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Dienstag, 20. November 2007

Grüne Berlin gegen freies WLAN?

Özcan Mutlu sitzt als bildungspolitischer Sprecher der Grünen im Berliner-Abgeordnetenhaus. Soweit so gut. Etwas verwundert war ich aber, als ich eine Pressemitteilung von ihm zugeschickt bekam: W-Lan für ganz Berlin, aber kein Geld für ein Schulanfänger-Starterpaket.

Es ist peinlich, was sich die Berliner SPD derzeit leistet: Sie will ein W-Lan (Wireless Local Area Network) für ganz Berlin einrichten, aber keine Schulanfänger-Starterpakete finanzieren! Ein drahtloses Netzwerk für Berlin ist schön und gut, aber gleichzeitig nicht einmal die Minimalausstattung unserer Schulanfänger finanzieren zu wollen, ist keine Antwort auf die wachsende Kinderarmut.

Doch die SPD agiert wieder mal entgegen ihrer angeblichen sozialen Ausrichtung und zieht ein stadtweites W-Lan den Interessen der bedürftigen Familien und Kinder vor, die dringend eine finanzielle Entlastung bräuchten. Es kann nicht sein, dass Berlins Glanz nach außen wichtiger ist als die soziale Bedürftigkeit der Berliner Kinder.

Ich weiss ja nicht, wie die SPD diese Pläne verkauft hat. Vielleicht hat sie tatsächlich gesagt, es gibt freies WLAN, dafür sparen wir bei “Schulanfänger-Starterpaketen”. Kann ich mir aber nicht vorstellen. Vermutlich ist es eher so, dass Özcan Mutlu keine Ahnung hat, was man mit einem freien WLAN anfangen kann, worum es in der Debatte geht und auf die Debatte drauf springt, um seine Themen irgendwie in einer Pressemitteilung unterzubringen. Ich wundere mich ja eh, dass ich öfter mal den Versuch gestartet habe, den Berliner Grünen die Forderung eines freien WLANs vorzuschlagen und dachte, dass sie am ehesten den Sinn dieser Forderung verstehen könnten. Dies ist nun die erste Reaktion aus grünen Kreisen darauf. Aber irgendwann bog die SPD um die Ecke und hat das Thema besetzt. Eine angemessene Reaktion der Grünen ist diese Pressemitteilung aber nicht. Eher spricht sie von Unkenntnis und evtl könnte man auch von Fortschrittsverweigerung sprechen. Und das ist schade. Von mir aus könnten sich ruhig alle Berliner Parteien der Forderung eines freien WLANs anschliessen.

Montag, 29. Oktober 2007

SPD will freies WLAN für Berlin?

Die Berliner Morgenpost berichtet über einen Plan der SPD, ein WLAN für Berlin zu fordern: Internet für ganz Berlin.

Für die Hauptstadt-SPD wäre das auch ein interessantes Projekt für Gesamt-Berlin. “Mit einem berlinweitem WLAN kann das Land dafür sorgen, die Bedingungen für die Weiterentwicklungen im Kompetenzfeld Informations- und Kommunikationstechnologien zu unterstützten”, heißt es in dem Leitantrag.

Mit anderen Worten: Wenn Berlin erst so ein Netz für alle zur Verfügung stellt, könnte das Firmen dazu verleiten, neue Produkte für den mobilen Internetgebrauch zu entwickeln. Denn mit über drei Millionen potenziellen Kunden ist der Markt sehr interessant. Dadurch sollen auch in der Medien- und Kommunikationstechnologie neue Jobs entstehen. Schon jetzt arbeiten mehr als 62 000 Festangestellte in der Kommunikationsbranche. Mehr als ein Drittel dieser Jobs hängt mit der Verarbeitung von Daten oder Dienstleistungen rund um die Kommunikation zusammen. Die SPD will dieses wirtschaftspolitische Standbein durch ihren Plan stärken.

Nun muss man mal abwarten, ob dem kommenden “Leitantrag für eine Innovationsoffensive” auch konkrete Taten folgen. Aber erfreulich, dass unser Lobbying anscheinend erfolgreich gewesen ist. Als ich vor Monaten mal damit begann, den Senat deswegen zu kontaktieren, wurde mir von den Experten erklärt, dass man sowas nicht benötige. Es gäbe ja schon genug (kommerzielle) Hotspots. Aber daraufhin gab es Gespräche, wo wir die Unterschiede klarstellen konnten. Für das Medienboard Berlin-Brandenburg haben wir bei newthinking communications daraufhin ein Kurzgutachten für die Realisierbarkeit als Auftragsarbeit verfasst. Das war quasi eine (nicht-technische) Argumentationshilfe für die Einführung eines freien WLANs für Berlin inklusive einer globalen Vergleichsanalyse, was in anderen Kommunen läuft und wie die Betreiberstrategien aussehen. Muss nochmal nachfragen, ob wir das Kurzgutachten mittlerweile veröffentlichen dürfen. Würde es gerne unter einer Cretaive Commons-Lizenz online stellen.

