offenerhaushalt.de – für einen transparenten Bundeshaushalt

Das Sommerloch ist vorbei: am morgigen Dienstag versammelt sich das Plenum des Bundestages erneut. Einziger Punkt der Tagesordnung ist dann der Bundeshaushalt.

Gleichzeitig startet das Entwicklerteam Tactical Tools mit offenerhaushalt.de ein Informationsangebot für Bürger, Wissenschaftler und Journalisten, welches die Verteilung der Haushaltsmittel des Bundes visuell darstellt. Diese Daten sind zwar – zumindest für das laufende Jahr 2010 - im Netz verfügbar, in ihrer konventionellen Aufbereitung sind sie jedoch vollkommen unverständlich.

Einen ersten Anfang für eine transparente Haushaltspolitik haben wir jetzt mit der Seite offenerhaushalt.de gemacht, die einen Teil der Haushaltsdaten aus den Jahren 2003-2010 aufbereitet und visualisiert. Das ganze ist – vor allem in der Darstellung – noch recht rudimentär und eher als ein Angebot zur Weiterentwicklung denn als ein fertiges Portal zu verstehen.

Offenerhaushalt.de soll nicht nur eine Basis für weitere, komplexere Visualisierung und Analysen bieten, sondern auch eine Art Knotenpunkt für journalisitische und politische Arbeit rund um den Haushalt werden.

So erhält durch die Seite zum ersten Mal jeder Haushaltsposten eine URL. Wir wollen zudem zu jedem Punkt gezielt eine Linksammlung, Pingbacks und in Zukunft auch eine Wikiseite zusammenstellen. Das alles funktioniert natürlich nur dann, wenn auch andere sich für die Seite und das Projekt begeistern. Dazu sollen auf der technischen Ebene neben dem offenen Quellcode auch die Exportfunktion einen Beitrag leisten: so ist jeder Interessierte eingeladen, selbst mit den Informationen zu spielen und eventuell zu eigenenen Resultaten zu gelangen. Auch könneneinfach die Anpassungen vorgenommen werden, die für eine Adaption auf Landes- oder Gemeindehaushalt notwendig wären.

Disclaimer: Ich bin selbst im Team von Tactical Tools. Update: Dieser Artikel ist zu erst im Blog des Open Data Network erschienen. Die Autoren sind Daniel Dietrich und Friedrich Lindenberg.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Deutschland, Freie Software, Offene Standards, opendata und getagged , , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Daniel Dietrich, Netzpolitik.org.

22 Kommentare

  1. KinNeko
    Erstellt am 13. September 2010 um 14:27 | Permanent-Link

    Also generell eine gute Idee. Die mathematischen Daten werden präsentiert und zusätzlich eine visuelle Darstellung. Teilweise sind die Bezeichnung bisschen lang aber durch das MouseOver gut gelöst. Das direkte Anklicken ist auch sehr gut zum Stöbern. Nur dass das zurück ausschliesslich über die Navigation oben bzw Browserzurück geht stört mich persönlich etwas, da nicht jeder so eine Maus besitzt wie ich.

    Ist die ID auf den nicht-index seiten einen Datenbank ID? Das ist so prominente dargestellt dass es etwas anderes suggeriert :D

  2. anonymous
    Erstellt am 13. September 2010 um 14:28 | Permanent-Link

    Ein extrem hilfreiches Portal zum Verständnis des Bundeshaushalts. Ich bin gespannt auf den Kommentarbereich dort, der sich hoffentlich füllen wird.

  3. Floh1111
    Erstellt am 13. September 2010 um 14:46 | Permanent-Link

    Auf so etwas habe ich lange gewartet! Danke!

  4. Phate
    Erstellt am 13. September 2010 um 14:49 | Permanent-Link

    Hallo Daniel!
    Wie kann das ganze denn übernommen werden? MMn währe das ein geniales Projekt für das Land Schleswig-Holstein, da wir hier sowieso gerade sparen müssen, und eine Visualisierung der Rohdaten für den Bürger extrem hilfreich wäre.

  5. Mithos
    Erstellt am 13. September 2010 um 14:52 | Permanent-Link

    Kommen bei den 3% Bildungshaushalt eigentlich noch die Mittel der Länder dazu? Das zusammen würde ich gern mal im Vergleich sehen. Also Gesamt-Ausgaben Staat (Bund+Länder) für Bildung. Dürfte ja auch in anderen Bereichen eine Rolle spielen.

