
Weltweit werden immer mehr unbemannte Luftfahrzeuge entwickelt und eingesetzt, über 50 Staaten bauen daran. Treibende Kräfte sind vor allem Dienste und Militärs, die Drohnen zur Überwachung und zum Töten einsetzen. Die fliegenden Tötungsmaschinen werden dabei immer autonomer – und werden irgendwann selbst über Leben und Tod entscheiden.
Vorreiter beim Einsatz von Drohnen sind die USA. Das Bureau of Investigative Journalism listet in seinem Special Report Covert War on Terror 346 Einsätze allein in Pakistan auf, mit mindestens 2.500 Toten. Was sich unter der Präsidentschaft von George Bush entwickelte, wurde von Barack Obama massiv ausgebaut. Kein anderer amerikanischer Präsident hat so viele Menschen ohne Gerichtsverfahren exekutieren lassen wie der regierende Friedensnobelpreisträger.
Das großangelegte Forschungsprojekt Living Under Drones kam jetzt zu dem Schluss, dass diese extra-legalen Tötungen nicht nur viele Zivilisten hinrichten, sondern die terroristische Gefahr sogar vergrößern statt verringern:
- While civilian casualties are rarely acknowledged by the US government, there is significant evidence that US drone strikes have injured and killed civilians.
- US drone strike policies cause considerable and under-accounted-for harm to the daily lives of ordinary civilians, beyond death and physical injury.
- Publicly available evidence that the strikes have made the US safer overall is ambiguous at best.
- Current US targeted killings and drone strike practices undermine respect for the rule of law and international legal protections and may set dangerous precedents.
Doch auch Deutschland besitzt Drohnen und ist stolz darauf. Andreas Kopietz beschreibt unter dem Titel Luftkrieg in Schönefeld den Wandel der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) zu einer der größten Rüstungsmessen Europas:
Überhaupt spielen Drohnen in diesem Jahr eine große Rolle. Der Stolz der Bundeswehr ist ihre nagelneue Euro Hawk, die nonstop von Berlin nach Tokio und zurück fliegen könnte. Das Erzeugnis von Northrop Grumman wurde von EADS mit deutscher Spionagetechnik ausgestattet und kann sogar Fernsehsendungen mitschneiden und SMS absaugen. Und natürlich hat die Bundeswehr als größter Einzelaussteller einen blauen Container aufgebaut, um darin für eine spannende Karriere zu werben.
Doch Drohnen können ja nicht nur abhören, sondern auch töten. So fordert unser Verteidigungsminister De Maizière bewaffnete Drohnen für die Bundeswehr:
Flugzeuge dürfen Waffen tragen. Warum also sollen unbemannte Flugsysteme das nicht dürfen? Das erschließt sich mir nicht.
Warum dieser Vergleich mit den (ach so harmlosen) bemannten bewaffneten Flugzeugen viel zu kurz greift, zeigt der Softwareentwickler und Schriftsteller Daniel Suarez in seinem aktuellen Buch Kill Decision (Amazon Affiliate: Buch, E‑Book):
It’s no secret that America relies on remotely piloted drones to target adversaries overseas. But fifty other nations are developing drones of their own, and the next generation will be much scarier: autonomous machines that acquire and destroy targets without direct human intervention.
Frank Rieger vom Chaos Computer Club hat das Thema im FAZ Feuilleton zusammengefasst: Das Gesicht unserer Gegner von morgen:
Menschen am Boden werden schon heute aus der Luft mit Raketen angegriffen, nur weil ihre typischen Bewegungsmuster, die ebenfalls von Drohnen erfasst und gegen in Datenbanken gespeicherte Aufzeichnungen abgeglichen werden, den vermuteten Bewegungen von Aufständischen entsprechen. Ob es sich dabei um Ziegenhirten, Schmuggler oder feindliche Soldaten handelt, ist für fliegende Kampfroboter nicht zu erkennen. Heute geschehen solche automatischen Analysen in den Steuerzentralen und Lagezentren, unter der Aufsicht von Menschen. Zukünftig soll dies an Bord der Drohne geschehen, um Zeit, Personal und Übertragungskapazität zu sparen.
Dazu hat Frank gleich noch ein Interview mit Daniel Suarez gemacht: Schwärme von Tötungsmaschinen:
Das schiere Volumen an Videodaten von Drohneneinsätzen, die über moderne militärische Netzwerke übermittelt werden, übersteigt heute schon die Fähigkeit von Menschen, alles zu überblicken. Die amerikanische Drohnenflotte flog im Jahr 2004 Einsätze mit einer Gesamtdauer von 71 Stunden. Die Zahl stieg auf 25 000 Stunden im Jahr 2009 und, nach Schätzungen des Pentagon, auf 300 000 Stunden im Jahr 2011. Außerdem werden Drohnen mit immer mehr Augen ausgerüstet. Das Gorgon-Stare- und das Argus-Projekt könnten jede Drohne mit bis zu 65 unabhängig voneinander operierenden Kameras ausrüsten, die eine Überwachung riesiger Flächen ermöglichten – aber auch noch mehr Bilder lieferten, die ausgewertet werden müssten. So werden denn schließlich Drohnen den Menschen sagen, worauf sie achten sollen, und nicht umgekehrt.
Schöne neue Welt. Damit wir das wenigstens noch ein bisschen zügeln können, wirbt Suarez für die Diskussionsvorschläge des International Committee for Robot Arms Control:
- [Military robotics] potential to lower the threshold of armed conflict;
- The prohibition of the development, deployment and use of armed autonomous unmanned systems; machines should not be allowed to make the decision to kill people;
- Limitations on the range and weapons carried by “man in the loop” unmanned systems and on their deployment in postures threatening to other states;
- A ban on arming unmanned systems with nuclear weapons;
- The prohibition of the development, deployment and use of robot space weapons.