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Donnerstag, 24. Januar 2008

Jimmy Wales über Wikia

Jimmy Wales war ja auch dem DLD so gefragt, dass ich als Blogger keinen Interview-Termin bekam. Aber dafür musste ich auch nichts transkribieren und verlinke einfach nur auf ein Interview bei Golem: Wikipedia ist Segen und Fluch zugleich.

Golem.de: Für Google gehört der geheime Algorithmus zum Geschäftsmodell. Wie sieht Ihr Modell aus, wenn Sie Ihren Algorithmus offen legen?

Wales: Meiner Ansicht nach ist Suche in den letzten Jahren eine Selbstverständlichkeit geworden. Die Qualität der Suche - sei es bei Google, Yahoo, Ask oder einigen der kleineren Suchmaschinen - ist inzwischen sehr ähnlich. Sie konkurrieren untereinander nicht mehr mit dem besten Suchalgorithmus. Die Algorithmen sind zwar noch nicht perfekt, aber inzwischen ziemlich gut geworden. Wenn das stimmt, liegt das Geschäftsmodell nicht mehr darin, den Suchalgorithmus geheim zu halten, sondern im Markenprofil und in der Nutzererfahrung.

Wenn ich eine geniale Idee hätte, die besser wäre als alle anderen, dann würde ich sie geheim halten. Das habe ich aber nicht. Ich bin jedoch überzeugt, dass wir mit Open Source die gleiche Qualität hinbekommen. Unser Wettbewerbsvorteil hat mit Nutzererfahrung, mit Mitwirkung, mit unserem Markenprofil, mit Transparenz, Offenheit, Mitbenutzung und Gemeinschaft zu tun. Nicht jeder legt Wert darauf, einige aber eben doch - und für die ist dieser Dienst gedacht.
[...]
Golem.de: Kommen wir noch einmal auf Google zurück: Ist es Ihr Ziel, Googles Marktposition anzugreifen? Oder ist Wikia Search einfach eine andere Suchmaschine?

Wales: Für mich ist das in erster Linie eine politische Aussage. Es geht darum, dass Suche wichtig ist und dass sie deshalb transparent und offen sein sollte. Natürlich wollen wir so beliebt werden wie möglich. Wir wollen einen Dienst anbieten, den die Nutzer nützlich finden, und wir wollen eine bedeutende Einrichtung im Internet werden. Aber ich denke nicht in Wettbewerbskategorien - das ist nicht meine Herangehensweise. Ich möchte Dinge aufbauen, die cool sind und hoffe, dass die Leute sie nutzen.

Mittwoch, 9. Januar 2008

Die Wikimedia Foundation auf dem Weg vom Experiment zur Organisation

Heise berichtet über aktuelle Entwicklungen der Wikimedia-Foundation. Bei einer Fundraising-Aktion konnten ca. zwie Millionen Dollar eingenommen werden. 1,5 Millionen Dollar kamen demnach von 45000 kleinspenden, der Rest von einem anonymen Grossspender. Allerdings sind im aktuellen Haushalt 4,6 Millionen Dollar eingeplant. Die restlichen Gelder sollen jetzt von der Industrie geholt werden. Wikimedia-Geschäftsführerin Sue Gardner und Wikimedia-Vize Erik Möller präsentierten vor Sun Microsystems ein 28-seitiges Strategiepapier, welches jetzt auch online bei Wikinews zu finden ist. Heise fasst die wichtigsten Punkte zusammen:

In dem Papier ist unter anderem eine technische Roadmap enthalten. Die Veröffentlichung der gesichteten Versionen ist demnach für Mai diesen Jahres geplant, gleichzeitig sollen auch andere Werkzeuge zur Qualitätssicherung in der Wikipedia freigeschaltet werden. Einen Schwerpunkt legt die Foundation auf zukünftige Print-Versionen der Wikipedia-Artikel. Zunächst will die Wikimedia Foundation in Zusammenarbeit mit dem Mainzer Unternehmen Pediapress eine Drucktechnik in die Wikipedia integrieren, die nach und nach ausgebaut werden soll. So sollen die Artikel zunächst ins PDF-Format, später auch ins OpenDocument-Format exportiert werden können. Für Herbst diesen Jahres sind auch sogenannte “Smart dumps” vorgesehen, die wohl den Druck einer Zusammenstellung ganzer Themenbereiche aus der Wikipedia ermöglichen. Ein weiteres Projekt ist eine Software zum gemeinsamen Editieren von Videos innerhalb der Wikimedia-Projekte. Nach den Screenshots zu urteilen, sollen die freiwilligen Autoren die Möglichkeit bekommen, Videos online zu schneiden und mit Audiokommentaren zu versehen.

Interessant ist auch das Intervie wmit Sue Gardner in der aktuellen ct’ über die Wikimedia Foundation auf dem Weg vom Experiment zur Organisation: „Ein ständiges Bemühen, die Dinge zu verbessern“.