    Und wo ist eigentlich die HRE in diesen Diagrammen? (Die wurde aus dem Haushalt rausgetrickst, richtig?)

  6. Erstellt am 13. September 2010 um 15:00 | Permanent-Link

    @KinNeko Danke für das Lob.

    Die ID enthält recht viel Information und ist das zentrale Ordnungskriterium bei der Sache. Leider ist es oft auch fast das einzige, was wir über einen Posten wissen, d.h. wir müssen jetzt richtig anfangen, zusammen mit Journalisten die Stories zu den Nummern zu sammeln.

  7. Erstellt am 13. September 2010 um 15:01 | Permanent-Link

    @Phate:

    Sollte recht einfach sein, wir brauchen eben die Daten und ein Import-Skript. Ersteres kann man ggf. per IFG ermitteln. Mail mich mal an, friedrich a pudo.org

  8. Erstellt am 13. September 2010 um 15:27 | Permanent-Link

    Daniel, coole Sache. Man muss wie immer bei rohen Zahlen darauf achten dass einem die Visualisierung nicht das Denken abnimmt – auch bunte Flächen wollen interpretiert werden (und “Flächedieses Jahr” != “Flächeletztes Jahr”, etc). Hübsch gemacht! Und alle Flächen verlinken auf die Einzelposten, das ist sehr nützlich. :)

    Ich mag die Formulierung “in ihrer konventionellen Aufbereitung sind sie jedoch vollkommen unverständlich” nicht so recht – das suggeriert dass Euer Höheres Verständnis hinreicht, das Material aufzubereiten und zu durchdringen, nicht aber dass es letztlich auch nur Zahlen sind, die man auflesen kann.

    Die Spalte “Anteil” war eben etwas schwach aussagekräftig – oder beträgt der Anteil am Haushalt für alle Posten tatsächlich 0%? ;-)

    • Erstellt am 13. September 2010 um 17:51 | Permanent-Link

      @Carsten: Sicher! Visualisierungen helfen komplexe Zusammenhänge und Verhältnisse leichter zu verstehen. Sie bergen auch das Risiko der “oberflächlichen Betrachtung”. Die Aufbereitung der Daten und die Visualisierung sind nur der erste Schritt. Jetzt sind Leute gefragt, die diese Daten ergründen und analysieren wollen um so die “Geschichte zu erzählen” die in ihnen steckt.

      Diese Art von Werkzeugen sind immer nur der erste Schritt zur Ermächtigung. Wäre ja schlimm wenn uns unsere Tools das Denken abnehmen würden ;)

  9. Ein Mensch
    Erstellt am 13. September 2010 um 15:39 | Permanent-Link

    Genial. So etwas fordere ich seit 1998, damals noch per schriftlicher Petition (die abgelehnt wurde).

  10. Erstellt am 13. September 2010 um 18:51 | Permanent-Link

    Was bei dieser hervorragenden Übersicht sofort ins Auge sticht, ist die Tatsache, dass der mit Abstand allergrößte Teil der Ausgaben Soziales und Verschuldung sind.

    Mich würde interessieren, wie man da als eher “links” verorteter Mensch, eine Politik gutheißen kann, die Einschnitte im Sozialhaushalt ablehnt und darüber hinaus gerne noch mehr Schulden machen möchte – so wie es z.B. die rot-grüne Minderheitsregierung in NRW vorhat.

    • Ein Mensch
      Erstellt am 13. September 2010 um 19:28 | Permanent-Link

      Wenn man über Jahrzehnte die Prozesse optimiert und Menschen aus den Unternehmen herauswirft, dann kann man sich doch nicht wundern, dass der Sozialhaushalt der grösste Posten ist. Als Folge muss man natürlich aber nicht am Sozialhaushalt sparen, sondern die daran Schuldigen wieder in ihre Verantwortung für die Gesellschaft nehmen.

  11. Name (pflicht)
    Erstellt am 13. September 2010 um 20:25 | Permanent-Link

    @11 Blogfürst: Du bist also für Rentenkürzungen? Viel Spaß dabei, das politisch durchzusetzen.

    @Tactical Tools: Großartiges Projekt. Danke, dass ihr das angestoßen habt.

  12. MacRadge
    Erstellt am 13. September 2010 um 23:02 | Permanent-Link

    Das erschreckendste daran ist, dass sich der Anteil von “Bundesministerium für Arbeit und Soziales” in den nächsten Jahren deutlich vergrößern wird. Stichwort: Alterspyramide und Demographie

  13. SD
    Erstellt am 14. September 2010 um 01:20 | Permanent-Link

    Das ist prima!

