NPP095: Peter Sunde über Flattr

Wir hatten heute Peter Sunde von Flattr zu Besuch im Büro und haben einen Netzpolitik-Podcast aufgezeichnet. Im Vorfeld hatten wir über Twitter gefragt, welche Fragen wir noch stellen sollten. Dabei sind eine Menge Fragen eingegangen, die wir im Interview auch genutzt haben. In dem Gespräch geht es nur um Flattr, was die Idee ist, wie die Firma entstand und wie Flattr heute genutzt wird. Die Idee von Flattr entstand schon vor einigen Jahren. Peter Sunde bastelte bereits um 2005 ein System, was im vergangenen Jahr als Basis von flattr.com genutzt wurde, aber letztendlich wurde das System in den vergangenen Monaten vollkommen neu programmiert.

Im Moment gibt es rund 25.000 Nutzer in der Closed-beta. Eine offene Beta-Version war ursprünglich für Juni geplant, aber Peter sieht jetzt realistisch eher “Ende des Sommers” an. Die meisten Nutzer kommen aus Deutschland. Warum das so ist, kann man im Moment nur spekulieren, was wir dann auch tun. Sicherlich spielt es eine Rolle, dass viele bekannte Blogs früh eingestiegen sind und ersten Zeitungen wie freitag.de und taz.de selbstständig ohne Rückfrage bei Flattr den Dienst einsetzen.

In dem Gespräch unterhalten wir uns auch darüber, welche Daten Flattr erhebt und speichert (Nicht viele), wie die oft vorgebrachten Datenschutz-Bedenken bei der Weiterentwicklung berücksichtigt werden und was mit unseren Daten passiert, wenn Flattr mal weiterverkauft wird. Und welche Payment-Systeme noch geplant sind. Banküberweisungen sind zumindest eingeplant. Den Grund für 10% Transaktionskosten bei einer Flattr-Nutzung erklärt Peter auch: Das sei vor allem psychologischen Gründen geschuldet. Von 10% könnte man einfacher runtergehen als mit wenig zu starten und die Kosten später erhöhen zu müssen. Eine Herabsetzung sei geplant, ein konkretes Datum wollte Peter aber leider nicht nennen. Übrigens scheint das gerne vorgebrachte Vorurteil nicht zu stimmen, dass bei Flattr nur Blogger untereinander Geld herschieben. 60% der Flattr-Nutzer, die Geld eingezahlt haben und somit aktiv sind, nutzen Flattr nicht, um Geld zu erhalten, sondern geben nur.

Interessante News: Die Hälfte der Ausgaben bei Flattr wurden bisher in Rechtsanwälte gesteckt, um die unterschiedlichen Rechtssysteme berücksichtigen. Im Moment beschäftigt Flattr sechs Vollzeit-Kräfte in Malmö (Schweden), dort würde man auch sofort weitere zehn PHP-Programmierer einstellen.

Dies und noch viel mehr gibt es in 45 Minuten Netzpolitik-Podcast Folge 095 und das Gespräch liegt als MP3 und OGG auf dem Server.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Digitalkultur, Netzpolitik-Podcast und getagged , , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Kommentieren oder ein Trackback hinterlassen: Trackback-URL. Dieser Beitrag steht unter der Lizenz CC BY-NC-SA: Markus Beckedahl, Netzpolitik.org.

6 Kommentare

  1. Erstellt am 30. Juli 2010 um 15:35 | Permanent-Link

    Hihi – 20€

    Durchaus ein paar neue Informationen und Perspektiven zu Flattr durchgekommen.
    Hätte nicht gedacht das das Team so klein ist.
    Mein persönliches Steckenpferd – das anonyme Bezahlen – wurde erfreulicherweise auch angesprochen.
    Die Problematik um Rechtliche Probleme vor allem durch Missbrauch der Anonymität und eine “Störerhaftung” des Vermittlers in diesem Fall Flattr war mir schon ungefähr klar.

    Das Flattr 50% für Rechtsberatung ausgibt ist eine Schattenseite unserer Zeit, aber macht mir Hoffnung das Flattr die mit Sicherheit kommenden Attacken überstehen wird.

