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Montag, 23. Juni 2008

Datenpannen bei Einwohnermeldeämtern

Die Softwarefirma HSH macht eGovernment-Dienstleistungen. Ein Bereich, der zukünftig immer wichtiger wird. Ihr Informationsregister-Tool wird dabei häufig von Einwohnermeldeämtern eingesetzt, um unsere (Melde-)Daten zu verabeiten. Darin werden dann Adressen, Passbilder und Religionszugehörigkeiten gespeichert, was das EInwohnermeldeamt halt über einen sammelt. Die Standard-Software wird aber immer mit einem Standard-Passwort ausgeliefert und das Standard-Passwort lag jahrelang auf der Webseite der Firma offen für den Test-Zugang herum. Soweit so gut, aber was passiert, wenn die IT-Abteilungen schlampen und niemand das Standard-Passwort entfernt?

Das ARD-Magazins “Report München” berichtet nun, dass einige Städte und Gemeinden dieses Standard-Passwort niemals ausgewechelt haben: Bürgerdaten ungeschützt im Internet? Die Daten von 200 Städten und Gemeinden waren damit frei im Netz zugänglich. Seit Freitag gibt es nun andere Passwörter.

Die betroffene Softwarefirma HSH meldete derweil, dass die Sicherheitslücke inzwischen geschlossen sei. Weiter teilte das Unternehmen mit, dass wegen der Panne die Meldedaten von 15 deutschen Kommunen monatelang im Internet frei verfügbar gewesen seien. Mit Hilfe eines Zugangscodes war es möglich, Adressen, Passbilder und Religionszugehörigkeiten von etwa 500.000 Bürgern herauszufinden, wie das Unternehmen aus Ahrensfelde bei Berlin mitteilte. Nutzerkennung und Passwort waren demnach auf einer Webseite zwischen März und Juni verfügbar. In welchem Umfang sich in den vergangenen Jahren Unberechtigte - von Privatleuten über Werbefirmen bis hin zu Kriminellen - Zugang zu den Einwohnermelderechnern verschafft hätten, lasse sich nicht abschätzen.

[Danke an Karsten]

Donnerstag, 12. Juni 2008

Rundfunkänderungsstaatsvertrag: Gegen ARD & ZDF im Netz

Der Rundfunkänderungs-Staatsvertrag soll zwar erst im Herbst nach einer weiteren Konsultationsphase in Kraft treten, aber die Ministerpräsidenten der Bundesländer stimmten heute darüber ab, was die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten künftig im Internet anbieten dürfen.

Tagesschau.de berichtet: Was ARD und ZDF im Internet dürfen.

Nach dem Entwurf der Rundfunkkommission sollen größere Sportereignisse wie Olympische Spiele oder DFB-Pokalspiele grundsätzlich 24 Stunden im Internet bereitgestellt werden. Andere Angebote dürfen Koch zufolge in der Regel nur sieben Tage im Archiv abrufbar sein. Diese Regel soll bei Informations- und Bildungsangeboten abgeschwächt werden, an denen ein öffentliches Interesse besteht. Das Tagesschau-Archiv soll nach Ansicht der Ministerpräsidenten uneingeschränkt nutzbar bleiben.

Positiv ist wenigstens, dass die künstliche Deckelung von 0,75% des Budgets aufgehoben werden soll. Genau jetzt ist die Chance da, mehr Inhalte des Öffentlich-Rechltichen Rundfunks unter Creative Commons Lizenzen zu veröffentlichen. Denn wenn viel Inhalte nur noch sieben Tage im Archiv stehen dürfen, wozu im schlechtesten Fall auch Text-Beiträge von tagesschau.de gehören, bietet eine offene Lizenzierung die Möglichkeit, einfach Mirrors an anderen Orten von den Bürgern anlegen zu lassen.

Es gibt viele offene Fragen. Jörg Sadrozinski von tagesschau.de kommentiert dies: Das Gezerre geht weiter.

Auf was Sie künftig bei tagesschau.de verzichten müssen, ist nach dem vorliegenden Entwurf noch nicht klar. Der von einigen Zeitungen ins Spiel gebrachte Kampfbegriff der “elektronischen Presse” ist nicht eindeutig formuliert. Übrigens basiert er nicht auf einer Forderung der EU-Kommission an eine Neuregelung des Onlineauftrags der Öffentlich-Rechtlichen, sondern fand über die Verlegerlobby Eingang in den Entwurf. Ebenso ist unklar, was mit “sendungsbegleitend” gemeint ist. Und inwieweit Unterhaltung in öffentlich-rechtlichen Internetangeboten gestattet wird, darüber sind sich die Länder noch nicht einig.[...]