Sonntag, 21. Oktober 2007

Rückblick Sustainable IT - Nachhaltigkeit in der Informationsgesellschaft

Vergangenen Mittwoch und Donnerstag fand die vom newthinking store organisierte Sustainable IT-Konferenz in Berlin statt. Das Thema war “Nachhaltigkeit in der Informationsgesellschaft”. Und im Gegensatz zu den üblichen Nachhaltigkeits- und Grüne IT-Konferenzen haben wir den Bogen durch zusätzliche Themen wie Offene Standards, Freie Software, Nord-Süd und fair produzierte Computer weitergespannt. So wie wir halt Nachhaltigkeit in der digitalen Gesellschaft definieren würden.

Ich hab leider nur den ersten Tag eher passiv verfolgen können und lag dann krank im Bett. Aber es gibt schon ausreichend Dokumentation im Netz. Der erste Tag ist schon komplett als Video im Netz und der zweite Tag folgt Anfang der Woche. Es gab noch einige Video-Interviews, die es teilweise sicher noch auf NetzpolitikTV gibt. Spiegel-Online hat einen Artikel zur Konferenz gemacht, geht da aber leider nur auf die Grüne IT-Thematik ein: Grünes Internet - Wieviel CO2 Avatare ausatmen.

Die beste Berichterstattung hat Christian Heller bei futur:plom gebloggt. Den ersten Tag gibt es schon komplett online, der Rest folgt noch. Ich hab auf dem Panel zu “Nachhaltigkeitsdefizite im Web 2.0″ gesprochen. Davon gibt es einen Video-Mitschnitt und bei futur:plom die Mitschrift.

Einer der Höhepunkte war sicherlich der Vortrag von Professor Sugata Mitra über Experimente und Erfahrungen in ländlichen Gebieten von Indien, Computer Kindern und Jugendlichen durch alternative Pädagogik nahe zu bringen: “Hole in the Wall“. Sehr spannend! Bei futur:plom gibts die Mitschrift.

Dienstag, 2. Oktober 2007

Chaosradio Express 045: Mesh Networking Update

Das Chaosradio Express lebt wieder auf und Tim Pritlove hatte Elektra Wagenrad als Interviewpartnerin zum Thema “Mesh Networking Update“:

B.A.T.M.A.N. läutet die nächste Generation im Mesh Networking ein

Schon in Chaosradio Express 016 hat Elektra einen tiefen Einblick in Wesen und Form des Mesh Networking geboten. Im Gespräch mit Tim Pritlove werden nun die neuesten Erkenntnisse der Entwicklung berichtet.

Kern der Neuigkeiten ist der Nachfolger des OLSR-Protokolls namens B.A.T.M.A.N. Elektra erläutert, wie B.A.T.M.A.N. im Deatil funktioniert, welche Erfahrungen und Erkenntnisse seinem Design zu Grunde liegen und wie man sich das alles vorstellen muss. Ein Teil der Diskussion betrifft auch die geplante Mesh Networking Technologie im OLPC (XO) Laptop.


Hier ist die einstündige MP3
dazu.

Donnerstag, 27. September 2007

Warum viele kommunale WLAN-Initiativen scheitern

Tim Wu schreibt im Slate-Magazin, warum viele kommunale WLAN-Initiativen in den USA fehlschlagen: Where’s My Free Wi-Fi? Das Problem ist meist, dass die Kommunalverwaltungen mit Public-Privat-Partnerships die Aufgaben an Unternehmen outsourcen. Die Unternehmen können aber nicht im Wettbewerb gegen DSL und Kabel bestehen. Diese sind meist zuverlässiger und nur unwesentlich teurer.

Der Lösungsvorschlag von Wu ist offensichtlich: Die Kommunen müssen die Versorgung der eigenen Bürger mit freiem WLAN als kommunale Daseinsfürsorge begreifen. Und eigene Infrastrukturen aufbauen. So wie Strassen auch von den Kommunen betrieben werden.

