Webs und damit die wirtschaftliche Entwicklung dieser neuen Kommunikationstechnologie behindere. Wenn die deutsche Financial Times (8. August 2001) enttäuscht feststellt, dass der Wechsel von Musik auf traditionellen Tonträgern hin zu legaler Musik aus dem Internet, nicht in Internetgeschwindigkeit vorankomme, so kann darauf die Antwort nur lauten: Das ist auch gut so! [...] Zu begrüßen sind alle neuen, sinnvollen Instrumente zum Kampf gegen Musikpiraterie im Internet. Man darf sich aber nicht der Illusion hingeben, dass damit bereits der Kampf gewonnen sei. Das Beispiel Napster hat deutlich und unmißverständlich vor Augen geführt, wie schwer, ja wie nahezu aussichtslos der juristische Kampf gegen die Piraterie im Netz ist. [...] Vor diesem Hintergrund kommt den Access-Providern als Zugangsvermittlern zum Internet eine besondere Bedeutung und auch Verantwortung zu. Allein die Access-Provider sind technisch in der Lage, die notwendigen Daten über Musikpiraten im Internet zu ermitteln. [...] Mit Recht werden jetzt schon die Access-Provider in den Kampf um die Verhinderung von nazistischer Propaganda im Netz einbezogen, ebenso wie bei den Ermittlungsmaßnahmen wegen des Verdachts sexuellen Mißbrauchs von Kindern. So können sie doch auch im Kampf gegen den Musikdiebstahl im Netz, der in die Milliarden geht, in die Pflicht genommen werden. Hierüber muß national und international mit den Betroffenen selbst, aber auch mit der Politik gesprochen werden. [...] Auch wenn vor einer Verrechtlichung des Internets sowie vor einer Einschränkung angeblicher “digitaler Bürgerrechte” gewarnt wird, so darf die scheinbar autonome Welt des Internets sich den bestehenden sozio-ökonomischen, politischen und juristischen Gegebenheiten der nicht virtuellen Welt nicht entwinden.

Auf diese Einschwörung folgt ein Paukenschlag, der den Leser beim Verlassen des Textes den Mund offen und das Herz warm werden lässt. Es gibt Hoffnung und die GEMA wird weiter Widerstand leisten.

Es ist eine alte Erfahrung, dass in schweren wirtschaftlichen oder auch politischen Zeiten die Musik mit ihrem unbeugsamen Optimismus stets einen Ausweg weist: 1942, in einer Zeit, in der für Optimismus gewiß kein Anlaß bestand, komponierte Michael Jary den Schlager, zu dem Bruno Balz den Text schrieb und den die unvergessene Zarah Leander auf unnachahmliche Weise interpretiert hat: “Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n”. Für die Musik im Internet muß man fest daran glauben.

Freitag, 15. Juni 2007

ZDF mal erst im Internet und dann im TV

Ich weiß nicht, ob es sowas schon mal gegeben hat. Aber gestern hat das ZDF eine Sendung zuerst um 20 Uhr im Internet ausgestrahlt, bevor sie dann um 0:35 Uhr im ZDF in der Glotze erschien. Die Sendung hieß “Wieviel Rausch darf sein” und sprach ohnehin eher jugendliche Drogenkonsumenten und Sozialpädagogen an. Man konnte per E-Mail und Webcam interagieren und sich später dann im TV bewundern. Während die Sendung im Internet lief, brachte das ZDF “Lustige Musikanten on tour”, in der sich ältere Menschen mit schlichter Musik und heiler Welt in Stimmung brachten.

Mittwoch, 23. Mai 2007

Kleines Medienecho zum (aufgegebenen) chinesischen Realnamenzwang

Notiz am Rande: heute kommen überall Berichte auf, die mit dem kürzlich aufgegebenen Plan zu tun haben, chinesische Blogger zur Verwendung von Realnamen zu zwingen. Schönstes Zitat:

“It (real-name registration) would impair the free spirit of the Internet,” Zhang said.

Zhang Chaoyang ist immerhin CEO des Portals sohu.com und manchmal ganz cool. Das da oben hat er schön gesagt.

UPDATE: Auch der Shanghaiist berichtet: To Nym or Pseudonym: Guidelines or Law? Lesenswert.

 

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