NRW kippt: JMStV auf der Zielgraden?

Eher weniger erfreuliche Neuigkeiten gibt es heute Morgen aus NRW. Wie Jens Matheuszik im Pottblog schreibt, will die Landesregierung im Parlament wohl für die Ratifizierung des Entwurfs zur Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV-E) werben. Und das, obwohl sich beide Regierungsparteien vor der Wahl gegen das umstrittene Regelwerk ausgesprochen hatten. Danke liebe SPD, danke liebe Grünen, da weiß man, was man hat.

Die Begründung? Klingt ein wenig nach Andy Möller Fredi Bobic (“Man darf jetzt nicht alles so schlecht reden, wie es war”), stammt aber – wie erwartet – von Stadelmaier-Buddy Marc Jan Neumann. Die c’t berichtet:

[Marc Jan; Staatsminister für Medien; Anm. d. Bloggers] Eumann verteidigte die Novelle des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags. Zwar gebe es legitime Kritikpunkte an der verabschiedeten Fassung, es sei aber wichtig gewesen, einen Kompromiss zu finden, wie eine Stellungnahme des Hans-Bredow-Instituts aufgezeigt habe. “Auf dieser Linie wird die Landesregierung für den Staatsvertrag werben”, sagte Eumann. Der Staatsvertrag soll zwar vom nordrhein-westfälischen Landtag ratifiziert werden, die neue Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) habe jedoch ein offenes Ohr für Änderungen. Die könnten allerdings erst zur nächsten Novelle des Staatsvertrags einfließen.

Laut Jens soll der neue JMStV noch im September im Parlament zur Abstimmung gestellt werden. Eine erneute Anhörung (wie z.B. nächsten Monat in Sachsen) sei nicht geplant.

Siehe auch Jugendmedienschutz-Staatsvertrag: Entscheidung an der Ruhr?

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Deutschland, Jugendschutz?, Zensur. Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Jörg-Olaf Schäfers, Netzpolitik.org.

20 Kommentare

  1. Phaidros
    Erstellt am 25. August 2010 um 11:56 | Permanent-Link

    http://www.youtube.com/watch?v=8vFL0QWxugI

    Warum nur wundert es mich nicht, dass nach der Wahl was anderes getan wird als man vor der Wahl versprochen hat.
    Aber solange die Menschen sich das bieten lassen, sind sie selber Schuld.

  2. Zensurgegner
    Erstellt am 25. August 2010 um 12:04 | Permanent-Link

    Von der Verräterpartei war doch nichts anderes zu erwarten. Auf meine Anfrage vom 30.1.2010 an die Abgeordneten des (alten) Landtags kam von der SPD folgende Antwort :

    http://www.hjroy.de/divers/Antwort_NRW_SPD.pdf

    Bezeichnend ist der letzte Absatz :

    “Im Augenblick wird mancher Unsinn über die Novellierung des Jugendmedienschutzstaatsvertrags geschrieben oder ist im Netz zu lesen. Hoffentlich können diese Informationen dazu beitragen, einen Beitrag zu einer sachlichen Diskussion um einen sachgerechten Ausgleich über die Freiheit im Netz und einen effizienten Jugendmedienschutz zu leisten.”

    Das ganze Drama ist bei Jörg Tauss sehr schön dokumentiert :

    http://www.tauss-gezwitscher.de/?p=325

  3. piercyha
    Erstellt am 25. August 2010 um 12:20 | Permanent-Link

    Mitunterzeichner des Zitats von “Zensurgegner” ist u. a. Wolfgang Jörg, kinder- und jugendpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag NRW.
    http://www.wolfgang-joerg.info/

  4. Autolykos
    Erstellt am 25. August 2010 um 12:35 | Permanent-Link

    @1: Demokratie ist, daß alle bekommen was die Masse verdient…

  5. anonym
    Erstellt am 25. August 2010 um 12:38 | Permanent-Link

    @4: Richtig. Weil die NRWler zu dumm zum Wählen waren, bekommen jetzt alle den Staatsvertrag. Das soll aber nicht heißen, daß die Menschen in den anderen Bundesländern nun schlauer sind. Nicht unbedingt…

  6. Maximato
    Erstellt am 25. August 2010 um 13:11 | Permanent-Link

    Das was die SPD gesagt ist bei Licht betrachtet eh nur eine vage Absichtserklärung.

    Die Grünen wiederum können sich einfach davon stehlen. Wenn die SPD mehr oder weniger geschlossen zustimmt (wovon man bei Internet-Themen aufgrund der Ahnungslosigkeit der Abgeordneten ausgehen kann)ist es egal wie sich die Grünen verhalten. Die Stimmen dagegen und profilieren sich dann als die großen Netzaktivisten.

    • Christoph
      Erstellt am 25. August 2010 um 14:22 | Permanent-Link

      @Maximato: Dann einfach trotzdem Aufkündigung des Koalitionsvertrags fordern. Davonstehlen ist nicht.

  7. Erstellt am 25. August 2010 um 13:33 | Permanent-Link

    @Maximato: Letztendlich scheint mir das ein durchaus plausibles Szenario, ja.

