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Montag, 19. November 2007

Killer-Spiele und die Wertedebatte

Einen langen und sehr interessanten Artikel über kulturelle Zensur am Beispiel von Computerspielen und anderen Werken bietet Telepolis: “Warum mit den “Killerspielen” auch Werte verteidigt werden.

Die Debatte um so genannte “Killerspiele” auf Computern und Spielkonsolen und die Forderungen nach einem Verbot jener haben zu verhärteten Fronten zwischen Spielegegnern in etablierten Medien, Politik und konservativen Forscherkreisen einerseits und Spielern und Unterhaltungsindustrie andererseits geführt. Dazwischen steht eine Gruppe von Normalbürgern wie auch gesellschaftlichen Entscheidungsträgern, welche in dem vermeintlich banalen Thema keinen Diskussionswert erkennen können und sich deshalb zu dem Thema eher ausweichend äußern. Doch die ethischen Fragen um die “Killerspiele” und ihr Verbot gehen weiter, als es die reine Spielediskussion vermuten lässt, und auch weiter, als es mancher Spieler vermutet, der sich zunächst nur gegen die Wegnahme seines Lieblingsvergnügens wehrt. Geht es hier wirklich nur um ein perverses Freizeitvergnügen und die Frage, wie weit man es tolerieren oder ab wann man es verbieten sollte? Oder sind hier nicht doch elementare bürgerliche Werte in diesem Staat betroffen?

Mittwoch, 31. Oktober 2007

INACH Jahreskonferenz 2007

Jugendschutz.net und das International Network Against Cyber Hate (INACH) veranstalten am 8. und 9. November im Centrum Judaicum in Berlin die Konferenz “INACH Jahreskonferenz 2007” mit dem Titel ” Hate on the Net –Promoting tollerance by means of (media) education”.

Anders als in Deutschland, wo ein Vorgehen gegen Rechtsextremismus im Internet relativ einfach ist, ist dies international schwieriger. So bleiben z.B. in den USA rechtsextreme Inhalte oft mit dem Verweis auf die dortige Meinungsfreiheit im Netz. Die Erfolge von jugendschutz.net und INACH zeigen, dass aber auch hier gehandelt werden kann. Auf der Konferenz geht es um die Fragen, welche rechtlichen und welche medien-pädagogischen Möglichkeiten es gibt, um gegen Hass-Seiten im Internet vorzugehen und was international nötig ist, um effektiver gegen solche Inhalte einschreiten zu können. Es soll auch eine Resolution verabschiedet werden, die von den internationalen Staatengemeinschaften ein koordiniertes Vorgehen gegen Hass-Verbrechen im Netz fordert.

Ich hab da leider keine Zeit, aber vielleicht findet sich ja jemand, den das Thema interessiert und von dort berichtet?

Das Bundesinnenministerium berichtet auf der Informationsseite zum “Gemeinsamen Internetzentrum (GIZ)” von ähnlichen Problemstellungen:

Die Zahl extremistischer und terroristischer Internetseiten mit islamistischem Hintergrund geht in die Tausende. Eine seriöse Quantifizierung islamistischen Materials im weltweiten Internet ist nicht möglich. Auch Islamisten nutzen immer häufiger interaktive, oft auch nicht dezidiert islamistische Internetdienste wie Weblogs, Diskussionsforen, Videoplattformen oder Freundschaftsnetzwerke zur Verbreitung ihrer Propaganda. Diese Internetdienste zeichnen sich dadurch aus, dass eine Unterscheidung zwischen Produzenten und Konsumenten kaum noch möglich ist: Die Nutzer der Dienste sorgen gleichzeitig für den auf den Seiten angebotenen Inhalt. Auf diesen Plattformen finden sich sowohl die immer wieder aufs Neue kopierten “offiziellen” Veröffentlichungen islamistischer Gruppierungen und ihrer Führer, als auch immer größer werdende Mengen an selbstgefertigter Propaganda von Sympathisanten.

Zur explosionsartigen Vermehrung islamistischer Propaganda im Internet trägt insbesondere das Phänomen der Weblogs bei. Es handelt sich dabei nämlich um Internetpräsenzen, die von jedermann kostenfrei, anonym und ohne besonderes technisches Wissen eingerichtet werden können, was auch von Islamisten umfänglich genutzt wird.

Die massenhafte Verbreitung von Videomaterial wird durch das Angebot von kostenlosem und anonym nutzbarem Speicherplatz kommerzieller Anbieter begünstigt: Hier können Videodateien hochgeladen und zum Download für jedermann bereitgehalten werden. Um ein Löschen der Dateien zu verhindern, werden besonders wichtige Videos auf Hunderten unterschiedlicher Speicherplätze abgelegt.

