Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken und handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien:

 

Donnerstag, 21. August 2008

5 US-Blogger in China festgenommen

In Peking sind fünf Blogger von der Polizei festgenommen worden und sitzen seit mehr als 60 Stunden in Haft, weil sie Pro-Tibet Proteste begleiteten. Darunter ist auch der Video-Blogger Brian Conley (Alive in Baghdad), den wir auf der letzten re:publica zu Gast hatten.

Die Kampagnenseite Free Tibet 2008 berichtet: Beijing: Citizen Journalists, Videoblogger, Activists Detained.

Beijing - Brian Conley, creator of the well-known videoblog, Alive in Baghdad, was detained with his friend, Jeffrey Rae, early Tuesday, August 19th in Beijing. Their detention appears to have taken place at the same time as that of international artist James Powderly, whose detention was reported Tuesday. Three other bloggers and activists, Jeff Goldin, Michael Liss, and Tom Grant, have also been missing since Tuesday morning. Conley, 28, Rae, 28, Goldin, 40, Liss, 35, Grant, 39 are all American citizens.

The five “citizen journalists” and activists were in Beijing to support and promote human rights, freedom of expression, and freedom for the Tibetan people. They and numerous others have acted as an independent media centre for the dozens of pro-Tibet activists in Beijing who have sought to draw attention to the Chinese government’s occupation of Tibet during the Olympics. Rae and Conley shot and released online high-resolution photographs and footage of the recent protest by Students for a Free Tibet supporters at the Chinese Ethnic Culture Park.

Montag, 4. August 2008

Feature zu China: Innenpolitik und Krisenmanagement

Läuft seit ca. 15 Minuten im Deutschlandradio Kultur: die Weltzeit über “China vor den Olympischen Spielen”, von Petra Aldenrath. Ankündigungstext:

Für China sind die Olympischen Spiele das nationale Prestigeobjekt schlechthin. Als Gastgeber wollte sich China als ein Land präsentieren, das wundervolle und unvergessliche Spiele inszenieren kann. Jubelnde Zuschauer, glückliche Athleten und viel internationale Anerkennung, das alles haben sich die Chinesen von der Ausrichtung der Spiele erhofft, die unter dem Motto “Eine Welt - Ein Traum” stehen.

Macht inhaltlich einen guten Eindruck. Gibts wie immer als Live-Stream, z.B. als Flash oder Ogg.

Update: der Beitrag war natürlich schon fast vorbei; da rächt sich das Nebenbeihören. Allerdings sollte sich der Beitrag veon heute bald im Archiv oder über die Suche finden lassen.

Freitag, 1. August 2008

CCC über Olympia-Berichterstattung und Zensur

Der Deutschlandfunk hat heute ein Interview mit Constanze Kurz gesendet: Chaos Computer Club: Olympia-Berichterstattung bleibt schwierig.

China hat nach internationalen Protesten die Zensur für das olympische Pressezentrum teilweise aufgehoben. Dennoch wird es für ausländische Journalisten nicht möglich sein, sich wie gewohnt frei im Internet zu bewegen, sagt Constanze Kurz vom Chaos Computer Club.

Hier ist die MP3.

Donnerstag, 31. Juli 2008

China: Internetzensur während der Olympiade

Ich finde es ja gut, dass die chinesische Regierung während der Olympischen Spiele keine unzensierten Presse-Zugänge liefert und mit einer solchen Aktion die existierende Internetzensur verschleiern würde. Die Aufmerksamkeit steigt dadurch enorm und das sonst eher spärlich behandelte Thema ist in vielen Medien.

Kritik kommt von Reporter ohne Grenzen: Kein freier Internetzugang im Pressezentrum.