    Wobei man beachten sollten, dass es sich bei der “vagen Absichtserklärung” um ein Statement des zuständigen Fachmininisters im Namen der Landesregierung handelt.

    Aber vielleicht hören wir ja auch noch was von den Grünen zum Thema.

  8. Torsten
    Erstellt am 25. August 2010 um 13:55 | Permanent-Link

    Maximato: Die CDU stimmt doch auch dafür, oder?

  9. Iljuschin
    Erstellt am 25. August 2010 um 14:30 | Permanent-Link

    Ich habe alle Hoffnung verloren, das hier bei uns Vernunft waltet. Interessiert auch scheinbar niemanden. Redet heute noch jemand über die flickr-Zensur für User mit DE-Yahoo.ID wegen *aktuellem* deutschem “Jugendschutzgesetz”?

  10. ambee
    Erstellt am 25. August 2010 um 14:48 | Permanent-Link

    der umgekehrte dörmann,
    schöne ausführung,
    in der b-note auch ganz stark,
    top!

  11. Erstellt am 25. August 2010 um 14:55 | Permanent-Link

    Ich verstehe die Aufregung nicht.

    Die SPD verhält sich wie erwartet: sie verrät ihre Wähler.

    Genau wie immer.

    Was habt Ihr denn erwartet?

    Viele Grüsse,
    VB.

  12. _Flin_
    Erstellt am 25. August 2010 um 15:06 | Permanent-Link

    Als ehemals treuer SPD-Wähler und sogar im Umfeld der Partei engagierter kann ich da nur sagen: Wenn das durchkommt, ist die Partei für mich gestorben. Für immer.

    Eine Partei die für nix steht, ein Fähnlein im Wind ist und als einzigen Grundsatz hat, grundsätzlich ihre Grundsätze zu verraten, kann ich nicht wählen. Da geb ich meine Stimme lieber anderen Parteien, und wenn die dann an der 5% Hürde scheitern, können sie mich wenigstens nicht verraten.

  13. Erstellt am 25. August 2010 um 15:17 | Permanent-Link

    @Volker: Was ich erwarte? Vielleicht, dass Netzpolitik irgendwann einmal mehr wird, als bundespolitische Verhandlungsmasse.

  14. Lach
    Erstellt am 25. August 2010 um 15:35 | Permanent-Link

    “Ausgerechnet” die SPD aka die Netzneutralitätspartei. Hurr..

  15. Sven
    Erstellt am 25. August 2010 um 18:35 | Permanent-Link

    Hoffentlich spricht sich das herum, und nie wieder wählt ein Netzbürger die SPD oder die Grünen. Bei der nächsten Wahl sollte man das Thema auf jeden Fall wieder aufwärmen.

  16. Erstellt am 25. August 2010 um 20:09 | Permanent-Link

    Laut Malte Spitz vom Grünen Bundesvorstand wird in der Koalition noch verhandelt. Mal sehen, ob wenigstens die Grünen zu ihrer Opposition zum JMStV stehen und was am Ende da rauskommt. Ich bin leider gerade nicht sehr optimistisch.

  17. Erstellt am 25. August 2010 um 21:22 | Permanent-Link

    @Ralf: Meine Anfrage an den medienpolitischen Sprecher der Grünen in NRW (inkl. CC an seinen Mitarbeiter) blieb bisher unbeantwortet.

  18. Maschinist
    Erstellt am 26. August 2010 um 04:34 | Permanent-Link

    Hat wirklich irgendwer was anderes erwartet?

  19. Zensurgegner
    Erstellt am 26. August 2010 um 08:06 | Permanent-Link

    @Jörg-Olaf Schäfers

    Von den Grünen kann man auch nicht viel erwarten. Herr Keymis hat mir auf meine Anfrage vom 30.1.2010 nach 2 Monaten folgendes geantwortet :

    http://www.hjroy.de/divers/Antwort_NRW_GRUENE.pdf

3 Trackbacks

  1. Von Compyblog am 25. August 2010 um 15:33

    Kindernet kann kommen…

    Wie völlig überraschend: Die Minderheitsregierung in NRW, deren Parteien sich vor der Wahl noch gegen das Kindernet gewandt hatten, wollen den JMStV nun doch abnicken. Wenn sie im Landesparlament noch einen Abgeordneten finden, der Uhren die Mehrheit l…

  2. Von CARTA am 30. August 2010 um 14:51

    Rechtsfragen der Informationsgesellschaft: JMStV, Gema vs. Youtube, Call-in-Shows…

    GEMA vs Youtube: kein Eilrechtsschutz – Neuer Entwurf zum Arbeitnehmer-Datenschutzgesetz – Änderung des Strafgesetzbuchs soll investigativen Journalismus stärken – Zweites Musterverfahren gegen Spickmich – Verjähr…

  3. [...] kommt wohl, wie vor einer Woche vermutet. Die große Revolution bleibt aus. Die Grünen werden für den JMStV keinen Streit in der Koalition [...]

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