Vermutlich lassen sie bald das “Web 2.0″ aus Sicherheitsgründen abschalten…

Montag, 29. Oktober 2007

J!Cast 44 Jugendschutz im Internet

Der J!Cast Nummer 44 dreht sich rund um das Thema “Jugendschutz im Internet”:

In der Frage, wie sicher jugendgefährdende Inhalte im Internet verschlüsselt sein müssen hat nunmehr am 18.10. der BGH entschieden und bestätigt, was eigentlich zu erwarten war. Demnach ist das PostIdentverfahren die einzige Möglichkeit, nach deutschen Anforderungen solche Inhalte im Internet anzubieten. In einem anderen Fall geht er im Umgang mit jugendgefährdenden Medien im Versandhandel sogar noch weiter und verlangt ein Einschreiben, das nur persönlich entgegengenommen werden darf.

Aber dienen diese Entscheidungen tatsächlich dem Jugendschutz oder führen sie nur dazu, dass sämtliche Pornoanbieter ins Ausland abwandern, von wo aus sie ohne jegliche Jugendschutzbestimmungen Inhalte auch gen Deutschland verbreiten können? Warum wird eigentlich in diesem Bereich nicht harmonisiert? Und wie könnte eine tatsächlich effektive Umsetzung des Jugendschutzes im Internet aussehen?

Über all diese Fragen habe ich - zum ersten Mal über Skype - mit Ansgar Heitkamp , wiss. Mitarbeiter am Zentrum für Informationsrecht in Düsseldorf gesprochen, der in Stockholm lebt. Dabei hat mir Ansgar mit diesem ganz speziellen schwedischen Anfang einen lang gehegten Wunsch erfüllt… aber hört selbst.

Hier ist die 12MB grosse MP3.

Freitag, 12. Oktober 2007

Kinder gegen Killerspiele und Zigaretten

Die FInancial Times berichtet: Von der Leyen will Kinder als Ermittler nutzen.

Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) will Kinder und Jugendliche als verdeckte Ermittler gegen den illegalen Verkauf von Schnaps, Zigaretten und Gewaltfilmen an Minderjährige einsetzen. Das sieht ein Gesetzesentwurf ihres Hauses vor, der der FTD vorliegt.

Als erste Massnahme stellte sie ihre eigene Familie zur Verfügung. ;)

Wie läuft das eigentlich in der Praxis ab, wenn man als Bundesregierung Kinderarbeit eigentlich ächtet und dann doch darauf zurückgreift?

Montag, 17. September 2007

Zensur-Kollateralschäden bei Arcor

Die Zensur von drei Webseiten mit pornografischem Inhalt durch die Firma Arcor hat kleine Kollateralschäden verursacht. Wie Spiegel-Online berichtet, wurden IP-Adressen zensiert. Und damit eine grosse Menge weiterer Webseiten, die jugendfrei waren und mit dem Inhalt nichts zu tun hatten. Toller Zensur-Aktionismus durch Arcor. Aber das verdeutlicht auch ein wenig die schädlichen Seiten von Internet-Filterungen:

Laut der Adress-Datenbank des Dienstleisters Domaintools.com gehört die IP-Adresse 64.202.189.170 zu einem Server des US-Providers GoDaddy. Unter dieser Adresse sind neben Pirvatamateure.com laut Domaintools aber insgesamt fast 3,5 Millionen einzelne Websites hinterlegt. Unter anderem diese harmlosen Angebote:

* die Bollywood-Fanseite Barathstars
* der Linux-Kernel-Debugger Linice
* der Hersteller von Energieführungen für die Automobilindustrie Kabeltrax
* die W-LAN-Initative Fon-City
* der Industrial Ethernet Kongress

Diese Seiten und andere harmlose Angebote waren bei Tests heute Vormittag von privaten Arcor-Internet-Zugängen im Ruhrgebiet und in Hamburg nicht zu erreichen. Fehlermeldung: “Netzwerk-Zeitüberschreitung”. SPIEGEL-ONLINE-Leser berichteten schon am Wochenende von ähnlichen Zugangs-Problemen aus dem Arcor-Netz.

Arcor hat jetzt verkündet, die Zensur zu beenden: Arcor stoppt den Porno-Filter. Wer noch bei Arcor ist, sollte sich vielleicht mal nach einem anderen Provider umschauen.

Dienstag, 11. September 2007

Internet-Zensur zur Terror- und Porno-Bekämpfung?

Jetzt war Markus schneller, aber ich schreibe es trotzdem nochmal, damit es auch jeder versteht: EU-Kommissar Frattini fordert, daß Internet-Zugangsanbieter (ISPs) ihre Kunden nicht mehr nach gefährlichen Wörtern googeln lassen. Keine Gelegenheit mehr für “Wirtschaftsexperimente”, “Killfiles” oder “Terrorismusbekämpungsergänzungsgesetze”, das kann man ja wirklich niemandem zumuten. Den passenden Kommentar gibt es bei Fefe.