Gestern noch sagte der Pressechef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Kevan Gosper, das IOC sei bemüht, „sicherzustellen, dass die Medien auch bei diesen Spielen so frei berichten können wie bei vergangenen Olympiaden.“ Heute heißt es seitens des IOC, dass dies sich lediglich auf Recherchen zum Thema Sport beziehe. „Die chinesischen Behörden haben erneut ihr Versprechen gebrochen“, so ROG. „Die Lage der Menschenrechte und Meinungsfreiheit sollte verbessert, ausländische Journalisten sollten frei recherchieren und berichten können. Nun herrscht Zensur.“ ROG kritisierte zudem, dass das IOC die derzeitige Situation durch sein jahrelanges Schweigen erst möglich gemacht hat.

Über das Thema Internetzensur berichtet heute u.a. die FAZ: Chinas Kampf gegen das freie Netz. und gestern die Rheinische Post: Chinas virtuelle Mauer.

Eine neue Webseite von Amnesty International, The China Debate, thematisiert die Menschenrechtsverletzungen in China, inklusive der Internetzensur und stellt die Frage: What human rights legacy for the Beijing Olympic Games? Ziel der Kampagnenseite ist es, eine offene Debatte zu führen, daher gibt es als Sprache auch ausdrücklich Mandarin zur Auswahl. Unklar ist, ob die Seite auch schon den Zensoren zum Opfer gefallen ist.

Die OpenNet Initiative hat die Internetzensur im Pressezentrum getestet: On the Olympic stage, the Great Firewall remains a player.

Die Futurezone berichtet, dass das deutsche IOC ein eigenes VPN aufgebaut hat, um unzensiert kommunizieren zu können: Deutsche umgehen chinesische Zensur.

“Wir haben ein geschlossenes Informationssystem eingerichtet und sind meines Wissens das einzige Olympische Komitee, das für Athleten, Funktionäre, aber auch für Journalisten ein derartiges Service betreibt”, sagte Gerd Graus, Pressesprecher des Deutschen Olympischen Sportbunds, den ORF.at am Donnerstag in Peking telefonisch erreichte.

Mehr zum Thema findet sich auch bei Spiegel-Online: “Wie China das Internet zensiert” oder in vielen Beiträgen hier im Blog.

Dienstag, 1. Juli 2008

Studien zur Zensur und Selbstzensur im chinesischen Internet

Nart Villeneuve, PhD vom Citizenlab der Universität Toronto hat ein Forschungspapier veröffentlicht, das ich erst jetzt bemerkt habe. Darin geht es um Bericht Selbstzensur großer westlicher wie chinesischer Suchmaschinenbetreiber in China. Villeneuve leitet so ein:

Search engines have become the premier gatekeepers of the Internet. All over the globe, Internet users rely on a handful of search engines to find content that is most relevant to the key words used as queries. Beyond seeking to provide the most locally relevant results, these search engines are actively removing specific sites from their localized versions to comply with local laws around the world. While most of the focus is on hate speech, (child) pornography and copyright issues, search engines also act to censor political content. The most advanced case of such censorship concerns search engines that market a version of their product in China.

Getestet hat er u.a. auf Schlagworte wie Menschenrechte, Demokratie, Falun Gong, Anti-Zensur-Maßnahmen (反封锁技术), Taiwan Unabhängigkeit (台獨) oder auch Nachrichten der BBC u.a. zu Tibet. Alle Begriffe sind pro Suchlauf gelistet. Die verwendeten Quelldaten zu sind ebenfalls online, komplett mit Suchanfragen, archivierten Ergebnissen und solchen Graphen:

Graph aus Villeneuves Untersuchung

Eine interessante Studie, auch wenn das Ergebnis tendenziell (und grob verkürzt) nur lautet, dass mehr Transparenz über die Filterung von Inhalten besser wäre. Technische Erkenntnisse sind, dass Google bei Portnummern und MSN bei Subdomains und https-Seiten Probleme hat, Suchergebnisse auszublenden. Die Methodologie und die ignorante Verwendung von TOR-Exitnodes innerhalb Chinas wird ab Seite 26 erläutert.