Mittwoch, 2. Januar 2008

Tintenfische für freies Wissen

Wer sich bisher fragte, wofür der Wikimedia Deutschland e.V. die jährlichen Spendengelder benötigt, wird jetzt im Wikimedia-Blog fündig: Tintenfische für freies Wissen. Für 60.000 Euro konnten 15 neue Server für die Wikipedia angeschafft werden, die vor kurzem in den Betrieb gegangen sind.

60.000 Euro haben die neuen Rechner gekostet, die als Zwischenspeicher (Cache Proxies/Squids = “Tintenfisch“) eingesetzt werden. Sie ergänzen die bereits bestehenden 15 Squid-Rechner, die ebenfalls von Wikimedia Deutschland zur Verfügung gestellt werden. Da die neuen Maschinen bessere Leistungsdaten haben (Intel Xeon Dual-Core 2.0 Ghz, 16 GB Ram, 4×73 GB Disk 15000 RPM) konnten die bestehenden Kapazitäten mehr als verdoppelt werden. Dies war auch dringend nötig: Die Zugriffe auf Wikimedia-Projekte steigen weiterhin an. Mit sieben Milliarden angezeigten Artikeln pro Monat müssen die Wikimedia-Server mehr als 50.000 Anfragen pro Sekunde (!) verkraften. Die bisherige Kapazität war nahezu erschöpft.

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Das Wikimedia Deutschland - Blog

Wikimedia Deutschland hat jetzt auch ein Blog, um über die Arbeit des Vereins zu berichten.

Dienstag, 18. Dezember 2007

Wikipedia vs Google? - Hilfe!

Wikipedia vs. Google geht ja immer in Online-Medien. Irgendwie. Entweder Google macht Wikipedia Konkurrenz, oder umgekehrt. Das in der Realität wenig dran ist, interessiert eh nicht. Aber trotzdem geistert dieser künstliche Konflikt zwei der bekanntesten Marken im Netz regelmässig durch die Medien. Heute ist mal wieder die Zeit dran, die über OTS sensationelles verkündet: Wikipedia kontert Angriff von Google mit eigener Suchmaschine.

Hamburg (ots) - Die Online-Enzyklopädie Wikipedia will mit einer eigenen Suchmaschine auf den Angriff des Mitbewerbers Google antworten. Google hatte die Einführung eines kostenlosen Internetlexikons angekündigt, das die Benutzer wie bei Wikipedia selbst zusammenstellen. “Im Moment sind aber alle Suchmaschinen …

Abgesehen davon, dass da inhaltlich schon nichts dran ist, weil Wikia.com nicht die Wikipedia ist: Warum funktioniert das immer wieder? Was geht in den Köpfen vor? Ist das ein Deutschland-spezifisches Problem oder global?

Update: Korrekturmeldung: Wikipedia-Gründer Wales greift mit neuem Projekt “Wikia” den Internet-Riesen Google an.

Hamburg (ots) - Der Gründer der Online-Enzyklopädie Wikipedia, Jimmy Wales, will mit seiner Firma Wikia.com in diesen Tagen die Basisversion einer eigenen Suchmaschine online stellen. Das Projekt Wikia tritt damit in Konkurrenz zu Google, wo man ebenfalls die Einführung eines …

[Danke Torsten]

Montag, 17. Dezember 2007

Mehr Bügelbretter für Fussballerinnen

Wie es ein kleiner Spass-Eintrag bei Wikipedia in verschiedene Online-Medien und sogar in eine Rede unseres Bundespräsidenten schafft, liest man hier: Kaffeeservice und Bügelbrett.

Montag, 10. Dezember 2007

Wikipedia im Interview

Bei Süddeutsche.de gibt es ein Interview mit Kurt Janson über die Wikipedia: “Wir arbeiten hier mit Netz und doppeltem Boden“.

SZ: Wikipedia gilt manch einem als Positivbeispiel für einen herrschaftsfreien Diskurs. Ist das nicht ein großer Selbstbetrug, wenn 180 Administratoren darüber befinden, was als enzyklopädisches Wissen überlebt und was nicht?

Janson: Die Administratoren sind in den meisten Fällen eher ausführendes Organ, das eine offene Diskussion der Community um die Löschung eines Artikels neutral auswertet. Grundsätzlich wird diese Entscheidung immer von einem Administrator getroffen, der an der vorausgehenden Debatte unbeteiligt war. So mutig, allen Teilnehmern das Recht zur Löschung von Artikeln zu geben, sind selbst wir noch nicht gewesen. Aber davon abgesehen: Sieht man sich die zigtausend Diskussionsbeiträge an, die jeden Tag zu den verschiedensten Themen in Wikipedia veröffentlicht werden, dann kann Wikipedia durchaus als Modell eines anderen, offeneren Wissensdiskurses gelten.