    Werde das Projekt weiter wohlwollend verfolgen :D

    Auch danke für die Mühe und die Zeit des hier verantwortlichen Bloggers ;)

  2. Erstellt am 30. Juli 2010 um 15:58 | Permanent-Link

    Jetzt müssen wir uns schon in einem deutschen Artikel ein Interview auf Englisch anhören…
    In der Schule würde man als “fächerübergreifenden Unterricht” bezeichnen.
    Nennen wir es hier: Blogging. Da kommt einfach alles zusammen.
    Und herzlichen Dank für das Interview :)

    PS: oh mein Gott, das war wirklich ein schlechter Kommentar ^^

  3. karl
    Erstellt am 31. Juli 2010 um 19:53 | Permanent-Link

    Cool, PHP! Da können sich die Java-/Ruby-/Python-Fanatiker mal ein Scheibchen davon abschneiden :)

  4. Erstellt am 2. August 2010 um 11:45 | Permanent-Link

    Leider fehlt mir bei flattr etwas ganz Wichtiges: Crypto und Security, denn sonst geht imho von solchen Systemen eine sehr große Gefahr aus. Wie es mit Crypto ginge ist z.B. in Kapitel 6 von Pfitzmanns Skript beschrieben.

  5. Dirk
    Erstellt am 2. August 2010 um 13:02 | Permanent-Link

    Ich fand vor allem die Aussage, dass mehr als 60% der User selber nicht veröffentlichen, sehr interessant. Bisher herrscht ja bei vielen die Meinung vor, dass da nur Leute dran teilnehmen, die sich auch selber Gewinn versprechen.
    Als jemand, der selber keinen Blog betreibt und auch sonst nichts veröffentlicht aber trotzdem an flattr teilnimmt, habe ich mich die ganze Zeit schon gewundert, ob ich wirklich eine so andere Wahrnehmung habe – aber ich sehe mich hier bestätigt, dass flattr eben nicht nur von den Inhaltelieferanten genutzt wird.

  6. ralfk
    Erstellt am 4. September 2010 um 01:55 | Permanent-Link

19 Trackbacks

  1. [...] Der Social Micro-Payment-Dienst Flattr ist im Moment ein viel diskutiertes Thema in der deutschsprachigen Blogosphäre. Die Idee dahinter ist, dass man monatlich Geld zur Verfügung hat, um dieses an Inhalte im Netz zu verteilen, die Flattr einsetzen. Den ersten Durchbruch schaffte der Dienst durch unsere re:publica’10, wo der Gründer Peter Sunde den Dienst und seine Vision präsentierte. Seitdem wächst Flattr und im Moment unterstützen ihn viele der erfolgreichsten Blogs im deutschsprachigen Raum. Auf netzpolitik.org setzen wir Flattr seit Ende Mai ein und konnten im Juni schon 582 Euro einnehmen. Das war mehr als wir uns erwartet haben – zumal Flattr immer noch in einer Closed-Beta-Phase ist und nicht jeder einen Account eröffnen kann. Schätzungsweise die Hälfte der bisher 25.000 angemeldeten Nutzer kommt aus Deutschland, wie Peter Sunde heute in unserem Netzpolitik-Podcast verriert, als er zu Besuch in unserem Büro war. Das 45 Minuten lange Gespräch über neue Bezahlmöglichkeiten im Netz und die Idee hinter Micro-Social-Payment-Systemen kann man sich als MP3 oder OGG herunterladen oder bei netzpolitik.org direkt anhören. [...]

  2. [...] Wolfgang Schäuble irgendwas was über das Internet und das eine Zitat verlinken alle. Aber wie Flattr-Gründer Peter Sunde im Netzpolitik-Podcast dazu über Finanzierung von Inhalten sagte: “In the end stupid stuff funds good stuff.” [...]

  3. Von Lesenswerte Artikel 2. August 2010 am 2. August 2010 um 13:18

    [...] NPP095: Peter Sunde über Flattr "60% der Flattr-Nutzer, die Geld eingezahlt haben und somit aktiv sind, nutzen Flattr nicht, um Geld zu erhalten, sondern geben nur." [...]

  4. [...] aktuelles Interview mit Peter Sunde von Flattr gibt es bei netzpolitk.org. Dieser Text ist mir was wert: var flattr_wp_ver = '0.9.11'; var flattr_uid = '11304'; var [...]

  5. [...] Peter Sunde im gespräch über Flattr bei netzpolitik.org – netzpolitik.org [...]

  6. [...] Markus Beckedahl’s interview with Peter Sunde brought up some interesting insights into the system of flattr.com and the idea behind it. So if you’re interested in flattr.com you should listen the podcast on netzpolitik.org. [...]

