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Freitag, 29. September 2006

AOL und die Nazi-Suchanfragen

Wie Suchmaschinen mit dem unliebsamen Suchergebnissen umgehen, kann man bei der Frankfurter Rundschau lesen: Aufklärung statt Nazi-Hetze.

Wer auf der Seite des Internetanbieters AOL den Begriff “Synagoge” eingibt, erhält als ersten Treffer einen “von AOL empfohlenen” Link zum Jüdischen Museum in Berlin. Für mehr als hundert Begriffe ist die Suchfunktion so verändert, dass zunächst der Hinweis auf das Museum erscheint. “Wir wollen mit unserem Museum aufklären und die Menschen zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit dem Internet anleiten”, sagt der Marketing-Leiter des Museums, Klaus Siebenhaar.

Mit seiner Kooperation setzt AOL offensiv um, was andere Suchmaschinenbetreiber bereits praktizieren. Wer bei Google, dessen Suchmaschine AOL nutzt und lediglich erweitert hat, Yahoo oder anderen nach Begriffen wie “Hitler” oder “Nazi” sucht, stößt nicht auf Seiten mit brauner Propaganda, sondern etwa auf die des Deutschen Historischen Museums. AOL geht einen Schritt weiter, da der Link zum Jüdischen Museum an erster Stelle und mit Logo erscheint.

Dienstag, 26. September 2006

AOL wegen Veröffentlichung von Suchanfragen verklagt

War eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis Betroffene AOL wegen der Veröffentlichung von Suchanfragen verklagen. Nun ist es soweit, wie Heise berichtet: AOL wegen Veröffentlichung von Suchanfragen verklagt

Drei AOL-Kunden haben beim District Court for the Northern District of California ein Sammelklageverfahren gegen ihren Provider beantragt. Sie beschuldigen laut Klageschrift (PDF-Datei) das Unternehmen, ihre Privatsphäre verletzt zu haben, indem es Ende Juli ohne Einverständnis der Betroffenen Suchanfragen im Internet veröffentlicht hat. Die Kläger verlangen für alle betroffenen AOL-Kunden Schadensersatz. Es sei die erste Klage aus diesem Anlass, schreibt die vertretende Kanzlei.

Montag, 11. September 2006

AOL zieht Konsequenzen aus “Data Valdez”-Affäre

Mit einem Befreiungsschlag hat der Internetdienstleister und Medienkonzern AOL am 1. September einen Schlußstrich unter die Affäre um die Freigabe von Protokollen gezogen, die mit einfachen Mitteln Rückschlüsse auf die Identität von AOL-Kunden zuließen: Die komplette Forschungsabteilung, die für die Veröffentlichung der Daten verantwortlich war, wird nun geschlossen.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes war im August 2006 kurzzeitig auf einem AOL-Wiki ein mehrteiliger Download mit insgesamt 2,2 Gigabyte Größe und 20 Millionen Suchanfragen erschienen. Jede Suchanfrage wurde dabei einer Laufnummer zugeordnet, die für einen AOL-Kunden stand. Stunden nach dem Download erschienen in Weblogs erste vernichtende Kritiken und Beispiele, in denen die Identität des jeweiligen Benutzers aus der Art seiner Suchanfragen rekonstruiert werden konnte. Ausdrücklich als Feature benannt war die ungefilterte Angabe der Suchbegriffe, darunter vielen Variationen von Kinderpornographie-Begriffen.

Wenngleich AOL innerhalb kurzer Zeit den Download einstellte, sprangen Dritte ein. Unter www.gregsadetsky.com/aol-data/ pflegen Nutzer eine Liste aller Bezugsmöglichkeiten der Daten.

Weltweit erregte das - ursprünglich als Forschungsprojekt deklarierte - Projekt das Interesse von Medien, die ausführlich über den sich entfaltenden Skandal berichteten. Die New York Times machte eine AOL-Kundin über ihre Suchanfragen ausfindig, die fassungslos von den Journalisten anhören durfte, welche Rückschlüsse und Vermutungen über den geistigen, finanziellen und gesundheitlichen Zustand aus der Auswertung der Daten möglich sind.

Suchprotokolle gehören in der Regel zu einer der wertvollsten Güter im Suchmaschinengeschäft, an dem auch AOL beteiligt ist. Neben kommerziellen Absichten haben bislang mehrere Regierungen versucht, Zugriff auf die Suchanfragen einzelner oder möglichst vieler Surfer zu erhalten. Für die argumentative Untermauerung eines Gesetzesvorhabens zur Regelung von pornographischen Inhalten ersuchte die US-Regierung amerikanische Suchmaschinenbetreiber um die Bereitstellung von entsprechenden Logfiles. Bekannt wurde dies dann, als sich der per Motto dem Gutsein verpflichte Branchenprimus Google weigerte und zuletzt vor einem Bezirksgericht siegte.

Derweil erfreuen sich die Daten in den Kreisen von “Suchmaschinenoptimierern”, so genannten SEOs, Dienstleistern, die Webseiten mit lauteren und unlauteren Mitteln an die vorderen Ränge bei wichtigen Suchbegriffen bringen sollen, besonderer Beliebtheit, lassen sich doch unschätzbar wertvolle Informationen aus den von AOL bereitgestellten Einträgen gewinnen. In SEO-Foren wird dabei besonderes Augenmerk auf die Verteilung der Klicks auf den ersten, zweiten und die nachfolgenden Ränge innerhalb der Resultatseiten gelegt. Dabei bestätigt sich auch die lange Vermutung, daß so gut wie alle Klicks sich auf die ersten drei Treffer konzentrieren und nachfolgende Seiten nur noch ein schmales Rinnsal der Nutzer abbekommen.

Abgeebbt sind hingegen Schnellschüsse von Politikern, die die Speicherung solcher Daten massiv einschränkten wollten. Die Argumentation lautete, daß eine Firma, die spätestens nach wenigen Monaten alle Logfiles löschen müsse, keine Chance mehr habe, sie später absichtlich oder aus Versehen zu veröffentlichen und damit die Privatsphäre der Nutzer zu beschädigen.

Dienstag, 22. August 2006

AOL zieht personelle Konsequenzen - aber auch andere?

Etwas mehr als eine Woche nach dem Daten-GAU bei AOL ist jetzt deren Cheftechnikerin (CTO), Maureen Govern, zurückgetreten. Zwei weitere Mitarbeiter aus der Forschungsabteilung von AOL, die die Veröffentlichung der Suchanfragen von 650.000 AOL-Kunden veranlasst hatten, wurden entlassen. Die eigentlich spannende Frage wird sein, ob man bei der Firma auch strukturell aus dem Debakel lernt und die Daten aus den Suchanfragen (zumindest nach einer Weile) komplett löscht. Angeblich denkt man zumindest drüber nach. Da Google und andere Suchmaschinenbetreiber bisher klar gemacht haben, dass sie diese Daten unbegrenzt zu speichern gedenken, wäre ein Schritt von AOL in Richtung Löschung durchaus bedeutsam. Das gilt besonders im Kontext der von der US-Regierung seit einigen Monaten stärker geführten Debate um eine verpflichtende Vorratsdatenspeicherung.

 

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