    Ich hab bisher immer mit diesem Portal hier gekämpft:
    http://foerderportal.bund.de/foekat/jsp/SucheAction.do?actionMode=searchmask

    Da kann man zwar einiges sehen und es reicht auch für so manche Facepalms, aber man sieht auch nur einen Teil und auch nicht gescheit sortiert. Außerdem kann man die Einzelseiten nicht verlinken. :(

    Da ist eure Seite schon deutlich besser. Ihr solltet nur noch was dagegen tun, dass die Beschriftungen so häufig übereinander liegen.

  14. KinNeko
    Erstellt am 14. September 2010 um 01:39 | Permanent-Link

    Ach die ID stammt von den Daten. Ich dachte das wäre eure interne ID :D Dann verstehe ich auch wie die ID zustande kommt :)

  15. manka
    Erstellt am 14. September 2010 um 06:01 | Permanent-Link

    @Tactical Tools: Wo ist der Flattr Button?

  16. Erstellt am 14. September 2010 um 18:00 | Permanent-Link

    @12:
    Dir ist schon klar, dass die Erwerbstätigen heute in der Minderheit sind. Die Erwerbstätigen – das sind die, die Steuern und Abgaben zahlen – also den ganzen Laden finanzieren.
    Angesichts der überbordenden Staatsquote in Deutschland frage ich mich, wie das funktionieren soll, dass man genau diesen Leuten noch mehr Lasten aufbürdet….#

    @13: Eine Politik, die nur auf Wahlgeschenke aus ist, auf Kosten der kommenden Generation, führt über kurz oder lang in eine Griechenland-Desaster. Ich finde es ehrlich gesagt nicht sehr verantwortungsvoll und konsequent, wenn man einerseits die Umwelt für seine Kinder bewahren möchte, auf der haushaltspolitischen Seite aber verbrannte Erde in Form von Schulden hinterlässt.

  17. Erstellt am 25. September 2010 um 12:54 | Permanent-Link

    Hi, euer Artikel ist 1 zu 1 im OpenDataNetwork Blog erschienen und ebenfalls mit einem FlattrButton versehen.

    http://opendata-network.org/2010/09/offenerhaushalt/

    Was mich wundert es ist gibt keinen Hinweis auf die Autorenschaft von http://www.netzpolitik.org, es steht einfach ein anderer Name da!

    Habt ihr das genehmigt? Ist auf jeden Fall komisch!

    • Erstellt am 25. September 2010 um 13:08 | Permanent-Link

      @Ken DasNetzInDIr: Wir haben hier ja auch öfters Artikel vom OpenDataNetwork Blog 1:1 übernommen, insofern ist das ok. Es gibt ja auch einige Überschneidungen in der Autorenschaft zwischen drüben und hier.

  18. Erstellt am 26. September 2010 um 13:27 | Permanent-Link

    Aha! Na dann!

    Ist bloß für den User/Leser seltsam, wenn bei identischen Artikeln jeweils ein andere Author steht.
    Oder hat da 1 Person 2 Namen unter denen Sie veröffentlicht? :-]

    Vielleicht gibts ja demnächst ne Anmerkung über Ersterscheinung oder so!

    • Erstellt am 26. September 2010 um 13:44 | Permanent-Link

      Hallo @Ken DasNetzInDir

      Klar – Du hast Recht. In diesem Fall war es mein Fehler, hab einfach vergessen das dazu zu schreiben – was ich jetzt nachgeholt habe.

      Daniel

4 Trackbacks

  1. Von Der Ruhrpilot | Ruhrbarone am 14. September 2010 um 08:09

    [...] Haushalt: offenerhaushalt.de – für einen transparenten Bundeshaushalt…Netzpolitik [...]

  2. [...] umfangreiche Aufgabe erhoffen sich die Macher – unter ihnen befindet sich übrigens auch der netzpolitik.org-Blogger Markus Beckedahl – die Hilfe weiterer Interessierter, die “sich für die Seite und das Projekt [...]

  3. Von offener Haushalt - Christians politische Gedanken am 16. September 2010 um 06:37

    [...] so öffentlich abgedruckt wird. Aber noch begeisterter war ich, als ich über die Titelseite auf netzpolitik.org verwiesen wurde, die mich dann auf bund.offenerhaushalt.de verwiesen [...]

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