The basic idea of offering Internet access as a public service is sound. The problem is that cities haven’t thought of the Internet as a form of public infrastructure that—like subway lines, sewers, or roads—must be paid for. Instead, cities have labored under the illusion that, somehow, everything could be built easily and for free by private parties. That illusion has run straight into the ancient economics of infrastructure and natural monopoly. The bottom line: City dwellers won’t be able to get high-quality wireless Internet access for free. If they want it, collectively, they’ll have to pay for it.
[...]
By 2005, it became clear that major cities didn’t really want to build out Wi-Fi networks as public works projects. Instead, places like Philadelphia and San Francisco announced “private/public” partnerships. That meant giving a private company the right to build a wireless network and try to make money off of it. Often, this simply meant giving a company like Earthlink the rights to install Wi-Fi devices on street lamps and charge citizens for access. The cities then washed their hands of the issue of success or failure.
[...]
Today, the limited success stories come from towns that have actually treated Wi-Fi as a public calling. St. Cloud, Fla., a town of 28,000, has an entirely free wireless network. The network has its problems, such as dead spots, but also claims a 77 percent use rate among its citizens. Cities like St. Cloud understand the concept of a public service: something that’s free, or near-free, like the local swimming pool. Most cities have been too busy dreaming of free pipes to notice that their approach is hopelessly flawed.

The lesson here is an old one about the function of government. When it comes to communications, the United States relies on a privateer system: We depend on private companies to perform public callings. That works up to a point, but private industry will build only so much. Real public infrastructure costs real public money. We already know that, in the real world, if you’re not willing to invest in infrastructure, you get what we have: crumbling airports, collapsing bridges, and broken levees. Why did we think that the wireless Internet would be any different?

Dienstag, 21. August 2007

WirelessCommunityWeekend in Graz

Vom 15. - 16. September 2007 gibt es ein WirelessCommunityWeekend in Graz (Österreich).

Freie Netzwerkprojekte aus verschiedenen Teilen Europas treffen sich zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion über gemeinsame Projekte und Visionen. Ein weiterer Schwerpunkt wird zu aktellen Entwicklungen freier Mesh Routing Protokolle gesetzt. EntwicklerInnen verschiedener Projekte werden über den Stand der Forschung informieren und zu Diskussionen anregen.

Mittwoch, 15. August 2007

Frage: Wieviele Freie Software - Entwickler gibt es in Deutschland?

In einer Studie der Universität Maastricht zur Förderung von Freier Software im Auftrag der EU-Kommission wurde vor einem halben Jahr publiziert, dass 63% der Open-Source-Entwickler aus Europa kommen. Mich würde interessieren, wieviele davon aus Deutschland sein könnten. In der allgemeinen Diskussion wird immer davon ausgegangen, dass ein erheblicher Anteil davon aus Deutschland kommt (Wird von Wissenschaftlern u.a. damit begründet, dass es hier bisher keine Studiengebühren gab und Studenten an der Uni viel Zeit für freie Projekte hatten).

Aber gibt es dazu aktuelle Zahlen und/oder Studien? Solche Zahlen wären hilfreich beim Lobbying für mehr Freie Software Förderng in Deutschland.

Dienstag, 7. August 2007

NetzpolitikTV: Das Open Street Map - Projekt

Das OpenStreetMap - Projekt hat sich als Aufgabe gesetzt, mit einer Community freies Kartenmaterial zu schaffen. Kurz zusammengefasst kann das Projekt eine freie Alternative zu Google-Maps werden.

Open Street Map ist ein tolles Projekt, wo jeder mitmachen kann: Einerseits kann man selber Kartenmaterial mit einem eigenen GPS-Gerät anfertigen und hochladen. Andererseits werden Menschen gesucht, die dann anschliessend die GPS-Daten zu Strassenkarten weiterentwickeln, Strassennamen hinzufügen, Fahrradwege einzeichnen, etc. Alle Inhalte werden unter eine Creative Commons Namensnennungs-Lizenz gestellt. Erste Geschäftsmodelle entwickeln sich aus der freien Community. Das alles erklärt Jörg Ostertag, den wir auf dem LinuxTag 2007 ausführlich befragt haben.

Das ca. 16 Minuten lange Interview gibt es als freies Ogg Theora, als FLV zum selbereinbinden und als MP3 zum anhören.

Etwas mehr Hintergrund zur Problematik von fehlendem freien Kartenmaterial gibt es hier:
NetzpolitikTV: Jan-Oliver Wagner über Freie Geodaten.

 

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