  7. Von Wikileaks mit Flattr Button - Blokster am 2. August 2010 um 21:15

    [...] ausreichen. Fortan will Wilkileaks auf Flattr bauen, dass mitunter von dem Torrent Bay Gründer Peter Sunde, kürzlich ins Leben gerufen worden ist und bereits auf einigen Nachrichten-Webseiten und Blogs [...]

  8. Von Schafft Flattr die Quadratur des Kreises? am 2. August 2010 um 21:37

    [...] Flattr eigentlich für die deutsche Blogosphäre bedeutet, sollte sich diesen Satz aus dem Netzpolitik-Interview mit Peter Sunde genau anschauen: “It’s a flatrate concept – you know how much money you are going [...]

  9. Von Flattr’d | three.letter.acronym am 7. August 2010 um 00:11

    [...] August 7, 2010  |  Posted by tla   Nachdem in endlich dazu gekommen bin den Netzpolitik-Podcast mit Peter Sunde über Flattr zu hören, habe ich mir kurzerhand selbst bei Flattr einen Account [...]

  10. Von Flattr bei MacMacken | MacMacken am 8. August 2010 um 22:25

    [...] Podcast-Tipp: Flattr-Gründer Peter Sunde im Interview bei «netzpolitik.org. [...]

  11. Von Flattr Beta « Eingemacht am 10. August 2010 um 10:04

    [...] Kurzer Hinweis auf ein schönes Interview mit einem der Gründer von flattr (Peter Sunde) bei netzpolitik.org. Im Interview sagt Peter Sunde das Ende der flattr-Beta auf [...]

  12. Von Anonymous am 12. August 2010 um 20:07

    flattr-eritis…

      flattr für Blogs, da lässt sich drüber streiten, käme auf den Blog an, natürlich. Aber flattr für Zeitungen zu nutzen, die auf dem konventionellen Markt nicht mehr allzu viel verdienen (TAZ (http://www.taz.de/)) oder die da noch nie etwas verdient ha…

  13. Von Flattr: Alles ist möglich » netzwertig.com am 13. August 2010 um 09:01

    [...] Juli bezifferte Peter Sunde im Interview mit netzpolitik.org die Anzahl der Mitglieder auf 25.000 – und das trotz Invite-Only-Status. Besonders [...]

  14. Von flattr offen - Aponaut am 13. August 2010 um 11:08

    [...] August 2010 um 10:55 – Toxo Flattr nun für alle, ohne die bisher notwendigen Einladungscodes. informieren, registrieren, flattrn ! Veröffentlicht von Toxo am Freitag, 13. August 2010 um 10:55. Like [...]

  15. [...] Pool möglich. Klein definiert sich hier allerdings vielmehr als “relativ”. Laut einem Netzpolitik Interview mit Flattr Gründer Peter Sunde, dem Mitbegründer der allseits bekannten Torrent Site The Pirate [...]

  16. Von Aerar » Acht Thesen über flattr am 27. August 2010 um 16:58

    [...] Mit etwa 25.000 Nutzern war die Verbreitung von flattr Ende Juli nicht sonderlich hoch. Neuere Zahlen habe ich derzeit leider nicht. Dem möglichen Nutzerzuwachs aus der Öffnung aus der Beta-Phase stehen bald die ersten Abgänge der “early adopter” entgegen. Zudem scheint flattr sich zum großen Teil auf den deutschsprachigen Raum zu beschränken, wo es von der Promotion durch einige “big player” wesentlich profitiert hat. [...]

  17. [...] Wissens im Web 2.0 fördern? Wie wäre es mit Geld? Mit einem freiwilligen Bezahlsystem á là Flattr oder Kachingle? Leser können damit Autoren von Artikeln unter CC-Lizenz, aber auch ganze [...]

  18. Von Steffen Zörnig am 16. Oktober 2010 um 08:20

    Flattr – Großer Hype ums kleine Geld im Internet….

    Micropayment ist eines der ungelösten Probleme des Internets und ebenso fragen sich viele kleinere Webseiten, wie sie auch ohne Werbung zumindest einen kleine Teil ihrer Ausgaben wieder einnehmen können. Der Internetdienst Flattr nimmt sich dieser Prob…

  19. Von Neue Features bei flattr : netzpolitik.org am 6. Januar 2011 um 15:48

    [...] zum Aufladen entstehen, und dann noch einmal 10% von flattr einbehalten werden. Wann diese 10%, wie von Peter im Podcast mit Netzpolitik angekündigt gesenkt werden, steht noch nicht [...]

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