Realität geworden ist das allerdings jetzt schon in der Spezialvariante “no sex, please”:

Kunden des Providers Arcor können auf eine ganze Reihe von Porno-Angeboten im Internet nicht mehr zugreifen. Auf Anfrage von heise online bestätigte Unternehmenssprecher Paul Gerlach, dass diverse Seiten nicht mehr aus dem Arcor-Netz erreichbar seien. In den betreffenden Angeboten seien “pornografische Inhalte ohne – oder ohne ausreichende – Altersverifikation frei zugänglich”.

Das Ganze erinnert natürlich an die Nazi-Sperrverfügung des Regierungspräsidiums Düsseldorf, nur mit dem Unterschied, dass Nazi-Werbung in Deutschland generell illegal ist, während die Vertragskunden von Arcor in der Regel volljährig sind (oder kann man auch als Minderjähriger einen DSL-Vertrag abschließen?) und sich damit völlig legal pornografische Inhalte ansehen können. Ausserdem hat Arcor nach eigener Aussage diese Filtermaßnahme “freiwillig “ergriffen, ohne behördliche Verfügung. Soweit ich die Rechtslage überblicke, ist ein ISP nicht verpflichtet, irgendwas zu blocken, was nicht bei ihm selber gehostet wird.

Wann fängt wohl die Telekom an, Telefonsex zu zensieren? Ach nee, daran verdienen sie ja mit.

Dienstag, 28. August 2007

BpB-Debatte: Verbotene Spiele?

Die Bundeszentrale für politische Bildung startet morgen eine Online-Debatte rund um das Thema “Verbotene Spiele?“. Wie der Titel es schon sagt, geht es um Computerspiele. Hier ist der Teaser-Text:

Seit dem Amoklauf von Erfurt streiten Spieler und Eltern, Forscher und Lehrer, Politiker und Interessenverbände in Deutschland über gewalthaltige Computerspiele. Seit 2005 steht der Vorschlag im Raum, die Herstellung von “Killerspielen” gesetzlich zu verbieten. Mit jedem jugendlichen Amoklauf flammt der Verdacht gegen die Spiele neu auf, und mit ihm Verbotsrufe. Die Debatte selbst wird dabei zusehends komplexer. War die einzige Sorge anfangs, ob Spiele gewalttätig machen können, fragt man heute auch: Wie groß ist ihr Suchtpotenzial? Wie “normal” ist Gewalt in den Medien? Wie muss Jugendschutz bei Spielen aussehen, im Zeitalter des Internet? Und wie wichtig sind Computerspiele als Wirtschafts- und Kulturgüter?

Die Online-Debatte ordnet das Dickicht in sechs Hauptfragen. Chroniken und Einführungen erschließen Hintergründe, Experten, Politiker und Interessenvertreter schildern ihre Sicht der Dinge, die laufend um weitere Positionen ergänzt werden. In einer Reihe von Live-Chats diskutieren dazu stets zwei Experten anderthalb Stunden mit Nutzern über ihr Thema. Alle Chats werden online dokumentiert.

Der erste Live-Chat findet morgen statt. Erfreulich ist, dass alle Materialien auf der Unterseite unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht wurden.

Montag, 27. August 2007

Australien testet Medienkompetenz

In Australien wurden laut Netzeitung ca. 51 Millionen Euro in ein Testverfahren für Medienkompetenz unter jungen Menschen gesteckt: Ein 16-jähriger brauchte eine halbe Stunde, um die mit diesem Geld finanzierten Jugendschutz-Filter zu umgehen. Daraufhin wurden die Filter verbessert. Auch diese konnte der Jugendliche umgehen, aber er brauchte schon zehn Minuten länger. Ob 51 Millionen Euro für diese Art von Intelligenztest gut angelegt sind, ist eine andere Frage. Vielleicht hätte man die Gelder auch zur Förderung von Medienkompetenz ausgeben können, anstatt der Illussion von Zensurinfrastrukturen zu verfallen.

Donnerstag, 23. August 2007

Computerspiele sind Kultur - und einiges mehr

Das Deutschlandradio-Kultur hat ein Interview mit dem Kölner Wissenschaftler Jürgen Fitz: “Spiele sind Kulturgut”

Der Spielpädagoge Jürgen Fritz hat sich für eine Förderung von Computerspielen ausgesprochen. Eine solche Förderung sei sinnvoll, weil sich der Markt entwickle, sagte der Kölner Professor für Spiel- und Interaktionspädagogik anlässlich der heute beginnenden “Games Convention” in Leipzig.