Was haben wir aus dem Konflikt bis hierher gelernt? Ich fürchte: nichts. In den kommenden Wochen und Monaten wird das Gezerre, das Keifen und Zetern weitergehen. Was nicht verwundert, denn eigentlich geht es um einen fundamentalen Konflikt: Medien (egal ob alt oder neu) werden mehr und mehr als Wirtschafts- denn als Kulturgut angesehen. Es geht um den Kampf Kommerz gegen Allgemeingut.

Verleger und private Rundfunkanbieter wollen die Öffentlich-Rechtlichen im Leitmedium der Zukunft marginalisieren, um dort ungestört Geschäfte machen zu können. Dabei wäre es sehr leicht möglich, das Beste aus beiden Systemen zu nutzen: XML- (RSS-) Feeds machen es möglich, Inhalte zu integrieren und zu kooperieren. Alle reden vom Web 2.0, vom partizipatorischen Internet, dem “Mitmach-Netz”. Dass das Internet neue Kooperations- und Vernetzungsmöglichkeiten bietet, sozusagen “public-private partnerships”, haben leider nur wenige kapiert.

Roland Koch sprach dann auch bei der Vorstellung des neuen Rundfunkänderungsstaatsvertrag von “einer Art Neufassung des Grundgesetzes der öffentlich-rechtlichen Medien”.

Etwas verwundert bin ich über ein Zitat unseres Berliner SPD-Ministerpräsidenten bei Spiegel-Online: Ministerpräsidenten bremsen ARD und ZDF im Netz.

Berlins regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hielt den zum Teil konsterniert wirkenden Vertretern öffentlich-rechtlicher Sender entgegen: “Uns leitet das Interesse der Bürgerinnen und Bürger und der Zuschauerinnen und Zuschauer.”

Und dann kommt eine solche Entscheidung? Mein Interesse als Bürger und Zuschauer ist es, dass ich die von mir bezahlten Inhalte auch in meiner bevorzugten Medienform (aka Internet) nutzen kann. Und nicht in der traditionellen Medienform, die ältere Menschen und Politiker am liebsten nutzen.

Mittwoch, 11. Juni 2008

ARD/ZDF-Onlinestudie 2008

Es gibt eine neue “ARD/ZDF-Onlinestudie 2008″. Zumindest eine Pressemitteilung dazu. Wenig überraschend die Hauptmessage: “Internetnutzung steigt weiter an“.

Die Internetverbreitung in Deutschland steigt weiter an: 42,7 Millionen Erwachsene (65,8%) sind online. Dies sind 1,9 Millionen Internet-Nutzer mehr als im Vorjahr (2007: 62,7%). Die höchsten Zuwachsraten weisen die “Silver Surfer” auf: Von den 60- bis 79-Jährigen surfen inzwischen 29,2% im Internet. [...]

Beflügelt wird die rasante Entwicklung der Internet-Verbreitung in Deutschland durch die steigende Nachfrage nach multimedialen Anwendungen im Netz: 55 Prozent (2007: 45 Prozent) aller Onliner rufen Videos, zum Beispiel über Videoportale oder Mediatheken, ab und schauen live oder zeitversetzt Fernsehsendungen im Internet. Audiofiles wie Musikdateien, Podcasts und Radiosendungen im Netz werden von 35 Prozent (2007: 37 Prozent) genutzt. Das steigende Interesse an Videos im Netz spiegelt sich in der Verbindungstechnik der Anwender wider: Mittlerweile verfügen 70 Prozent der Onlinenutzer über einen DSL/Breitband-Anschluss (2007: 59 Prozent), der den komfortablen Abruf datenintensiver Angebote ermöglicht.

Die Studie gibts dann wohl Ende Juli zu lesen.

Montag, 2. Juni 2008

Bericht aus Berlin zur Telekom-Spitzelaffäre

Gestern war bei der ARD-Sendung “Bericht aus Berlin” ein fünfminütiger Beitrag über Telekom-Gate, Datenschutzreform und die Vorratsdatenspeicherung: Telekom Spitzelaffäre - schärfere Kontrollen beim Datenschutz. (Mediathek)

Telekom-Bespitzelungsskandal. Hier scheinen sich Abgründe aufzutun. Politiker sprechen vom Saustall Telekom oder sehen eine stärkere Erschütterung als bei der Spiegel-Affäre im Jahre 1962. Ist der Datenschutz in der privaten Wirtschaft ausreichend gesichert und steht jetzt nicht auch das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung wieder auf dem Prüfstand? Die Bürger sind verunsichert, die Politik ist gefordert.