Zusammen mit weiteren Studien aus 2006, einmal der Human Rights Watch (Race to the Bottom) und der Reporter ohne Grenzen (Yahoo! clear worst offender in censorship tests on search engines) ergibt sich jedenfalls ein breites Bild - dass keine der Suchmaschinen so recht weiß, welche Inhalte denn nun zensiert werden sollen oder nicht: “none of them seem to agree on just what sites need censoring”.

[via china-in-the-news]

Dienstag, 27. Mai 2008

China: Kritik am Krisenmanagement unerwünscht

Wer in chinesischen Foren über das Krisenmanagement nach dem Erdbeben diskutiert macht Bekanntschaft mit den Cartoon-Internetpolizisten (wir berichteten). Die erste Welle der Berichterstattung scheint ja daran vorbeigekommen zu sein, aber online macht es China der Meinungsunfreiheit weiterhin schwer.

Wired hat einen kleinen Artikel dazu: Deadly Earthquake Doesn’t Shake China’s Internet Censors. Die Essenz ist:

Following the May 12 earthquake in China’s Sichuan province, the news coverage was naturally empathetic, making the censorship regime redundant. But as Chinese citizens began criticizing the response to the earthquake online, the government’s internet police made their presence known.

On one message board, posters started criticizing large China-based corporations for not contributing enough to the relief effort. The thread grew heated this week, forcing an appearance from Jing Jing and Cha Cha — those two adorable animated characters that China began deploying on online forums last year, whenever the conversation strays too close to discouraged topics or sentiments.

“Don’t accept vulgar content,” advised the smiling cartoon cops overlaid on the post. “Advance harmony.”

Donnerstag, 22. Mai 2008

Lesung mit Luo, Ling Yuan: “Die chinesische Delegation”

In eigener Sache und aus der Reihe folgt ein Veranstaltungshinweis: die in Berlin lebende chinesische Autorin Luo, Ling Yuan (罗令源) gibt eine Autorenlesung an der Volkshochschule Steglitz-Zehlendorf. Luo hat die Volksrepublik China nach dem Tian’anmen-Massaker im Juni 1989 verlassen und veröffentlicht u.a. in der FAZ, zuletzt “Wenn ein Han mit einer Miao / Jenseits von Tibet: Gegenüber den Minderheiten im Land verfolgt Peking seit Jahrzehnten eine Politik der ´weichen Brust`”, 20.04.2008, S.11/Politik (online zugänglich für Abonnenten).

Luo, Ling Yuan wird zunächst auf Deutsch aus ihrem Roman “Die chinesische Delegation” (dtv München, 2007, ISBN: 978-3-423-24565-4) vorlesen und anschließend mit dem Publikum - auf Deutsch und bei Bedarf auch auf Chinesisch - diskutieren. Die Lesung findet am Freitag, den 30.05.2008, 18.00 - 20.00 Uhr statt, im Raum 207 im “Haus der Volkshochschule” in Berlin-Lichterfelde, Goethestr. 9 - 11, 12207 Berlin (Google Maps). Der Eintritt wird 5,00 € betragen. Der Veranstalter, mein Chinesischlehrer Erich Gütinger, bittet um Anmeldung per Mail an erich-k-j.guetinger (ät) t-online.de.

Dienstag, 20. Mai 2008

Nachrichtenüberblick China, Erdbeben in Sichuan, Twitter und die Medien

Kleiner Nachrichtenüberblick, für alle die es noch nicht gehört haben: China bemüht sich wohl um Offenheit in Bezug auf das Erdbeben vom 12.5. in Sichuan. Doch so ganz freiwillig und eilfertig ging das nicht, wie die Howard French in der New York Times zu berichten weiß: Earthquake Opens Gap in Controls on Media:

Two and a half hours after a huge earthquake struck Sichuan Province on Monday, an order went out from the powerful Central Propaganda Department to newspapers throughout China. “No media is allowed to send reporters to the disaster zone,” it read, according to Chinese journalists who are familiar with it.