Und hier ist die MP3 dazu.

Der Deutsche Kulturrat ist mittlerweile auch in der Gegenwart angekommen und setzt auf Computerspiele:

Der Deutsche Kulturrat will sich stärker im Bereich der Computerspiele engagieren, da diese ein Teil des Kulturbereiches seien. “Wir werden künftig stärker für diesen Bereich Verantwortung übernehmen”, sagte Geschäftsführer Olaf Zimmermann am Mittwoch am Rande der Computerspielemesse Games Convention (GC) in Leipzig. “Vor ein, zwei Jahren waren wir noch nicht so weit.” Zimmermann verwies darauf, dass Computerspiele oft mit einem hohen künstlerischen und musikalischen Anspruch entwickelt werden.

tagesschau.de hat ein Interview mit dem US-Psychologen Brad Bushman: “Gewaltspiele sind gefährlicher als brutale Filme”. Seine Aussagen sind aber eher vage.

tagesschau.de: Nach Amokläufen - wie im April an der Universität Virginia Tech in Blacksburg oder 2002 in Erfurt - wird immer wieder ein Vorbot so genannter “Killerspiele” diskutiert. Was sagen Sie zu Behauptungen, Gewalt in Computerspielen sei der Grund dafür, dass Schüler Massaker an Schulen verüben?

Bushman: Studien über Schulmassaker haben gezeigt, dass auf Amokläufer am häufigsten der Umstand zutraf, dass sie von ihrer Umgebung zurückgewiesen, beleidigt und gedemütigt wurden, so dass sie sich schlecht fühlten. Sie begehen diese Taten oft aus Rache. Es ist aber fast unmöglich vorherzusagen, ob jemand ein Massaker anrichten wird, weil sie sehr selten passieren. Doch wenn ein Kind kein Mörder wird, heißt es nicht, dass es nicht trotzdem von gewalthaltigen Computerspielen beeinflusst wird.

Und die Netzeitung schafft mal wieder einen journalistisch wertvollen Artikel, indem sie Counterstrike als “Einsteigsdroge unter den Egoshootern” bezeichnen und mal wieder den “IT-Sicherheitsexperten” und Propaganda-Menschen Bert Weingarten von PanAmp zu seiner Filtersoftware zu Wort kommen lassen. Der BEitrag trägt daher auch den Titel “Das Killerspiel-Verbot scheitert am Internet” und Weingarten bietet passend die Illussion an, dass seine Filtersoftware das Problem lösen könnte.

Dienstag, 14. August 2007

Ende der Netzneutralität? Debatte in UK und Praxis bei AT&T

Die Einschläge rücken näher. Nachdem die Netzneutralitäts-Debatte bisher vor allem in den USA geführt wurde, haben nun britische Internet-Provider wie BT und Tiscali einen neuen Schlagabtausch eröffnet. Sie fordern von der BBC, sich direkt an den Übertragungskosten für ihr neues und gerade mal im Testbetrieb laufendes TV-Download-Angebot iPlayer zu beteiligen. Andernfalls drohen sie laut The Independent, “den Stecker zu ziehen”. Wie sie allerdings mit dem zusätzlich eingenommenen Geld innerhalb von dreißig Tagen (so lange läuft die Testphase) ein signifikantes Mehr an Bandbreite zur Verfügung stellen wollen, ist auch nicht klar geworden. In Deutschland sind die ISPs offenbar noch mehrheitlich gegen diskriminierende Übertragungsgeschwindigkeiten und Zahlungen der Anbieter-Seite, wie heise berichtet.

Ein anschauliches Beispiel davon, was sich manche Provider unter Netzneutralität vorstellen, kommt dazu gerade aus den USA. AT&T übertrug am Wochenende ein Live-Konzert von Pearl-Jam per Webcast. Nun ja, es war nicht ganz live, sondern um einige Sekunden verzögert, um “excessive profanity” rauszufiltern. Ihr wisst schon, sowas machen andere “demokratische” Staaten ja auch, etwa der Iran bei den Fussball-WM-Übertragungen fürs Fernsehen, damit nur verschleierte Frauen im Publikum zu sehen waren. Bei Pearl Jam wurde nun Sänger Eddie Vedder ausgerechnet dann aus dem Soundmix rausgenommen, als er zur Melodie von “Another Brick in the Wall” (Pink Floyd) sang “George Bush, leave this world alone; George Bush find yourself another home”. Das ganze wurde von AT&T erst zugegeben, als Pearl Jam sich öffentlich beschwerte. “Natürlich” war das keine Absicht von AT&T, sondern nur ein menschliches Versagen des entsprechenden Mitarbeiters des Subunternehmers, der die Zensur durchgeführt hat. Nee klar, alles nur ein Versehen.

 

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