Feindbild Schäuble. Das pflegt man hier beim Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung. Morgen will der Minister die Telekommunikationsunternehmen zu mehr Datenschutz ermahnen. Doch ohne ihn wäre es zum Telekom-Skandal gar nicht gekommen, so die Gegner. Telefondaten müssen ein halbes Jahr aufbewahrt werden. Vor allem zur Terrorabwehr. Das sei gefährlich.

Gibts auch als ganze Sendung im “Bericht aus Berlin”-Video-Podcast.

Sonntag, 18. Mai 2008

re:publica08: Was ist öffentlich-rechtlich im digitalen Zeitalter?

Auf der re:publica’ 08 hatten wir eine Diskussion zum Thema “Was ist öffentlich-rechtlich im digitalen Zeitalter?” Mit dabei war die ARD-Generalsekretärin Verena Wiedemann. Aufgrund der immer noch aktuellen Diskussion rund um die Neuverhandlung des Rundfunkstaatsvertrages packe ich das Video mal in den NetzpolitikTV-Feed.

Während sich die öffentlich-rechtlichen Sender ins Netz bewegen, sind viele Bürger dort längst angekommen. Was bedeutet die Digitalisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für unsere Demokratie? Leistet die Digitalisierung die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in einer Informationsgesellschaft? Wie werden diese Pläne angenommen? Brauchen wir ein öffentlich-rechtliches Youtube?

Die Diskussion gibt es in hoher Auflösung bei Hobnox oder hier in kleinerer Auflösung als MP4.

Montag, 12. Mai 2008

ARD-Mediathek startet Alpha-Version

Die ARD-Mediathek ist in einer Alpha-Version gestartet. Das Angebot ist noch sehr rudimentär und längst sind nicht mal alle Sendeanstalten dabei. Mal schauen, was da noch entsteht.

Die Hilfe-Rubrik verkündet über den aktuellen Programm-Stand:

“Über die ARD Mediathek können nahezu alle Spielarten audiovisueller Formate abgerufen werden. Schon heute liegen mehr als 600 Radio- sowie rund 60 TV-Angebote als abonnierbare RSS-Feeds vor. (…) Außerdem lassen sich rund 80 Sendungen aus dem Ersten und den Dritten Fernseh-Programmen als Video-on-Demand in verbesserter Qualität und Auflösung abrufen.”

[via]

Freitag, 2. Mai 2008

Quoten, Klicks & Kohle zum herunterladen

Wenn man es will, geht es wohl schon: Der SWR hat die Dokumentation “Quoten, Klicks & Kohle” als MP4, MP3 und Stream online gestellt.

Mittwoch, 30. April 2008

Heute Abend: Quoten, Klicks & Kohle in der ARD

Heute Abend um 23:30 Uhr gibt es wieder einen spannenden TV-Beitrag in der ARD, der wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit verdient als die späte Ausstrahlung dies zulässt: Quoten, Klicks & Kohle - Was dürfen ARD und ZDF im Internet?.

In Leifs TV-Dokumentation werden die Strategien der Verleger analysiert, die - unter dem Eindruck sinkender Auflagen ihrer Blätter - künftig Gewinne vor allem mit digitalen Angeboten erzielen möchten. Um diese neuen Geschäftsmodelle nicht zu gefährden, fordert der Präsident des deutschen Zeitungsverlegerverbandes Helmut Heinen eine weitgehende Abstinenz von ARD und ZDF im Internet. ZDF-Intendant Markus Schächter und der ARD-Vorsitzende Fritz Raff führen dagegen an: Wer künftig nicht mit angemessenen Angeboten im Internet vertreten ist, verliere die Jugend und damit die Zukunft als Medienanbieter. In dem ARD-Feature “Quoten, Klicks und Kohle” wird der Kampf um Marktanteile, Profitchancen und Geschäftsinteressen an vielen Beispielen illustriert und mit den wichtigsten Medien-Managern Deutschlands diskutiert. Das Fazit des Autors: “Dieser Medienkrieg entscheidet nicht nur darüber, wer Sieger und wer Verlierer sein wird, sondern auch, ob die Medienlandschaft künftig allein von kommerziellen Interessen geprägt sein wird.”

Auf der Webseite finden sich dazu Interviews und Hintergrundmaterial.

