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Donnerstag, 17. April 2008

Wie die Wissensgesellschaft betrogen wird

Starkes Pladöyer: Der Physik-Nobelpreisträger Robert B. Laughlin warnt in einem Essay für SpOn vor einem neuen Dunklen Zeitalter der Desinformation und Ignoranz: Wie die Wissensgesellschaft betrogen wird.

Wir stehen am Beginn des Informationszeitalters, in dem der Zugang zu Wissen in vielerlei Hinsicht wichtiger ist als der Zugang zu materiellen Ressourcen. Tatsächlich wird aber in dieser sogenannten Wissensgesellschaft der Zugang zu Informationen versperrt, und frei erworbene Erkenntnisse werden aus wirtschaftlichen, politischen oder militärischen Gründen als illegal erklärt. Die zunehmenden Bemühungen von Staaten, Unternehmen und Individuen, Konkurrenten um jeden Preis davon abzuhalten, bestimmte Dinge in Erfahrung zu bringen, die sie selbst wissen, hat zu einer erstaunlichen Ausweitung des Schutzes geistigen Eigentums im Urheberrecht und zu einer beträchtlichen Ausweitung staatlicher Geheimhaltungsmöglichkeiten geführt.
[...]
Die Abschottung und Privatisierung von Wissen führt hier also dazu, dass weniger Erfindungen und damit neues Wissen entstehen können. Auch auf anderen Gebieten ist es nicht immer sinnvoll, Wissen geheimzuhalten. So soll etwa in den Vereinigten Staaten der Atomic Energy Act dafür sorgen, dass nicht jeder Zugang zu Informationen über Kerntechnologie hat, wegen der Gefahr des Missbrauchs. Aber die Erfahrungen, die wir in den vergangenen Jahrzehnten mit diesem Gesetz gemacht haben, zeigen deutlich, dass die dort bestimmten Straftatbestände und Strafandrohungen die Ausbreitung kerntechnischen Wissens nicht verhindert haben.

Freitag, 15. Juni 2007

Kein Access to Knowledge bei der WIPO

Schade: Die WIPO lässt keinen Vertrag über den Zugang zum Wissen zu.

Konkrete Beschlüsse oder Vertragsverhandlungen über den “Zugang zum Wissen” als Gegengewicht zum erweiterten Schutz geistigen Eigentums wird es erst einmal nicht geben. Regierungsvertreter in Genf konnten sich in einer seit Montag tagenden Verhandlungsrunde über eine künftige “entwicklungspolitische Agenda” für die World Intellectual Property Organisation (WIPO) nicht auf einen gemeinsamen Fahrplan einige. Das bestätigte der Verhandlungsleiter und Vorsitzende des zuständigen Ausschusses, Trevor Clark, gegenüber heise online. Clark konnte im Februar zwar erste Fortschritte verzeichnen, allerdings stehen in dieser Woche kontroverse Themen wie der Zugang zum Wissen oder die Nutzung von Spielräumen bei den Schutzrechtenn zur Debatte.

“Die ‘Friends of Development’ (eine Gruppe von Schwellenländern, die die Agenda initiiert haben, d. Red) mussten ihre Erwartungen zurückschrauben”, erklärte Clark. Der Widerstand gegenüber fundamentalen Änderungen der WIPO-Arbeit sei insgesamt nicht unbeträchtlich. Dennoch sieht Clark die Verhandlungen als Beginn eines längeren Prozesses. Immerhin ist es laut Informationen von Nichtregierungsorganisationen (NGO) gelungen, den “Zugang zum Wissen” als einen Punkt der künftigen Agenda zu bewahren. Dagegen hatten sich nämlich laut James Love von der Organisation Knowledge Ecology International (KEI), unter anderem die USA, Kanada und Italien ausgesprochen.

Weiss jemand, wie Deutschland gestimmt hat?

Donnerstag, 7. Juni 2007

Internetgeschichte genordet

Wenn man etwas über die Geschichte des Internet liest, dann sind da meistens die Punkte Amerika, Arpanet, Atomkriegsresistenz und Genf und dann bald HTML und WWW zu lesen. Danach kommt dann die Musikindustrie und Hollywood und Napster und dann Web 20.
Einen erfrischend anderen Bogen spannt Professor Bernd Lutterbeck auf 14 Seiten. Hier ist ein Text als PDF über die skandinavische Einflüsse auf die Entwicklung des Internets.

“Zentral verordnete Mechanismen verhindern im Zweifel die in einer Informationsgesellschaft gebotenen Formen der Kooperation. Eine Gesellschaft, die ihren institutionellen Default auf Offenheit gestellt hat, scheint die überlegenen institutionellen Arrangements bereit zu halten. Die nordischen Länder Europas haben insoweit einen eigenen Weg in die Informationsgesellschaft eröffnet.”

Kein Wunder also, dass die soviel Breitband und Mobile Services haben.

Dienstag, 8. Mai 2007

Geistiges Eigentum ist ungleich Freier Markt

Im NewYorker ist ein interessanter Artikel über Free-Trade-Agreements und dem Export von (US)-Geistigen Eigentums-Gesetzgebungen zu finden: Exporting I.P..

The great irony is that the U.S. economy in its early years was built in large part on a lax attitude toward intellectual-property rights and enforcement. As the historian Doron Ben-Atar shows in his book “Trade Secrets,” the Founders believed that a strict attitude toward patents and copyright would limit domestic innovation and make it harder for the U.S. to expand its industrial base. American law did not protect the rights of foreign inventors or writers, and Secretary of the Treasury Alexander Hamilton, in his famous “Report on Manufactures,” of 1791, actively advocated the theft of technology and the luring of skilled workers from foreign countries. Among the beneficiaries of this was the American textile industry, which flourished thanks to pirated technology. Free-trade agreements that export our own restrictive I.P. laws may make the world safe for Pfizer, Microsoft, and Disney, but they don’t deserve the name free trade.

