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SourceForge sperrt Nutzer in “Schurkenstaaten” aus (Update)

Das Portal für die Entwicklung von Open-Source-Software ist seit letzter Woche für Nutzer mit IP-Adressen aus Syrien, Cuba, Iran, Nordkorea und dem Sudan nicht mehr zu erreichen. Diese Ländern stehen auf der Boykott-Liste der Vereinigten Staaten. In einem Blog-Eintrag des Unternehmens heißt es:

[I]n addition to participating in the open source community, we also live in the real world, and are governed by the laws of the country in which we are located. Our need to follow those laws supersedes any wishes we might have to make our community as inclusive as possible. The possible penalties for violating these restrictions include fines and imprisonment.

Die Tatsache, dass SourceForge gezwungen ist, Nutzer aus vermeintlichen “Schurkenstaaten” aufzuschließen, steht in deutlichem Widerspruch zu den Aussagen von Außenministerin Clinton, die kürzlich von diesen Staaten mehr Freiheit im Internet gefordert hatte: “We stand for a single internet where all of humanity has equal access to knowledge and ideas”.

Michael Collins Dunn vom Middle East Journal schreibt dementsprechend:

US restrictions have been used to limit open-source software access in countries under US sanctions, sometimes harming dissidents more than governments. Nations are still trying to understand how to regulate (or not regulate) new media, and in general it would seem greater access is normally a good thing. Sanctions that in effect help regimes control their populations unintentionally should be reconsidered.

(via)

Update: SourceForge hat auf auf die Kritik reagiert. Zukünftig liegt es in der Hand der Projekte, ihren Code auch Nutzern aus den boykottierten Staaten zugänglich zu machen:

Beginning now, every project admin can click on Develop -> Project Admin -> Project Settings to find a new section called Export Control. By default, we’ve ticked the more restrictive setting. If you conclude that your project is *not* subject to export regulations, or any other related prohibitions, you may now tick the other check mark and click Update. After that, all users will be able to download your project files as they did before last month’s change.

(via)

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20 Kommentare

  1. egal
    Am 26. Januar 2010 um 15:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Tja, wenn die Länder von sich aus schon nicht sperren (was natürlich von den USA sofort kritisiert werden würde), sperren die USA eben diese Länder aus. Auf Selbstkritik dürfen wir wohl lange warten.

    Und überhaupt ist es einfach absurd Kuba als Schurkenstaat zu bezeichnen.

  2. Jo
    Am 26. Januar 2010 um 15:30 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Die Regimes freuts doch, wenn ihre ungehorsamen Untertanen nicht mehr an freie bzw offene Software kommen. Seufz …

    Das betreffende Gesetz ist wirklich ein Anachronismus. Aber hey, wir sprechen von einem Land, in dem der “Export” von PGP encryption mal zu nem Strafverfahren wegen illegalem Waffenexport geführt hat.

  3. hans
    Am 26. Januar 2010 um 15:40 Uhr veröffentlicht | Permalink
  4. Jo
    Am 26. Januar 2010 um 15:48 Uhr veröffentlicht | Permalink

    @hans
    Trotzdem schadet das den Regimes, die sich proprietäre Software zumindest leisten und größtenteils ohne Einschränkungen nutzen könnten (und seis “hintenrum”) wohl weniger als den eh schon unter Repressalien leidenden Bloggern zB im Iran.

  5. Semper Idem
    Am 26. Januar 2010 um 16:20 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Na dann haben die Nutzer in den Schurkenstaaten hoffentlich noch nie etwas von Anonymus-Proxyservern gehört…

  6. Mühsam
    Am 26. Januar 2010 um 16:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Kuba wird mit K geschrieben, ansonsten extrem peinliche Aktion.

  7. Stefan
    Am 26. Januar 2010 um 16:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Von Deutschland aus wird SourceForge.net sicher bald auch nur noch von 22:00 bis 6:00 zu erreichen sein, es könnten dort ja unkontrolliert Inhalte zu finden sein, die geeignet sind, Kinder und Jugendliche sozial-ethisch zu desorientieren.

  8. Am 26. Januar 2010 um 16:31 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Im Okular-Blog wie folgt kommentiert:

    Als Ergebnis der Massnahme werden SW-Entwickler und Anwender aus diesen Ländern vom Zugang zu Knowhow und freier Software vollständig abgeschnitten, unabhängig ihrer politischen Meinung, jeglicher informationstechnischer Fortschritt im Keim erstickt und drastische Wettbewerbsnachteile aufgebaut. Anonymisierungsdienste, mit denen es Anwendern in diesen Ländern möglich wäre, sich zensurfrei im Internet zu bewegen, entstammen gerade der OpenSource-Bewegung und diverse Werkzeuge hierfür sind über SourceForge zugänglich.