Bei Tagesschau.de gibt es ein Interview mit Thomas Leif zur Kritik an den Online-Aktivitäten von ARD und ZDF: “Lobbyismus mit groben Mitteln”.

tagesschau.de: Der jüngste Entwurf des Rundfunkstaatsvertrags sieht vor, dass textbezogene Angebote, also etwa tagesschau.de, nur sendungsbezogen zulässig sind. Bedeutet das: die Bundesländer teilen inzwischen die Ziele der Verleger?

Leif: Das bedeutet zunächst, dass die Verleger eine starke Unterstützung aus norddeutschen Staatskanzleien erfahren haben. Sie haben nun einen Punktsieg erzielt. Aber vielleicht hat es auch etwas Gutes. Allen ist nun klar, worum es geht. Persönlich glaube ich, dass diese Position nicht durchsetzbar ist. Der Vertrag muss ja einstimmig beschlossen werden. Kurt Beck, der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, sagt in unserem Interview, dass ihm dieser Entwurf viel zu weit geht. Wir werden sehen, wie die übrigen Ministerpräsidenten damit umgehen.

Leider eine komische Sendezeit: Ich würde mich daher über einen Mitschnitt freuen, den wir dann irgendwo im Netz online zur Verfügung stellen können.

Das Wortfeld-Blog hat den aktuellen Entwurf des Rundfunkstaatsvertrags veröffentlicht (PDF), wo es aktuell um die umstrittene 7-Tages Begrenzung für alle öffentlich-rechtlichen Inhalte im Netz geht. Das würde bedeuten, dass z.B. tagesschau.de oder Deutschlandfunk nach 7-Tagen alle Inhalte aus dem Netz nehmen müssen. Das ist der totalle Schwachsinn und genau das Gegenteil von dem, was ich mir für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorstelle. Immerhin finanzieren wir den Laden mit unseren Gebühren und da möchte ich auch auf alles zugreifen können, wann und wo ich will.

Weitere Informationen liefert auch unser Artikel “Rundfunkänderungsstaatsvertrag vs ARD und ZDF im Netz” vom 11. April. Dort findet sich auch ein interessanter Beitrag von ZAPP zur Thematik.

Wenn Euch etwas daran liegt, die Öffentlich-Rechtlichen mehr im Netz zu sehen, dann kontaktiert als Bürger Eure Ministerpräsidenten und wünscht Euch dies. Ich hab mal eine Liste im Netz gefunden, wo Kontaktadressen sind. Schickt ein Fax, einen Brief oder eine Mail. Die Zeit drängt auf jeden Fall.

Baden-Württemberg
Günther Oettinger
Staatsministerium Baden-Württemberg
Richard-Wagner-Str. 15, 70184 Stuttgart
Tel.: 0711/215 30, Fax: 0711/215 334 0
poststelle@stm.bwl.de, www.staatsministerium.baden-wuerttemberg.de
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Mittwoch, 16. April 2008

Polylux antwortet auf Medien-Hack

Besser spät als nie antwortet die Moderatorin Tita von Hardenberg auf der eigenen Plattform auf den Medien-Hack der Hedonistischen Internationalen vom vergangen Donnerstag;

Beeindruckend war nicht nur die schauspielerische Leistung des angeblichen Speed-Users, sondern auch die perfekte Mobilisierung der bundesweiten Presse noch in der Nacht der Ausstrahlung. Professionell gemacht, Hut ab! Und alle schrieben drüber. Trotzdem bleibt die leise Frage: Wozu das Ganze? Haben die Spaßguerilleros wirklich viel erreicht, wenn das Internet als Recherchemedium diskreditiert ist? Wenn Menschen jetzt fälschlicherweise denken, bei Polylux würden Praktikanten ausgebeutet? Wenn sich unsere Autoren ab sofort von ihren Interviewpartnern die Ausweise zeigen lassen? “Tim” hat am nächsten Tag eine Mail an die Autorin des Beitrages geschrieben, darin die Worte: „ Ich hoffe, du glaubst mir, wenn ich dir sage, dass (…) es mir nie darum ging, dich persönlich zu verarschen oder zu verspotten (und) wir in keinem Moment polylux einfach nur blossstellen wollten.” Aha. Schönen Dank auch, Tim. Aber was wollte er dann? Vielleicht die Relevanz der Droge Speed in Zweifel ziehen - und damit auch die anderen Protagonisten des Beitrags, die echt waren? Das jedenfalls ist gelungen. Wir werden diesen und andere Medienfakes am Donnerstag in der Sendung thematisieren und darüber meditieren, was dieser Funsport so alles bewirken kann. Denn, dass Medienfakes - ob sinnfrei oder nicht - Spaß machen, steht außer Frage. Am allermeisten, wenn man zufällig nicht gerade selbst betroffen ist.