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Linkspartei verklagt Wikipedia

Katina Schubert, stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei hat eine PR-Offensive gestartet, um sich in der neuen Medienwelt ein wenig bekannter zu machen. Und das geht ganz schnell, wenn man einfach mal die Wikipedia verklagt. Irgendwie hat sie sich wohl gedacht, dass man Nazis durch eine Anzeige aus der Wikipedia heraus bekommt. Anscheinend kritisiert sie die Verwendung einer Grafik eines Hitler-Jugend-Symbols in der Wikipedia, was meiner Meinung nach schon in eine Enzyklopädie gehört. Aber weiter im Text, es gibt ja eine Pressemitteilung von Schubert zum Fall: Nazis raus aus Wikipedia.

Es kann und darf nicht sein, dass Einträge aus NS-Quellen zitieren und weit über das, rechtlich geschützte, Maß an Aufklärung hinaus Materialien und Kennzeichen verfassungsfeindlicher und verbotener Organisationen Verwendung finden. Meine Anzeige soll die Betreiber zwingen, bei Beibehaltung der offenen Struktur, politische und ethische Standards einzuführen, die es Nazis unmöglich machen, ihren braunen Müll als lexikalisch wertvolles Wissen auszugeben und im Netz zu verbreiten.

Vielleicht hätte sie ruhig vorher mal nachfragen sollen, wie das so mit den offenen Strukturen in der Wikipedia funktioniert. Ein passender Ansprechpartner ist z.B. der Wikimedia-Verein. Aber das kostet wohl mehr Zeit als eine Pressemitteilung und eine Anzeige zu managen. Ausserdem bringt es längst nicht soviel mediale Aufmerksamkeit, als einfach mal drauf los zu klagen. Ich wünsche mir ja im allgemeinen mehr Medienkomptenz bei Politikern. Auch bei denen von der Linkspartei.

Zu Schuberts PR-Offensive scheint nicht ihre Webseite zu gehören. Man hat dort das Gefühl, im vergangenen Jahrtausend zu surfen.

Mehr Informationen:

Heise: Die Linke zeigt Wikipedia an.
Golem: “Die Linke”-Führung zeigt Wikipedia an.
Golem: Anzeige gegen Wikipedia: Unsinnig und überflüssig (Update).

Schon allein formal sei die Anzeige gegen die Wikipedia falsch, sagt Arne Klempert, Geschäftsführer des Vereins Wikimedia Deutschland: Es gebe lediglich die in Florida beheimatete Wikimedia Foundation als Betreiberin der Wikipedia sowie den Verein Wikimedia Deutschland, der aber nicht Betreiber der Wikipedia ist. Eine Anzeige war nach Angaben von Klempert am Donnerstag Nachmittag (6. Dezember 2007) bei keiner der beiden Organisationen eingegangen. Auch habe Schubert nicht versucht, mit dem Verein Kontakt aufzunehmen.

Zu den Vorwürfen sagte Klempert, bei der Darstellung der verfassungsfeindlichen Symbole aus der NS-Zeit handele es sich um den Gebrauch in einem lexikalischen Kontext, der vom Gesetz gedeckt sei. Klempert betonte, die von Schubert geforderten Standards gebe es bereits. “Die Community sorgt selbst dafür, dass Nazi-Inhalte sofort wieder verschwinden. Das passiert schon längst.”

Indiskretion Ehrensache: Was Linkspartei und Pornoanbieter gemeinsam haben.

Die Publicity-Geilheit mancher Politiker bewegt sich auf dem gleichen Niveau wie die von Erotikanbietern. Für eine gute Schlagzeile macht mancher alles. Katina (ja, die heißt wirklich so) Schubert, zum Beispiel. Die Dame mit den kurzen Haaren und einem Hang zu extrem schlechten Portraitfotos und bizarr gestalteten Internet-Seiten ist stellvertretende Chefin der Linkspartei.

Taz: Linke-Vize zeigt Wikipedia an.

Wikimedia-Mann Klempert nahm dies zum Anlass, Schubert einen PR-Coup zu unterstellen - und das genau einen Tag nach der gestrigen positiven “Stern”-Geschichte zu dem Online-Lexikon. Klempert betonte, Wikipedia sei gegenüber rechstextremen Inhalten äußerst sensibel und achte stets darauf, Objektivität herzustellen und zu bewahren. Die NS-Symbole dürften zur Illustration im Lexikonkontext nach deutschem Recht verwendet werden. “Wir brauchen keine Vize-Vorsitzende der Linken, um über eine solche Problematik zu diskutieren”, sagte er. Die Strafanzeige sei bei ihm noch nicht eingegangen, auch sei unklar, gegen wen diese gestellt worden sei. Der US-amerikanische Hauptbetreiber von Wikipedia sei der richtige Adressat.

 

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