Wikileaks dokumentiert Afghanistan-Krieg

Wenn der Erscheinungstermin des Print-Spiegel von Samstag Abend im Netz auf Sonntag Abend verlegt wird, Sonntags in Berlin keine Ausgaben am Kiosk zu kaufen sind und bei Spiegel-Online kein Titelbild abgebildet ist, heißt das entweder, dass man in Hamburg eine Einstweilige Verfügung erhalten hat oder eine Exklusivstory vorbereitet. In diesem Fall ist es eigentlich die Exklusivstory von Wikileaks, die heute über 90.000 Berichte über den Afghanistan-Krieg auf wardiary.wikileaks.org veröffentlicht haben. Im Vorfeld hat Wikileaks das Material den drei großen Medien-Marken Spiegel, New York Times und Guardian zukommen lassen, die jeweils das Material verifiziert haben und heute Nacht parallel mit der Story online gegangen sind.

Für Wikileaks ist es ein großer Scoop und ich mag mich irren, aber es erscheint schon einzigartig, wenn gleich drei große Medien-Marken in drei verschiedenen Ländern gemeinsam eine Exklusivstory bearbeiten, die vielleicht ohne Wikileaks nicht möglich gewesen wäre.

Die Umsetzung der Story im Netz ist sehr verschieden. Der Spiegel konzentriert sich im Moment noch eher auf seine Print-Ausgabe und hat nur einen kurzen Überblick über verschiedene Aspekte in seiner Online-Ausgabe als Teaser veröffentlicht: Enthüllung brisanter Kriegsdokumente – Die Afghanistan-Protokolle. Der Guardian spielt seine Kompetenz im Datenjournalismus aus, visualisiert viele Ereignisse in Afghanistan auf Karten und veröffentlicht die Rohdaten als Opendata. Dazu gibt es natürlich noch die Story: Afghanistan war logs: Massive leak of secret files exposes truth of occupation. Und die New York Times hat online ein “Interactive-Feature” draus gemacht: The war logs – An archive of classified military documents offers an unvarnished view of the war in Afghanistan.

Hier ist ein Auszug aus der Pressemitteilung von Wikileaks: WikiLeaks today released over 75,000 secret US military reports covering the war in Afghanistan.

The Afghan War Diary an extraordinary secret compendium of over 91,000 reports covering the war in Afghanistan from 2004 to 2010. The reports describe the majority of lethal military actions involving the United States military. They include the number of persons internally stated to be killed, wounded, or detained during each action, together with the precise geographical location of each event, and the military units involved and major weapon systems used. The Afghan War Diary is the most significant archive about the reality of war to have ever been released during the course of a war. The deaths of tens of thousands is normally only a statistic but the archive reveals the locations and the key events behind each most of these deaths. We hope its release will lead to a comprehensive understanding of the war in Afghanistan and provide the raw ingredients necessary to change its course.

Hut ab, coole Aktion von Wikileaks mit ganz schön viel Medienpower dahinter.

Update: Der Guardian erklärt in einem Video, wie man die bei Wikileaks veröffentlichten Dokumente lesen kann.

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6 Kommentare

  1. siplex
    Erstellt am 26. Juli 2010 um 13:16 | Permanent-Link

    Bei der BBC gibs grad nen Livestream zur Pressekonferenz von Wikileaks mit Julian Assange:
    http://www.bbc.co.uk/news/world-us-canada-10761476

  2. Erstellt am 26. Juli 2010 um 15:21 | Permanent-Link

    hier der Link zu \How to read the Afghanistan war logs: video tutorial\

    http://www.guardian.co.uk/world/datablog/video/2010/jul/25/afghanistan-war-logs-video-tutorial

  3. Erstellt am 26. Juli 2010 um 15:28 | Permanent-Link

    Großartig, nur so viele Dokumente sinvoll auszuwerten das bleibt wohl dann doch den Medienkonzernen vorbehalten. Dazu ist wohl bisher kein einzelner Blogger in der Lage.

  4. Franz Peter JELLY
    Erstellt am 4. August 2010 um 11:43 | Permanent-Link

    ob WIKI-LEAKS oder wer auch immer über den Afghanistan-Krieg noch so toll berichtet ist obsolet !
    diesen Krieg darf es heute nicht mehr geben !
    alle Soldaten müssen sofort abziehen und den Afghanen selbst mit US + EU Know How für Wiederaufbau – Infrastruktur, Bildung, e.t.c. zur Seite stehen !
    vielleicht könnten auch virtuelle blühende Landschaften, grüne Wiesen und Wälder sowie Wasserstrassen helfen um die Psyche der Menschen zu stabilisieren und Agressionen zu nehmen !
    wir normale Erdenmenschen wollen keinen Krieg und hoffen auf Frieden auch in Afghanistan !

  5. Erstellt am 11. August 2010 um 21:29 | Permanent-Link

    http://wikinews030.wordpress.com/2010/08/11/wer-will-den-showdown-usa-sollen-einzelne-lander-in-europa-um-mithilfe-bei-der-ergreifung-von-assange-gebeten-haben-assange-half-kriegsverbrechen-der-usa-ans-tageslicht-zu-holen/

    oder, anders ausgedrückt:
    KLICK (hi, sobald das hier online is, wird auf der verlinkten Seite zurückverlinkt. zu Deiner Seite mit dem Wikileaks vs. Pentagon – Videolinktip haben wir brav, aber das ist schon ein paar Seiten hier. Also Vernetzungsangebot hiermit, aber Du bist als erster dran. Online schalten, sichbar werden lassen, dann wie zurück.

    winkewink von ein paar bitsnbytes nebenan,
    wn030-9

  6. dedetitus
    Erstellt am 16. Februar 2011 um 11:47 | Permanent-Link

    B R A V O !!!!!!!!!!!!!

6 Trackbacks

  1. Von Wikileaks in der Tagesschau : netzpolitik.org am 26. Juli 2010 um 17:18

    [...] Veröffentlichung der Afghanistan-Dokumente als “war diary” auf Wikileaks kommt heute groß in jeder Ausgabe der Tagesschau. Hier [...]

  2. Von đª]V[ªX » Links 2010-07-27 am 27. Juli 2010 um 08:22

    [...] Wikileaks dokumentiert den Afghanistan Krieg und der Guardian erklärt, wie man Wikileaks [...]

  3. [...] britische Guardian zeigt bei den Afghanistan – war logs einmal mehr, was moderner Online-Journalismus zu leisten vermag. Dabei spielt man die eigene [...]

  4. Von Marcel Durchholz am 3. August 2010 um 15:43

    Wikileaks: Gibt es noch geheimere Unterlagen aus Afghanistan?…

    Kleiner Trackback zu weiteren Infos……

  5. [...] Wikileaks [...]

  6. Von Gedankenstücke am 24. Oktober 2010 um 13:38

    Die Glaubwürdigkeit von WikiLeaks…

    WikiLeaks hat in letzter Zeit für viel Wirbel gesorgt. Erst war da das Video aus dem Irakkrieg, welches zeigt, wie aus einem Helikopter auf unbewaffnete und flüchtende Zivilisten geschossen wird. Kurz danach veröffentlichten sie zehntausende Militär-Do…

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