Zu sexy: Aus Piraten werden Diebe

Die Rechteinhaber haben ein Problem: Der im letzten Jahrzehnt gerne verwendete Kampfbegriff “Piraterie / Piraten / Piracy” wird leider nicht so negativ gesehen, wie man sich das vorgestellt hatte. Schuld ist auf der einen Seite das positive Bild von Piraten in Kinofilmen wie “Fluch der Karibik”, andererseits haben es die Piratenparteien in verschiedenen Ländern geschafft, das Wort positiv zu besetzen. Und auch The Pirate Bay ist etwas Schuld daran.

Wird also wohl Zeit für einen Strategiewechsel. Zumindest im Ausland, bei uns hat sich ja der Begriff “Raubkopierer” schon mehr oder weniger eingebürgert. Ars technica berichtet über diesen Strategiewechsel, statt “Piraten/Piracy” nun zu klassichen Begriffen wie “Diebe” über zu gehen.

Von einer Pressekonferenz der Chamber of Commerce (Die mal wieder den Verlust von 1,2 Mio europäischen Jobs angekündigt haben) wurde das Zitat festgehalten:

“We should change the word piracy,” she said at a press conference. “To me, piracy is something adventurous, it makes you think about Johnny Depp. We all want to be a bit like Johnny Depp. But we’re talking about a criminal act. We’re talking about making it impossible to make a living from what you do.”

Und auch der Sohn von Medienunternehmer Rupert Murdoch wird nicht leise, das Bildnis vom Ladendiebstahl zu bringen:

Speaking at a very different event in Abu Dhabi last week, Rupert Murdoch’s son James did his part to redefine the sexy “pirates” as common thieves and nothing more. “There is no difference with going into a store and stealing Pringles or a handbag and taking this stuff,” he said. “It’s a basic condition for investment and economic growth and there should be the same level of property rights whether it’s a house or a movie. The idea that there’s a new consumer class and you have to be consumer-friendly when they’re stealing stuff. No. There should be the same level of sanctity as there is around property. Content is no different. They’re not crazy kids. No. Punish them.”

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19 Kommentare

  1. Waaahsabi
    Erstellt am 18. März 2010 um 16:27 | Permanent-Link

    Sie lesen offensichtlich bash.org…

    http://www.bash.org/?652012

  2. SD
    Erstellt am 18. März 2010 um 16:27 | Permanent-Link

    Das schreit nach einer “Robin Hood Partei”. ;)

  3. x
    Erstellt am 18. März 2010 um 16:40 | Permanent-Link

    Ob die erklären können wie es sein kann das man etwas “klaut” aber es danach trotzdem niemandem fehlt?

  4. neolith
    Erstellt am 18. März 2010 um 16:50 | Permanent-Link

    @x: Das können sie seit bereits 20 Jahren nicht. Stört sie aber auch nicht weiter.

  5. Tom
    Erstellt am 18. März 2010 um 17:06 | Permanent-Link

    Wann sagt eigentlich mal jemand zu Rupert Murdoch: “Haha! Wenn du deine Kunden ignorierst lebt dein Medium nicht mehr lange!”

    Vielleicht sollte man ihm mal klar machen, dass bei 6 Milliarden Menschen auf der Welt, von denen mindestens 1 Milliarde täglich Content produzieren, der Herr Rupert nun ein einziges kleines Licht ist.

    Wenn er keine Lust mehr auf uns als Kunden hat soll er doch gehen! Wir haben ihn nicht darum gebeten Filme zu produzieren. Wir brauchen ihn nicht – draußen warten 1 Milliarde andere.

    Die Industrie soll gefälligst aufhören zu jammern! Bei uns im Büro arbeiten die Kollegen 50-60 Stunden pro Woche. Das sind 40-80 Überstunden im Monat pro Mitarbeiter: unbezahlt.

    Die Contentindustrie führt stets ins Feld: “ihr würdet doch auch nicht umsonst arbeiten” – ach, wirklich? Und ob wir das tun: jeden Tag und oft genug sogar am Wochenende!

    Hört man uns etwa auf Symposien herum heulen, dass unsere Chefs Raubritter und Diebe sind? Dass soll mal einer versuchen und lange genug in der Firma überleben um davon zu berichten!

    Wenn wir es bei der Contentindustrie mit ehrlichen Handwerkerle (auch die soll es noch geben) zu tun hätten, könnte man aus Nachsicht als Kunde freiwillig etwas drauflegen. Aber das Gejammer über “Diebe” und das Geschrei nach mehr Profit, von Personen, welche im beruflichen Alltag oft genug selbst die größten Halsabschneider und Raubritter sind, hängt mir zum Hals heraus.