When the order arrived, many reporters were already waiting at a Shanghai airport for a flight to Sichuan’s provincial capital, Chengdu. A few were immediately recalled by their editors, but two reporters from the Shanghai newspaper The Oriental Morning Post, Yu Song and Wang Juliang, boarded a plane anyway. Soon, they were reporting from the heart of the disaster zone.

Their article filled an entire page of the next day’s Post, one of the first unofficial accounts of the tragedy by Chinese journalists. It included a graphic description of the scene and pictures of a mourning mother, a rescued child and corpses wrapped in white bunting. The paper further risked offending censors by printing an all-black front page that day, stressing the scale of the catastrophe.

Damit war die Nachricht raus. Twitter spielte bereits in den ersten Minuten nach dem Beben eine große Rolle, weiß das Blog ‘China Herald’:

… updated me fast on the social networks he was using, and it appeared he relied mostly on Facebook, after having dumped twitter. For me, Twitter had developed in a few hours time into an excellent information tool, combining different sources of information and I knew more about the earthquake than many people in China. On the ground, in Chengdu, at least three twitterati were on their way - as one called it - to their 15 minutes f world fame.

casperodj slightly dizzy after being shaken around by the Chengdu earthquake for several hours now.
inwalkedbud @casperodj at home in fact, cooking dinner and getting on with things. Just had another aftershock though.

Others kept an eye on what the traditional media were doing, and sometimes worked as a bridge between the Chengdu-based Twitterati and those media.

Der Artikel enthält weitere Links, auch zu venturebeat.com.

The Standard aus Hong Kong bringt heute eine thematisch ähnliche Meldung von AP: Censors fall victim to Sichuan quake:

Almost nonstop, the uncensored opinions of Chinese citizens are popping up online, sent by text and instant message across a country shaken by its worst earthquake in three decades.

“Why were most of those killed in the earthquake children?” one post asked on FanFou, a microblogging site.

Another reads: “How many donations will really reach the disaster area? This is doubtful.”

China is now home to the world’s largest number of internet and mobile phone users, and their hunger for quake news is forcing the government to let information flow in ways it has not before. A fast-moving network of text messages, instant messages and blogs has been a powerful source of firsthand accounts of the disaster, as well as pleas for help and even passionate criticism of rescue efforts.

Der Artikel ist ausführlich und betont auch die Rolle der Lokalregierung der Präfektur Aba, die aus Eigeninitiative Informationen online gestellt haben. Erstaunlicherweise war diese Seite online und konnte fast als einzige Quelle online berichten.

Bei aller wünschenswerten Öffnung bleiben schlechte Nachrichten hier nicht unerwähnt. Die Reporter ohne Grenzen berichten: Journalist gets four years for exposing Communist Party corruption in Shandong. Gemeint ist Qi Chonghuai, der behördenkritisch z.B. über Korruption und den pompösen Neubau der Tengzhou Stadtverwaltung berichtet hatte.

Reporters Without Borders condemns the four-year prison sentence that a court in Tengzhou, in the eastern province of Shandong, imposed on journalist Qi Chonghuai on 13 May on charges fraud and extorting money. Qi, who spent 11 months in pretrial detention, used to work for Fazhi Zaobao (Legal Rule Morning Post), a newspaper owned by the justice ministry.

One of his lawyers, Li Xiongbing, who pleaded for his acquittal in court, said that this decision violates press freedom.

“Coming just a few months before the Olympic Games, this sentences is yet another example of the Chinese government’s lack of tolerance for critical writers and journalists.” Reporters Without Borders said. “Qi’s trial was not fair. It lasted only 11 hours, the defence was unable to call any witness and no written proof of the alleged fraud was produced. Local Chinese justice had yet again displayed a complete lack of transparency.”

Aged 42, Qi had worked for 13 years as a journalist for Fazhi Zaobao and other media outlets, and often wrote about corruption in political and financial circles. He was arrested on 25 June after posting an article about Communist Party corruption in Tengzhou on a forum on Xinhuanet, the website of the official news agency. He was formally charged with “fraud and extorting money” on 2 August.

 

Tagmap