Traktoren aus offener Quelle

Breitband hat mit Michel Bauwens von P2Pfoundation.net über Open Source in der materiellen Welt gesprochen: Traktoren aus offener Quelle.

Aber dennoch soll auch bei Open Source Projekten Geld für die Macher abfallen. Nur fällt es eben an anderen Stellen der Wertschöpfungskette raus und für andere Menschen, als bisher. Wenn Auto-Designs, Traktorpläne und Bau-Anleitungen für Kaffeemaschinen gemeinsam erarbeitet werden und frei im Netz stehen – wie verändert das unsere Produkte, unser Wirtschaften, unsere Gesellschaft? Darüber haben wir mit Michel Bauwens von P2Pfoundation.net gesprochen, einem Technik-Theoretiker, der sich viel Gedanken gemacht hat über Peer-To-Peer Produktion, also wenn Menschen für Menschen produzieren, nicht Konzerne für Verbraucher.

Hier ist die MP3.

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6 Kommentare

  1. Erstellt am 9. Mai 2011 um 21:31 | Permanent-Link

    >also wenn Menschen für Menschen produzieren, nicht Konzerne für >Verbraucher.

    Also eine Solidarische Produktionsgemeinschaft die weder den Gewininteressen der Kapitalistischen Privatwirtschaft aber auch keiner Staatlichen Planwirtschaft unterworfen ist. Ein Libertäres Modell jenseits von Kapitalismus und Sozialismus, gefällt mir von der Idee her sehr gut. Fehlen nur noch die Produktionsmittel um sowas im großen Maßstab umzusetzen, aber vielleicht sind ja in Zukunft die 3D Drucker so gut das sie die kapitalistische Wirtschaftsweise durch eine freie Kommunenwirtschaft ersetzen können wer weis ?

  2. Christoph
    Erstellt am 10. Mai 2011 um 09:21 | Permanent-Link

    Machtverhältnisse werden auch durch dieses Modell nicht aufgelöst. Thema “Wissen”: Es gibt die Fachleute, die den Nutzen von Open Source-Designs einschätzen können, die die Produktion planen und durchführen können (und für die deshalb solche Pläne, insbesondere wenn sie offensichtlich von Laien erstellt wurden, völlig redundant sind). Und es gibt den Rest der Welt, für den Konstruktionsunterlagen keinerlei Nutzen haben.
    Thema “Kapital”: Wirtschaftliche Produktion erfordert immer spezialisierte Produktionsmittel und eine Auslastung, die die Investition rechtfertigt. Ohne diese Produktionsweise würden kaum etwas von dem kaufen können, was der Markt heutzutage her gibt. Ebenso haben Fachleute eine Bildungsinvestition getätigt, die sich für sie durch ein entsprechendes Einkommen auszahlen muss. Schon zu ‘dezentralen Zeiten’ hat der Dorfschmied nicht für ein “Dankeschön” gearbeitet.

    Die üblichen Open Source Designs fangen mit einer endlosen Einkaufsliste mit irgendwelchen US-amerikanischen Bauteilen in zölligen Abmessungen an, den man hiezulande erst in einer wochenlange Odyssee importieren müsste. Also Planänderung. Und eigentlich war der Plan sowieso Schrott (Laien…). Also neu machen und den Open-Murks hätte man sich sparen können.
    Wohin soll das ganze führen?
    Demokratisierung? (Keine Ahnung haben, aber auch mal Chef sein wollen?)
    Dezentralisierung? (Woher dann die ganzen Normteile und Halbzeuge der langen Stücklisten kaufen?)
    Schon der Gedanke, die Schrauben und Kugellager für eine Maschine müssten dezentral selbst hergestellt werden, zeigt wie absurd das Ganze ist.

    Ich (als Ingenieur) kann mich des Eindrucks nicht erwehren, das Ganze stammt aus Teilen der Open Source Software-Community. Irgendwann wurde da einmal begonnen, mit Mikrocontrollern zu spielen (die man kaufen muss). Dann kamen die anderen Fertigkeiten der guten, alten Elektronikbastelei wieder in Mode und man begann, eigene Platinen zu ätzen (deren Rohmaterial man kaufen muss) und auch verschiedene mechanische Spielereien aufzubauen, etwa Roboter oder Plastik-Extruder usw., über deren technische Qualität ich mich lieber in Schweigen hülle. Deswegen zu denken, ein bisschen im Bereich des Maschinenbaus zu wildern könne ja nicht so schwer sein… ist aus oben beschriebenen Gründen ein ganz dicker Irrtum. Software und andere geistige Werke lassen sich beliebig und weitgehend kostenfrei vervielfältigen. Materie eben nun mal nicht.

