Jugendschutz: O2 sperrt in England “frische Früchte” (Update)

Spätestens,  wenn man den von Marcel Machill (damals Bertelsmann Stiftung, inzwischen Uni Leipzig) und Friedemann Schindler (jugendschutz.net) veröffentlichten Wegweiser “Transparenz im Netz” (PDF) gelesen hat, weiß man, dass gerade hinter scheinbar harmlosen Suchbegriffen wie “Taschengeld” und “frische Früchtchen” der größte Schund und Schmutz des Internets lauert.

Das dachte sich wohl auch O2 in England und sperrte kurzerhand ein entsprechendes Angebot. Auf der Webseite geht es zwar um frische Früchte, glücklicherweise aber nicht in einer Art und Weise, wie es wohl Qualitätsschauspieler Til Schweiger vermuten würde. Die Lebensmittelseite “Love fresh” ist lediglich inkompatibel zum Jugenschutzsystem von O2:

Lovefre.sh, a location-based service for finding fresh food, discovered that it had been rated at “only suitable for over 18s” by a third-party company which provides content filtering for O2, and that users of its iPhone app – which has seen nearly 18,000 downloads from Apple’s App Store since its launch – would only see a blank page.

Irgendwie dumm, inbesondere da so gut wie alle iPhone im Vereinigten Königreich mit O2-Vertrag laufen, wie der Guardian berichtet.

Update: Das Problem betrifft nicht nur O2. Bei wired.co.uk … 

Mobile network O2 has rolled out a set of content controls for the mobile web, preventing those under 18 from seeing supposedly questionable content.

O2 customers browsing the internet over a 3G connection will hit a screen like the one pictured above if they venture out onto a site that a company called Bango (which O2 contracts the blocking to) deems to be unsuitable. Among the sites blocked at the time of writing are Gawker’s car blog Jalopnik, sexual health charity Brook and even Google Translate. [...]

… und TheRegister gibt es ein paar Hintergrundinformationen:

All the UK’s mobile operators face the same issue – unlike fixed internet service provides the mobile operators are required to police access to adult content. Orange will let you drop into a shop with a photo ID and most operators will verify age over the phone one way or another – your correspondent’s suggestion, while employed at O2 half a decade ago, was that customers should just be asked to name two Pink Floyd albums, but that wasn’t considered secure enough.

/Update

(via Torsten, dort mehr)

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Deutschland, Jugendschutz?, Zensur und getagged , , , , , , , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Jörg-Olaf Schäfers, Netzpolitik.org.

5 Kommentare

  1. Torsten
    Erstellt am 5. März 2011 um 10:29 | Permanent-Link

    Was man noch dringend brauchen könnte: wer setzt bango.com ein? Ist O2 am \revenue stream\ von Pornoseiten beteiligt?

  2. Folke
    Erstellt am 5. März 2011 um 10:56 | Permanent-Link

    Ja, denkt denn niemand an das Obst??

  3. Elfi
    Erstellt am 5. März 2011 um 11:00 | Permanent-Link

    Manche Seitenbetreiber haben es heutzutage etwas schwer. Ich empfehle z.B. Landwirten eine Umbenennung ihrer Seite in:

    http://www.frischefrüchtevonbauerfritzohnepornoabermitvielgeschmackundvollbio.de

  4. Ranjit
    Erstellt am 6. März 2011 um 09:18 | Permanent-Link

    Ich finde, dass man gegen die Filteranbieter gerichtlich vorgehen sollte.
    Im Endeffekt behauptet der Filter der Firma ja, dass die Seite jugendgefährdendes beinhaltet, was nicht den Tatsachen entspricht. Das ist rufschädigend und beleidigend.

  5. Erstellt am 7. März 2011 um 19:53 | Permanent-Link

    Als “juicy fruit” bezeichnet HBGary übrigens auch seine neusten Zero-Day-Exploits.

    http://www.heise.de/ct/artikel/Ausgelacht-1195082.html

Ein Trackback

  1. [...] Über die kuriosen Kollateralschäden von Filtersoftware [...]

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