Interesannt ist die Einschätzung, dass die “perfekte Mobilisierung der bundesweiten Presse noch in der Nacht der Ausstrahlung” passierte, welche erstmals ausschliesslich über Blogs funktionierte und die “bundesweite Presse” erst gegen Mittag des nachfolgenden Tages mehr oder weniger zögerlich einsprang. Aber wir sind gespannt auf die Reaktion, die zugegebener Maße relativ spät funktionierte! Sicher war es im Sinne der Polylux-Redaktion, wieder mal bundesweite Presse für ein nettes Format innerhalb der ARD-Senderfamilie zu erhalten, die in der Regel mit ihrem Programmangebot eher grauhaarige Personen anspricht.

[via]

Freitag, 11. April 2008

Rundfunkänderungsstaatsvertrag vs ARD und ZDF im Netz

Das NDR-Medienmagazin ZAPP hat vorgestern über den jüngsten Entwurf des “Rundfunkänderungsstaatsvertrags” berichtet: Umstritten - Politiker wollen Onlineangebot von ARD und ZDF beschränken. Darin geht es um nichts weniger als die Zukunft der Öffentlich-Rechtlichen Anstalten im Internet. Die Bundesländer wollen diese gerne in einer Union mit den Privaten aus dem Internet rausschmeissen. Das bedeutet konkret, dass dann auch Angebote wie tagesschau.de ihre Beiträge nach sieben Tagen aus dem Netz nehmen müssen. Und wir nicht die Möglichkeit bekommen, die von uns finanzierten Beiträge selbstbestimmt übers Netz sehen zu können, wann und wo wir wollen. Aber schaut selber den Beitrag an:

“Wer nicht im Netz ist, hat keine Zukunft”, damit gab jetzt ZDF-Intendant Markus Schächter vor, wohin die Öffentlich-Rechtlichen wollen: Mit Texten, Audio- und Videodateien ins World Wide Web. Die Verleger sind darüber verärgert, sprechen von “Wettbewerbsverzerrung”, weil die gebührenfinanzierten Sender ARD und ZDF ihren Internet-Projekten Konkurrenz machten. Nach dem jüngsten Entwurf des “Rundfunkänderungsstaatsvertrags” scheinen sie bei manchen Politikern Verbündete gefunden zu haben. Zapp über einen alten Streit und neue Partner.

Umstritten - Politiker wollen Onlineangebot von ARD und ZDF beschränken from netzpolitik on Vimeo.

Auf der re:publica’08 hatten wir ja eine Diskussion mit der ARD-Generalsekretärin Verena Wiedemann zu genau diesen Fragen. Fast alle Diskussionsteilnehmer sprachen sich für mehr Öffentlich-Rechtliches Material im Netz aus. Die Diskussion kann man sich auf Video anschauen. Die mediale Berichterstattung zu dieser Diskussion auf der re:publica war übrigens ausserhalb von Blogs nicht vorhanden. Obwohl der Saal voll war. Schade eigentlich, denn darüber sollte man echt einen demokratischen Diskurs führen.

Heise berichtet jetzt auch über die Debatte: ARD und ZDF: Zurück ins Mittelalter?

Bis zu einer Entscheidung über den Entwurf – die Ministerpräsidenten beschäftigen sich voraussichtlich im Juni mit dem Staatsvertrag – werden beide Seiten noch kräftig trommeln. Der Platz der Öffentlich-Rechtlichen im Netz wird im Tauziehen der Lobbykräfte ermittelt. Unterdessen sollte der Zuschauer – ob er nun privat oder öffentlich-rechtlich einschaltet – in dieser Sache seinen Augen nicht immer trauen. Schließlich berichten hier die Betroffenen in eigener Sache, auch die Printmedien. Sie alle gerieren sich gerne als letzte Bastion des unbestechlichen Qualitätsjournalismus: Print als Bollwerk gegen beliebige Blogs, Öffentlich-Rechtlich gegen privates Unterschichtenfernsehen. Dass Qualitätsjournalismus nicht nur eine leere Floskel ist, könnten alle Beteiligten mit ihrer Berichterstattung in eigener Sache demonstrieren. Vielleicht ist das aber auch ein zu frommer Wunsch.

 

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