    Es geht ja nicht darum, dass die armen kleinen Mittelständler der “bösen Welt” schutzlos ausgeliefert sind.
    Diese Großunternehmen könnten sehr wohl das Problem selbst beheben: durch neuartige Produkte, für die es einen Markt gibt – so wie man es umgekehrt vom kleinen Handwerkerle auch verlangt. Stattdessen wollen sie den veränderten Markt an die alten Produkte anpassen, beschweren sich beim Kunden, dass es nicht funktioniert und schreien nach dem Gesetzgeber!

  6. Erstellt am 18. März 2010 um 17:10 | Permanent-Link

    Wie wäre es mit dem Begriff “Kinderpornohackerterroristen”?

  7. Theodor
    Erstellt am 18. März 2010 um 17:36 | Permanent-Link

    Downloading films is stealing:
    http://www.youtube.com/watch?v=ALZZx1xmAzg

  8. martin k
    Erstellt am 18. März 2010 um 18:15 | Permanent-Link

    Man könnte jetzt Spendengelder sammeln und mit Mr. Depp eine CC version von Robin Hood drehen…

  9. name
    Erstellt am 18. März 2010 um 18:28 | Permanent-Link

    Fraglich bleibt ob der Begriff: “Raubkopierer” noch durch die freie Meinungsäußerung gedeckt ist. Wahrheitswidrig ist er auf jedem Fall.

  10. Erstellt am 18. März 2010 um 18:44 | Permanent-Link

    @martin k: mr. depp hat für den vierten teil eine rekordgage ausgedealt. nach einem groben überschlag muss ich dafür über 900 jahre arbeiten … (http://gegenglueck.org/archives/319-Kleines-Rechenbeispiel.html)

  11. Erstellt am 18. März 2010 um 19:47 | Permanent-Link

    @5

    Dem kann ich nichts hinzufügen, mich nur unverwunden anschließen.

  12. Tharben
    Erstellt am 18. März 2010 um 21:33 | Permanent-Link

    Von der Sorte bitte mehr Headlines.

  13. Erstellt am 18. März 2010 um 22:25 | Permanent-Link

    Im zitierten Guardian-Artikel wird beschrieben, dass in den USA start für 3 Stikes gelobbied wird:

    Emanuel, the brother of US presidential adviser Rahm, said the industry was talking to the US government in a bid to introduce a “three strikes and you’re out” law to govern illegal downloading.

    “We are in the midst of talking to the president and some attorney generals and [we are] trying to implement a three strikes and you’re out rule,” he added.

  14. Erstellt am 19. März 2010 um 09:27 | Permanent-Link

    Auch sehr sexy ist dieses hier
    “Home taping is killing music”:

    http://www.youtube.com/watch?v=R3jkUhG68wY

  15. sdog
    Erstellt am 19. März 2010 um 22:13 | Permanent-Link

    da braucht man ja nur zu warten bis einer von denen Ocean’s 11 bis 13 sieht und bemerkt, dass diebe ja auch viel zu cool sind. was werden raubkopierer dann? entfuehrer? teroristen?

  16. Erstellt am 20. März 2010 um 13:26 | Permanent-Link

    mehr noch:
    agnete haaland, von der das erste zitat stammt, fordert jetzt sogar eine verankerung des neuen böse-buben-wordings in einem eu-gesetz…

    siehe:
    http://www.reuters.com/article/idUSTRE62G3BU20100317

    und:
    http://stenographique.wordpress.com/2010/03/20/downloading-is-not-sexy-aus-piraten-werden-rauber-drm/

  17. Erstellt am 20. März 2010 um 19:51 | Permanent-Link

    aua.

  18. Erstellt am 21. März 2010 um 12:34 | Permanent-Link

    Ahjo.. wir wissen ja seit gewissen DatenCDs, dass man DAten nicht stehlen kann. Also … liegt kein Diebstahl vor… :P

  19. Erstellt am 21. März 2010 um 14:29 | Permanent-Link

    Eine Seite die den Begriff „Raubkopie“ mal richtig erklärt:
    http://www.fabiankeil.de/raubkopie-vs-privatkopie.html
    Das ist schön anschaulich – mit Bildern; ;-)
    Und endlich mal logisch nachvollziehbar…

3 Trackbacks

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  3. Von Link-Tipps der letzten Woche | Leander Wattig am 22. März 2010 um 06:00

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