    • Volker
      Erstellt am 10. Mai 2011 um 09:40 | Permanent-Link

      Das “Fachleute” die Leistung von “Laien” immer herabschätzen, muss wohl ein typisch Deutsches Problem sein…

    • mayleen
      Erstellt am 10. Mai 2011 um 11:25 | Permanent-Link

      Für beide Seiten gilt:
      Hochmut kommt vor dem Fall.

      Wer hier gerade der Hochmütigere ist hat Volker schön zum Ausdruck gebracht.

      • Christoph
        Erstellt am 10. Mai 2011 um 17:46 | Permanent-Link

        Danke, ihr beiden. Eure Antworten sind schöne Beispiele für die oben angesprochene “Demokratisierung”.

  3. Max
    Erstellt am 11. Mai 2011 um 10:55 | Permanent-Link

    Ich finde man sollte die Sache ein wenig differenzierter Betrachten.

    OpenSource Software hat nur in wenigen Bereichen die proprietäre Software ersetzt. Aber sie hat in vielen Bereichen einen Mindeststandard gesetzt und erhöht diesen kontinuierlich.

    Durch die Möglichkeit sich einzubringen hat sich die Zahl der Leute die sich mit Programmierung beschäftigen dramatisch erhöht. Das hatte verschiedene Auswirkungen. Zum einen sind im Laufe der Zeit die Programmiersprachen weniger Fehleranfälliger (z.B. Speicherverwaltung gibt es in neueren Sprachen quasi nicht mehr) und “Nutzerfreundlicher” geworden. Zum anderen sind die Entwicklungsumgebungen mit viel mehr “Unterstützenden” Methoden ausgestattet worden, weil man nicht mehr davon ausgehen konnte das der Nutzer alles weiß.
    Kurz gesagt die Einstiegsschwelle wurde kontinuierlich gesenkt.

    Da mittlerweile viele “Laien” mithelfen könnten und wollen wird Software jetzt auch so entwickelt das dies einfach und fehlertolerant Möglich ist. (Pluginsysteme und co)

    Durch die starke internationale Vernetzung der OpenSource Gemeinde wurden Themen wie Internationalisierung und weltweite Standardisierung viel drängender und somit schneller angegangen.

    Ein weiterer, meiner Meinung nach, unterschätzter Punkt ist die öffentliche Verfügbarkeit von gutem Quellcode. Denn es gibt mittlerweile auch viele professionelle Entwickler die mit OpenSource-Software ihr Geld verdienen. D.h. der Blick über den Tellerrand wird viel einfacher. Außerdem kann man so mit guten “Vorlagen” arbeiten/lernen/probieren, denn nachvollziehen von guten wenn auch schweren Lösungen ist viel einfacher als sie selbst in allen Details neu zu erstellen, selbst für Profis.
    Weiterhin konnte durch das vorhanden sein von Abermilliarden Zeilen öffentlichen Quellcodes auch die Quellcodeanalyse deutlich verbessert werden und man ist somit heute in der Lage diverse logische Fehler automatisiert zu finden.

    Sicherlich sind auch einige dieser Dinge für OpenSource-Hardwareprojekte denkbar. Und vielleicht gelingt es so auch einige seltsame Auswüchse unseres Kapitalismus wieder einzudämmen wie zum Beispiel die geplante Obsoleszenz.
    Wir werden es sehen, die vielen Varianten mit denen mittlerweile mit OpenSource-Software Geld verdient wird, lässt hoffen das es auch mit Hardware in größerem Umfang klappen könnte.

3 Trackbacks

  1. Von Open Hardware im Radio — keimform.de am 9. Mai 2011 um 14:56

    [...] [via] [...]

  2. Von Open Hardware » sozialliberal.org am 9. Mai 2011 um 20:08

    [...] Auf netzpolitik.org habe ich einen Link auf die Sendung Breitband(dradio) vom 7.5. gefunden. [...]

  3. Von Open Hardware | sozialliberal.org am 5. Dezember 2011 um 23:34

    [...] Auf netzpolitik.org habe ich einen Link auf die Sendung Breitband(dradio) vom 7.5. gefunden. [...]

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