    Dabei ist gerade das Prinzip SourceForge ein Muster-Beispiel dafür, wie internationale Zusammenarbeit einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten kann. Wie soll sich in diesen Ländern eine intellektuelle Schicht entwickeln, die von innen heraus den Wandel gestalten kann, wenn man ihnen die notwendigen Grundlagen entzieht?

  9. test
    Am 26. Januar 2010 um 16:33 Uhr veröffentlicht | Permalink

    da wäre jetzt ein dedizierter sf und googlecode Proxy gut. kann man doch in de eigentlich gut betreiben.

  10. manka
    Am 26. Januar 2010 um 16:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

    sieht man auch wohin all zu große zentralisierung führen kann – obwohl ich mir nicht vorstellen kann das sourcefourge die einzige downloadquelle für open source ist…

  11. Andi
    Am 26. Januar 2010 um 17:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich frag mich wie das mit GPL usw. vereinbar ist, das widerspricht doch dem freien Zugang zu den Sourcen usw.?!

    *kopfschuettel*

  12. Am 26. Januar 2010 um 17:16 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Dann muss man das halt in Europa einen mirror setzen. Die Dateien sind ja sowieso weltweit verfügbar.

  13. Wolf
    Am 26. Januar 2010 um 18:15 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Stammt der unsägliche Begriff “Schurkenstaaten” nicht aus der antiqierten Zeit der Religionskriege dieser Bush- Aera?

    Im Namen der GPL sollte man jetzt ordentlich spiegeln.

  14. Am 26. Januar 2010 um 18:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Weiß jemand ob Kubas Linux “Nova” davon betroffen ist?

  15. Tom
    Am 26. Januar 2010 um 21:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich frage mich, warum Kuba ausgesperrt ist und China nicht?!?

  16. blau
    Am 26. Januar 2010 um 21:47 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Jetzt gönnt Microsoft doch die zusätzlichen Einnahmen. Das ist Wirtschaftspolitik.

  17. Bellermann
    Am 27. Januar 2010 um 11:08 Uhr veröffentlicht | Permalink

    es wird Zeit diese Truppe auf die Boykottliste zu setzen ;)

    passt gut das ganze zu der weitverbreiteten Politik des vorauseilenden Gehorsams.

    vor allem was soll das Ganze, wer soll damit getroffen werden, die Entwickler aus diesen Ländern oder unerfahrene Internetbenutzer, die ohnehin nie im Leben diese Seite besuchen würden.

    Aber eigentlich ist das Ganze nur absurd, wahrscheinlich ist das Ganze auch nur eine Aktion mit der die völlige Sinnlosigkeit von Boykotts durch idiotische Sperren aufgezeigt werden soll.

  18. Bellermann
    Am 27. Januar 2010 um 11:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

    @ Okular

    “Wie soll sich in diesen Ländern eine intellektuelle Schicht entwickeln, die von innen heraus den Wandel gestalten kann,…”

    Also ich frage mal ganz provokativ – nicht “wie” sondern “warum” – damit es auf Kuba dann bald so aussieht wie Haiti, zu einem noch ärmeren Land wird, als es schon durch die jahrzehntelange Blockadepolitik geworden ist??

    Was nutzt denn die Freiheit der Intellektuellen, wenn sich Elend und Armut immer weiter breit machen sobald diese Freiheit gewährleistet ist?

    Es ist doch alles Quatsch daran zu glauben, dass durch das Sperren von IP Adressen, der Zugriff auch nur im Geringsten beeinträchtigt wäre. Wir es gibt keine nationalen Grenzen im Internet und auch kleine Barrieren stellen kaum Behinderungen dar.

    Wer SF nutzt egal ob als Nutzer, Entwickler oder Maintainer, hat mindestens soviel Hintergrundwissen in der Materie, dass eine solche Sperre ihm nicht einmal ein müdes Lächeln abgewinnen kann.

  19. picodream
    Am 27. Januar 2010 um 14:25 Uhr veröffentlicht | Permalink

    In direkter Konsequenz heißt das für mich, SourceForge (die qualitativ eh nur noch im untersten Mittelfeld bei den OSS-Hostern/Providern spielen) zu boykottieren und alle Maintainer die ihre Projekte noch bei SF hosten dazu aufzurufen diese abzuziehen – am besten mit einem Statement auf der Projektseite.

    Man kann hier natürlich auch einzig der US-Regierung die schuld geben aber ich gehe mal davon aus, dass SF vorauseilenden Gehorsam walten lassen hat.

    Wie auch immer – SF ist für mich damit endgültig zu einem Dienst geworden den man meiden sollte und hoffentlich sehen das auch die Projektmaintainer ein. die dort noch Hosten lassen.

  20. Mark Wolf
    Am 27. Januar 2010 um 15:54 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Der Krieg findet heute nicht mehr mit Soldaten auf dem Schlachtfeld statt, sondern mit Informationen und den Zugang dazu im weltweiten Datennetz.

    Früher nannte man das Imperialismus.

8 Trackbacks

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