Montag, 30. April 2007

Aktuell: a2k - Konferenz

Wolfgnag Kleinwächter berichtet für Heise von der a2k-Konferenz, die gerade an der Yale-University in den USA stattfindet: Zensur als Handelshemmnis?

Nach Auffassung von Andrew McLaughlin, Chief Policy Adviser von Google, sollten Einschränkungen des Rechts auf freie Meinungsäußerung im Rahmen der laufenden Verhandlungen der “Doha Round” der World Trade Organization (WTO) als Handelshemmnis qualifiziert werden. McLaughlin kritisierte auf der Jahreskonferenz “Zugang zu Wissen” (A2K2) der Yale University in New Haven indirekt die US-Regierung, die bei bilateralen Verhandlungen zu so genannten Freihandelsabkommen (Free Trade Agreements) zwar sehr nachdrücklich darauf dränge, den mangelnder Schutz von geistigem Eigentum zu beseitigen, aber weit weniger die Respektierung des Informations- und Meinungsfreiheit an Handelserleichterungen binde.

Heise: Ein Internet “des Volkes, durch das Volk und für das Volk”

In weniger als fünf Jahren wird jeder Bewohner Pekings freien drahtlosen Zugang zum breitbandigen Internet haben. Dies prophezeite Kai-Li Kan, Direktor des Instituts für Informationsindustrie der Pekinger Universität für Post und Telekommunikation auf der 2. Konferenz “Zugang zu Wissen” (A2K2) der Yale University in New Haven. Das vor kurzem gestartete Projekt “Wireless Peking Commune” (WBC) ziele darauf, aus der 15-Millionen-Metropole eine “Wireless City” zu machen. Demnach werden zunächst 3000 Zugangspunkte auf der Basis des WLAN-Standards 802.11g mit 54 MBit/s eingerichtet.

Interessant sind hier auch die Beschreibungen aus anderen Ländern und Kontinenten. Alle bekommen offenes WLAN, und wann reagiert Berlin endlich mal?

Freitag, 30. März 2007

Tagung: Geistiges Eigentum – Eine Bedrohung für Entwicklung und Gerechtigkeit?

Vom 13.– 15.4.2007 findet in Schwerte die Tagung „Geistiges Eigentum – Eine Bedrohung für Entwicklung und Gerechtigkeit?“ statt. Organisiert und ruchgeführt wird sie von INES, EED, ev. Akademie Iserlohn und dem Netzwerk Freies Wissen.

Wir wollen auf dieser Tagung voneinander lernen, Kontroversen identifizieren und diskutieren. Wir wollen der unkritischen Befürwortung geistiger Eigentumsrechte eine differenzierte Sicht entgegensetzen und einen gerechteren Ausgleich der verschiedenen Ziele fordern. Dafür wollen wir gemeinsam nach Handlungsperspektiven suchen und Strategien entwickeln. Wir richten uns mit dieser Tagung an alle, die im Bereich Wissenszugang und geistiges Eigentum bisher haupt- oder ehrenamtlich aktiv sind oder es werden wollen.

Das Tagungsprogramm findet sich hier als PDF.

Mittwoch, 21. März 2007

Berkman-Podcast: Copyright and Access to Knowledge

Wieder ein Bildungs-Podcast aus dem AudioBerkman: Copyright and Access to Knowledge.

Mary Wong of Franklin Pierce Law Center joins Berkman Center guests, fellows, and staff to discuss the growing discourse around such topics as “the commons,” “free culture,” and “open content.”

Professor Wong addresses the extent to which these terms are rhetoric or signals of change; how “openness” can be stunted by lack of clarity in copyright standards; and what the future may hold in light of technological advancements.

Die MP3-Datei ist eine Stunde lang.

Mittwoch, 4. Oktober 2006

Informationsgesellschafts Trends in Afrika

Die ITU hat vor kurzem den “Digital Opportunity Index (DOI)” für das Jahr 2005 veröffentlicht. Gesondert geht man im ITU-Blog nochmal auf Afrika ein und hat dort diese anschauliche Grafik veröffentlicht:

From a telecommunication policy perspective, high-ranking countries illustrate the influence of liberalization and competition in promoting opportunity and infrastructure deployment. Most of the North African countries, as well as Senegal and South Africa, have opened their fixed and mobile markets to competition and are rapidly increasing high-speed network deployment. Competition is helping to reduce tariffs and introduce service packages that respond better to the needs of the population. In Algeria, for instance, the entry of a third wireless cellular provider triggered new strategies for prepaid services that had not previously been offered by the incumbents.

Samstag, 16. September 2006

Netzpolitik-Podcast mit Rishab Aiyer Ghosh

Hier ist ein weiteres Interview von der Wizards of OS 4, diesmal mit Rishab Aiyer Ghosh von der United Nations University in Maastricht. Dort forscht er im Rahmen des FLOSS-Projects über Freier Software und hat in diesem Rahmen mehrere grössere Studien durchgeführt. Rishab treffe ich öfters auf Veranstaltungen und das Interview hatte ich schon länger geplant. Insofern bin ich froh, dass es endlich geklappt hat und daraus ein ca. 40 Minuten langes Gespräch (MP3) geworden ist.

In dem Interview geht es um die Auswirkungen und Chancen von Freier Software auf Entwicklung, Politik und Verwaltungen, die Motivation von Entwicklern, über die Access to Knowledge-Bewegung, Open Access Journals und die “Cooking Pots“. Letzteres hat er genauer in seiner WOS4-Keynote vorgestellt.

Später gibt es noch ein befreites Ogg.

 

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